Magda Madeleine Interview

Anläßlich einer Probe im Metropoltheater sah mich der leider allzufrüh verstorbene Walter Turszinsky und glaubte, in mir ein geeignetes Objekt für den Film entdeckt zu haben.  Ich spielte auch mit Erfolg in zwei von ihm verfaßten Films.  Durch den jäh erfolgten Tod des Herrn Doktor und meine auswärtigen Gastspiele kam ich wieder von dieser Sache ab.  Nach etwa Jahresfrist sah mich ein Filmregisseur, der auf der Suche nach einem gewissen blonden Frauentyp war, auf der Bühne und engagierte mich für diese Rolle.  Ich gefiel und war von da an bei den verschiedensten ersten Firmen tätig, bis zu dem Moment, da Herr von Woringen, der Direktor der Vita scope«, auf mich aufmerksam wurde und mich für eine Magda Madeleine-Serie engagierte.  Bei dieser Gelegenheit möchte ich bemerken, wie seltsam oft der Zufall spielt.  Ge­legentlich unseres gemeinsamen Arbeitens stellte es sich her­aus, daß ich vor Jahren Herrn von Woringen, damaligem Di­rektor von »Pathe freres«, gelegentlich seines Aufenthaltes in meiner Vaterstadt München auf der Straße auffiel.  Nach­dem er meine Personalien erforscht hatte, machte er mir einen Antrag für seine Firma nach Paris.  Da ich damals erst 16 Jahre alt war und der Film sich noch im Anfangsstudium be­wegte und noch wenig Ansehen genas, fand ich nicht den Mut und lehnte ab.  Jetzt, nach Jahren, führte uns Glas Schick­sal doch zusammen.

„Wie ich mich durchsetzte?“

Lediglich durch meine Arbeit.  Ich erlebe jede der Gestalten, die ich verkörpern soll und habe mir durch meine Darstellungdie Gunst des Publikums errungen.

,,Was ich am liebsten spiele?“­

Nur gute Rollen.  Durch meine Erscheinung und Wesen bin ich hauptsächlich für Salondamen und Sentimentale inGesellschaftsdramen prädestiniert.  – Aber wo sind die guten Sujets?

Die Antwort ist sehr kurz.  Eigentlich bin ich nie zu­frieden mit mir.

Auf Ihre letzte Frage: „Läßt sich das Kinodrama auf ein höheres Niveau bringen?“so möchte ich entschieden ant­worten– ja! – Als fleißige Kinobesucherin habe ich die Bemerkung gemacht, daß die Lichtbildtheater in der letzten Zeit auch von der guten Gesellschaft mehr besucht werden und man im Kino oft besseres Publikum findet als in vielen Sprechtheatern.  Beweis, daß das Interesse für den Film vor­handen ist.  Vor allem fehlt es, wie ich schon in Antwort 3 betonte, an guten literarischen Films.  Durch diese müßte der Geschmack des Publikums herangebildet werden, denn leider finden bis jetzt bei der größeren Masse der Besucher die kitschigen Hintertreppenromane und blödsinnigsten »Lust­spiele« den meisten Anklang.  – Vielleicht liegt es zum Teil an unsern Schriftstellern, die den Film bis heute nicht für voll­wertig halten und sich scheuen, ihren Namen unter eine Film­tragödie zu setzen.

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