Weiteres von den zwei-, vier- und sechsbeinigen Bewohnern unseres Missionshügels

Printer-friendly versionPrinter-friendly versionPDF versionPDF version

This transcription was prepared for the Sophie website by
Cindy Brewer’s German 201 class during
Fall Semester 2006 at Brigham Young University.
Student contributors were:
Kimberly Allred, Ryan Clark, Alicia Cutler, Sara Forsyth, Hans Gaul, Tyler Hills, Brenna Jackson, Chante King, Kristen McGregor, Phillip McKinney, Taylor Merkley, Julia Moore, Mary Ann Olsen, Emma Owens, Trevan Reeves, Savanna Sessions, Katherine Smith, and Emily Velardi.

 

[1]

Weiteres von den
zwei-, vier- und sechsbeinigen Bewohnern
Unseres Missionshügels.
 
Von Sophie Spieß
 
Missionsbibliothek
Zürich
 
Basel
Verlag der Basler Missionsbuchhandlung

[2]
 
[3]        Wir haben im ersten Büchlein schon einige der Bewohner des Peki-Missionshügels kennen gelernt, aber ganz herumgekommen sind wir dabei nicht. Nun soll es weiter gehen, wobei wir uns zuerst in Hof und Garten des Missionshauses umsehen wollen. Ja, da sieht’s wieder schlimm aus. Die Termiten, unsere bösen Sechs-beiner, haben aus meinen Bohnenstangen das Mark herausgefressen, und nun hat der Wind die haltlosen alle umgeweht. Da muß ich mir schnell ein paar der eben weggehenden Schüler zurückbehalten, daß sie mir Ersatz für die Stangen schaffen. Um ein paar Abzugsbildchen sind sie zu jeder Arbeit für mich bereit.
            Aber wie sehen denn die Eukalyptusbäumchen aus, die unser Vorgänger so mühsam aus kalifornischem Samen gezogen hat? Beim einen schrumpfen die Blätter zusammen, ein anderes steht fast ganz schief da, und dort oben liegt gar eines quer über dem Weg. Ich hebe es auf, und siehe da, wieder haben die bösen Zerstörer, die Termiten, ihr Ziel erreicht. Die Wurzeln sind radibutz weggefressen, so daß die schönen Bäumchen mit ihren nach ätherischem Oel so kräftig duftenden Blättern elend zugrunde gehen mußten. Ja, diese Termiten! Nichts ist vor ihnen sicher. Im Keller fressen sie einem die Strohhülsen der Selterswasserflaschen weg, ja selbst
 
[4] bis durch Korke kommen sie, trotz der Bleikapseln darüber. Die Kistenböden werden durchgefressen, und wenn man einmal schnell eine Kiste aufheben will, da fällt, plumps, der ganze Inhalt unten raus. Gelehrt und musikalisch scheinen sie auch zu sein, da sie sich gerne Bücher und das Innere der Harmoniums einverleiben. Es ist ein fortwährender Kampf gegen dieses Ungeziefer.
            Einer unserer Lehrer, der von Peki weggezogen war, hatte seine Kleider und andere Sachen bei Verwandten zurückgelassen. Als er nun bei einem Besuch in seiner Heimat einmal predigen sollte und seinen schwarzen Kirchenrock aus der gut verschlossenen Kiste herausholen wollte, da fand er nur noch ein Häufchen schwarzen Krümel vor. Beim Tieferhineinfassen fiel alles in sich zusammen und darunter wimmelte es nur so von kleinen farblosen Tierchen. Das einzige Mittel dagegen sind
 
