Von aller Welt verlassen (Poetry, Song Lyric, 1593)

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This text was graciously donated to Sophie by Dr. Albrecht Classen, University of Arizona.

1. Von aller Welt verlassen,
zu dir, ach Gott, mein Sinn:
Du wirst mich nicht verlassen,
des ich gar gwisse bin.

2. Gotts gnad ist vberschwenglich,
Gott ist guetig vnd mild,
Sein zusag ist bestendig,
das er mir helffen wil.

3. Gnad hat er mir erworben,
der Heiland Jesus Christ,
Er ist für mich gestorben
zu vergebung meiner Sünd.

4. Elend ist zu mir kommen
so gar ohn alle maß:
Gott hat mir den genommen
der mir hie der liebster was.

5. Rath mir in allen sachen,
du lieber getrewer Gott:
Menschen rath kan nichts schaffen,
wo du nicht hilffst auß der noth.

6. Nichts ist mehr auff dieser Erden
das mich erfrewen thut
denn du, mein trewer Gott vnnd HERE,
du heltst mich in deiner hut.

7. Seufftzen thu ich in meim Leben
zu dir, O Gott mein HERR:
Elend hat mich vmbgeben,
vnnd kompt noch jmmermehr.

8. Trewlich thustu versorgen
die dich ernstlich ruffen an:
Du hast es mir fürsprochen
das ich sol trost von dir han.

9. Laß mich in keinen noeten,
du einiger Gottes Sohn,
Für vnfall mich behuete,
dazu für spott vnd hohn.

10. Vergiß mein nicht im elende,
mein Heiland Jesu Christ,
Dein Göttliche hülffe mir sende,
wie dirs gefellig ist.

11. Durch deinen Todt vnd schmertzen
hastu mich selig gemacht:
Ich bitte dich von hertzen,
hab du doch meiner acht.

12. Wer dir, ach Gott, vertrawet
in aller seiner noth,
Der hat gar wol gebawet,
du hilffst jm früe vnd spat.

13. In dir setze ich all mein hoffen,
ach du, mein getrewer Gott:
Vnglück das hat mich troffen,
laß mich nicht werden zu spott.

14. Christus sein Wort mir schencket,
drin verheist er grosse ding:
Daran wil ich stets gedencken,
hilff Gott, das mirs geling.

15. Hilff, Helffer, hilff auß aller noth,
mit Menschen ists verlorn,
Denn du bist, mein HErr vnd Gott,
zu helffen mir geborn.

16. Herr Gott, in meinen schmertzen
ertzeig dich guetig vnd lind,
O troeste mein betruebtes hertze,
gnedig sey mir, deinem Kind.

17. Zv dir, mein HERRE vnd Vater,
stet all mein glaub vnd furcht,
Ich weiß, es ist kein ander,
nur du bist mein fels vnd burg.

18. Preist, O mit mehru trewen
drumb, jhr Christen all,
Den Gott des trosts vnd frewde,
singt jm mit grossem schal.

19. Hiemit wil ich beschliessen,
vnnd trawn Gott allezeit,
Ich werd seiner hülff geniessen
hie vnnd in ewigkeit.

Bibliographic Information
Publication Date: 
1593