Was für ein Strumpf?" (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Was für ein Strumpf?" "Vergieb – ein blauer." 
Er aber grollt: "Man trifft die Sorte 
Nicht häufig hier an unsrer Pforte.
Seid samt und sonders freie Geister,
Der Teufel ist gar oft nicht dreister,
Geh hin! er dürfte von dir wissen, 
Der liebe Herrgott kann dich missen."
– "Das glaub ich wohl – doch ich nicht Ihn,
O Heilger, wolle noch verziehn!" 
Sie wagt es, sein Gewand zu fassen, 
Hat auf die Knie sich sinken lassen: 
"Du starker Hort, verstoß mich nicht,
Laß blicken mich in's Angesicht 
Des Ewgen, den ich stets gesucht."
– "In welcher Weise, ward gebucht; 
Man strebt ihm nach, wie's vorgeschrieben,
Du bist uns fern und fremd geblieben."
Das Weib blickt flehend zu ihm auf: 
"Wär' Dir bekannt mein Lebenslauf, 
Du wüßtest, daß in sel'gen Stunden 
Ich meinen Herrn und Gott gefunden."
Der Pförtner stutzt: "Allwo? – Sprich klar!"
– "Daselbst, wo ich zu Hause war,
(Mein Handwerk brachte das mit sich) 
Im Menschenherzen. Wunderlich 
War dort der Höchste wohl umgeben; 
Oft blieb von Seines Lichtes Weben 
Ein glimmend Fünklein übrig nur, 
Und führte doch auf Gottes Spur. 
Ob er sich nun auf dem Altare 
Den Frommen reicher offenbare – 
Das zu entscheiden ist Dein Amt. 
Bin ich erlöst? bin ich verdammt?"

Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main