Esther Carena Interview

„Wie ich zum Film kam?“

Als Schauspielerin im Jahre 1916 nach Berlin kommend, suchte ich dort Theater-Engagement und ... dasselbe nicht fin­dend, bemühte ich mich – anfangs ziemlich widerwillig – um Beschäftigung beim Kino.  Es war zuerst der leichte Verdienst, der mich reizte, – aber nach und nach sah ich ein, daß manauch auf der Leinwand künstlerische Wirkungen erzielen konnte, und so trat das Theater mehr und mehr in denHinter­grund, und mein Interesse für alles, was mit der Kunst des Kinos zusammenhängt, wuchs von Film zu Film.

Ohne mich überheben zu wollen, gelang es mir, dank meiner äußeren Erscheinung, meines eigenartigen Typs und einer gewissen darstellerischen Eigennote – ziemlich schnell vorwärts zu kommen.

„Was ich am liebsten spiele ?“

Diese Frage wird Ihnen jede Darstellerin – ob dem Theater oder Kino angehörend – dahin beantworten: »Das Fach derguten Rollen!!« Aber – wenn ich dieses Fach spezialisieren soll – so muß die Rolle von Temperament und Leidenschafterfüllt sein und mir Spielraum zum Charakterisieren geben!

Zuerst den Wunsch – alles das im pantomimischen Aus­druckwiedergeben zu können – was der Dichter empfunden! Alle Seelenregungen – ob Freude oder Schmerz dem Be­schauer prägnant zum Bewußtsein kommen zu lassen und meinepersönliche Eitelkeit völlig auszuschalten – mich identifizie­rend mit dem darzustellenden Charakter! Zufrieden bin ich nur selten mit meinen Leistungen – denn – wenn ich mich auf der Leinewand betrachte – habe ich das Empfinden, ich hätte Vieles besser machen können ! – Was Ihre Frage – „Läßt sich das Kinodrama auf ein höheres (geistiges und literarisches) Niveau bringen,“ betrifftkönnte ich nur mit mei­nem persönlichen Empfinden beantworten – und dieses führt mich zu der festen Überzeugung – daß nach und nach im Kino der Kitsch verschwinden und von allen Schlacken gerei­nigt, eine neue reine Kunst Sieger bleiben wird! – Dieses zu erreichen und daran mitzuwirken, ist mein einziger Wunsch und mein ganz Bestreben!

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