Pension Groonen (Essay, 1925)

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As it appeared in the 20 February 1925 issue of the Neue Freie Presse, this is a transcription by Becca Schaer of Lilly Kluady's review of the film by the same title.

(Breffevorführung.)

          FilmInstspiel in fünf Akten von Ludwig Merz In Esent gesetzt von Robert Wiene, Gute Kinolustspiele, die die Linie einhalten, dass heißt, nicht nach der Seite der Groteske oder Burleske hin entarten, sind selten. Um so erfreulicher, einem Stück zu begegnen, dass den Untertitel Komodie wirklich rechtfertigt. Was in diesem Spiel auf der Leinwand vor sich geht, ist durchauß denkbar, glaubwürdig und einleuchtend.
           Anfangs sieht es zwar so aus, als wollte das Stück sich zu einem Schauspiel verdüstern. Die Verarmung einer Grafenfamilie, der plötzlich vom amerikanischen Papa, respektive Schwiegervater die Apanage gesperrt wird, so dass sie, die bisher warhaft herrschaftlich lebte, sich plötzlich vis a vis de rein sieht, ist im Grunde nichts weniger als vergnüglich. Wie aber alles Unglück schrumpft, nichtig und machtlos wird, sobald der davon Betroffene sich stärker als sein Schicksal erweist, so führt auch hier die arbeitsfreudige Entschossenheit der gebornen Amerikanerin alsbald aus Schatten zurück in fremdliche Helle. Gräfin Edith von Groonen Läßt kurz entschlossen daß Wappen überm Tor durch ein Aushängschild ersessen und verwandelt dass Balais irhres Satten für in eine Familienpension. Die Weltdame als tätige Hausfrau, als Wärterin ihrer überaus pußigen Kinderchen, als resolute Bensionsköchin am eigenen Herd – dass gibt Scharmante Bilder. Dem gräslichen Satten fällt die soziale und wirkschaftliche Umgruppierung erheblich schwerer. Er tröstet sich zunächst mit einem Flirt zu dem eine entgegenkommende Bensionärin seiner Frau sich gern bereit findet, wodurch das eheliche Glück im Hause Groonen bedrohlich ins Wanken gerät. Noch gefährlicher wird die Situation, als der dem Grasen unbekannte Bruder der Hausfrau unvermutet aus Amerika ankommt, sich inkognito in der Schwesterlichen Bension einmietet und in der Folge vom Grasen bei einer Kußszene mit der Gräfin ertrappt wird. Ein Duell scheint unvermeidlich – ein Duell, dass zwei Frauenherzen zittern macht! Denn Komtesse Groonen, die Schwester des Grafen, hat sich inzwischen heftig und mit Erfolg im Tom Stanhope, den Bruder ihrer Schägerin, verliebt, und als der alte Stanhope eines Tages gleichfalls unerwartet in der Bension Groonen eintrifft, lernt er, ein entzückter Großpapa, nicht nur seine ihm bis dahin fremden Enkel kennen, sondern findet außerdem ein versöhntes Ehepaar und zwei glücklich Berlobre vor, und es besteht alle Auslich, dass die Apanage künftigbin wieder regelmäßig ausbezahlt werden wird. So endet das Lustspiel in herkömmlicher Weise mit Verziehung, Versöhnung und Brautkuß – also ganz und gar Wohlgefallen.
      Was dem Stück in Wien con vornherein die Sympathien des Publikums sichert, ist, dass es fast lauter Lieblinge beschäftigt Anton Ebthofer, der savorisierte Bonvivant vom Volkstheater, schafft einen Grasen von einwandfreier Distinktion und angenehmer Art. Harrn Kestor stellt einen inmothischen jungen Amerikaner aus die Leinwand. Albert Heine fattet die Lieder nur kleine Rolle des Engrossisten in saureren Heringen mit dem ihm eigenen trockenen Humor aus. Carmen Cartelliere, die man vor kurszem noch in ´Diagnose 16´auf den weltbedeutenden Brettern gastieren gesehen hat, lieht einer Männerverführerin sehr verlobende Züge, Claude France wirat durch ihre ungemein dekorative Salondamenscheinung Charlotte Ander durch diskrete Luftigkeit und auspruchelose Jungmädelgrazie. Auch Karl Forest und Grete Kaifer machen sich in ihren allerdings winzigen Parteien um das Seligen des Stückes verdient.
         „Bension Grooner“, laut Zeitungsberichten in Berlin ein Erfolg, dürfte auch in Wien dem Autor, der Regie und den Darstellern warme Anerkennung bringen.
        

Bibliographic Information
Author: 
Publication Date: 
20 February 1925
Publication Place: 
Vienna, Austria
Press: 
Neue Freie Presse
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