Ein Lobgesang für alle Errettung von Jugend auf (Poetry, Song Lyric, 1555)

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This text was digitized and graciously donated to Sophie by Dr. Albrecht Classen, University of Arizona

1. Ey gott mein leiber herre,
Lob dich beidt tag vnnd nacht, beidt ...                                                           vnnd = sowohl als auch
Ich will dich auch thun ehrenn,
Sich du hast mich gebracht,
Ach schwerlich aus mutterleibe,
Bin ich Inn anngst getzelt,
Ehe dem teuffell zu leide,
Getauft wie es dir gefelt,

2. Vor meiner gebürt mein mütter,
Vom teufell geengstet wardt,
Du bist aber mein beschützer,
Nach deiner Zusage zartt,
Inn diesem Jamerthal zu kommen,
Das dannck ich vater dir,
Denn Christenn mus ich fromen,
Stets diennlich vnnd nutze sein,

3. Im ehestanndt bin ich begebenn,
Dem edelenn herrenn mein,
Inn krangkheit thet ich lebenn,
Ahnn frucht thet ich nicht sein,
Creutz Jammer vnnde schmertze,
Was mir alltzeit empor,
Ich schrei zu gott vonn hertzenn,
Dem vnngeluck kam zuuor,

4. Nach meiner seell gestandenn,
Auch nach dem leibe mit gewalt,
Vom wortt mich zu enthaltenn,
Treiben die da warnn erkalt,
Mein trew thet mir denn schadenn,
Das redt ich vberlaut,
Das ist In nicht geratenn,
Ich bin Ins herrenn hut,

5. Am leib ich viell erlittenn,
Ahnn maß Inn grosser beschwer,
Versucht Inn allenn gelittenn,
Das weistu gott mein herr,
Durch gott scheinlich erhaltenn,
Vor aller vergifft vnnd list,
Man lasse denn liebenn got waltenn,
Der der rechte helffer ist,

6. Ich thett aüch ernnstlich regirenn,
Im Lanndt woll funftzehenn Jar,
Thet weinig darin hoffirenn,
Das redt ich ganntz offenbar,
Der teuffell war ausgelassenn,
Wie menniglich ist bekannt,
Dennoch hielt reine strassenn,

Das lanndt gudt ruhe fanndt,

7. Gottes wortt thet ich liebenn,
Vnnd brachts Inn das Lanndt,
Viell thetenn sie mir zuschiebenn,
Vncost Inn meine hanndt,
Dennoch nach gots gefallenn,
Klinget hir doch gottes wortt,
Vnnd gehet hirin mit schalle,
Vnnd ist allein mein trewer hortt,

8. Zwo aüffrür ich auswartett,
Mit gefehr ist gott bekannt,
Zu Mundenn vnnd zu Northeim,
Spiess vnnd helbartenn in Ihrer hanndt,
Freiheit thetenn sie nicht achtenn,
Inn der kirchenn dar ich war,
Man thet auch nicht betrachtenn,
Zucht, ehr vnnd Christi lahr,

9. Mit was last ich das regimente,
Gefurtt vnnd ergangenn ist,
Das weiss gott zum ennde,
Der erkenn es zu aller frist,
Das furstennthumb vnnd mein kinder,
Beliebet vonn hertzen grundt,
Gots wortt nit keme herunter,
Noch suche zu aller stundt,

10. Die last vnnd aüch das Creütze,
Zu beschreibenn ist viell zulanngk,
Auch horenn it nicht suesse,
Die welt die gibt vndannck,
Got ist es nicht verborgenn,
Das redt ich vnnd it war,
Der thut auch für vnns sorgenn,
Vnnd schütz vnns mit der enngell schar,

11. Die arbeit ist nit zü ertzellen,
Der ich getragenn viell,
Thett mich auch ofte fellenn,
Meins schreibenn war kein Ziell,
Dennoch thet ichs ertragenn,

Allzu derselbenn stundt,
Auf gots ergetzung thet ichs wagenn,
Mein hertz ist gar verwundt,

12. Verleümer vnnd beschmitzer,
Felschlich der war kein Zall,
Zuschunder vnnd hetzer,
Bosswicht schelmenn vberall,
Mit Iren falschenn Zungenn,
Gott wirt In gebenn den lohn,
Das ist In nicht gelungenn,
Sich vor der Dore ist schonn,

