Ode an die Vergänglichkeit (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.
The Foreword and Introduction may be read HERE.
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. . aufschauend sehnend mit den Augen der Seele fensterlos unter der Erde
auf elfenbeinernen Pferden exil-äugig übervoll 
viel Wasser meine Geister und Falkenschwärme viel Wasser wird flieszen 
zu meinem Abbild Atemzüge gegürtet exupery-schmachtend 
absurd in Wüsten-Mäusen Geheimnissen und Gefährtinnen ertrinkend

Menschen zähmen
reisen in harten Spuren blank und fetischistisch

denn wie Wolken Regenfäden Hoffnungen fransen wir 
Wolle verwirkt mit Himmel
Gräber und hohe Wandelhallen Höfe und Stiegen Aufgänge
Luft-Türme skelettierte Paläste Balustraden aus Sturm
berstende Himmel 
Sonnen-Roste 
Einbrüche schwarzer Qualen

meine Augen nämlich suchen den Schwanengesang den schönsten Hirten
den einsamen König – -
(o! dasz ich tausend Zungen hätte) 
und ich irre zwischen weiszen Blumen und weiszen Raben
weiszen Ringen Wasser
in fremden Flüssen und Gärten 
und ahne Mond:

Mond eingenäht in sein Gewand
in sein klirrendes Gewand in sein Haar 
feucht und verklärt
in sein Diarium in seine Narbe

wenn meines Hierseins dunkle Treublume und mein trauriger Sommerprinz 
Fried und Freud verspeisen
Blumen 
Blumen aus Flüssen aus dem See: 

                                        (wer will uns scheiden?)

deine Schritte haben für mich gewacht und 
der neue Tag und alle Lande 
o! Morgenstern das ist mir lieb . .

unüberwindlich starker heiliger Michael offen und blau und hart 
in Gebüschen von Kamillen und Holunder

Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main