Feuilleton: Bei meinen Landsleuten (Story) (Essay)

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Feuilleton.

Bei meinen Landsleuten

Von Marie v. Ebner-Eschenbach
            An einem December-Abend des vorigen Jahres saßen wir, der Schlossermeister Brosek, der Heger Maida und ich, am Krankenbette des Hausverwalters Herrn Wanlet.  Mir,
als der Frau, hatten pe den Ehrenplatzt am Kopfende des Lagers überlassen, was mich zu Dank verpflichtete, denn es war zugleich der vom feuerspeienden Ofen entferntste Platz.  Das Zimmer ebenerdig, hoch und schmal, war furchtbar überheizt, das Fenster ― es hat die Aussicht auf den Garten
― dicht verhangen.  Die Thür ist niedrig und führt auf
einen geshclossenen Gang, Zugluft hatte man also nicht zu fürchten.  Das Bett stand an der Längswand rechts, an der andern Wand ein mit Leder überzogener Divan und davor
ein kleiner, alter Damen-Rähtisch, der eine Petroleumlampe ohne Schirm trug.  Ihr grelles Licht berbreitete sich in der Stube, lag auf dem Gesichte des Kranken und zeigte mit erschreckender Deutlichkeit, wie verfallen er aussah.  Es ging ihm shclecht, unserem Herrn Wanlet; wir sollten uns an
den Gedanken, ihn zu verlieren, gewöhnen und wußten nicht, wie das anfangen.
            Er war der Bertrauensmann  des   ganzen Hauses und
in tausend Gelegenheiten der Herr seines Herrn, des ver-storbenen alten sowol wie des jetzigen.  Wenn dieser auch den schärfsten Gegensatz bildete zu den „Rois faineants“, die Stelle eines Hausmeiers im Geiste Pipin’s von Landen hatte er seinem braven Dienes eingeräumt.  Ruhig sagte Wanlet
denn auch:  „Der Herr hat mir befohlen, das zu thun, ich
thu’ es aber nicht, ich thu’ etwas Anderes.“  Und was er
that, war immer das Richtige und fiel zum Besten seines
Herrn aus.
            Herr Wanlet war in seiner Jugend Soldat gewesen
hatte bei Heinrich Hardegg-Cürassieren gedient und sprach mit Stolz von seiner Jugend und Militärzeit.  „Ich war
immer glücklich,“ sagte er, „ich habe den Dienst bald er-
lernt.  Einmal ist der Oberst zu uns gekommen.  Sehen
Herr Oberst einen alten Recruten, hat mein Rittmeister
gesagt.  Das war ich.  Ich habe keinen Bart gehabt
und bin schon bei den alten Recruten gewesen.“
            Als noch junger Mann hatte er eine Dienerstelle im
Hause meines Vaters angenommen, die (      ) aber halb
mit dem (Kammerdienerrock) vertauscht.  Auch den trug er
nicht lange, er legte ihn ab, um aus eigener Wahl den Arbeiterkittel anzuziehen.  Das war die Kleidung, die ihm entsprach, er war ein Arbeiter, ein unermüdlicher, erfolg-reicher, dem Alles, was er unternahm, gelang.
           Herr Wanlet hatte für sich und seine Frau ein hübsches
Haus im Dorfe gebaut; es war ein Feld dabei und ein
nett umfriedetes Gärtlein.  Aber Herr Wanlet residirte nur kurze Zeit am eigenen Herde.  Ihm lag wenig an seinem Eigenthum.  Kinder hatte er nicht, die Frau, eine tüchtige Wirthschafterin, brauchte keine Unterstützung, führte die Leitung des Anwesens Spielend leicht allein.  Nach und nach wurde das Absteigequartier Herr Wanlet’s im Schlosse sein Hauptquartier, in dem er auch sein Lager aufschlug,
von dem er am frühen Morgen ausging in den Hof, zu
den Stallungen, zu den Bauten.  Um 12 Uhr kam er zurück, aß zu Mittag, ertheilte Audienzen, gab den Wein vor und ging wieder hinaus an die Stätten seiner Thätigkeit als Zimmermann, Baumeister, Brunnenmeister.
            Zu Mittag und Abends warteten an der Thür seines Zimmers regelmäßig allerlei Leute auf ihn, große und kleine.  Mit erhitztem Gesichte Stand die Röchin da und rief ihm entgegen: „Herr Wanlet, der Herd hat seinen rechten Zug.“
Der Zimmerwärter klagte: „Herr Wanlet, die Uhr auf dem Gange ist stehen geblieben.“  Die Schloßkinder liefem dem getreuen Eckart entgegen: „Herr Wanlet, meinem Canarien-vogel ist krank.“  „Herr Wanlet, meinem Schautelpferd wackelt der Kopf.“  „Herr Wanlet, mein Ohrring ist ge-brochen.“  Und Herr Wanlet war nicht nur ein zweiter
Pipin von Landen, er war auch ein lebendiges (Sondetition), er liebte , leimte, reparirte Alles.
            Sein Zimmer gab Zeugniß von seiner Thätigkeit, es war mehr eine Wertstätte als ein Wohnraum und über-
dies ein Zufluchtsort für jedes beschädigte Einrichtungsstück und ausgemusterte Bibelot.  Und wenn man die Schönheit der Herstellungen, die er vornahm, auch nicht immer loben und den Geschmack der Verzierungen, die er anbrachte, auch nicht immer bewundern konnte, das war gewiß, er brachte
die krüppelhaftesten Möbel wieder auf die Beine, setzte sie
in brauchbaren Stand und fand für das unnützeste Zeug
eine zweckmäßige Verwendung.
        Und jetzt war er selbst Invalide und war nicht mehr
zu repariren, unser Rathgeber, unser Nothhelfer, unser Freund.
        ER lag hoch gebettet auf dem Rücken, die lange, knochige
Gestalt zeichn( ) sich scharf, wie aus Holz geschnitten
unter der leichten, rothen Wolldecke.  Herr Wanlek war während seiner Krankheit, einer Lungenentzündung, die er
leichtsinnig vernachlässigt hatte, zum Gerippe abgezehrt, sein
Gesicht klein geworden, der dünne Bart so fahl wie die tief
eingesunkenen Wangen.
            Die Arme, an denen das Hemd hinaufgerollt war bis zu den Ellbogen, zeigten eine Leichenfarbe, die großen Ar-beiterhände ruhten leicht verschränkt auf der mühsam
athmenden  Brust.
            „Schneit’s noch?“ fragte er den zuletzt Gekommenen,
den Heger.
         „Schneit noch,“ erwiderte Maida. (Das Gespräch wurde
in czechischer Sprache geführt.)
        „Da wird ausgeschaufelt werden müssen, sonst kommen
Sie, „Herr Wanlet deutete mit einer kopfbewegung nach
mir, „morgen nicht übet den Berg.“
        Maida’s Erwiderung bestand in einem verständnißvollen Lächeln des fabelhaft großen Mundes, der sein gutmüthiges altes Affengesicht in zwei fast gleiche Hälften theilte.
