Lu L'Arronge Interview

Lu L’Arronge

Aus einer alten Theaterfamilie stammend, – mein Groß­vater gehörte mit zu den Gründern der Bühnengenossenschaft, meines Vaters Vetter, der Bühnenschriftsteller Adolf L’Arronge, – hegte ich schon als Kind den sehnlichsten Wunsch, zurBühne gehen zu dürfen.

Meine Erziehung jedoch war eine so strenge wie philiströse, daß ich schon als Backfisch einsehen lernte, daß mein heiße­ster Wunsch nie in Erfüllung gehen durfte, um meine Mutter nicht unglücklich zu machen.

Während des Krieges wurde unsere Filmbranche plötzlich »modern« und die überall grassierende »Filmlust« hatte auchmich ergriffen.  Längst für dauernd begraben gehaltene Wünsche stiegen auf; meine Mutter mußte sehen, daß die Schauspiel­kunst mein Schicksal war, und so kam ich zum Film.  Zweimal wurde ich in Nebenrollen beschäftigt, um dann das große Glück zu haben, bei einer neugegründeten Firma, welcher ich meinen Namen gab, auf die Dauer von einem Jahr engagiert zu werden.  Hier spiele ich nun am liebsten die übermütigsten Backfischsachen, halb Weib, halb Mädchen.

„Was empfinde ich angesichts meines eigenen Stiels?“

Es ist, ehrlich darüber zu schreiben, recht schwer.  Es treten beim Spiel so viele Eventualitäten ein, hinzu kommt das gänz­liche Durcheinander der verschiedenen Szenen, daß ein wirk­lich künstlerisches Empfinden und Vertiefen in seine Rollewährend des Spieles sehr schwer möglich ist.  – Eine gute schauspielerische Begabung, sofortige Übersicht der Situationund ein künstlerisches Empfinden, mit seiner eigenen Person unbewußt gute Bilder bringen zu können, gepaart mit einer angeborenen Anmut wie temperamentvollen Beweglichkeit, garantieren meines Urteils nach zur erfolgreichen Durch­führung der Rolle.  Hat man dann Gelegenheit, ein gut gefallendes Stück, namentlich Lustspiel, in der Vorstellung zu sehen, dann steigt einem ein großes Glücksgefühl auf, Hun­derten von müde gearbeiteten Menschen eine vergnügte Stundebereitet zu haben.  Für dieses Gefühl erträgt man gern die vielen Enttäuschungen, vor denen auch die Filmschauspieler nicht bewahrt bleiben.

Bibliographic Information
Author: