Grete Weixler Interview

Angehörige hatten schon vor langer Zeit den Weg zur Bühne gefunden.  Mein Großvater war ein sehr geschätzterungarischer Schauspieler, eine Tante in Wien als tüchtige Künstlerin sehr beliebt.  So ist es nicht verwunderlich, daß meine Geschwister und ich sich sämtlich der darstellenden Kunst zuwandten.  Von sehr großem Erfolge war meine ver­storbene Schwester Dorrit begleitet.  Sie ging von der Bühne ab und zum Film.  Ihre Leistungen und so berechtigten Erfolge sind bekannt.

        Die Anfänge ihrer Tätigkeit fielen noch in meine Kinder­zeit, und so stand schon damals mein Weg mir vorge­zeichnet.

Dorrit und ich sind sehr verschieden in der Beanlagung.  Meine Schwester spielte das kindhafte Mädchen, das nichts weiß, aber alles ahnt.  Sie verfügte über jede Schattierung des Humors.  Ich hingegen fühle mich mehr zum ernsten Spielfilmhingezogen und wurde auch so beim Film und der Bühne, Trianon-Theater Berlin, beschäftigt.

Da man zum Glück auch meiner Art Rechnung trägt, habe ich ebenfalls mich durchsetzen können.  Ich habe ein großesPublikum, das mich schätzt.  Das beweisen mir die zahllosen Briefe, die ich empfange.  Am besten kann ich mich infor­mieren, wenn ich bei einem meiner Filme zwischen dem Publikum sitze.  Hier freut es mich immer, festzustellen, wie sich das unmittelbare Urteil in herzlich anerkennender Art mit der Kritik der Tages- und Fachpresse deckt.

Der Besuch des Kinos, in dem ein eigener Film läuft, ist für den Darsteller sehr wichtig.  Er muß achten, daß er von den Besuchern unerkannt bleibt.  So kann er selbst beurteilen, was dem Zuschauer am meisten gefällt.  Gleichzeitig folgt daseigene Urteil »zentimeterweise« der vorüberrollenden Arbeit.  Wieviel ich übrigens hinzulerne, empfinde ich am besten,wenn ich ältere Filme von mir sehe.  Ich hin dann erstaunt und erfreut über den Sturmschritt in meiner Entwicklung.  Aberdiese Freude wird getrübt durch die Überlegung, daß auch die jüngste Leistung in einem Jahre mir gar nicht mehr be­hagen wird.

Beim Theater ist man auf das Urteil der anderen ange­wiesen.  Beim Film kann man so wundervoll sein eigener Kri­tiker sein.

Das ist auch der Grund, daß sich die Leistungen des stre­benden Filmschauspielers sicher noch um Vieles erhöhen werden.

        Vor allem aber sollen sich die vielen guten Schriftsteller mehr mit dem Film beschäftigen.  Die meisten von ihnen stehennoch abwartend beiseite.  Der Weg der Filmdarstellung würde stolzer zur Höhe führen, wenn jene Künstler mitarbeiten wür­den als Helfer, Berater und – Dramatiker!

Mag er in seinem Kinostück für die Kriegsanleihe schreiben oder das Leben in allen seinen Farben aufrollen.

Der Film kann beanspruchen, ernst genommen zu werden wie das Theater auch, wenn dem Zelluloid das gesprochene Wort fehlt und wenn auch der Leinewand die Tiefe der Bühne zu fehlen scheint.

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