            „Belieben schon abzureisen?“ fragte Broset.  Er
war ein großer Mensch, würdevoll bis zur Felerlichkeit, so schwarz im Gesichte, als man sein kann, ohne ein Mohr zu sein.  Der rasirte Blaubart wurde er genannt.  Ohne meine Antwort abzuwarten, fuhr er fort:  „Freilich, freilich, bald wird der Fasching da sein; da müssen in die Gesellschaften
und auf die Bälle.“
            „Aber lieber Herr Schlossermeister,“ sagte ich,  „Sie glauben doch nicht, daß ich nach Wien gehe, um dort zu tanzen?  Dazu müßt’ ich mir früher ein paar junge Beine
machen lassen, und das können sie nicht einmal in Wien.“
            „Wer weiß, ob sie’s dort nicht können,“ versetzte Brosek, halb ernst und halb scherzend.  „Sie können ja dort
schon Alles.“
Maide lächelte wieder, diesmal aber verächtlich, und
murmelte:  „Und erst in Prag!“
            „Die, Prag!  Prag ist eine kleine Stadt!“
            „Was?  klein?  Prag ist sehr groß und viel schöner als Wien.“  Das stille Männchen wurde beinahe lebhaft, in seinem slavischen Herzen regte sich ein geheimnißvolles Etwas, das ihn antrieb, eine ihm völlig fremde Stadt auf Kosten einer andern, ihm ebenfalls fremden zu loben.  Er las nie eine Zeitung, er würde rathlos gewesen sein, wenn sich Jemand bei ihm erkundigt hälte, was das heißt eine, politische Meinung haben.  Seine plötzliche (Partsinahme) für die Hauptstadt Böhmens gehörte in den Bereich der ((((()))) ohne nachweisbare (This line is totally illegible)
            Es fiel Niemandem ein, ihn in seinem dunklen Rational-Instinct zu verletzen.  Brosek sah ihn an, wie man ein Kind ansieht, das eine seinen beschränkten geistigen Mitteln entsprechende Aeußerung gethan hat; Herr Wanlek
stieß einen Seufzer aus:
            „Wien seh’ ich auch nicht wieder.“
         „Und ich schon gar nicht,“ fiel der Schlosser nachdenk-lich ein.  „Wird sich verändert haben, das Wien, seit ich
von dort fort bin; zu Ostern wird’s g’rad fünfzig Jahr’, aus der Lehr’ vom Schlossermeister . . . na, wie hat er denn
geheisen?  Daß man so was vergessen kann!“
            „Wie wird er denn geheißen haben?“  Herr Wanlek suchte sich zu besinnen.  „Ich hab’ ihn auch gekannt.  Ums neue Jahr hat er immer seine Rechnung selbst gebracht,
war ein freundlicher Mensch und sehr dick, und dann hat der selige Excellenzherr jedesmal gesagt:  „Ein Ehrenmann,
der Schlossermeister Finsterle.  Finsterle, na, da habt Ihr’s ja.“
            „G’rad ist mir’s auch eingefallen.  Ja, er war brav
und hat mich gern gehabt, es war ihm leid um mich, wie
ich fort bin.  Mir auch um ihn.  Aber freigesprochen war
ich und mußte nach Hause und wottle auch.“
            Er schwieg, Herr Wanlek nickte: „Damals war ich beim Regiment in Grodno.  Mir hat Niemand von zu
(Haus) geschrieben, aber der Blaschla hat alle Jahr’ einen Brief bekommen von seiner Mutter, der hat mir’s erzählt.“
            „Ja, die Leute haben viel erzählt,“ sagte Brosek.
Unwillkürlich sah ich ihn an.  Er hatte diese Worte mit
der grösten Gleichgiltigkeit gesprochen, und sie faßten doch sein ganzes trauriges Schicksal in sich.  Was die Leute er-zählt hatten in ihrer Gedankenlosigkeit oder Bosheit, was
zur Legende des Dorfes wurde, an dem Geklatsche war
sein Jugendglück gescheitert, das hatte ihn zum einsamen
Menschen gemacht.
            Seine Eltern waren durch den Fleiß des Mannes und durch die Sparsamkeit der Frau aus ärmlichen in bequeme Berhältnisse gekommen.  Das Handwerk hatte für alten Brosek einen goldenen Boden; er erwarb ein Haus und
einige Grundstücke.  In der Folge sollte der ältere Sohn
die Wirtschaft, der jüngere, Christian, die Schlosserwerk-
statt übernehmen.  Der hatte bis zur Freisprechung noch drei Jahre bei dem Meister in Wien abzudienen, als der Vater starb.  Er war langsam hingestecht.  Der Arzt wußte keinen Ramen für seine Krankheit, und er selbst klagte nur über Mattigkeit und Schwäche.  Der Sohn kam zum (Pegräbniß) nach Hause, trat an den noch offenen Sarg und schrak
zurück. Nie hätte er in der zusammengeschrumpften Leidens-gestalt, die da lag in ihrem letzten Bette, seinen starken,
stattlichen Vater erkannt.
            Sechs Wochen Urlaub waren ihm gewährt worden; er brachte sie auf dem Dorfe zu und verliebte sich in eine junge, hübsche Bauerstochter.  Die Eltern gaben ihre Ein-
willigung, Christian sollte seine Lehrzeit beenden und dann kommen und die Braut heimholen.  Wenige Tage nach der Berlobung gingen seine Ferien zu Ende; schweren Herzens nahm er Abschied und kehrte nach Wien zurück.  Die Mutter und der ältere Sohn mußten die Wirtschaft nun allein führen, die Leitung der Schlosserei wurde einstweilen dem
Gesellen, einem alten Verwandten, anvertraut, der sie un-gern genug übernahm, „denn,“ sagte er in richtiger Selbst-
erkenntniß, „Hände hab’ ich, aber keinen Kopf.“
         Zwei Jahre verflossen.  Regelmäsig hatte man zu Weih-nachten und zu Ostern Briefe gewechselt, die aber kaum etwas Anderes als das Classische: „Bist du wohlauf, ist’s
gut, wir find wohlauf“ enthielten.
           Da bekam Christian den Besuch eines einstigen Schul-kameraden, der als Recrut in Wien eingerückt war.  Er brachte eine schreckliche, eine unblaubliche Nachricht, so unglaublich, daß der junge Soldat Mühe hatte, sich Brosek’s zu erwehren, der ihm an die Gurgel sprang und ihn einen
schurkischen Verleumder nannte.
         War er erzählte, klang freilich wie eine sinnlos boshafte Erfindung.  Daß die Mutter Christian’s sich wieder ver-heiratet hatte und an einen notorischen Lumpen, der den Jahren nach ihr Sohn hätte sein können.  Glich diese That-sache nicht einem bösen Traume, den Fieberhitze im kranken
Hirn erzeugt?
            Die Trauung der Witwe mit dem Taugenlichts Slavik hatte in aller Stille stattgefunden, und schon wenige Tage danach war es zwischen dem Stiefvater und dem Stiefsohn
zu einer Prügelei gekommen, bei der Slavik schmählich unterlag, weil er betrunken und sein Gegner nüchtern war.  Die Mutter hatte sich bemüht, Alles zu vertuschen, den Ehemann gepflegt und nicht aus dem Hause gelassen, bevor die schlimmsten Spuren der erlittenen Mißhandlungen verwischt waren.  Nach und nach war die Sache aber doch ruchbar geworden.  Was half auch das Berheimlichen, es war ja Zehn gegen Eins zu wetten, daß erste Prügelei nicht die
letzte bleiben werde.
