Leontine Kühnberg Interview

Leontine Kühnberg

„Warum ich Kinoschauspielerin bin?“

Ich habe in meiner schauspielerischen Laufbahn viel Glück gehabt.  Wenn ich trotzdem – nicht für immer! auf keinen Fall! seit einigen Jahren mich vom Theater ferngehalten habe, so hat dies nicht nur in der Konjunktur gelegen, plötzlich sehr viel Geld zu verdienen, sondern es kamen auch künstlerische Gedanken, die mich bestimmten.

Mein erster Versuch, als Kinoschauspielerin zu wirken, war Neugier und Sehnsucht.  Wir Schauspieler unterscheiden unsvon anderen Künstlern durch ein tragisches Geschick: wir können uns niemals vor uns selbst hinstellen, um uns kritisch zu betrachten und um uns zu gefallen.  Wir können unsere künstlerische Leistung nicht sehen.  Wenn man von anderen Wirkungen und Folgen absieht, die der routinierte und »ge­witzte Schauspieler«, wenn er wieder als Sprechkünstler auftritt,leider nicht vergißt, – so z.  B.  Augenrollen, so hat der Film sicher auch manchem Schauspieler Fehler sinnfällig gemacht, die aus mangelnder körperlicher Disziplin entstanden sind.

Meine Erfolge als Filmschauspielerin, die künstlerischen wie die materiellen, haben mich für die Gegenwart der Sprechbühneferngehalten, wenn auch nicht entfremdet.  Wenn ich allerdings an die nächste Zukunft denke, so werde ich wohl noch lange  dem Film verschrieben sein, da ich finde, daß meine Zeit erst kommt.  Ich habe es immer für erstrebenswert und wichtig ge­halten, im Film zu »spielen«.  Es genügt  – meiner  Ansicht nach – nicht, ein schönes Gesicht zu haben, ins Bild zu treten und nur da zu sein, höchstens einmal »gelangweilt« oder »sehnsuchtstrunken« die Augenlider zu heben, bis eben abgeblendet ist – das ist das Startum.  Die Detektivkomödie hat dies Genre in den Vordergrund geschoben, der Detektiv kamund siegte – zu tun hatte er nichts, nur die Pointen zu servieren, die ihm seine Mitspieler im Schweiße ihres Angesichtsvorbereiten mußten.  Er zog sich gut an, und wenn er noch ein hübscher Kerl war – nun, dann war er nicht teuer genug.  Von diesen Allüren meiner männlichen Kollegen haben wir Frauen viel übernommen – vielfach durch die Schuld unserer Regisseure.  Der Detektiv war der Star, dadurch, daß er »nichts tat«, der Regisseur stellte sich auf den Star ein, und es hat sich eine einseitige Regiekunst herangebildet, denn nun wird diese Technik auf alle Stars übertragen.

Aber wie die Detektivkomödie überholt ist, so wächst auch ein neues Geschlecht Filmschauspieler heran, Temperamente, die auch im Film »spielen« und nicht nur »stehen«, und nun wird wohl auch ein neues Geschlecht Regisseure kommen, das nicht den »Star« dämpft und hemmt, indem es nur auf die photographische Reklamewirkung des Stars bedacht ist, son­dern das ihn mitreißt und vor allen Dingen auf ein gut abge­töntes Zusammenspiel bedacht ist.  Und darauf freue ich mich!

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