[5] Steinbauten, mit Zement ausgestrichen und Betonböden, die sich die wenigsten Eingeborenen leisten können.
            Auch unsere vierbeinigen Feinde, die Ziegen und Schafe der schwarzen Stationsbewohner, sind wieder tüchtig an der Arbeit gewesen. Der Zaun von Palmblättern, der unsere große Schulplantage umgibt, ist den Ziegen ein leckeres Futter, und wenn sie sich da durchgefressen haben, wie die Kinder im Märchen vom Schlaraffenland durch den Kuchenberg, dann warten ihrer köstlich zarte Maispflanzen. Um derentwillen läßt man sich schon einige Steinwürfe gefallen. Wohl ist eine Geldstrafe darauf gesetzt, wenn die Leute ihre Haustiere herrenlos herumlaufen lassen, aber wer kümmert sich darum. Immer und immer wieder muß man sie einfangen lassen. Den Schülern ist das natürlich ein Hauptspaß, zumal auch das Strafgeld unter sie verteilt wird. Wir aber müssen sie einsperren lassen, die Nächte durch ihr Geplärr anhören und für Futter und Wasser sorgen. Meist eilt es den Eigentümern nicht sehr, die eingefangenen Tiere abzuholen. Entweder dachten sie, wir würden den Spektakel schon satt kriegen und das Gefängnis öffnen oder die Missetäter fänden selbst Gelegenheit, zu entwischen. Ja, die Biester wollten oft gar nicht mit hinaus in die goldene Freiheit, wenn sie nach erlegtem Sühnegeld abgeholt werden sollten. Was mußten wir oft lachen, wenn die Leute mit dem widerspenstigen Tier, es an den Vorderbeinen anfassend und so vor sich herführend, wie mit einem unartigen Kinde abzogen. Die Geschädigten mußten selbst über das komische Bild mitlachen; so gab es darum keine Feindschaft zwischen uns und unseren schwarzen Nachbarn.
            Am nächsten Tage konnte man das Haus nicht verlassen. Ein heftiger Gewittersturm war dahergebraust
 
[6] der die Blätter vor sich hertrieb und die Bäume zu den gewagtesten Verbeugungen zwang. Wehe denjenigen, die ihm nicht zu Willen waren. Mit hartem Griffe brach der Wirbelwind sie entzwei oder entriß sie samt den Wurzeln dem schützenden Erdreich. Im Gefolge fegte ein Regen daher von solcher Gewalt, daß unser Stationsweg in einen reißenden Gießbach verwandelt wurde. In früheren Zeiten stockte an solchen Tagen fast jeglicher Verkehr auf dem Stationshügel, und der Lehrer saß mit nur wenigen Getreuen trübselig in seinem feuchten Schulzimmer.
Seitdem aber niemand mehr in die nächste Klasse versetzt werden durfte, der nicht wenigstens 150 ganze oder 300 halbe Tage, d. h. morgens und mittags, im Laufe des Jahres die Schule besucht hatte, brachte auch der heftigste Regen keinen schulfreien Tag mehr. Schön war’s sicher nicht, in dem klatschnassen dünnen Zeug frierend in der Schule zu sitzen, aber Schirme gab’s wenige, und dir Bananenblätter, die einen guten Regenschutz abgeben, wuchsen auch nicht hinter jeder Hütte. Zum Glück brauchte niemand über kalte Füβe infolge nassen Schuhzeugs klagen, denn die schwarzen “Rappen”, auf denen die Kinder zur Schule ritten, auch “Bubenfüβe” genannt, waren wasserdicht und hielten unabgenutzt durchs ganze Leben.
            Gegen Abend schaute die liebe Sonne noch eben geschwind durch die Wolken, und ihre Strahlen erzeugten einen herrlichen Regenbogen, der sich von Berg zu Berg über das Pekital und all die regennassen Felder und Wälder spannte. Wie eine Verheiβung unsers Gottes, der nicht nur in schönen, friedlichen Tagen, sondern noch viel mehr im Sturm und Ungewitter des Lebens seine Hand
 
[7] über uns hält, erschien uns dieser letzte Sonnengruβin seiner vielfarbigen Schönheit.
            Gerade unterhalb unseres Hauses wohnten Ludwig und Maria mit ihren Kindern. Diesen galt unser nächster Ausgang. Aber kann man es denn Wohnen nennen, wenn eine Familie in einer zerfallenen Hütte mit heruntergebrochenem Strohdache haust? Als das Europäerhaus gebaut wurde, machte man mit den zu dicht dabei wohnenden Leuten aus, dass sie wegziehen sollten; sobald ihre Hütten zu schadhaft für ihr Unterkommen geworden seien. Spätestens nach zwei Jahren sollte der Platz geräumt sein. Zum Bauen der neuen Hütten wurde ihnen ein schöner Platz angewiesen, auch etwas Geld als Entschädigung bezahlt. Die alten Strohdächer sollten unterdessen nicht mehr geflickt werden. Aber siehe da, oft wenn wir nach einer Regennacht den Stationshügel überblickten, leuchtete uns da und dort ein geschwind hineingeschobener heller Grasstreifen auf den Dächern entgegen. Willig hatten die Leute wohl die neuen Hütten angefangen, aber noch standen nur die nackten Mauern
 
