Die Antwort (Poem)

Printer-friendly versionPrinter-friendly versionPDF versionPDF version

This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
------------------

Durchleuchtigster! die Hand so Dero Siegel bricht /
Wird ohne zweiffel auch der Fürstin Gnad zerbrechen /
Wovon die kluge Welt ein stilles Urtheil spricht /
Der Pöbel aber eilt verächtlich laut zu sprechen.

Weil dieser Raserey kein Mensch entlauffen kan;
So bitt und fleh ich hier mich künfftig nicht zu kräncken /
Sie reden mich / mein Kind / mein Schatz / mein Engel an /
Was wird der Frembden Ohr von solchen Titul dencken?

Ich stehe gantz bestürtzt! daß Dero Hoheit Glantz
Die Strahlen seiner Huld auf meinen Schatten strahlet.
Wer Cronen hertzen kan / der wählet keinen Krantz
Den nur die Welcke ziert / der Blumen-Bund gemahlet.

Ist nicht Durchleuchtigster / die Ros' in ihrer Hand?
Warum bemühen Sie sich um die leere Hecke?
Sie seynd es / die die Perl der Printzessinen fand /
Bey leibe: Daß mein Ruß nicht deren Glantz beflecke!

Und / wo gedencken Sie bey dieser Neigung hin?
Die vor des Hofes Aug nicht kan verlarvet bleiben;
Sie wollen / daß ich hier das Ziel der Feder bin /
Die Ihre Feder soll in die Histori schreiben.

Nein / sprechen Sie: die Hand der Grossen reichet weit;
Ist wahr; Wer aber will der Nach-Welt Lippen binden?
Kein Faden ist so klein / der endlich mit der Zeit /
Nicht sein Gewebe wird an klarer Sonnen finden.

Der blinden Leibe Trieb umnebelt ihren Geist:
Der helle Jupiter will hier ein Irrlicht werden:
Der meine Jugend von dem Weg der Tugend weist.
Mag auch ein Adler sich vermählen mit der Erden?

Weil meines Fürsten Aug nicht selber vor sich wacht /
Solt mich darum der Schlaff der Sicherheit bethören?
Ich sage nein: Ich hab viel mehr den Schluß gemacht;
Von Liebe nicht ein Wort gedultig anzuhören.

Hier sendet meine Hand den Diamant zurück:
Der Thränen Ebenbild die weise Muschel-Kinder:
Mir eckelt anzuseh'n mehr solchen Sclaven Strick /
Der meinen Namen macht zu einen armen Sünder.

Des Fürsten Contrefait gehöret keiner Magd /
Es ist nur bloß gemahlt der Hoheit Brust zu küssen:
Weh! wann ein schwacher Kahn sich an die Klippe wagt /
Für der schon mancher Maast die Segel streichen müssen.

Doch bleibet meine Pflicht der Demuth unverletzt /
Daß unterthänigst ich werd Dero Winck verehren /
So ferne kein Befehl sich wider Tugend setzt:
Als der die Mißgeburth der Laster will vermehren.

Ein frembder Schaden macht hier meine Sinnen klug.
An diesen Faden kenn ich meiner Keuschheit Netze /
Die Kette welche Händ der Seelen Wolcken Flug;
Die Dienstbarkeit so mir schrieb schädliche Gesetze.

Ich lebe Sorgen loß weil mein Gewissen frey /
Und seiner Durchleucht Brief ist unverletzt geblieben /
Fragt nun die gantze Welt was mein Verbrechen sey?
Der Fürst hasst seine Magd / warum? Sie will nicht lieben.

Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main