      Christian wollte sogleich seiner Mutter einen Absagebrief schreiben.  Es ist aus zwischen uns, wollte er ihr sagen, du hast dem Andenken unseres Vaters Schande gemacht, du hast
deinen Kindern Schande gemacht.
            Jedes Wort hatte er sich im Kopf zurecht gelegt – aus der Feder, so oft er sie auch ansetzte, wollte keines fließen.  Er fing immer wieder von neuem an, verdarb viel Papier,
der Vrief kam nicht zu Stande.  Inzwischen traf einer von
der Mutter ein.  Weder Zerknirschung noch Reue sprach
aus ihm, nur herbe Klage über das Unglück, von dem sie heimgesucht worden sei, und von einer „Zulassung Gottes“.  Am Schluffe sagte sie:  „Ich habe nur noch dich auf der
Welt, verlasse mich nicht, wie dein Bruder mich verlassen hat.“
            Christian gab keine Antwort.  Was hätte er antworten sollen?  Aber an seine Braut schrieb er:  „Bon mir aus ist Alles beim alten geblieben;  ich hoffe, daß auch bei dir
Alles beim Alten bleibt.“  Er wartete und wartete auf eine tröstliche Zeile, es kam keine.  Seine Freisprechung war er-folgt, er hätte jeden Tag heimreisen können und entschloß
sich nicht dazu.
            Endlich kam aus dem Orte, in dem sein Dorf ein-gepfarrt war, ein Brief vom Herrn Pfarrer selbst:  „kom-
men Sie zum Rechten sehen, sobald Sie können,“ hies es darin.  So kam er denn und begab sich zuerst in das Haus seiner zukünftigen Schwiegereltern.  Es war an einem Sonn-tag Nachmittags, der Bauer trat ihm entgegen im Feststaat,
ungeheuer zuversichtlich und hochfahrend:
            „Bist wieder da?  Ich habe mir gedacht, daß du kommst, und habe darum die Pepi weggeschickt. Daß es jetzt
mit der Heirat nichts mehr ist, wirst ja selbst begreifen.“
            Christian starrte ihn an, wie vor den Kopf geschlagen, und begriff nicht, was dieser Empfang heißen sollte.  Der Bauer wollte ihm auch nicht Rede stehen:  „Erkundige dich
bei den Deinigen,“ sagte er.
            Christian zog weiter die Dorfstraße entlang und be-gegnete unterwegs Leuten genug, die ihn anriefen:  „Bist
da?  Weißt schon?“, und die froh waren, daß er noch nichts wußte, und daß sie ihm die Schauermär berichten durften, die
ihn so nahe anging.
            Im Laufe der vorigen Woche war Slavik im Wirths-haus einer benachbarten und wegen der Wildheit und Rauf-lust ihrer männlichen Einwohner berüchtigten Ortschaft bei einer Prügelei arg zugerichtet und auf die Straße geworfen worden.  Er hatte sich bis zum Hohlwegt hinter dem Doris geschleppt und war dort zusammengebrochen.  Zwei Bauern, die des Nachts vom Markte heimfuhren, fanden ihn in
seinem Blute liegend.  Sie luden ihn auf den Wagen und brachten ihn seiner Frau nach Hause.  Einer von ihnen half ihr den Berwundeten ins Haus tragen und auf das Bett
legen, der andere fuhr gleich weiter um den Herrn Pfarrer.
Als dieser nach einer Stunde eintraf, war Slavik todt.
            „Todt?“ schrie Christian auf, „todt ist er?“
            Ein paar junge Bursche lachten, und ein Taglöhner
sprach:
            „Freut dich? Dein Bruder hat sich auch gefreut, der hat geschrien, wie er ihn gesehen hat:  „Ist er wirklich
ganz hin, der Lump!“  Hält’ er geschwiegen, es wäre ge-
scheiter gewesen.“
            „Und wenn er nicht geschwiegen hat, was weiter?“
            „Was weiter? Ja wenn der Christian so begriffstützig
ist, muß man deutlich werden.“
            Die Bauern konnten nicht darauf schwören, ob sie einen Lebendigen oder einen Todten geführt hatten, wol
aber darauf, daß er noch ströhnte, als sie ihn aufluden.  Bei der Untersuchung gegen die Zechbrüder in dem verrufenen Wirthshause war nichts herausgekommen.  Es hatte eben in jener Nacht eine Prügelei dort stattgefunden, bei der es
viele Berwundete gab.  Durch wen verwundet, wußten
sie kaum selbst, und wenn sie’s mußten, behielten sie’s
für sich.  Im Dorfe machte man sich anfangs keine Ge-danken über die Todesart Slavik’s.  Nach seinem Begräbnisse aber entstand ein unheimliches Gerücht, das von einem alten Weibe, einer Nachbarin der Witwe, ausging.  Bauernschlaf ist tief, Nachtwächterschlaf noch tiefer, Niemand hatte das Gefährt durch den Ort rasseln gehört, nur sie allein, die
Alte.  Sie war beim Herannahen des Wegens erwacht, hatte den Kopf zum Fenster hinausgesteckt, den Ausruf des Sohnes gehört und auch das Flüstern der Mutter:  „Nur still, nur
still, ich bitt’ euch!  Daß nur kein Mensch wach wird, sie rennen mir sonst vor Neugier das Haus ein.“  Schon gut, dachte die Alte, wenn du mich vielleicht morgen aber wann zur Pflege deines betrunkenen Lumpen brauchen könntest,
wirst schon sehen, ob ich dir das Haus einrenne.
            Sie ging wieder zu Bette und wäre gern wieder ein
geschlafen, sie hatte keine Ruhe, sie hatte ein ganz bestimmtes
Gefühl, daß etwas Entsetzliches da drüben vorging.  Aber-mals stand sie auf, öffnete leise das Fenster und horchte.  Mutter und Sohn stritten mit einander, der Sohn rief:
„Aus dem Weg!  Geht mir aus dem Weg!“ Die Mutter schien zu flehen – schien – wer weiß, was sie sagte, was sie
that.  Auf einmal erhob sich ein furchtbares Röcheln . . .
Nichts meht, kein Laut . . .
            Endlich von weitem, ein Klingen hell und immer heller, das ist das Glöcklein, das die Ankunft des Herrn Pfarrers mit dem Allerheiligsten verkündet.  Aber wie der geistliche Herr gekommen ist, da ist er schon todt gewesen,
der arme Slavicek.
            Christian war langsam vorwärts gegangen und hatte allmälig ein stattliches Geleite bekommen.  Die allgemeine Aufmerksamkeit ruhte auf ihm.  Er biß die Zähne zu-
sammen, sah gerade vor sich hin; nicht ein zuckender
Muskel, nicht ein Wort verrieth, was in ihm vorging.  Auf einmal begann er mächtig auszuschreiten, dem mütter-
lichen Hause entgegen, erreichte es, riß die Thür auf und
trat ein.