[8] da. In den alten Ruinen lebte es sich doch noch gut genug, ein trockenes Plätzchen fand sich immer noch. „Kommt Zeit, kommt Rat,” dachte auch Ludwig, - „und dann sind die Missionare ja Fridedensboten, die dürfen nur sanft mit uns umgehen.”
            Hinauswerfen wird uns schon niemand. Aber das Unerwartete geschah schlieβlich doch. Eines Morgens, nachdem das immer wieder verlängerte Ultimatum, d. h. die gestellte Frist, abgelaufen war, trat die „Schipperkompagnie“ der Schüler an, um die Ruinen vollends niederzureißen, und Herr Ludwig samt Frau Maria mußten eiligst mit dem Rest ihrer habe zu Verwandten entfliehen. Die anderen Leute waren längst weggezogen. Im übrigen waren die Beiden rechtschaffene, fleißige Leute, die auch ihre Kinder fleißig zum Schulbesuch anhielten. Doch war es eine große Wohltat für uns, als dieses Gehöft dem Erdboden gleich gemacht war, denn es ging von seinen zwei- und vier-beinigen Bewohnern eine große Unruhe aus.
            Maria hatte eine keifende, laute Stimme, so daß wir alles, was sie im Laufe des Tages an Mann, Kindern, Schafen und Hühnern auszusetzen hatte, mit anhören mußten.
Der erste Ton, der des Morgens zu uns heraufdrang, war ihr: „ao, ao”, wenn sie sich über etwas aufregte, und ihr Abendgesang lautete in denselben Tönen. Freilich hatte die gute Frau allerlei Grund zum Aergern, da besonders ihr Daniel ein arger Strick war. Entweder ließ er die Schafe durchgehen oder zog sie am Schwanz herum, dann jagte er die Hühner vom Eierlegen weg, versteckte seinen Geschwistern die Bücher, wenn sie zur Schule wollten, oder trieb sonst Unsinn. Einmal beobachtete ich ihn, wie er auf einer Ziege Reitversuche machte, wobei er allerdings den Kürzeren zog. Oft Steckte er nasses Holz oder Hühnerfedern ins Feuer, das in der
 
[9] Kochstelle mitten im Hofe brannte. Zu uns herauf drang dann natürlich ein beißender Rauch oder der häßliche Geruch verbrennender Federn. Auch in der Rinderschule trieb er nur Schabernack. Sein Bruder Simon dagegen war ein freundliches Bürschlein und gerade dem mußte einmal ein großes Mißgeschick passieren.
Eines Tages kam ein Regierungsarzt, um die Pekischüler wegen Schlafkrankheit zu untersuchen. Wilde Gerüchte waren seinem Besuch vorausgegangen. Es hieß sogar, er schnitte den Leuten den Leib auf. Als er nun auch in meiner Kinderschule erschien, hatte ich nur zu tun, um die sich wie eine Schar aufgescheuchter Schläflein um mich drängenden kleinen einigermaßen zu beruhigen. Schließlich hatten wir sie so weit, daß sie sich an der Wand aufstellten und eins ums andre vortrat. Zuerst tastete der Arzt die Halsdrüfen ab. Als er nun aber gar nach dem dicken Bäuchlein des vor ihm Stehenden griff, um die Milz wegen Malariavergrößerung zu befühlen,
 
