Die Amazone (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.
The Foreword and Introduction may be read HERE.

Vom Schwarzen Meer 
kamen sie her; 
mit fliegenden Haaren; 
auf Rossen, 
goldhufbeschlagen;
und alle tragen 
Schilde und Speer. 
Vor ihnen her 
reitet 
Pentesilea.

Erschlagen will sie 
den besten Mann. 
Erschlagen, weil er ihr Herz gewann,
Achilles.

Kein Hemd 
schirmt ihre zarte Brust. 
Furchtfremd, 
in Kampflust 
funkelt ihr Auge; 
Achilles steht und starrt sie an.
"Nun wehr dich! Achilles! 
Ich will dich erschlagen!
Ich! Pentesilea!" 
Sie sprengt heran.

Im Todessprung steigt 
hufblitzend ein Roß. 
Achilles schaudert: sein Geschoß 
färbt sich in heißem Herzblut. 
Zwei nackte Arme, 
ringgeschmückt,
fallen zur Seite – 
Nie wieder reitet, 
nie wieder streitet 
Pentesilea.

Achilles barg sich in seinem Zelt 
drei Tage lang. 
Sein Herz blieb ihm für immer krank.
So schlug den Helden 
Pentesilea.

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main