Zwei Bäume (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Zwei Bäume hab' ich einst im Wald gesehn, 
Die wollten sich einander nahe stehn. 
Sie schau'n sich an voll Sehnsucht, möchten gern 
Sich fest umschlingen; doch sie stehn zu fern, 
Denn andrer Grund ist Jedem angewiesen, 
Darin des Lebens starke Wurzeln sprießen. 
So neigt sich Jeder still zum Andern hin, 
Der Eine scheint den Andern anzuzieh'n, 
Bis es zuletzt gelingt den schlanken Zweigen, 
Sich in den Kronen liebend zu erreichen. 
Wie sie die Aeste in einander flechten, 
Sind sie beschirmt von liebevollen Mächten; 
In blauen Lüften, wo die Wolken jagen,
Da dürfen sie sich ihre Sehnsucht klagen. 
Sie dürfen Blüth' um Blüthe selig tauschen,
An ihren Düften wonnig sich berauschen. 
Sie stehn, vom Licht des Abendroths umglüht, 
Gleich wie von tausend Rosen überblüht; 
Verklärend weben aus der Himmelsferne
Ihr heilig Licht darum die ew'gen Sterne.

So möcht' ich mich mit dir zur Höhe schwingen, 
Mit tausend Liebesarmen dich umschlingen, 
Mit meines Herzens innigsten Gedanken 
Dich unauflöslich fassen und umranken.
So möcht' ich deinem höchsten Leben lauschen, 
So möcht' ich Seel' um Seele mit dir tauschen, 
Hoch über'm düstern Nebelreich der Erden,
Im Himmelblau mit dir vereinigt werden,
Wo keines Menschen Augen auf uns sehn, 
Wo nur die Sterne auf und niedergehn.

Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main