Ein Spruch von der Staufferin wegen ihres Disputierens (Auswahl)

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This text was digitized and graciously donated to Sophie by Dr. Albrecht Classen, University of Arizona. This particular work has been extracted from Classen's Frauen in der deutschen Literaturtgeschichte; the full text is available on this site.

[1] Frau Argel, arg ist euer Name,
Viel ärger aber, daß ihr ohne Scham
und alle weibliche Zucht mißachtend
so frevelhaft handelt und so vermessen,
[5] daß ihr euren Fürsten und Herrn
einen neuen Glauben lehren wollt
und euch dazu aufwerft,
eine ganze Universität
zu kritisieren und zu bestrafen
[10] mit euren närrischen Hinweisen
auf hundert zusammengeflickte Stellen,
von denen keine zueinander paßt.
Dazu habt ihr falsch zitiert,
als ihr auf Paulus hinweist,
[15] auf das erste Kapitel Timotheus.
Ihr verkauft uns Hafer für Gerste,
dennoch werdet ihr nicht damit beweisen,
daß er den Frauen einfach zu schweigen befiehlt,
sondern ihnen zu lehren verbietet.

[20] Zugleich befiehlt er ihnen, die Männer zu ehren,
durch Furcht, Gehorsam, Zucht und Scham,
weil Eva den Adam
gleich zu Beginn verführt hat.
.............................................
 
 
             Antwort der Argula von Grumbach:
 
 
[1] In Gottes Namen beginne ich,
zu antworten dem kühnen Mann,
der sich Johann nennen tut.
Er zeigt mir an, er sei von Landshut,
[5] auf daß ich weiß, wer er sei.
Ich merke wohl, es hat einen anderen Sinn,
so daß das Licht nicht richtig scheint.
Der selbige Student zu Ingolstadt
ist nicht ganz so frei, wie er sich rühmt,
[10] ihr hättet sonst euren Namen nicht so versteckt.
Christus bezeichnet uns als ganz hell und frei.
Ein jeglicher, der böse ist,
derselbe haßt das Licht und den Tag,
wovon ich euch berichten will.
[15] Mit diesem Namen sind viele getauft,
ei Lieber, kommt doch heraus,
wenn ihr ein redlicher Christ seid.
In Ingolstadt tretet auf
zu einem Tag, der euch gefällt.
[20] Wenn ich mich geirrt habe, dann sagt das.
Wenn ihr mir Gottes Wort zeigt,


folge ich wie ein gehorsames Kind.
Zeigt mir ehrlich meinen Irrtum,
wie es sich einem christlichen Mann gebührt.
[25] Drei oder vier Wochen zuvor
nennt mir den genauen Tag,
damit auch andere herbeikommen können,
um zuzuhören, was mein Anliegen dabei ist.
Gar fröhlich will ich dann zu euch kommen,
[30] denn dies betrifft meinen Herrn Gott.
Christus gibt mir tröstliche Auskunft,
daß ich mich nicht fürchten soll,
auch wenn ich vor Gericht gestellt werde.
Sein Vater selbst gibt uns die Lehre,
[35] schickt uns seinen Geist in unseren Mund,
der redet für uns in dieser Stunde.
Ihr seid nicht derjenige, der redet.
Ja, dieses Wort erfreut mein Herz,
auch wenn ich nicht eine Schriftgelehrtin bin.
[40] Ich habe keine Angst davor.
Ich will ohne Sorgen zu euch kommen,
zum Lobe von Gottes Namen und Ehren,
die ihr jetzt so sehr lästert.
Bildet eure Abgötter nach eurer eigenen Vorstellung.
[45] Ich hoffe, Gott werde in mir Schwachen wirken
und mir meinen Geist zu seinem Lob stärken,
wie mir Christus laut Matthäus zu wissen gibt:
Fürchtet nicht den, der euren Körper hinwegnimmt
und dennoch nicht mehr kann oder vermag.
[50] Fürchtet aber denjenigen, wie ich euch sage,
der Macht über den Körper und die Seele besitzt
und beide in die Hölle versenken kann.
Das Fleisch eines Menschen hat keine Kraft,