            Was damals vorgegangen ist zwischen der Mutter und dem heimgekehrten Sohne, hat kein Dritter erfahren.  Die erste entscheidende Unterredung mag reich gewesen sein an
Bitterniß und Qual, äußerlich aber verlief sie ganz ruhig.
           Die Neugierigen, die gehofft hatten, Zeugen einer hef-tigen Familienscene zu werden, hielten sich eine Weile in
der Nähe und zogen dann enttäuscht ab.      
Am folgenden Morgen stand Christian in aller Gottes-früh in der Werkstatt und konnte sich überzeugen, daß der Altgeselle Recht gehabt, wenn er von sich gesagt hatte, er sei ein Mann zum Geführtwerden und nicht zum Führen.
Auch in der Withschaft war Alles zurückgegangen, und es gab wol jahrelang zu thun, um den Schaden gut zu machen, der in kurzer Zeit angerichtet worden war.  Christian ging sofort ans Wert.  Auf Beistand und Hilfe von irgend wem
hatte er nicht zu rechnen und rechnete er nicht.
     Etwas war geschehen, das den schlimmsten Argwohn gegen
die Seinen rechtfertigte.  Im Augenblicke, in dem er das Haus durch die eine Thür betreten hatte, war sein Bruder durch
die andere entflohen.  Offenbar hatte sein böses Gewissen ihn fortgetrieben.  Man hat nie wieder von ihm gehört.  Einige wollen ihn freilich in einem wohlhabenden Biehhändler er-kannt haben, der vor nun schon langer Zeit einmal hübsches Jungvieh auf den Markt ins nächste Landstädtchen brachte.  Er sollte sich mit auffallendem Interesse nach einigen Lenten im Dorf erkundigt und einem Bauern von dort zwei Rühe
zu lächerlich billigem Preise überlassen haben.  Aber das war ja nur Gerücht, und was kümmert das Gerücht Einen, dem
es nicht zu Ohren kommt?  Wen es aber umschleicht auf
Tritt und Schritt, jeden Augenblick bereit, ihm seinen Geifer ins Gesicht zu speien, wer sich nie vor ihm sicher fühlt, den
richtet es zu Grunde.  Die Mutter Christian’s erfuhre es.
            Daß sie ihren zweiten halbtodten Mann mit Hilfe ihres Sohnes ganz todt gemacht hatte, daran, meinten die
Gescheiten, die im Dorfe nur so wimmelten, konnte höchstens
ein Dummkopf zweifeln, die Superklugen, die erfindungs-reichen Köpfe, kamen aber bald darauf, daß sie auch ihren ersten Mann aus der Welt geschafft hatte.  Die Krankheit,
die ihn so verwandelte, daß sein eigener Sohn ihn im Sarge nicht mehr erkannte, war keine natürliche Krankheit, son-dern eine Bergistung gewesen.  An einem langsamen Gifte, das die Frau ihm täglich in die Speisen mischte, war der kerngefunde Mann gestorben.  Er mußte dem Slavik Platz machen, mit dem die Brosek schon damals „eine Bekannt-
schaft“ hatte.
Sie wurde gefürchtet und gemieden.  In der Kirchen-bank rückten die anderen Frauen von ihr fort, im ärgsten Gedränge auf dem Markte bildete sich um sie herum ein
leerer Raum.
            Unter der erdrückenden Last einer verleumderischen,
entfetzlichen, nicht widerlegbaren Anklage lebte sie noch viele
Jahre fort und vermochte lange die Berzweiflung über ihre Schmach hinter einem trotzig gleichgiltigen Wesen zu ver-bergen.  Im hohen Alter, als ihre Willensstärke abnahm,
griff sie zum unheilvollsten Mittel, um sich aufrechtzuerhalten.
Sie wurde eine Trinkerin, schlich ins Wirthshaus hinter
dem Rücken ihres Sohnes, leerte rasch einige Schnaps-
gläschen, kauerte sich stumm und scheu in die dunkelste Ecke
und wartete, um nach Hause zu wanken, bis es Nacht ge-worden war.  Manchmal kam Christian, um sie abzuholen, und Wenn er da auf sie zuschritt, sie in die Höhe hob und sagte: „Kommt, Mutter, es ist spät!“, da hatte sein Gesicht einen Ausdruck . . . die ihn am wenigsten mochten, denn
er hatte ein gar zu barsches und abstotzendes Wesen, be-
dauerten ihn.
            Langsam, mühsam brachte er seine verlotterte Wirth-schaft wieder herauf.  Nebenbei hatte er angefangen einen kleinen Obsthandel zu betreiben, der nach und nach größer wurde und ihn zu einem wohlhabenden Manne machte.
Mit der Wohlhabenheit kam auch das Ansehen.  Er nahm
es hin wie einen schuldigen Tribut, und je deutlicher er den Leuten zeigte, daß ihm nichts an ihnen lag, je größeren Respect bekamen sie vor ihm.  Sie hätten ihn gern in den Gemeinderath gewählt, er lehnte ab, er wollte mit denen,
die sich in bösen Tagen von ihm gewendet hatten, in guten
nichts zu thun haben.
            Seine ehemalige Braut, die einen reichen Bauer in
der Nachbarschaft geheiratet hatte, verlor ihren Gatten und ließ Brosek gleich nach dem Tode seiner Mutter sagen, er möge sie besuchen.  Ohne jede Frage hätte sie ihn jetzt gern genommen, aber er schenkte der Einladung der noch hübschen, reichen Witwe kein Gehör und rechtfertigte seine Handlungsweise durch den Gemeinplatz: Was ich habe, weiß
ich, was ich bekomme, weiß ich nicht.
            Ja, was er hatte, wußte er.  Er hatte Frieden.  Das schöne Wort Serenitas fiel mir ein, als ich in sein
energisches Greifenangesicht blickte.
