Käte Haack Interview

„Wie ich zum Film kam?“ 

Ja das war bei mir, wenn ich offen sein soll, furchtbar einfach.  Ich trat zum erstenmal in Berlin am Lessingtheater auf, und ein paar Tage drauf forderte mich Max Mack auf, die Helene im Sudermannschen »Katzensteg« zu spielen.  Ich war selig, den ganzen Filmrummel, von dem ich schon so viel gehört hatte, kennen zu lernen – nahm an – spielte, na und dann kam so nach und nach Film auf Film.  –

„Wie ich mich durchsetzte?“

Ja du lieber Himmel, eigentlich habe ich mich ja noch gar nicht durchgesetzt – jedenfalls nach meiner Meinung »nein« aber wird schon kommen!

„Was ich am liebsten spiele?“ –

Am liebsten – einfache kleine Mädeln, ganz jung, lustig, aber auch mit ein bissel Charakter – ach, ich spiele überhaupt alles gern, was man eitle gute Rolle nennt, nur nix aggressives oder gar eine »Lulu« Rolle – da schau ich gar zu blöd aus.

„Was empfinde ich vor der Leinewand angesichts meines eigenen Spiels?“

Ja eigentlich meist Ärger.  – Ist ja gar zu dumm, sich da oben herumtanzen zu sehen.  All seine Fehler und kleinenEigenheiten grausam aufgedeckt zu erkennen und nix dran ändern zu können.  – Ich denke noch daran, wie ich mich daserstemal sah, eben besagte »Helene« im »Katzensteg«.  Herr Mack hatte mir Karten für den Abend geschickt, aber ich konnte es natürlich nicht erwarten und ging schon am Nach­mittag hin – mich zum ersten Male selber spielen zu sehen.  Saß dann dort irgendwo mitten im Parkett ganz geduckt und bebenden Herzens.  – Jetzt kam’s: »Der Katzensteg«.  Nun die Personen.  – Mir wurde angst und bange.  – Erst Bonn – die Kühnberg, Lenzbach und jetzt, o Gott, »Helene, des Pfarrers Töchterlein« – Da war ich!! – Ganz heimlich, töd­lich verlegen, schielte ich hinauf und – war entsetzt! Was da oben herumhopste, mit Beinen und Armen schlenkerte, die Augen verdrehte, dieses dickliche kleine Riesenbaby da oben – war ich.  Ganz gebrochen saß ich da, ganz vernichtet um plötzlich in Eis zu erstarren.  – Neben mir saßen zwei ältere Damen, und die eine von denen sagte jetzt – hart und erbarmungslos: »Nein, die ist ja scheußlich!!« Nie werde ich’s vergessen.  Mittlerweile spricht man, glaub’ ich, besser von mir, und ich, na, ich bin auch zufriedener mit mir; man ist ja selbst sein bester Kritiker und lernt, wenn man sich selber sieht, am besten.

„Laßt sich Ihres Erachtens das Kinodrama auf ein höheres literarisches oder künstlerisches Niveau bringen?“

O ja, literarisch vielleicht schwerer, es wird ja doch immer das gesprochene Wort fehlen, aber künstlerisch.  Es könnenherrliche Dekorationen, schöne Bilder, schöne Gegenden und darin gut aussehende, gut angezogene, ihre Glieder beherr­schende Menschen gezeigt werden.  Wenn das alles vorhanden, würden unsere deutschen Films, wenn nicht vollkommen, so doch weit weniger kitschig sein und uns, wie ein schönes Ge­mälde – ein gutes Buch über die jetzt oft trüben Stunden leicht hinweghelfen.  

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