Die sieben Gaben des heiligen Geistes (Auszug)

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This text was digitized and graciously donated to Sophie by Dr. Albrecht Classen, University of Arizona. This particular work has been extracted from Classen's Frauen in der deutschen Literaturtgeschichte; the full text is available on this site.

210.  Jetzt werden wir erfahren, wie Gott in seiner heiligen Liebe
und wie sich der Geist von der Höhe zu uns in der Tiefe beugt,
wie er zu uns herunter kommt, wie es im Testament geschrieben steht.
Nun öffnet weit die inneren Ohren, die äußeren sollen es hören.
 
211. Unsere vergängliche Erde soll gedemütigt werden
durch den Geist der Gottesfurcht, wie er uns dazu gemahnt hatte.
Er will uns erneuern und führt uns deswegen zur heiligen Reue,
so können wir lernen, wie wir Gott verehren sollen.
Dadurch gewinnen wir Demut und festen Mut.
Bis jetzt haben wir nichts vom heiligen Geist gesagt, wie du, Herr, weißt,
von dem du uns lehrtest, als du mit deinen Jüngern auf den Berg stiegst.
 
212. Eine wertvolle Gabe mischt sich zu unserem Eifer,
das ist die Gabe der Güte, die unser Gemüt entzündet,

so daß wir uns auf Gott richten, wie das Feuer sich natürlich verhält.
Es gibt uns Freude und Vertrauen, indem wir unsere Mitmenschen lieben.
Dann werden wir Gott loben, ob wir Glück oder Elend erfahren werden.
Wir werden Mitleid empfinden, auch wenn wir unter einer Plage leiden,
und wir werden wahrhaftig demütig sein.
 
213. Dann werden wir Sicherheit erfahren, was unsere Tränen trocknen wird.
So wie sie von Gott geflossen sind, so fließen sie von Christus.
Weisheit heißt die Tugend, die wir als Belohnung erhalten.
Dies lehrt uns, daß wir aufrichtig [unsere Sünden] bekennen.
Geduld kommt als nächstes, womit wir unseren Feinden verzeihen werden.
Aus Trauer kommen unsere Tränen, dann ist es viel besser,
daß wir mit unseren Tränen die Füße unseres Herrn waschen
zusammen mit der heiligen Maria, daran sollen wir niemals zweifeln.
 
214. So gewinnen wir Stärke die sich dem Wind anschließt.
Wer sich gegen Gott erhebt, wie schnell schlägt er den wieder zu Boden.
Er lehrt uns ganz schnell, die Welt zu verachten.
Daraus gewinnen wir Keuschheit, die größte Kraft
am Geist und am Leib, die uns richtig zu unterscheiden lehrt.
Sie lehrt uns, nach dem zu verlangen, was uns Gott gerne gewähren will.
Wir werden ganz hungrig nach dem ewigen Leben.

Bibliographic Information
Editor: 
Dr. Albrecht Classen