wenn nicht der Geist Gottes darin wohnt,
[55] den er uns auch versprochen hat
im zweiten Kapitel von Joel.
Dort findet ihr ebenso geschrieben,
wovon weder Frau noch Mann ausgeschlossen sind,
wie Gott seinen Geist ausgießen will
[60] auf alles Fleisch.  Nicht daß er
seinen Geist in einen engen Stall stellt.
So mancher, der nur ein geschwätziges Maul hat,
meint, nur er verstünde dies.
Gott redet in vielerlei Form davon.
[65] Eure Söhne und Töchter, Mägde und Knechte
werden davon unterrichtet, lest nur recht die Schrift.
Ihr werdet auch das von Gott verstehen.
Ihr Alten werdet davon träumen.
Wunder im Himmel und auf Erden
[70] werden kurz vor dem Tag des Herren auftreten.
Ihr findet es bei Johannes geschrieben,
im siebten Kapitel lest ihr davon,
das gleiche verkündet uns auch Christus:
Schreie laut derjenige, den es dürstet, zu mir zu kommen.
[75] Wer an mich glaubt, folge meiner Lehre.
Lebendige Wasser fließen hervor
von ihm.  Das redet der Herr vom Geist,
der uns alle belehrt.
Darüber solltet ihr Auskunft erteilen,
[80] denn Gottes Wort liegt tageshell vor uns.
Wenn der Bauer, die Bäuerin davon ausgeschlossen sein sollen,
so zeigt mir, wo ihr es geschrieben findet.
Wer sind denn die Aposteln gewesen?
Wo habt ihr es auf der Universität gelesen?
[85] Johannes war auch ein Fischer,


der dennoch so großartig und klar schreibt.
Desgleichen ist Petrus
ein Fischer gewesen, wie wir von ihm lesen.
Weiterhin verkündet uns Paulus,
[90] Gott habe seinen Geist in uns gesandt,
daß er uns in unserer Schwachheit helfen könne,
wie es im achten Kapitel des Römerbriefes steht.
Wir wüßten nicht, was wir beten sollten,
wenn uns der Geist nicht vertreten würde,
[95] oder wie es sich für uns als Christen gebührte.
Nehmt gut wahr, daß uns der Geist doch führt.
wie es in Korinther eins steht,
falls ihr das recht gelesen habt.
Im zweiten Kapitel schreibt Paulus,
[100] daß Gottes Geist zur Erkenntnis treibt,
der ja alle Dinge erforscht.
Auch die Kräfte der Gottheit schwinden,
niemand weiß, was in dem Menschen ist,
nur der Geist weiβes, der in ihm wohnt.
[105] Zudem weiß niemand zu irgendeiner Zeit,
was in Gott verborgen ist,
außer Gottes Geist, den er da preist
und mit diesen Worten unterrichtet.
Wir haben nicht empfangen
[110] den Geist aus dieser Welt.
Von Gott ist er zu uns gesandt,
auf daß er uns bekannt gebe,
und uns jetzt berichtet,
was uns von Gott gegeben ist.
[115] Im dritten Kapitel steht,
wie der Tempel Gottes genannt wird.
Sprecht: Gottes Geist ist in euch, außer dort,


wo die Frau von der Welt der Männer ausgeschlossen ist.
[120] Im dritten Kapitel Korinther steht,
was Paulus über die Buchstaben denkt,
wie sie den Menschen töten,
es sei denn, Gottes Geist wohnt beim Menschen.
In diesem Kapitel unterrichtet er uns,
[125] sagt klar, der Herr ist selbst der Geist.
So hat mich auch selbst Christus gelehrt.
Zu Gott wird niemand gelangen,
wenn der Vater uns nicht anzieht,
zu dem ich auch fliehen muß.
[130] Wir müssen von Gott unterrichtet werden.
Wie mich Christus selbst stärkt,
finde ich im sechsten Kapitel Johannis.
Jesaja schreibt auch klar davon,
im vierundfünfzigsten Kapitel.
[135] Lest diese Worte und nehmt sie wahr,
sie werden alle vom Herzen gelehrt.
Dennoch wollt ihr uns die Worte Gottes verkehren.
Bittet Gott um seinen Verstand.
Hört, wie ich abermals geschrieben fand,
[140] im siebzigsten Psalm stehen.
David lobt Gott auf dem höchsten Thron.
Sagt: oh Herr, du hast mich gelehrt
von meiner Jugend an hier auf Erden.
Im dreiundneunzigsten vernimmt man,
[145] an wen sich David wendet.
Oh Herr, der Mensch ist wohl selig,
den du persönlich unterrichtest,
dem du auch deine Gesetze beibringst.
Sagt nicht nach, was ein jeder schwätzt.
[150] Deswegen achtet nicht auf euer Dekret


