Senta Söneland Interview

Senta Söneland

„Wie ich zum Film kam?“

Vor dem Kriege war uns Schauspielern – ich war damals am Lessing-Theater – durch Beschluß sämtlicher Bühnen­direktoren das Filmen verboten.  Der Kriegsbeginn schien ein Brachliegen des ganzen Theaterlebens mit sich zu bringen.  Kontrakte wurden gelöst; Gagen sanken auf ein Minimum.  Fast jeder Bühnenkünstler ergriff  – schon aus pekuniären Gründen – gern die sich ihm nun bietende Gelegenheit zum Filmen.  So auch ich.

„Wie ich mich durchsetzte?“

Als Schauspielerin allabendlich meine Rolle spielend, dann noch im Kabarett wirkend, kann ich mich – also überbürdet – dem Film leider nicht in dem Maße widmen, wie ich es möchte und wie es not täte, um etwas Überragendes zu leisten.  Nur ein Einsetzen der ganzen Persönlichkeit birgt den Erfolg in sich.  Um die Tätigkeit am Kabarett aber aufzugeben, dazu sind dessen Verdienstmöglichkeiten, namentlich bei der jetzi­gen Konjunktur, doch zu leichte und glänzende.  Ich glaube kaum, daß eine berühmte Filmdiva in der gleichen Arbeits­zeit annähernd so viel verdient wie ich.

„Was ich am liebsten spiele?“

Als »Komikerin« muß ich in den Lustspielen meist soge­nannte »Typen « spielen.  Leider gibt es, meiner Ansicht nach,selten gute Lustspiele, und was nützen einem schließlich die eigenen lustigen Einfälle, wenn das ganze Motiv dürftig undvor allem nicht wirklich lustig ist?  Von all den vielen Lustspielen ist mir »Fritzis toller Einfall« von Dr. Arthur Landsberger inangenehmer Erinnerung.  – Wenn ich mich dem Film völlig widmen würde, was vielleicht doch einmal der Fall sein dürfte, so möchte ich am liebsten ein neues Genre spielen, und zwar scharfe Charakterrollen nach der ernsten oder heiteren Seite hin, Rollen, wie sie Hauptmann, Schönherr, Ibsen, Shakespeare und gleichwertige Autoren in ihren Dramen vorbildlich ge­zeichnet haben.  Damit ließe sich auch – um auf Ihre letzte Frage zu antworten – das Kinodrama auf ein höheres (gei­stiges und literarisches) Niveau bringen.

„Was empfinde ich angesichts meines eigenen Spiels?“

Mit Herzklopfen sitze ich im Zuschauerraum, um mich selbst zu sehen.  Und was empfinde ich angesichts meines eigenenSpiels? Meist Ärger und Unzufriedenheit! Jede Bewegung, jedes Mienenspiel würde ich ganz anders machen, wenn es eben dazu nicht zu spät wäre!  So ist das Anblicken meines eigenen Spieles eine strenge, unerbittliche Unterrichtsstunde. Schade, daß wir Künstler von der Bühne uns nicht auf dieselbe Weise in jeder Rolle kritisieren können! Wie oft würden wir wohl dann dem tadelnden Kritiker recht geben, dem wir jetzt heimlich fluchen!

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