Hilde van Geldern Interview

Ich sehe meine besondere Aufgabe darin, wirklich gute Ge­sellschaftsfilms zu spielen; Films, in denen die moderne Gesell­schaft den Vorwurf bietet und die auch rein äußerlich dem entsprechen, was man früher einmal unter internationaler Ele­ganz verstand.  Ich achte in meinen Films selbst darauf, daß die Diener richtig angezogen sind, der Tisch richtig gedeckt ist, daß man die Wagen richtig bespannt und die Komparserie ausnahmsweise gut angezogen ist.  Dies mögen Äußerlich­keiten sein, ich halte sie aber für eine Hauptsache.

Neben den Gesellschaftsfilms bevorzuge ich exotische und phantastische Sujets, der modernen Literatur entnommen

Daß ich mich auf der Leinewand nicht gerne sehe, ist ein Empfinden, das ich wohl mit vielen meiner Kolleginnen teile und das mir auch sehr natürlich erscheint.  Sieht man sich doch

auch eine gewöhnliche Photogrsphie von sich nicht länger als eine Sekunde an

Was Ihre letzte Frage nach dem „höheren Niveau des Kino­dramas” betrifft, so bin ich sehr wohl der Ansicht, daß die Erziehung eines höheren Niveaus möglich ist.  Wir haben ja an den

Wegener-Films einen Beweis dafür.  Allerdings dürften Films, die sich diese Veredelung des Kinos zur Aufgabe machen, imPublikum eine wenig angenehme Aufgabe finden; denn die Masse, die uns huldigt, sieht sich nur ungern gezwungen, sichdort geistig einzustellen, wo sie einen Appell an ihre Instinkte erwartet.

Ich bleibe also lieber bei meinen altbewährten – in gutem Sinne – kitschigen Sujets, in denen ich mir und zweifellos auch Ihnen am besten gefalle.

 
 
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