ganz gleich, wieviel darin geschrieben steht.
Verfluchen und Verbannen
bewirken nichts, als die Seele und den Leib verdammen
und Fallen zu legen, mit denen ihr uns fangt,
[155] durch eure Geldgeschäfte und euren Geiz.
Christus hat euch doch gelehrt.
Dennoch richtet ihr euch nicht danach.
Ihr sollt in alle Welt ausziehen,
wie ich in Matthäus geschrieben finde,
[160] ohne Sack oder Geld.
Ich weiß wohl, daß es euch nicht gefällt,
es heißt nur dies: Verkündet!
Uns sind göttliche Worte gesandt worden.
Im fünften Buch Moses könnt ihr lesen,
[165] im vierundzwanzigsten Kapitel,
daß Gott sorgfältig verbietet,
daß ihm irgend jemand sein Wort verfälscht.
Setzt nichts dazu, nehmt nichts davon weg.
Wie wird euer Dekretal bestehen,
[170] oder der Scotus mit seiner Gelehrsamkeit,
weil wenige göttliche Worte darin stehen?
Auch der tief gelehrte Meister
bringt wie die anderen solches Geschwätz hervor,
was doch Gott verboten hat.
[175] Im dreißigsten Kapitel bei Jesaja steht,
weh über euch, daß ihr nicht
den Rat aus meinem Mund beachtet habt.
Vergeblichen Dienst nach menschlichen Geboten
verwirft Christus als nichtig.
[180] In diesem Kapitel steht weiterhin,
daß das, was Gott nicht gepflanzt hat,
ausgejätet werden soll.


Wie könnt ihr aber Christus hören,
sagt und gebt uns Bescheid,
[185] wenn ihr wie ein Blinder dem anderen ein Leid tut—
beide werden in die Grube fallen.
Herr, hilf all den Armen heraus.
Laß uns hier deine Gnade erwerben,
daß wir nicht wie sie verderben.
[190] Gott befiehlt uns auch, die fahren zu lassen,
die so verblendet und verstockt gewesen sind.
Im fünfzehnten Kapitel lest ihr,
so schreibt uns Matthäus klar davon,
laßt euch zum Vater bringen,
[195] flieht nicht zum Menschen hin,
zu Aristoteles und dem Dekretal.
Gott gibt euch nicht die Freiheit,
mit seinen Worten zu dichten oder zu komponieren,
sie zu verdunkeln oder zu verletzen,
[200] wie ihr es bisher getan habt.
Gott will es nicht länger dulden,
daβihr Arm und Reich betrügt.
Niemand ist euch darin gleich,
wie ihr kauft, finanziert, umherstolziert.
[205] Dazu führt ihr ein Leben
gewidmet dem Zins, geistlich genannt,
ist aber vielmehr geizig und schändlich.
Ihr treibt auch viel Betrug.
Mit Gottes Wort treibt ihr Handel.
[210] Hört, was Paulus verkündet
im zweiten Kapitel Korinther:
es sind sehr viele Menschen,
die ihr Streben auf zeitlichen Gewinn richten.
Gott spricht durch Christus das folgende Wort:


