Terzinen (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Was willst du doch mit fruchtlos heft'gen Thränen
Bei Andern, wenn gekränkt das Herz dir schlägt?
Der Muse klag' es! Heb' zu ihr dein Sehnen!
Sie ist's, die ewig dich im Herzen trägt.
Wenn jene staunend nur in's Aug' dir sehen,
Selbst nicht verstehn, was dich so tief bewegt,
Weil nie sie ganz dein tiefes Herz verstehen,
Und bald es lästig fühlen, Trost zu weihn;
Führt diese liebend dich zu ihren Höhen,
Zu ihrem lichten, glanzumstrählten Hain;
"Mein armes Kind," so sagt sie, "hat das Leben
Dich hart verletzt? Ich will dir Trost verleihn!
Hab' ich dir nicht den weichen Sinn gegeben?
Der Seele tiefes, glühendes Gefühl?
Daß leicht verletzt die zarten Saiten beben
Wie an dem gottverliehnen Saitenspiel.
Tief trinkt und ganz den Schmerzenkelch der Leiden,
Wem der Empfindung Kraft vom Himmel fiel;
Doch auch empfänglich für des Himmels Freuden
Macht diese Kraft, die schmerzlich leicht erbebt;
Am Licht des Äthers darf der Blick sich weiden,
Wenn wieder stark der edle Geist sich hebt.
In holder Kindlichkeit auf Lenzeshügeln
Bleibt, wen des Liedes Jugendkraft belebt!
Am Quell, in dem sich Himmelsbilder spiegeln,
Dort spiel'! – Und winkt' auch einst des Grabes Flor,
Kind des Gesangs! Noch auf Begeistrungsflügeln,

Schwingst du dich dann zum ew'gen Licht empor!" 

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main