           Ein langes Schweigen war eingetreten.  Der Schlosser-meister hing seinen Gedanken nach, aber nicht trübseligen über den dornenvollen Lebensweg, den er zurückgelegt, son-dern sehr wahrscheinlich über einen guten Handel, den er
im Sinne hatte.  Maida war immer froh, wenn er einen Ge-
legenheit, sich herzlich auszuschweigen, ergreifen konnte.  Die
Lippen dieses großen Lächelkünstlers umspielte eine heitere Wehmuth, deren Geheimniß er allein besitzt.  Herr Wanlek
schien zu schlummern. Plötzlich öffnete er die Augen, wendete
sich an Maida und fragte:
            „Wie ist’s?  Habt ihr abgeschlossen?“
            „Morgen schließen wir ab.“
            „Schon recht, daß ihr einmal zu was Eigenem kommt.“
„Schon recht,“ bestätigte Brosek.  „Das Haus ist freilich
baufällig, bauen werdet ihr müssen, bevor ihr einzieht.“
            „Meine Frau meint, wir sollen die Alten drin lassen.“
            „Umsonst?“
            „Der alte Wendelin will bei uns in Taglohn gehen.“
            „Auf sein Feld? – ist bitter, in Taglohn gehen auf
sein eigenes Feld.  Und könnt’s gut haben, der Wendelin
hat den Grund schuldenfrei übernommen nach seinem Vater, nur eine Schwester auszahlen müssen, ist auch soweit arbeit-()m und kein Trinker gewesen und hat sich doch nicht halten
können.“
            „Die Frau ist die Ursch’,“ sagte Brosek, nicht ohne
schadenfreude und mit der weiberfeindlichen Gehässigkeit des alten Junggesellen, „die ist faul und genäschig.  Wie sie das Angeld von euch bekommen hat, Maida, was war ihr Erstes? daß sie sich beim Kaufmann die Spitze von einem Zuckerhut geholt hat, so ein großmächtiges Stück, und dran geleckt und geknuspert hat und ganz stolz durchs Dorf
spaziert ist.  Den Kindern ist das Wasser im Mund zusammen-
gelaufen.“
            „Mit so Einer,“ versetzte Herr Wanlek, „ist der Mann schlecht dran, kann sich plagen von Früh bis Abends, er
kommt doch nicht auf.“
            Die Augen Maida’s funkelten, und jetzt hatte er ein strahlendes Lächeln.  „Ja, die Frau, ja, was kommt nicht Alles auf die Frau an!“  Er sah sich im Kreise um, so offenbar nach Complimenten fischend, daß es grausam ge-wesen wäre, seine Erwartung zu täuschen.  Brosek sagte
denn auch:
            „Das wißt Ihr am besten; Ihr habt es gut, weil Ihr gescheit wart, habt Ihr’s gut.  So gescheit, wie Ihr wart,
wäre aber auch ein Anderer gewesen, zum Beispiel ich.  Wenn ich damals die Ruzenka getroffen hätte, wie Ihr sie
getroffen habt, beim Teich . . .“
            Maida wurde unruhig.  „Bei wechem Teich?“ fragte er verlegen und ängstlich, und Brosek der Einsame gönnte sich das Vergnügen, den glücklichen Ehemann ein wenig zu
necken.
            „Nun, beim Teich,“ wiederholte er, „wenn ich sie dort getroffen hätte, die Schöne, Liebe in größter Verzweiflung, ich hätte ihr auch gesagt:  Ruzenka, mein Seelchen, spring
nicht in den Teich, spring’ in meine Arme.“
            „wie Ihr nur redet!  Ich weiß nichts von einem
Teiche.“
            „War’s nicht beim Teich, so war’s wo anders, ’s ist
ja gleich.  Wo immer ich sie getroffen hätte in ihrer Ver-zweiflung, mit ihrem Kinde und mit ihrer gebrochenen
Hand –“
            Maida (wetzte) auf seinem Sessel gequält hin und her:  „Gebrochene Hand, ich weiß nichts von einer gebrochenen
Hand.“
„Wenn sie nicht gebrochen war, war sie verstaucht," entschied Herr Wanlek mit Autorität, aber auch ihm wider-
sprach Maida:
          „Nicht gebrochen und nicht verstaucht, nur ein bischen
blutig vom Anfallen an den Thürpfosten.“
            „Was – angefallen! An den Thürpfosten geschleudert ist sie worden.  Die Malerin hat mir’s nachträglich selbst gestanden, wie ich sie zur Rede gestellt habe.  Ich war ja schuld, daß die Ruzenka zu ihr gegangen ist, sie bitten.  Ich habe sie hingeschickt, ich habe zu ihr gesagt:  „Schau, du hast ein so elendes Leben, seitdem das Kind da ist.  Die Mutter beschimpft dich, der Vater prügelt dich, du mußt
ein Ende machen.  Ich weiß, der Ferdinand hat dich lieb –“
         Maida murmelte etwas Unverständliches, Wanlek nahm
keine Notiz davon und ließ sich nicht unterbrechen:
            „Der Ferdinand möcht’ dich lieber heut’ als morgen heiraten, er traut sich nur nicht wegen der Mutter, die eine reiche Schwiegertochter haben will.  Ich meine aber, wenn
sie das Kind sieht, wird sie sich schon erweichen lassen.  Heut’
noch reut’s mich, daß ich ihr den Rath gegeben habe, der Armen.  Die Malerin hat sie nicht einmal zu Wort kommen lassen, sie hinausgeworfen, daß sie liegen geblieben ist und nicht hat ausstehen können, bis Ihr gekommen seid und ihr
geholfen habt.“
            Maida litt schwer, während diese traurigen Erinne-rungen mit grausamer Rücksichtslosigkeit heraufbeschworen wurden.  Mühsam und vergeblich hatte er nach Worten gerungen, um Herrn Wanlek unterbrechen zu können, end- lich gelang’s:  „Ich habe ihr nicht geholfen, ich war nicht
da, sie ist allein aufgestanden und weitergegangen bis zum
Wäldchen.“
            „Das heißt, Ihr habt sie geschleppt und auch das Kind getragen,“ versetzte Herr Wanlek, der den Widerspruch
nicht liebte.“
            „Wie soll ich sie geschleppt haben, wenn ich nicht
da war?“
            „So seid Ihr später gekommen und habt sie dann
weitergeschleppt.“
            „Das nicht.“
            „Aber das Kind habt Ihr getragen.“
            „Das ja.“
            „Nun also!  Sagt doch, wie’s war.  Könnt Ihr denn
gar nicht reden?“
            „Reden kann ich,“ erwiderte Maida, und die beiden
Anderen lachten, und Brosek sprach:
            Das solltet Ihr doch einmal beweisen.  Erzählt wie’s
war.  Beim Teich habt Ihr sie also nicht gefunden?“
            „Wenn ich shcon sage nein!“
            „Aber beim Wäldchen?“
            „Ja. Wie ich aus dem Wäldchen herausgekommen bin, ist sie dagesessen mit dem Kinde und ich habe sie an
gesprochen.“
            „Wer’s glaubt!“
            „Guten Abend, Ruzenka!“ habt ich gesagt.
            „Und was hat sie gesagt?“
            „Auch: Guten Abend! und dann habe ich wieder eine
Weile nicht gesprochen.“
            „Kann mir’s denken, dann war’s aus.“
            „Es war nicht aus.“  Der Spott, den Maida erfuhr, stachelte ihn auf, das Bewußtstein, daß er an einem Wende-punkte seines Lebens stand – heute noch ein armer Heger, morgen Haus- und Grundbesitzer – versetzte ihn in erhöchte Stimmung und löste seine schwere Zunge.  Er sprach, er
erzählte, ziemlich fließend sogar:
            „Ich habe sie gefragt, wohin sie geht.  Sie hat geant-wortet:  Ich weiß nicht, nach Hause getraue ich mich nicht mehr, die Eltern haben mir gedroht:  Setze du nur Einen
Fuß auf die Schwelle, untersteh’ dich, wenn du nicht als Braut kommt! – Wir waren wieder eine Weile still, und
dann hat man’s von Weitem leise pfeifen gehört.  Das war die Locomotive von der Eisenbahn, und eine kleine weiße Wolke ist geflogen.  Da hat die Ruzenka zu zittern angefan-gen und gesagt:  Hört sie pfeifen?  Weißt du, was ich ge-dacht habe vor einer Viertelstunde, wie sie hinausgefahren
ist aus der Station?  Ich habe gedacht, sie ruft mit ihrer
feinen Stimme:  Komm’ zu mir, komm’, ich erlös’ dich, ich
hab’ eiserne Räder, ich erlös’ dich!“
        „Schrecklich!“  sprach Brosek, und Herr Wanlek machte
das Zeichen des Kreuzes.