[215] Sucht weder hier noch dort Gewinn.
Sprecht all seine Worte nur ganz aufrichtig.
Vor Gott redet man mit Wahrheit.
Wenn ihr auch so handelt,
wollen wir euch gerne folgen.
[220] Ihr wollt uns aber sehr verführen.
Es ist Zeit, daß sich auch die Steine bewegen.
Während ihr Gottes Wort verdrängt
schändet ihr Gott, und die Seele eilt zum Teufel.
Ich will es gar nicht unterlassen,
[225] im Haus und auf der Straße zu reden.
Wieviel Gnade mir Gott davon schenkt,
soviel will ich es mit meinem Nächsten teilen—
Paulus hat mir nicht verboten,
dort, wo Gottes Wort nicht weit verbreitet ist, zu predigen.
[230] Leider herrscht bei uns nun diese Situation.
Ei lieber Hans, spart eure Worte,
nehmt euch ein Beispiel daran,
wie Balaams Eselin getan hat.
Als Gott den Mund der Eselin öffnete,
[235] redete sie zugleich mit menschlicher Stimme
und strafte Balaam den weisen Mann.
Im vierten Buch Moses lest ihr davon,
wie er sie mit Reitersporen schlug,
dennoch wollte sie nicht weitergehen,
[240] wie es auch jetzt oft geschieht.
Davon habe ich erfahren, bin gut unterrichtet.
Deswegen kämpft nicht gegen Gott,
ihr werdet wirklich vor ihm zu Spott.
Von Judith lese ich im achten Kapitel.
[245] Die Heilige Schrift berichtet mir davon.
Da lag Holofernes’ Heer


mit allen Wagen, Pferden und Waffen.
Aus Kleinmut und Angst
vertrauten sie [die Juden] nicht auf Gottes Gelübde.
[250] Sie hatten auf einen bestimmten Tag Gott ein Ziel gegeben,
an dem er sie von ihrem Leid befreien sollte.
Wenn ihnen bis dann nicht Hilfe gekommen wäre,
wollten sie sich Holofernes unterwerfen
und ihn als ihren Herrn anerkennen,
[255] ihm mit Leuten und dem ganzen Land gehorsam sein.
Sobald Judith dies vernahm,
ging sie sogleich zu den Priestern
und belehrte sie gut.
Gott habe auch ihren Vätern viel geholfen
[260] und sie überall aus der Not geführt.
Sie zeigte ihnen die Heilige Schrift,
ging auch zu den Obersten von ihnen,
sagte zu ihnen mutig: Was tut ihr,
daß ihr das Volk so in Schmerzen laßt.
[265] Richtet wieder euer Herz auf.
Von Abraham stammte Isaak, von ihm dann
Jakob.  Moses behob schlieβlich ihre Not.
Das war die Probe von Gott dem Herrn,
ob sie auch gutgläubig waren.
[270] Sie sollten damit auch verstehen,
daß die Bedrückung viel weniger sei,
als ihre Sünde, ja auch als ihre Schuld
und daß sie nicht ungeduldig werden sollten.
Gott schlägt mit seiner Geißel auf uns ein,
[275] auf daß wir uns verbessern.
Judith ergab sich dem Tod
und wagte für das Volk ihr geringes Leben.
 


............................. [mehrere Seiten werden hier ausgelassen, weil sie thematisch nichts Neues bieten]
 
Dieser hochkluge Meister [Johann]
will mich Haushalten und Spinnen lehren.
[280] Damit gehe ich doch täglich um
und kann es kaum vergessen.
Auch Christus sagt mir deutlich,
daβich seinem Wort zuhören soll, das sei die beste Wahl.
Herr und Gott, sprich zu mir,
[285] das ist mein gröβter Wunsch.
Wie sollte ich von euch lernen,
wenn ihr die Leute [von Gott] wegdrängt.
Ihr fordert uns dazu auf,
in Gehorsamkeit zu dienen
[290] und unseren Mann in Ehren zu halten.
Es wäre mir leid, wenn ich es ins Gegenteil kehren würde.
Mein Herz und meine Seele neigen sich dahin,
ihm hier zu dienen,
ganz voller Freuden und Gehorsamkeit.
[295] Wenn ich es nicht täte, wäre es mir leid.
Ich achte auch darauf, selbst am hellen Tag,
daβer sich nicht über mich beklagt.
Ich hoffe, Gott wird mich gut unterrichten,
wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll.
[300] Wenn er mich aber zu zwingen
und von Gottes Wort zu vertreiben beabsichtigte,
davon würde ich gar nichts halten.
Genau das aber strebt ihr an.
In Matthäus finde ich geschrieben,
[305] im zehnten Kapitel lest davon,
ja, daβwir uns trennen müssen


