Eva Speyer Interview

Eva Speyer

Eines Tages kam Paul Otto zu mir ins Lessingtheater und forderte mich auf, die »Nora« zu verfilmen, zufällig gerade meine Lieblingsrolle!  Ich sträubte mich nach der damaligen Auffassung 1911 naturgemäß dagegen.  Dann tat ich es schließ­lich und hatte einen guten Erfolg.  Man ließ mich nicht mehr los.  Ich selbst nahm seinerzeit das Filmen als eine angenehme Nebeneinnahmequelle, ohne künstlerisch der Filmerei große Bedeutung abgewinnen zu können.  Allmählich gewann ich mit der Vervollkommnung der Technik der Auffassung als bildend und förderndes Mittel für Volk, Literatur und Wissenschaft treibendes Interesse, was mich bewog, meine ganze Kraft in den Dienst der Sache zu stellen.  Und so, begeistert von der guten Grundlage der Sache, setzte ich mich durch künstlerisches und natürliches Spiel durch. – Die Volksseele sollte ja gebildet und gefördert werden.  Der Film wurde das bequeme billige Mittel hauptsächlich der mittleren und unteren Schichten! – Die Aufgabe zu erfüllen wurde mir eine eiserne Pflicht!

„Was ich am liebsten spiele?“

Am Theater wäre die Antwort: eine Naive, Sentimentale, Heldin – Charakterrollen oder wie wir die Fächer zu bezeich­nen pflegen. Dr. Max Pohl schrieb mir als Seebachschülerin einst in mein Album »Vermenschlichen ist alles!« Dieser Aus­spruch gewann in meinem künstlerischen Werdegang tiefere Bedeutung und ist heute zu meinem Leitstern geworden.

Angesichts meines eigenen Spiels empfinde ich schärfste Kritik.

Ja! Das Kinodrama ist bereits schon auf ein geistiges und literarisches Niveau gekommen, soweit Unternehmer und künst­lerische Kräfte gemeinsam ernst bestrebt arbeiten! Leider be­findet sich teilweise die Verfilmung nur, als Geschäft betrach­tet, noch in Händen profitsüchtiger Laien.

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