            „Verzeih’ uns unsere Sünden,“ murmelte er.  „So
weit können die eigenen Eltern die Kinder bringen.  Wie
war Euch, wie Ihr das gehört habt?“
            „Kalt über den Buckel ist es mir gelaufen.  Ich habe mein Gewehr an einen Baum gelehnt und habe mich neben die Ruzenka hingesetzt und ihr die sündigen Gedanken ver-wiesen.“  Er schwieg, und der Schlosser sah ihn ver-
schmitzt an.
            „Habt Ihr eine Predigt gehalten?  Die wird wenigstens
nicht lang gewesen sein, wie ich Euch kenne.“
            Maida reagirte nicht.  Er hatte den Kopf sinken lassen; sein Rücken machte eine krumme Linie mit verschiedenen Ausbuchtungen, an denen Wol der schlecht gemachte Rock schuld war.  Sein Gesicht – ist es möglich, daß ein so
häßliches Gesicht einen so schönen Ausdruck hat?  Der Wider-
schein eines schmerzlichen und großen Mittleids spiegelte sich
in seinem Zügen; ich glaubte mit ihm das Bild zu sehen,
das aufgestiegen war vor seinem inneren Auge.  Das Bild eines schönen, jungen Weibes, das die Menschen ver-achteten und ausstießen, weil es Dem, den es liebte, ge-
glaubt hatte.
            Auch Brosek betrachtete den Heger’ aufmerksam und fing wieder an, ihn herauszufordern:  „Wetten möcht’ ich, daß ich weiß, was dann geschehen ist.  Sie ist wor Euch auf die Knie gefallen und hat Euch um Gotteswillen gebeten,
daß Ihr Euch ihrer erbarmt.“
            Maida’s Augen funkelten:  „Verspielt habt Ihr.  So
war’s nicht.“
            „Wie war’s also?“
            „Ruzenka, habe ich sie gefragt, einen Andern als den Ferdinand möchtest du nicht nehmen? – Ach, wer möchte denn mich nehmen, hat sie geantwortet. – Und has du
den Ferdinand am Ende noch gern? – Und wenn ich ihn
noch gern habe, was hilft’s?  Er muß doch eine Andere heiraten. – Was wirst anfangen? – Was fang’ ich an,
was fang ich an?  sagt sie, und weint und weint, und mir
ist fürchterlich Angst geworden.“
           „Wovor denn?“
           „Daß sie aufsteht und davonläuft zur Locomotive, und da habe ich gesagt:  Als dem Ferdinand seine Braut kannst also zu den Eltern nicht kommen, und wenn du nicht als Braut kommst, lassen sie dich nicht ins Haus.  Du kannst
aber als Braut kommen, brauchst nur wollen.  Schau, Ruzenka, ich rath’ dir:  komm’ als meine Braut.  Ich nehme dich.  Willst?  Sie war so verwundert, sie hat einen Schrei ausgestoßen. – Du würdest mich nehmen, Maida, mich
mit dem Kind, wär’s dir denn keine Schand’? – Da habe
ich freilich nicht gradaus Nein sagen können und habe ge-sagt:  Du sollst nie was davon spüren, Ruzenka, nimm
mich nur.  Sie ist noch immer nicht aus ihrer Berwunde-
rung herausgekommen, hat die Hände gefaltet, ich glaube
sie hat gebetet und geweint, geweint!  Ich habe sie getröstet:  Weine nicht, du sollst es gut bei mir haben.  Sie hat sich
die Thränen abgewischt und auf das Kind gezeigt. – Und
mein armes Würmerl, wirst du das nicht treten?“
            Nun erhob Maida den Kopf und sah warhaft glorreich aus:  „Wie sie das gefragt hat, hab’ ich von Herzen lachen müssen.  Treten, ich den Mischenko, den Buben, damals schon, er war kein halbes Jahr, und hat einen schon freund-lich und vernünftig angeschaut.  Und ich hab’ auch ihn an-geschaut – er mich und ich ihn, wie man schaut, wenn man denkt:  Grüß dich Gott.  So habe ich der Ruzenka auf ihre dumme Frage gar keine Antwort gegeben, ihr das Kind vom Arm genommen (früher noch das Gewehr umgehängt) und nur gesagt:  Wirst schon sehen, wie ich ihn treten werb’.  Komm’ jetzt zu deinen Eltern.  Sie ist aufgestanden und
wir sind gegangen.“
            „Was Ihr damals gethan habt, Maida, habt Ihr nicht
zu bereuen,“ sprach Herr Wanlek.  „Ihr habt die schönste Frau bekommen und die beste, und habt jetzt auch liebe, ge-
sunde Kinder.“
            „Der Bub’ kriegt zu Neujahr wieder den ersten Preis,“
sagte Maida halblaut vor sich hin.
            „Und Eure Aelteste ist ja die Erste in der Nähschule,“
sagte ich.
            „No ja.“
            Der Schlosser machte ihn nach:  „No ja.  Ich bitte, Euer Gnaden, wie er das sagt.  Als ob ihm nichts daran
liegen würde.  Hat drei kleine Mädchen, der Mutter wie
aus dem Gesicht geschnitten, wahre Docken, aber der Bub’
geht ihm über Alles.“
            Maida protestirte nur mit einem Lächeln.  Seine Be-redtsamkeit hatte das Außerordentliche geleistet und war
erschöpft.
            Jetzt klpfte es an der Thür.  Auf ein kurzes „Herein!“ 
Herrn Wanlek’s erschien ein Knabe von zwölf Jahren auf
der Schwelle.  Ein Bild von einem Kinde, schlank und kräftig,
mit zierlichen Gliedern, geschmeidiger Gestalt, rosigen Wangen
und großen, leuchtenden Augen.
            „Mein Bub,“ sagte Maida, Freund Mischenko höchst
überflüssigerweise vorstellend.
            Herr Wanlek und Brosek tauschten einen verständniß-innigen Blick, in dem sich ein wenig Spott und ein großes
Wohlwollen aussprach.
            Der Junge zog die Mütze, begrüßte die Gesellschaft, und nachdem der Höflichkeit Genüge gethan war, trat die Zärtlichkeit in ihre Rechte.  Er legte den Arm um den Hals
Maida’s und sagte:  „Kommt Vater.“
            „Befiehl du!  Hat dich vielleicht die Mutter geschickt, glaubt sie, ich finde den Weg nicht allein?“  Maida’s
Lächeln hatte sich in ein stummes Lachen, ein stilles (ro)
locken verwandelt.
            „Es ist finster und es schneit, ich habe die ((())) mitgebracht,“ versetzte der Knabe, „und der Azorl ist auch
da.  Hört Ihr ihn?“
            Von außeu kratzten eifrig kleine Pfoten an die Thür,
ein stürmisches, ein gequältes (Winselu) ließ vornehmen.
        „Er sucht uns,“ sagte Mischenko, und Herr Wanlek befehl.
