Nach der Weinlese (Poem)

This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.
The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Nun stehn die kleinen Pforten alle offen,
Die talwärts zu den Rebenhängen führen! 
Kein Wächter eilt, sie nächtens zu verschließen. 
Der Wächter Amt ist aus. Sie schwelgen wohl 
Im jungen Wein bereits und reden trunken ... 
Die Reben aber, ihres Schmucks beraubt, 
Der Schwere und der Süße ihrer Trauben, 
Entsenden Blatt für Blatt zur Erde wieder
Und kräuseln müde ihre dürren Ranken. 
Wie Frauen, deren Haare alternd bleichen, 
Die niemand mehr sich Mühe gibt zu hüten,
Weil keine Süßigkeit gefährdet ist 
Und keiner Frucht mehr Räuber schändend nahen, 
So liegen sie an den verlaßnen Straßen 
Im Moderkranz der fahlen Lauben da, 
Und selbst die kleinen Wasser wandern träger
Dem großen Strom der breiten Tale zu.

Bibliographic Information
Editor
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date
1991
Publication Place
Frankfurt am Main