von Kind, Haus, Hof und was man hat.
Wer diese Sachen mehr liebt als Ihn, der ist ausgeschlossen,
derselbige wäre Seiner nicht würdig.
[310] Wenn ich Gottes Wort verleugnen sollte,
würde ich, bevor ich das aufgäbe,
meinen Körper und mein Leben eher hingeben,
weil mir meine Seele nicht lieber ist,
als mein Herr und Gott.
[315] Dann würde ich nämlich vor seinem Gericht zu Spott,
gestellt zu seiner linken Hand,
wo die Böcke und Kitze stehen.
Stattdessen wähle ich die rechte Tür.
Wie Christus sagt: wenn ihr an mich glaubt,
[320] seid ihr von der Verurteilung befreit
und gelangt durch den Tod ins wahre Leben.
Im 3. und 5. Kapitel lese ich es,
Johannes schreibt davon.
Hoffe, Gott werde mir beistehen,
[325] daβmir das alles möglich sei.
Ihr erzählt den Frauen Lügen,
denn ich habe es ja bereits berichtet,
daβihr mir diese Lehre gegeben habt,
von einem Meister namens Palatin;
[330] dieser Name ist mir auch unbekannt.
Ihr habt ihn schändlich verführt,
wie ihr es auch mit mir getan habt,
wie es in eurer Fabel zu lesen ist.
Ihr lauft unverschämt mit euren Schellen umher,
[335] quält so viele andere Frauen damit,
wollt mich sogar lächerlich machen,
obwohl es mir nichts ausmacht.
Ihr greift mich ganz entsetzlich dafür an,


daβich meinem Fürsten geschrieben habe.
[340] Ich merke, ihr macht euch groβe Sorgen deswegen,
sie könnten euer Handwerk legen,
womit ihr die Leute so verführt habt.
Ihr habt Angst, daβeure Bosheit aufgespürt werde.
Ich hoffe, sie werden es bald erkennen,
[345] daβeuch der Teufel sogar besessen hat.
Voll Freuden habe ich vernommen,
daβ[die Leute] jetzt zu lesen anfangen,
möge ihnen Gott darin Beistand leisten,
daβsie Gottes Wort annehmen,
[350] indem er ihnen seinen Heiligen Geist schickt,
der ihnen die rechte Wahrheit vermittelt.
Ja, diese Botschaft erfreut mein Herz.
Wie Christus sagt: Ihr seid selig,
wenn ihr meinetwegen verfolgt werdet
[355] und wenn euch die Menschen hassen,
ja sogar verschmähen und verstoßen
und euren Namen beschmutzen,
nur wegen des Menschensohns,
erfreut euch an diesem Tag.
[360] Euer Name gilt viel im Himmelreich.
Weh über euch, die ihr jetzt lacht,
ihr werdet bald klagen und weinen.
Weh über euch, selbst wenn euch alle Menschen loben,
lästert ihr doch Gott.  Euer Toben
[365] wird von Gott ganz und gar zunichte gemacht,
wenn ihr vor das strenge Gericht kommt.
Im sechsten Kapitel Lukas steht das.
Deshalb laßt ab davon und besinnt euch.
Für diesmal ist es genug davon,
[370] bis er in der Öffentlichkeit auftritt.



Von Balaams Eselin lernt nur gut,
Mein lieber Johannes aus Landshut.
 
Wenn es Gott so will.  Später mehr davon.
 
A. V. G. Geborn von Stauffen
  
 
 
FRAGEN ZUM TEXT:
 
—  Wie wehrt sich die Autorin gegen die männlichen Vorwürfe?
 
—  Welche Argumente benutzt Argula, um sich von dem Stereotyp zu befreien, das der Magister von ihr entworfen hatte?
 
—   Welchen Stil benutzt sie, um ihre Argumente vorzubringen?
 
—   Welche Autorität zitiert sie, um sich in der Öffentlichkeit zu behaupten?
 
—   Was für ein Bewußtsein als Frau beherrscht Argula?
 
—   Welchen Beitrag leistete sie mit ihren Schriften zur Reformation?

Bibliographic Information
Editor: 
Dr. Albrecht Classen