[10] da brach der Sturm los. Jetzt kam das Leibaufschneiden dran. Simon, etwas größer als die anderen, stand zunächst der Wand. Er hatte schon längst geweint und gejammert, nun aber rebellierte der erregte Magen. Mit einem stöhenden Laut ergoß er seinem ganzen Vorrat an Wasser und Frühstück, den er eben vorher eingenommen hatte, über die vor ihm stehenden.Diese Entrüstung! Fast kam’s zu Tätlichkeiten der Betroffenen. Besonders Ali, der schmutzigste von allen, war gleich zu einem Boxkampf bereit. Doch mit einem Eimer Wasser und einem alten Zeugfetzen war das Unheil bald wieder behoben und die gestörte ärztliche Untersuchung konnte weiter gehen.
Simon wollte nachher aber durchaus nicht mehr zur Schule kommen. Und es bedurfte meiner ganzen Ueberredungskunst, soweit ich diese im Pekidialekt anwenden konnte, um ihn umzustimmen.Augustine, das einzige Töchterlein, litt an fortwährenden Drüsenentzündungen und hatte durch verkehrte Eingriffe afrikanischer Heilkundiger eine ganz schiefe Gesichtshälfte bekommen. Sie schleppte meist ihr kleines Bäschen herum, ein ganz elendes Würmchen, das mit zwei Jahren noch nicht einmal stehen konnte. – Die vielen Schafe, die mit der Familie zusammen hausten, hatten die störende Angewohnheit, sich gerade zu der Zeit hungrig zu fühlen, wenn wir des Mittags während der größten Hitze etwas ausruhen wollten. Da waren aber alle Bewohner fort, entweder auf dem Feld oder zum Wasserholen. So blökten denn die Tiere fort und fort, bis sie endlich merkten, daß es umsonst war. Weil der Mensch sich aber auch an Unannehmlichkeiten gewöhnen kann, so fehlte uns ordentlich etwas, als der erste stille Tag kam.
            Maria, die Hausfrau, wurde vor unserer Abreise
 
[11] nach schwerer Krankheit heimgerufen in die obere, himmlische Heimat, wo sie nun mit seliger, reiner Stimme ihren Herrn und Heiland loben darf.
            Wir aber wollen immer mehr lernen, die Schwächen und Fehler unserer Mitmenschen zu tragen; gibt es für sie doch auch bei uns genug auszusetzen. „Einer trage des andern Last“ sei unser Leitwort im Kampf des Lebens.
            Weiter ging’s zur Anna, die obgleich ihr verstorbener Mann des Königs Bruder war, nun doch als arme Witme das Brot, oder, da vielmehr in Peki das tägliche Brot aus Pfeffersuppe mit Yams oder Kassadaklößen besteht, ihres Lebens Unterhalt sauer im Taglohn verdienen mußte.
            Ihr ältester Junge litt an Kniegelenksentzündung und mußte in der Hütte herumliegen. Caroline und Johanna, erstere mit ihrem jüngsten
 
[12] Bruder Johannes, dem „Kinderschulbaby“ auf dem Rücken, besuchten die Kinderschule. Letzterer hatte seinen Namen daher, dass er von seinen ersten wochen an mit zur Kinderschule kam. Die Mutter konnte ihn sich beim Steinetragen nicht gut aufbinden. Da sie sich dabei doch viel bücken musste. So durchlies und durchschrie er seine ersten Lebensjahre im Kindergarten. Nun müssen wir aber bald Schluss machen.
            Eben werfen wir noch schnell einen Blick über Salomes Bambuszaun. Sie sitzt vor ihrer Feuerstelle und ist dabei beschäftigt, aus einem Topf voll heißem, grünem Kräuterabsud den eingetauchten Lappen auf ihrer Beinwunde immer wieder von neuem aufzudrücken. Neben ihr liegt ein langer Stock, mit dem sie den naseweisen Schafen, die an ihren Kassadawurzeln nagen wollen, ab und zu eins auf die Schnauze gibt. Dabei kann sie nicht verhindern, dass die Hühner aus dem neben ihr stehenden Breitopfe sich ordentliche Brocken herauspicken. Salome hat keine Kinder. Nur eine kleine Verwandte, die etwa achtjährige Margarete, hilft ihr ein wenig, weil sie selbst sich ja kaum vom Platz bewegen kann.
            Und nun noch zum schönsten und größten Gehöft unseres Stationshügels. Die anderen müssen wir unbesucht lassen. Dies gehört dem Maurer Isaak. Er war lange krank und ist jetzt daran, seine Schulden wieder abzuverdienen. Monate brachte er bei einem afrikanischen Heilkünstler zu, der ihn ordentlich schröpfte, das heißt, viel Geld von ihm verlangte. Sei es, daß Isaaks Natur schließlich die Krankheit von selbst überwand, sei es, daß der Eingeborene doch sein Handwerk verstand, schließlich konnte er als geheilt nach Hause zurückkehren. Als ich ihn fragte, warum er denn nicht zum Basler Missionsarzt gegangen sei, der doch in der Nähe wohne und schon
 
