Pola Negri Interview

Pola Negri

„Wie ich zum Film kam?“

Nachdem ich als 14jähriges Mädchen die Kaiserliche  Ballett­schule in Petersburg verlassen hatte, genügte mir nicht der Tanz allein.  Ich empfand den Drang, mich als Bühnenschauspielerin auszubilden.  Zu diesem Zweck besuchte ich die dramatische Schauspielschule in Warschau.  Nach zweijährigem Studium wurde ich als 16jähriges Mädchen im Kleinen Theater enga­giert.  Meine künstlerische Begabung äußerte sich im tiefdra­matischen Spiel.  Ich hatte eine starke Neigung für tragisch­mimische Szenen, die ich mit Vorliebe darstellte.  So hatte ich u. a. mit großem Erfolge die »Hannele« von Hauptmann dar­gestellt.  Nach einem Jahre erhielt ich ein Engagement an dem Hoftheater in Warschau.  Meine erste Rolle, in der ich dort auftrat, war die der schwarzen Tänzerin in der weltbekannten


Pantomime »Sumurum« (in der ich auch später am Deutschen Theater in Berlin mit großem Erfolge gastierte).

Der längst gehegte Wunsch, mich der mimischen Schau­spielkunst zu widmen, brachte mich durch das Auftreten in»Sumurum« zum endgültigen Entschluß.

Da versuchte ich, mich mal in der Filmkunst zu produzieren.  Ich faßte den Gedanken, ein eigenes Filmdrama zu schreiben, in dem ich auch mein Debut als Filmschauspielerin feierte.

„Wie ich mich durchsetzte?“

Das Auftreten in meinem ersten Film machte reich in Ruß­land und Polen zu einer sehr bekannten Filmschauspielerin.  Ich bekam nachdem sehr viele Engagements-Angebote für Rußland.  Ich konnte mich aber nicht von meiner Bühnenkunst vollständig lossagen.  So übte ich meine Tätigkeit, teils als dramatische Bühnen-, teils als Kinoschauspielerin aus, was bis zum Einmarsch der Deutschen in Warschau dauerte.

Ich sah in der Kinokunst sehr viel, was noch herausgebracht werden könnte; sie müßte ernst aufgefaßt werden, und ichwollte sie auch als höhere Kunst ausüben – ich entschloß mich, mich der Kinokunst vollkommen zu widmen.

„Was ich am liebsten darstelle?“

Meine Lieblingsrollen sind Typen aus dem Volke, beson­ders solche, die einen starken tragischen Charakter haben.  Jeernster und dramatischer die Gestalten sind, desto besser kann ich mich in solch eine Rolle hineinfinden und gehe in dem Spiel vollkommen auf.  Wenn die Rolle es erfordert, schrecke ich vor keinen Mitteln zurück, wenn sie auch oft auf meine Gesund­heit schädlich wirken.  Ich erkenne nur solch ein Spiel mit vol­ler Hingabe an.

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