Mit kummer vnd schmertz (Poetry, Song Lyric, 1570)

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This text was graciously donated to Sophie by Dr. Albrecht Classen, University of Arizona.

Im Thon: Recht rew vnd klag, schreye ich alltag

1. MIT kummer vnd schmertz,
ward mir mein hertz
inn einer stund
toedlich verwuondt:
Hie was kein trost
der mich erloest,
in angst vnnd not
rang mit dem Tod:
Solch groß vnschuld
truog ich mit geduld
das leyden mein,
ich hofft, Gott wurd mein helffer sein.

2. Gott, gib mir gnad,
dein Göttlich rath
theyl du mit mir,
ich schrey zu dir:
Sonst ist kein trost,
der mich erloest
auß angst vnd pein,
o schöpffer mein,
Dann nun dein krafft,
die stettig hafft
im hertzen mein,
die mich erhelt in diser pein.

3. Zuo Gott ich klag
beid nacht vnnd tag:
‘zu dir ich gilff, gilff = schreie
o HErr, mir hilff:
Thu mir bey stohn
durch deinen Sohn,
dem ich vertraw
vnnd auff jn baw,
Der mich erhalt
durch sein gewalt,
sein Ewigs Wort,
darauff ich baw stehts hie vnd dort’.

4. So gab Got gnad,
vnd mich erhort,
er zu mir kam,
mir bald hin nam
Mein kummer vnnd not,
gab mir sein rath,
sein Göttlich Wort,
das was mein hort,
Das mich erfrewd
in disem layd,
er sprach zu mir
‘zu helffen bin ich kommen dir’.

5. Gots gnad ist groß,
ohn alle maß,
die ich dann sag
die zeit meiner tag,
Das mich mein Gott
erhoeret hat:
das danck ich dir,
o Gott, hilff mir,
Das ich mög fein
der gnaden dein
im hertzen mein
die zeit meins lebens danckbar sein.

6. Mein Gott, erhalt
durch dein gewalt
das leben mein,
dann ich bin dein:
In diser Welt
mir ist gestelt
vil garn vnd strick,
das ich denck dick
‘Wo wilt du nauß
vor disem strauß?
die arge welt,
die hat jr garn vnd netz gestelt’.

7. Zwar Gottes wort
das ist mein hort,
darauff ich baw,
jm gantz vertraw:
Mein thun vnd lan
vnd was ich han
befilh ich dir,
O Herr, hilff mir:
Am letsten End
dein gnad nit wend,
O Gott, von mir,
mein Seel vnd leyb befilh ich dir.

8. Bewar mich Gott,
sein bitter Tod
der mich erhalt
vors Teüfels gwalt:
Got Vatter, Son,
im hoechsten Thron,
Gott heyliger Geyst,
dein gnad mir leyst:
Am letsten End
dein hilff mir send,
thu das behend
des Teüffels list bald von mir wend.

9. Wan(n) ich lang klag,
kompt zu letst der tag
das wir faren hin
vnnd Erden sein:
Doch muessen stan
vor Gottes thron,
da hilfft kein pracht,
wird gantz veracht:
Der Welte gunst
ist gar vmb sunst,
das leyden dein
wöll vnns, O Gott, beystendig sein.

Bibliographic Information
Publication Date: 
1570
Press: 
in einer Druckschrift unter dem Titel Zwey newe Lieder