[13] so vielen geholfen habe, meinte er: “Ja, Aweno, die Mission-Atikewolawo” (Missionsärtze, Missionsarzneimacher) sind schon recht und wissen viel, aber bei uns sind doch manche Krankheiten, die sie nicht kennen und die nur die Unsrigen zu behandeln verstehen. Teuer genug haben die allerdings die kur zu machen verstanden. Das ist wahr. Isaaks Sohn, der brave Set, hatte von mir die Aufgabe bekommen, alle aus unserem Hühnerhof entweichenden bewohner wieder einzufangen. Dem Geflügel gefiel’s in den Hütten, wo immer etwas Essen herumstand oder herumlag, viel besser als in ihrem schönen, von Orangenblütenduft durchzogenen Hühnerhof. Da Isaak zunächst dem Hofe wohnte, verzogen sie
 
[14] sich meist dorthin, von wo sie mir dann wieder prompt abgeliefert wurden.
            Mit meinen Hühnern machte ich überhaupt schlechte Erfahrungen. Eins hatte sein Nest gerade über einem Schlangenloch, und als es das erste Ei hineinlegen wollte, streckte die Schlange ihren Kopf aus ihrem Versteck und biβ die arme Henne tot. Ein andermal hatten meine Hauskinder den Hühnerstall nicht recht geschlossen. Am andern Morgen wankte mein schöner bunter Hahn mühsam heraus, um sich unter blüttenübersätem Kafeebaum zum Sterben auszustrecken. Als ich nun gar noch eine Henne auf ihren acht Küchlein tot sitzen sah, da verlor ich alle Freudigkeit an der Hühnerzucht, und der schöne, grosse Hof bleib von da ab leer und unbenützt.
            Noch habe ich nichts von unseren Lehrerbesuchen erzählt. Aber da es dort mehr europäisch und geordnet aussah, gibt’s nicht viel darüber zu berichten. Nur zum Katechisten Anku wollen wir eben hineingehen, schon um seines Töchterchens Florence willen, das mir so viel Mühe machte. Sie hatte sich angewöhnt, jeden Morgen ihrem Vater einen Besuch in seiner Schulklasse zu machen. Da dies aber nicht anging, sollte sie zur Kinderschule, wogegen sie sich mit aller Macht sträubte. Wochenlang mußte sie herbeigeschleppt und während der Schulstunden auf den Rücken der Lehrerin zur Beruhigung gebunden werden, bis sie endlich freiwillig kam und sich auf die Bank setzte. Aber ihren Mund tat sie trotz aller Bemühungen noch nicht auf, bis die Mangozeit kam. Da hatte ich sie einigemale herbringen lassen und hatte ihre Händchen und ihr Kleidchen mit den köstlichen Früchten gefüllt. Nun waren Trotz und Scheu überwunden, und ich bekam doch wenigstens ein Patschhändchen und einen
 
[15] Gruß von ihr, wenn sie in die Kinderschule kam. Ihr Vater, Aron Anku, war unser Prediger, ein lieber Mann. Er verstand es, den Leuten das Evangelium klar auszulegen und ihnen das Wort Gottes lieb und wert zu machen. Durch packende Beispiele aus dem Leben fesselte er ihre Aufmerksamkeit und hielt sie vom Schlafen, das bei der schwülen Luft in der engen Kapelle sich gar leicht einstellte, ab. In seinem Haus heilt er auf Ordnung und Sauberkeit, wobei ihm seine wackere Frau redlich beistand.
            Jetzt ist unser Rundgang beendigt. Wir haben eine Anzahl Heidenchristen kennen gelernt in ihrem Leben und Arbeiten, ihrem Denken und Handeln. Nun möchte ich euch, ihr lieben Leser, bitten, in eurem Gebete auch
 
[16] dieser kleinen Christenschar im fernen Afrika zu gedenken, daß sie doch fest und gewiß im Glauben werde und durch Wort und Wandel den Heiden Lust mache, ihr nachzufolgen.
            Für die Heiden aber sollt ihr den Heiland bitten, er möge sie herausführen aus der Finsternis zu seinem Lichte; aus Götzendienern wolle er durch seine Macht und Gnade Gottesdiener machen.
            Gottes Verheißung: „Ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stalle, dieselben muß ich herführen und sie werden meine Stimme hören, und wird eine Herde und ein Hirte werden”, ist und bleibt wahr.
            Wir aber wollen Gott bitten, daß sie sich an recht vielen Heiden bald erfüllen möge.
 
 

Bibliographic Information
Author: 
Number of Pages: 
16 page(s)
Press: 
Missionsbibliothek Zürich
Verlag der Basler Missionsbuchhandlung