Ehe (Poem)

Printer-friendly versionPrinter-friendly versionPDF versionPDF version

This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.
The Foreword and Introduction may be read HERE.
------------------

Sie haben sich nichts zu sagen, 
Sie sitzen still und stumm 
Und hören die Stunden schlagen, 
Die Langeweil geht um.

Die Liebe ist längst gegangen, 
Und auch das Glück ist hin,
Und hin ist das Verlangen 
Mitsamt dem Jugendsinn.

Missmut sitzt ihm zur Seite, 
Die Sehnsucht sitzt bei ihr,
Und traurig alle beide, 
Ach, bis zu Thränen schier.

Keins bricht das tiefe Schweigen,
Kein Laut dringt in den Raum, 
Nur schwere Seufzer steigen, 
Verstohlen, hörbar kaum.

Und die Gewohnheit leise 
Schwingt ihren Zauberstab
Und zwingt in ihre Kreise 
Die beiden still hinab.

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main