Magda Elgen Interview

Ich bekenne offen, daß ich, als ich noch in Hannover am Deutschen Theater engagiert war, mich den Intentionen des Films ganz fern hielt, da ich als Schauspielerin noch dem Wort und der psychologischen Gestaltung den Hauptwert beimaß.

Bei einem Aufenthalt in Wien wohnte ich einer Aufnahme bei und kam durch einen Zufall auf das Bild.  Der Hauptdar­stellerin wollten einige Reitpassagen nicht glücken, und ich erbot mich im Scherz, für die betreffende Dame zu reiten.  Da ich damals keine Ahnung hatte, daß es Ersatzaufnahmen gibt, war ich sehr erstaunt, daß der Regisseur mein Angebot an­nahm.  Hernach wurde ich für einen Sensationsfilm verpflichtet und bekam dann ein festes Engagement; so spielte ich in ver­schiedenen Films die tragende Rolle.

Es ging mir die Möglichkeit dieses neuen Kunstzweiges auf, und ich entschloß mich, mich der Filmkunst voll und ganz zuwidmen.

Nach einiger Zeit setzte allerdings eine Müdigkeit ein, da Sujets sowohl als auch Handhabung mir im Innersten fern­standen.  Ich spielte in dieser Zeit Charakterrollen, bei denen wohl jedes Register der Leiblichkeit gezogen werden konnte, jedoch standen sie in keinem Konnex zur Kunst.

Erst nach meiner Verheiratung mit dem Regisseur der »Mer­cedes-Film-Gesellschaft«, Otto Lins-Morstadt, fand ich Befrie­digung in meinen Aufgaben.  Ich sah die Entwicklungsmöglich­keit des Films und fand die Parallele zur Kunst wieder.  Die »Mercedes-Film-Gesellschaft« stellt meine Serien her.

Der letzte Frageparagraph scheint mir ans Gewissen zu ap­pellieren.  Selten deckt sich Wunsch und Ausführung so, daß ich vollständig bei Besichtigung meiner Films zufrieden bin; ich finde immer noch Momente, die besser ausgearbeitet hätten sein können, und so lerne ich bei jedem Film.  Ich möchte nicht nur Filmschauspielerin sein, die etwas leisten kann, son­dern ich wünsche, daß der Beschauer auch die künstlerische Leistung herausfühlt, und um das zu erreichen, wird jederFilmschauspieler stets an sich zu verbessern haben, denn man findet immer wieder neue kleine Ungezogenheiten, die jeder, der den Film auf ein ausschließlich künstlerisches Niveau stellen möchte, rügen wird.  Die restlose Hingabe, wie die Bühne sie bringt, gewährt der Film noch nicht, doch glaube ich, daß die großen Entwicklungsmöglichkeiten allmählich den Film bedeutend heben werden und uns nicht nur Kino­menschen darstellen lassen, sondern auch vor große schauspie­lerische Aufgaben stellen wird.

Auch meine Firma arbeitet an der großen Restauration, und wenn eine gemeinsame diesbezügliche Arbeit einsetzen wird, hat der Film eine herrliche Aufgabe, nämlich den Ge­schmack der großen Masse zu formen.  Es wird dies allerdings keine leichte Aufgabe sein, da das allgemeine Kinopublikum auf Hintertreppen eingestellt ist, doch wird diese Richtung zu wenden sein, wenn auch langsam.

Wenn Sie aus diesen Angaben etwas verwenden können, würde ich mich freuen.  Mit großem Interesse sehe ich der neuenBewegung zu und erwarte bald günstige Resultate.

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