Urfrühling (Poem)

Printer-friendly versionPrinter-friendly versionPDF versionPDF version

This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.
The Foreword and Introduction may be read HERE.
------------------

Sie trug eine Schlange als Gürtel 
Und Paradiesäpfel auf dem Hut, 
Und meine wilde Sehnsucht 
Raste weiter in ihrem Blut.

Und das Ursonnenbangen, 
Das Schwermüt'ge der Glut 
Und die Blässe meiner Wangen
Standen auch ihr so gut.

Das war ein Spiel der Geschicke 
Ein's ihrer Rätseldinge... 
Wir senkten zitternd die Blicke
In die Märchen unserer Ringe.

Ich vergaß meines Blutes Eva 
Über all' diesen Seelenklippen, 
Und es brannte das Rot ihres Mundes,
Als hätte ich Knabenlippen. 

Und das Abendröten glühte 
Sich schlängelnd am Himmelssaume, 
Und vom Erkenntnisbaume
Lächelte spottgut die Blüte.

Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main