Lied (Poem)

Printer-friendly versionPrinter-friendly versionPDF versionPDF version

This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
------------------

O Phebus laß dein blicken /
eß will sich iezt nicht schicken /
du mußt mir trawrig seyn /
Schau wie auff meinen Wangen
die Wasser-Perlen hangen /
alß Zeugen meiner Pein!

Ihr Himmel nembt mit Schmerzen
doch meine Noht zu Herzen!
Du schönes Firmament /
Verender dich geschwinde /
Weil ich kein Labsal finde /
und bin so voll Elendt!

Nun muß ich das bald meiden /
und kan mich nicht mehr weiden /
An dem / daß meinen Sinn
kan unverbrüchlich binden;
So bald kan Lust verschwinden /
Sie fleugt wie Rauch dahin.

Der welcher herzlich liebet /
wird iederzeit betrübet /
und hat doch solchen Sinn /
daß er kann alles leiden; /
Doch wenn er sich muß scheiden /
so stirbt er gahr dahin.

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main