Sybil Smolowa Interview

Sybil Smolowa

„Wie ich zum Film kam?”

Eines Tages war ich dabei.  Ich war Tänzerin in Riga und Warschau, von wo aus ich in den größten Städten Rußlands gastierte.  Der Aufforderung der Shinx-FilmGesellschaft in Warschau Folge leistend, versuchte ich mich zum ersten Maleim Film, bis schließlich Friedrich Zelnik auf mich aufmerksam wurde und mir nach Warschau schrieb, ich möchte nach Berlin kommen.  So kam ich an die Berliner Film-Manufaktur, wo ichgegenwärtig große Aufgaben zu bewältigen habe.

„Wie ich mich durchsetzte?“

Ich weiß es nicht.  Ich spielte.  Die Leute waren mit mir zufrieden – so zufrieden, daß sie mich nicht mehr fortließen, also scheine ich gefallen zu haben.  – Ich arbeite unendlich viel, und das »Durchsetzen« kommt von selbst.

„Was ich am liebsten spiele?“

Alles, was gut und dankbar ist.  Ich versuche, aus jeder Auf­gabe den Menschen herauszuschälen.  Hoffentlich gelingt esmir auch weiterhin, wie es mir bisher gelungen ist.  Und schließlich – – 

„Was empfinde ich angesichts meines eigenen Spiels?“

Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil ich zu sehr in der Rolle stehe.  – Eines jedoch weiß ich gewiß, daß ich mit mir noch nie zufrieden war.

Zu der Frage: „Läßt sich das Kinodrama auf ein höheres geistiges und literarisches Niveau bringen?“ kann ich Ihnen nur sagen, daß ich nicht eine Stunde länger beim Kino bliebe, wenn ich nicht die bestimmte Überzeugung hätte, daß wir demKino immer wieder ein neues höheres Niveau zu erklimmen im­stande sein müssen.  Überlegen Sie sich mal, wie tief das Kino vor dem Kriege stand und wie hoch es jetzt schon gekommen ist.  Warum sollte es nicht noch viel, viel weitergehen und schließ­lich zu einer Regeneration des Films führen.  Man darf jedoch nicht die Entwicklung des Kinos in der Anlehnung ans Theater und Ballett suchen.  Das Kino ist wohl mit allem verwandt, hat jedoch eine vollständig eigene Daseinsberechtigung und Ent­wicklung, und ich kann nicht verhehlen, daß ich in dieser Hinsicht viel gesucht und vielleicht auch schon manches ge­funden habe.

        Selbstverständlich spielt die Technik eine große Rolle, und deren Entwicklung geht im Kriege naturgemäß nur sehr schwer vorwärts.  Wenn wir erst die farbig-plastische Kinematographie soweit entwickelt haben, daß sie so einfach zu handhaben ist wie der heutige Apparat, dann sind die Ausdrucksmittel der Darsteller auch klarer und weniger primitiv als jetzt, und die Stimmung des Bildes und der Szene werden allenthalben unter­stützt.

Wir kommen weiter – – denn wir sind schon weiter ge­kommen.  Ich höre nicht auf zu suchen und werde glücklich sein, wenn ich etwas gefunden habe.

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