        „Lass’ ihn herein.“
        Der Junge gehorchte freudig.  Dünn, schwarz, sichtlich bereit, vor Lebhaftigkeit aus der Haut zu fahren, sobald
sich dazu die geringste Möglichkeit böte, stürzte ein kurz-beiniger „Dackerl“ herein.  Wie eine Kugel aus dem Rohr schoß er gegen die Füße des Schlossers, flog an das Bett
an und war im nächsten Moment bei Maida, sprang ihm
auf die Knie, drückte sich an seine Brust und Keuchte und
zappelte vor Seligkeit.
            Mischenko sah dem Treiben des Hundes mit Wonne
zu, Herr Wanlek war belustigt und sagte:
            „Nur reden, wenn er könnt’.“
            Dann würde er auch nicht mehr sagen, dachte ich, dieser Sendbote der Liebe, die den alten Maida mit seinem krummen Buckel und seinem Affengesichte daheim erwartet.
        Der Glückliche Mann stand auf, wünschte dem Kranken
eine gute Nacht und empfahl sich.  Brosek folgte seinem Beispiele.  Die Beiden, das Kind und der Hund verließen
das Zimmer.
            Herr Wanlek lag eine Weile regungslos, die Augen mit seltsamer Unbeweglichkeit auf die Thür geheftet, durch
die seine Besucher hinausgetreten waren.
           „Brave Leute,“ sagte ich.
           „Ja, unter den Alten gibt’s noch brave.“
           „Auch unter den Jungen, Herr Wanlek.“
           „Keinen einzigen,“ sprach er mit größter Bestimmtheit.  „Lauter Trinker, Spieler, Faullenzer.  Lesen Zeitungen,
gehen auf die Jagd und in die Versammlungen, kümmern sich um Alles, nur nicht um ihre Wirthschaft, und wundern
sich noch, daß sie immer mehr in Schulden kommen.“
            „Es sind nicht Alle so.“
            „Die anders sind, sind die Aergsten.  Wo sie uns Schaden machen können, thun sie’s.  Wenn ihr Feld an das unsere grenzt, ackern sie jedes Jahr einen Streifen ein, verrücken unsern Grenzstein, und wenn wir ihn wieder an
die rechte Stelle setzen, klagen sie uns auf Besitzstörung.  Mit dem Weg zum Wald geht’s ebenso, auch den ackern
sie ein.  Wir werden bald nicht mehr wissen, wie wir in unsern eigenen Wald kommen sollen.  Sage ich etwas, dann schimpfen sie:  Du bist ein Speichellecker. Sie sagen jetzt Du zu mir, weil ich nur ein Diener bin.  Als ob das so
etwas Geringes wäre, ein Diener.“  Er überlegte und
sprach dann mit sichtbarer Freude an seinem Einfall:  „Wir sind Alle Diener Gottes.  Die Bauern drohen mir,“ fuhr
er fort, „in drei Jahren längstens gehört Alles uns,
dann wohnen wir im Schloß, und du kannst dich freuen, wie’s dir gehen wird.  Ich natürlich habe ihnen gesagt:  In einem Schloß werdet ihr in keinem Fall wohnen, wo ihr hinzieht, da gibt’s kein Schloß mehr, sondern einen, mit Respect zu sagen, Saustall.  Aber das begreifen sie nichts.
So sind heutzutage die Leute.  Denen, die etwas haben, möchten sie es wegnehmen, und den Armen geben sie nichts.  Vor ein paar Tagen erst hat einer aus dem Armenhaus zu
mir gesagt:  Auffressen möchten uns die Bauern, wenn sie könnten.  Jetzt ist der Winter da, nicht einen Span führen
sie uns zu.  Wir müssen die Fenster mit Lehmziegeln ver-
fürs Armenhaus, sie haben andere Ausgaben, sie haben jetzt das Wirthshaus, das kleine, auf dem der Jud’ zu Grunde
gegangen ist, gekauft.“
            „So und auch bezahlt?“
            „Wie sollen die bezahlen?  die haben ja kein Geld.  Es ist nicht mehr wie früher.  Früher, wenn mir der selige Excellenzherr einen Hunderter gegeben hat zum Wechseln, bin ich zum ersten besten Bauern gegangen. Kannst wechseln?  Damals habe ich Du zum Bauern gesagt.  Er den Kasten aufgesperrt, einen Buschen Banknoten herausgenommen, hundert Gulden aufgezählt auf den Tisch und gefragt –
wie oft ist mir das vergekommen – Habt Ihr noch einen?  Heute könnt’ ich das ganze Dorf ablaufen und brächt’
keine hundert Gulden auf.  Sie stehen schlecht und sind schlecht, und was nachwächst, ist das Allerschlechteste.  Der lieber Kerl, aber unter den Blinden wäre auch der Ein-
äugige König.  Die jetzigen Kinder sind schlechte Kinder, Prügel würden sie brauchen und der Schullehrer darf ihnen
keine geben.“
            Er Wendete den Kopf zu mir herüber und wies mit dem Finger auf eine kleine, noch nicht verharschte Haut-wunde über seinem rechten Auge:  „Sehen, Euer Gnaden,
da hätt’ ich leicht ums Auge kommen können.  Vor drei Wochen, mir war schon recht elend, da habe ich mir gedacht:  Willst dir die Gegend noch einmal ansehen, so lang du noch ein bischen kriechen kannst. Es ist ein so schöner Spätherbst-tag gewesen, völlig warum, die Sonne hat geschienen; ich schleppe mich hinauf bis zum Kreuz oben bei der Ziegelei, setze mich auf die Stufen und schaue mir Alles noch so
recht an was man von dort übersieht.  Schau zum Maier-
hof hinüber, den ich gebaut habe, zur Straße, die ich ange-legt habe.  Ein Wagen hinter dem andern ist d’rauf gefahren.  Und wie ich zuerst davon gesprochen habe, daß ich den
Weg neben dem Berg gradaus ins Dorf führen möchte,
da haben sie Spectakel gemacht und geschrien:  Kannst warten, bis dir dort wer fahren wird.  Heute könnt’ ich
ihnen freilich sagen:  Gar lang hab’ ich just nicht zu warten gebraucht.  So etwas sage ich aber nicht, wer wird so etwas sagen?  Ich bin froh, daß ich mir’s denken kann.  Auch mit dem Brunnen bei der Wasserleitung habe ich Glück gehabt.  Von der Arbeit hat der Herr gemeint:  Du grabst und
grabst!  Gibst eine Menge Geld aus und bringst nicht Ein Glas voll Wasser herauf.  Aber jetzt wundert er sich, und setzt freut er sich.  Schon im ersten Jahre ist das Wasser im Brunnen zwei Klafter haoch gestanden, und heuer, in dem trockenen Jahre, eine Klafter hoch.  Ja, ich kann meinem Gott
nicht genug danken; ich bin immer glücklich gewesen.  An das
Alles habe ich gedacht und bin so dagesessen. Auf einmal
fahre ich zusammen – ein  ist mir an den Kopf geflogen, und über mein Auge und meine Wange rinnt Blut; nicht viel,
nur ein paar Tropfen, und weh hat’s ja auch nicht gethan.  Jetzt aber höre ich lachen und sehe einen kleinen Buben,
der dasteht, so auf zwanzig Schritt.  Es ist einer von den Kropatschek-Buben.  Im Sommer hat er einer armen Häus-lerin Holz gestohlen, und ich habe ihn erwischt und ihn durchgehaut, und jetzt rächt er sich dafür.  Sieht mich da sitzen, schwach und elend und ohne Athem, und wirst mir einen Stein und verhöhnt mich.  Lauf’ mir jetzt nach, du
alte (Kraren), lauf’, probir’, ob du mich kriegst.  Streckt auch die Zunge heraus, und tanzt vor mir herum, ich sage
Ihnen, die Teufel in der Hölle tanzen so.  Ich hätte ihm
gerne einen Fluch zugerufen, und konnte nicht, ich habe
mich nicht einmal geärgert.
