Hansi Burg Interview

„Wie ich zum Film kam?“

Mein Vater ist Eugen Burg und damit dürfte die Frage eigentlich schon beantwortet sein; aber ich will Ihnen noch gern bestätigen, daß mich der Film als solcher so stark inter­essierte und die Möglichkeiten des Films mir so weitgehende zu sein schienen, daß ich meinen Vater bat, mich in dieser Kunst auszubilden und mir Gelegenheit zu geben, mich im Film zu betätigen.

„Wie ich mich durchsetzte?“

Diese Frage kann ich aus Bescheidenheit nicht beantworten, da ich nicht weiß, inwieweit mein Name zu denen gerechnetwerden darf, die man die ersten zu nennen pflegt.  Ich hoffe aber, daß ich mich durchsetzen werde.

„Was ich am liebsten spiele?“

Hier glaube ich Ihnen dasselbe antworten zu müssen, was Ihnen wohl jede andere Filmschauspielerin antwortet: SchöneRollen!  Am liebsten spiele ich aber sentimentale zarte Mädchen­gestalten.

Die Frage 4 habe ich, „was ich angesichts meines eigenen Spiels empfinde”, nicht ganz verstanden.  Meinen Sie damit, was ich während der Aufnahmen empfinde oder beim Ansehen meiner Films? – Ich will Ihnen diese Frage nach beiden Rich­tungen hin beantworten.

Bei der Aufnahme lege ich mich in die aufzunehmende Szene so stark hinein und fühle nicht mehr als Ich, sondern als das Geschöpf, das ich darzustellen habe, so daß mir eine Kritik über meine persönlichen Empfindungen bezüglich des Spielens unmöglich ist.

Anders ist es bei der Vorführung eines Films, wo ich mit kritischen Augen, wie jeder andere Beschauer, dasitze, mir alle meine Fehler in meinem Gedächtnis notiere und die schärfste Kritik über mich übe.

Sie fragen mich zum Schluß, „ob das Kinodrama auf ein höheres geistiges, literarisches Niveau zu bringen ist“.  Ich binnoch zu jung, um hier eine entscheidende Antwort zu geben, aber eine unmaßgebende Ansicht darf ich doch wohl äußernGewiß läßt sich das Kinodrama auf ein höheres künstlerisches Niveau stellen, als es in den meisten Fällen geschieht.  Es ist dies zu erreichen durch Verfeinerung der äußeren Mittel, in­bezug auf Dekoration und Motiv, also was die eigentliche Bild­wirkung anlangt; ferner durch Verfeinerung der schauspiele­rischen Mittel, durch Anwendung zarter schauspielerischerEffekte, als sie leider häufig in Kinostücken zu sehen sind.

Das Kinodrama literarisch zu gestalten oder auf ein geist­reiches Niveau lieben zu können, glaube ich, wird nicht im vollen Maße gelingen, denn immer fehlt Rede und Gegenrede, so daß das, was ein Dichter durch Worte auszudrücken ver­mag, niemals durch bloßes Mienenspiel oder durch einen Titel ersetzt werden kann.

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