An meine entschlummerte Henriette Froriep (Poem, 1991)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Meine Seele war bey dir
Ich stand an deinem Sterbebette 
Hörte den lezten ängstlichen Athemzug 
Deiner heisen Brust – 
Sahe den Blik,
Der mir so oft lächelte – 
Sich trüben – brechen – 
Und endlich hinstarren, 
Auf dieser Welt nichts mehr suchend.

Da warf ich mich auf dich hin 
Schüttelte dich
Rief dir 
Und wollte dich mit meinen heissen Thränen erwärmen.

Aber du bliebst kalt 
Und stumm.

Sie legten dich in eben den Sarg
Den ich und Du 
So oft Schlafstelle genannt hatten.
Aber da sie dich hineinschlossen

War er mir Sarg 
War er mir die fürchterliche Hölle
Der Vernichtung. 
Nicht nur dein Mensch von Erde
Sollte verwesen 
Du selbst wurdest verriegelt 
Um nimmermehr wieder hervorzugehen. 
Sie trugen dich fort 
Zitternd stürzte ich mich durch die schwarze Reyhe

Umschlang deinen Sarg – - 
Aber sie rissen mich weg 
Und als ich mich wiederfand
Stand ich allein an deinem Grabe

Und mein Blik
Schauderte die fürchterliche Tiefe herab,
Die uns auf ewig trennte; 
Und doch verlies mich
Die stumme Verzweiflung
Die meine Seele ergriff 
Als sie dich einsenkten; 
Mir wars 
Wie wenn ich in einer stürmischen 
Rabenschwarzen Nacht 
Meinen Weg verloren hätte, 
Und in Klippen geriethe
Wo ich aufgeben muste, 
Ihn diese Nacht zu finden; 
Aber doch gegen Osten stand 
Wo ich so ganz gewis wuste – - 
Daß der Morgen wiederkommen müßte.

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main