Es war nur Gott dabei (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Es war nur Gott dabei ... vor diesem Gott, 
Vor dir, und mir allein, will ich den Flecken 
Den Makel meiner Ehre, zugefügt 
Von deiner Hand, verlöschen.

Höre nun!Um dies zu thun, bleibt mir ein Mittel nur:
Ich kann nicht gehn, um einem fremden Menschen 
Das was ich selbst mir kaum zu sagen wage,
Zu offenbaren. Für mich herrscht kein Richter,
Er wär' denn blind und taub und stumm, deshalb 
(Ein Schildern des Vergangenen glich' aufs Haar 
Der neuen That, hieß' selber mich entehren), 
Deshalb gibt's eins nur: hier sind Waffen, wähle!" 
Sie stellte auf den Tisch ein Kästchen hin 
Und öffnete den Deckel. – –

Lange standen Die beiden Menschen stumm.
Er sah sie an, Sie hielt das glänzend große
Aug' gerichtet Fest auf die Waffen.  Plötzlich brach er aus  
In lautes Lachen. Da durchglühte feurig 
Ein tiefes Rot die farbenlosen Wangen 
Der jungen Frau. Wie, wenn die ganze Antwort 
Dies Lachen wär'? Sie hätte schreien mögen

Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main