          „Mir ist etwas Rasses über die Wangen gelaufen, etwas Anderes als Blut, und hat auch ganz anders und viel ärger weh gethan. . . .  Es waren Thränen.  Ich schäme mich, es
zu sagen:  ich habe geweint.  Nicht über den Buben – den hole der (Kukuk) – sondern darüber, das die Kinder heute
so sind.  Sie rächen sich, wenn man sie straft.  Ich habe die Hand geküßt, die mich gestraft hat.  Es war die Hand unseres alten Schullehrers.  Ich habe nicht lesen lernen wollen, und der Lehrer hat gesagt:  Du, wenn du nicht willst, kriegst Schläg’.  Und richtig, am nächsten Tag, weil ich noch immer nicht will, gibt’s so einen kleinen Klaps.  Da habe ich mir eingebildet, jetzt hast gewonnen!  So ein kleiner Klaps ist
wie nichts, aber lernen ist bös, und war entschlossen:  ich nehme die (Klapse) und lasse das lernen bleiben.  Ja schön, so macht man die Rechnung ohne den Wirth.  Die nächsten Klapse, die sind Ihnen ausgefallen!  Acht Tage lang habe
ich nicht gewußt, wie ich mich dreh’n und wenden soll.  Aber geholfen hat’s, und vom Letzten in der Schule bin ich so nach und nach bis zu den Mittelmäßigen hinaufgerückt.  Bei den Guten war ich nie, mein Kopf ist nicht zum Lernen
aus den Büchern, ich habe Alles mehr vom Sehen und Hörensagen.  Ich halte auch nichts auf die heutigen Schulen, wo die Kinder nicht angerührt werden dürfen; da kommen
lauter solche Früchteln heraus wie der Kropatschek.“
            „Der Kropatschek ist eine Ausnahme.“
            Er warf mir einen tadelnden Blick zu:  „Euer Gnaden sind doch sonst so vernünftig und sollten so etwas nicht sagen.  Wie Weiner ist, sind immer Viele.  Der Bub’ hat eine Menge Brüder, taugt keiner was.  Das ist freilich kein Wunder – die Großmutter ist eine Her’.“
            „So heißt es; aber Sie werden doch nicht d’ran
glauben, Herr Wanlek?“
            „Da ist nichts zu glauben, das Weiß Jeder.  Der ver-storbene Schafmeister, der Mister, hätte viel erzählen können, der hat sich aufs Besprechen verstanden.  Einmal hat die
alte Swoboda, jetzt ist sie auch schon todt, einen Streit ge-habt mit der Kropatschek.  Am Nachmittag geht sie in den Stall, will melken, die Rühe geben keine Milch.  Sie hat gleich gewußt, wie sie d’ran ist, natürlich, und hat um den Mister geschickt.  Der, die Rühe nur angeschaut, und einen Reihnagel holen lassen aus dem Pflug, mit dem zuletzt geackert worden ist.  Den Nagel hat er am Feuer roth wer-den lassen, dann von jeder der Kühe ein paar Tropfen
Milch genommen.“
            „Von denen?  Die haben ja Keine gegeben.“
            „Die paar Tropfen schon.  Die Milch hat er in das Thürriegelloch gegossen und den glühenden Nagel hinein-gestoßen in die Milch, und im selben Augenblicke haben die Kühe sich wieder melken lassen, und die Her’ ist auf allen
Bieren gelaufen.“
            „Wieso auf allen Bierren?“
            „Nun, wie ein Hund.“
            „Aber Herr Wanlek, ich bin ihr erst neulich begegnet,
so alt sie iß, geht sie noch ganz stattlich einher.“
            „Damals hätten Sie sehen sollen, nicht jetzt.  Und – Stattlich!  Wer weiß denn, was sie dem Teufel nicht Alles abbettelt.  Euer Gnaden sollten mich nicht so ungläubig
ansehen.“
            Meine Zweifel betrübten ihn und machten ihn besorgt um mein Seelenheil.  Ich lenkte das Gespräch ab, wir kamen auf die Quelle unerschöpflichen Interesses, auf die alten Zeiten zurück.  Herr Wanlek ließ seine ganze Vergangenheit an sich vorübergleiten und wiederholte mehrmals sein wohl-ihnendes:  „Ich bin immer glücklich gewesen.“  Dann fing er an, sich zu entschuldigen, daß er mich belästige mit seinem
Geschwätz, aber wie Viele lebten noch im Schlosse, vor deren
Augen eine solche Fülle von Bildern und Gestalken aufstieg, wie vor den meinen, wenn er sagte:  „Erinnern sich noch?“
        Endlich schwieg er erschöpft und begann erst nach einer Weile mit matter Stimme von neuem:  „Ich habe den
Herrn schon gebeten, bitten aber auch Sie ihn, daß der
Peter die Kellerschlüssel nicht bekommt, wenn ich nicht mehr
da sein werde.  Der gibt Gastereien, in vier Wochen ist
Alles ausgetrunken.  Ich weiß nicht, wem man die anver-trauen kann, die Schlüssel.“  Traurig blickte er zu ihnen hinauf.  In langer Reihe, sorgfältig etiquettirt, hingen sie neben ihm an der Wand, diese Zeichen seiner Macht, über dem Rosenkranze und dem Bilde des seligen Herrn.  „Ich meine immer,“ fuhr er fort, und wieder richteten sich seine Augen mit unheimlicher Starrheit auf die Thür:  „Da
hinaus wirst du nicht mehr treten, da hinaus wirst du
getragen werden mit den Füßen zuerst.  Morgen reisen Euer Gnaden ab, und wenn Sie wiederkommen und wollen mich
besuchen, müssen Sie auf den Friedhof gehen.“
         „Nein, nein, Herr Wanlek, wenn ich wiederkomme ist’s
Frühling, da grünt und blüht Alles, die ältesten Bäume treiben frischen Zweige und Blätter und jubeln mit wie die jüngsten beim großen Frühlingfeste.  Da sehe ich Sie schon dastehen vor dem Thore, wie Sie immer gestanden sind, wenn Eines von uns zu Besuch gekommen ist ins Eltern-
haus.  Herr Wanlek war immer der Erste, den man von Weitem erblickte und der den Heimkehrenden begrüste, und
so wird’s im nächsten Frühjahre wieder sein.“
            Ein Ausdruck innigsten Glückes erglänzte auf seinem
armen Gesichte.  „Möcht’ mich freuen,“ sagte er leise.
            Meine Prophezeiung ist nicht in Erfüllung gegangen,
in meiner mütterlichen Erde ruht jetzt auch Herr Wanle

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