13. Als man thett recht schreibenn,
Sechs vnnde viertzig Jar,
Wolt man mich ganntz vertreibenn,
Vnnd lag Inn grosser gefahr,
Die kinder mich verliessenn,
Backennschleg trungenn herein,
Das thet dein fleisch verdriessenn,
Gots wortt was mein gewin,

14. Letzlich gots ehr zü treibenn,
Ist es gebracht dahin,
Gots diener mugenn pleibenn,
War denn papistenn klein gewin,
Gefurdert aus allenn Landenn,
Frisch vnnd frolich komen daher,
Denn gotlosenn zu schandenn,
Gots ehr vnnd wortt ist mein beger,

15. Daruber kam ich in diese krieg,
Mein gott ist dir bekannt,
Der da oben wonet Im himelreich,
Der hats Inn seiner hanndt,
Denn schadenn wirt er ergetzenn,
Beide hir vnd dortt,
Auf In ich mein vertrawenn setze,
Trost mich mit seinem wordt,

16. Das ich gott geliebett,
Ehre trew vnnd recht,
All gotloss wesenn geschewet,

Vnnd vonn mir stets gelegt,
Darmb hat sich der teuffell,
Mit gewalt ann mir gehefft,
Mit seinem losenn gebell,
Das wort must er lassen pleibn recht,

17. Ich solt pillig nicht sagenn,
Was ich Inn leidt gelittenn hab,
Mit Betlenn thet man mich plagen,
So treib man mich hin ann,
Erbeit frost seuftzenn vnnd schmertzenn,
Waren teglich mein gast,
Must meiden den liebstenn Im hertzen,
Das was mir die groste last,

18. Ein vnnd dreißig Jar Jm lannde,
Bin Ich gewesenn hir,
Trotz das mit warheit Jemande,
Aufleg noch beweiss auf mich,
Was erbarkeit entgegenn,
Das ich getriebenn hedt,
Mit schwerenn vnnd mit liegen,
Das thet des teuffels sath,

19. Vonn jederman ich geplaget wardt,
Mein Creutz ist stes vermerdt,
Das thett allein die bose ardt,
Vnderthan ganntz vngelertt,
Ir trewe sie vergessenn,
Entzogenn mir das brodt,
Es war In nicht geheissenn,
Der herr der halff aus nott,

20. Mein Diener vnnd gesinde,
Vergassenn pflicht vnnd eide,
Handelten mit mir geschwinde,
Vnnd theten mir gross verdrieß,
Im Creutz thetenn sie nit pleibenn,
Enttzunden mir mein Bettt,
Noch feilt mir nicht am leibe,
Der herr thet mich errettenn,

21. Vonn acht vnnd dreißig vnd ein hündert,

Personn teglich speiset vnnd gecleidt,
Haben sich also gesundert,
Das Ir dreitzehenn nur pleib,
So seint sie mir enzogenn,
Inn dieser grossenn nott,
Heisset das nicht recht plagenn,
Vnnd essenn Inn trenen das brodt?

22. Es halff aüch kein erjnnerung,
Auch ganntz keine wolthatt,
Es geschach mir zur vercleinerung,
Es was Achitophels Radt,
Kein barmhertzigkeit auf erdenn,
Auch wenng Inn diesem Lanndt,
Was will noch daraus werdenn,
Es heufft laster vnnd schannde,

23. Inn gottes willenn mich ergeben,
Claget Im mein elenndt,
Nach seinem willenn lebenn,
Denn armen aus meiner hannt,
Ach mocht ich dene gebenn,
Nach meines hertzen beger,
Mit meinem Sohn gar ebenn,
Lebenn ahn Zannck vnnd beschwer,

24. Hiemit so will ich endenn,
Erhalt mein Creütz vnnd nott,
Erhalt mich Inn deinen hennden,
Mein herr schepffer vnnd gott,
From vnnderthan mir beschere,
Du edeler erloser mein,
Zu deines Nahmenns ehre,
Vnnd lass mich dannckbar sein, Amen,

Amenn amen das pleibe war,
Vnnd erhalt vnns bei rechter Lahr,
Der unnser seel speise ist,
Vnnd geschennckt durch Jesum Christ,
Der mir geschenckt den heiligen geist,
Welcher mich trostet allermeist,

Amen, amen.

Bibliographic Information
Publication Date: 
March 1555