Ein Geystliches Liede. Mag es dann je nicht anders gsein (Poetry, Song Lyric)

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This text was digitized and graciously donated to Sophie by Dr. Albrecht Classen, University of Arizona

1. MAg es dann je nicht anders gseyn?
ach Gott, laß dichs erbarmen thun!
Ist denn das vnglück hewer alls mein?
Herr, laß mich dir befolhen seyn,
Vnd wend von mir
durch dein Göttliche zyr
das Creutze mein,
Herr, du weyst wol was es mag seyn.


2. Dann wen du, Herr, thust greiffen an
vnd wilt jhm deine hilff versagn,
Der mag vor dir doch nicht bestahn:
ich bitt, du wölst mich nit verlan.                                                                           verlan = verlassen
Wie offt ich hort
durch dein Göttliches wort,
wer trawt auff dich,
den wilt du, Herr, verlassen nicht.
 
3. Leg ab dein zorn, vnd sterck in mir
den glauben, HERr, ist mein begir.
Ich bitt durch dein Göttliche zyr,
mein Sünd wöllst du vergeben mir
Die ich so hart
in mancher grossen fart
thet wider dich:
o Herr, biß mir genediglich!                                                                                                  biß = sei
 
4. Noch will ich, Herr, das creutz gern tragn
dieweil du michs nicht wilt erlan:
Ich bitt allein, wölst mir beystahn,
das ich es mit gedult mög tragn.
Herr hoch geborn,
laß ab von deinem zorn,
verley mir gdult,
fürwar, es ist meinr sünde schuld.
 
5. All mein hoffnung zu dir, mein Gott,
ich lig in sünd biß in den Todt,
Darinn ich leid groß angst vnd not,
darzu weist du gut hilff vnd rat:
Drumb ich dirs klag,
ich bitt, mir nit versag
die hülffe dein,
sonst mst ich ewig trawrig sein.
 
6. Bekenn ich dir die sünde mein
vnd laß mirs leyd von hertzen seyn,
So muß es nach den worten dein
vergeben vnd vergessen sein:
Dein wort ist war,
rein, lauter vnde klar
als Sonnenschein,
wer von hertzen trawet darein.

 
7. In Gott setz ich die Frewde mein,
das schafft sein Göttlichs wort allein,
Herr, schick es nach dem willen dein,
allein du mir gedult verleyh.
Du bist mein trost,
wann du hast mich erlst
mit deinem Blut,
deß sich ein Christ zu frewen hat.
 
 
In einem Zusatz (im Gesangbuch des Nikolaus Selnecker) folgen noch zwei weitere Strophen:
 
 
8. In deine Hände ich mich übrgeb;
Herr Jesu, dir sterb ich und leb.
Herzlich mich sehnt nach dir, o Gott,
Steh du mir bei in Todes Noth.
Ade, ade,
Zum Himmel ich eingeh
Durch Christi Blut.
Jetzt hab ich nu das ewig Gut.
 
9. Schmach, Schand, Schwerd, Tod mich nicht aufhält,
Christus ist da der rechte Held.
Das zeitlich Leben weicht von mir,
Christus das ewig schenket mir.
Was will ich mehr?
Nu mit dem Tod nu her;
Ich willig bin.
Also fahr ich ins Leben hin

Bibliographic Information
Publication Date: 
1571
Press: 
im Kopenhagener Gesangbuch