Nein, nicht vor mir im Staube knien (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.
The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Nein, nicht vor mir im Staube knien!
Nicht mir im Arm wie Rohr zerbrechen! 
Ist erst der Stunde Rausch dahin,
Ich weiß, du wirst es an mir rächen.

Jetzt ist dein Aug' von Tränen naß,
Doch manchmal blinkt's wie Mördereisen.
In deiner Liebe grollt der Haß 
Und droht mich künftig zu zerreißen. 

Wo ist der Held, der frei vereint 
Mit mir auf Lebenshöhen stiege? 
Der tröstet, wenn das Herz mir weint, 
Und mit mir lächelt, wenn ich siege?

Der nicht Gebieter ist noch Knecht,
Der fühlt wie stille Wunden brennen, 
Der schonend auch dem zärtern Recht 
Sich neigt in willigem Erkennen?

Wo ist der Held? Es tönt von fern 
Wie Gruß von ihm an meine Ohren. 
Der Held, der meines Lebens Stern,
Wird erst nach meinem Tod geboren.

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main