Die Ruhe (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.

Vergebner, heißer Wunsch nach Ruh,
Was sättigt dich? Was stillt die Schmerzen
Des unruhvollen, bangen Herzen?
Was heilt die tiefen Wunden zu?

Auf der Welt ist nichts zu finden.
Reichthum, Ehre, Wollust schwinden,
und uns bleibt, nach dem Genuß,
Ekel und Verdruß.

Umsonst sucht ich ein daurend Glück
In allen Gütern dieses Lebens.
Sie fliehn zu schnell, und, ach! vergebens
Ruff ich, ermüdend, sie zurück.

Meine Jugend, deren Ende
Ich durch Suchen nach verschwende,
Meine beste Zeit verschwand,
Eh ich Ruhe fand.

Allein bey Dir, der meiner Brust
Den Trieb noch schenkte, Dich zu lieben,
Bey Dir, mein Gott, bin ich geblieben,
Du warst, und bist noch meine Lust.

Du, Du wiegest, voll Erbarmen,
In den väterlichen Armen,
O wie sanft! die Herzen ein,
Daß sie ruhig seyn.

Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main