Der Familienzwist, durch falsche Warnung und Argwohn. (Drama, 1789)

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[313]                                          

Der Familienzwist,
 
durch
 
falsche Warnung und Argwohn.

 

Ein Lustspiel

 
In fünf Aufzügen.

 
Von I. K. M. d. K. a. R.
[Ihrer Königlichen Majestät der Kaiserin aus Ruβland]
[Ekaterina]

 

 1789.

 

[314]      Personen.
 
Pankrat Sobrin.
Sobrinin, dessen Frau.
Prelesta Pankratjewna, Sobrins Tochter.
Johann Pankratjewitsch, Sobrins Sohn.
Dobrin, Prelestens Bräutigam.
Jamann, Dobrins Vetter.
Predin, Sobrins Freund.
Mawra, Sobrins Dienstmädchen.
Trofim, (
Sinka,   (    Sobrins Bediente.

Hauslöffer.
 
 
   Der Schauplatz ist in Sobrins Hause.
 

[315]                                              

Erster Aufzug.
 
Erster Auftritt.

 

Trofim, Mawra (mit einem ungeheuren Hut auf dem Kopfe.  Sie t eten [treten] von verschiedenen Seiten auf den Schauplatz.)
 
Trofim.

 

Ey!  Ey!  Ey!  Was da für ein grosser Bilz gegangen kommt!…Darf man fragen zu welcher Art Du gehörst?  Zu den Rieβten oder zu den Fliegenschwämmen?  Bey diesen ist der dünne Stängel ganz mit einem Zelt bedeckt; und Dich, mein Schatz!  Dich wird man auch nicht leicht unter dem Hut auffinden, wenn man Dich nöthig hat.

            Mawra.  Das ist gar kein lustiger Spaβ, den Du gegen mich ausgedacht hast.
 
316     Trofim.  So will ich von etwas anderm reden…Was macht unsere Herrschaft?
            Mawra.  Was weiβich’s!
            Trofim.  Wo sind sie denn?
            Mawra.  Sie?…Weist Du was?  Der Herr sitzt bey der Frau im verschlossenen Zimmer.
            Trofim.  Seit lange?
            Mawra.  Von früh Morgens an.
            Trofim.  Das ist ja was ausserordentliches!
            Mawra.  Die Sache nahet sich zum Ende.
            Trofim.  Was für eine Sache?
            Mawra.  Man will unser Fräulein verheyrathen.
            Trofim.  Wen?  Fräulein Preleste?
            Mawra.  Ja, ja, sie.
            Trofim.  Woher weiβt Du denn das?
            Mawra.  Was geht Dich das an?
            Trofim.  Mädchen!…Ich will wetten, Du hast irgendwo oder auf eine eigene Art jemand behorcht.
            Mawra.  Niemand sucht den andern hinter der Thüre, wenn er nicht selbst da gesessen hat.  Du wirfst mir das vor, was Du wohl selbst zu thun gewohnt bist.
            Trofim.  Nun, mein Herzchen!…sag die Wahrheit, Du behorchst zuweilen,…indem Du das Ohrchen an die Thüre legst,…oder mit einem Augchen durch die Ritze siehst, oder durchs Schlüssenech, wenn Du das Schlüsselchen zuvor ausgezogen hast.
 
317     Mawra.  Ha!  ha!  ha!  Du erzählst es ja recht so, als wenn Du dabey gewesen wärst.  Ich…nun ich will’s Dir nicht verhehlen…den kleinen Fehler hab’ ich wohl…Man sprach in der Frauen Zimmer sehr laut.
            Trofim.  Wer?
            Mawra.  Die Frau Sobrin mit ihrem Mann.
            Trofim.  Wovon redeten sie denn?
            Mawra.  Sie zankten.  Die Frau bat, daβder Herr der Tochter erlauben möchte, sich zu verheyrathen.
            Trofim.  Mit wem?
            Mawra.  Mit dem Herrn Dobrin.
            Trofim.  Und der Herr, was sagte der?
            Mawra.  Er sagte: daβdie Tochter noch zu jung sey, daβes noch Zeit habe, und daβes ausser Dobrin, noch viel andere Freyer in der Welt gebe.  Zuletzt aber lieβer sichs doch gefallen; und sie fiengen an zu überlegen, wie sie das machen, und was sie der Tochter zur Mitgabe geben wollten.
 

Zweyter Auftritt.
 

Frau Sobrin, Mawra, Trofim.
 
            Frau Sobrin.  Mawra!  sag Prelestin, daβsie herkommen soll.
            Mawra.  Gut…Sogleich  (geht ab.)
 
318      Frau Sobrin.  Und du Trofim, rufe mir meinen Sohn, und dann geh zum Herrn Jamann, Dobrins Vetter, und bitte ihn, daβer die Güte habe zu mir zu kommen, weil ich mit ihm etwas nothwendiges zu sprechen habe.
            Trofim.  Sogleich.  (geht ab.)
 

Dritter Auftritt.
 

Frau Sobrin, Sobrin (mit einem versiegelren Briefe in der Hand.)
 
            Sobrin.  (zu seiner Frau.)  Frau!  Ich habe an meinen Freund Predin diesen Brief geschrieben: daβer den Hauslöffer sogleich selbst zu mir bringen soll, um von ihm den Preis des Hauses zu erfahren, das er verkaufen will.
            Frau Sobrin.  So ist’s am besten, mein Schatz; wenn Du ihn selbst siehst, so wirst Du hören, was er sagen wird.
            Sobrin.  Trofim!  Trofim!
            Frau Sobrin.  Den Trofim hab ich ausgeschickt.
            Sobrin.  Potap, Potap!
            Frau Sobrin.  Der ist krank.
            Sobrin.  Sergei!  Sergei!
            Frau Sobrin.  Der hat sich losgebeten, weil sein Weib niederkommen soll.
            Sobrin.  Awakum, Awakum!
            Frau Sobrin.  Der ist in’s Bad gegangen.
 
319      Sobrin.  Und also ist keiner da.  Ich werde wohl den Brief selbst hintragen müssen…Je mehr Bediente, desto schlechtere Bedienung! 
            Frau Sobrin.  Ich glaube Sinka ist da!
            Sobrin.  Sinka!  Sinka!  (Sinka kommt.)
            Sobrin.  Sinka, steh!  da hast da Geld, miethe einen Fuhrmann, und bring den Brief geschwind zu meinem Freunde Predin, und grüβihn von mir.
                        (Sinka nimmt das Geld und den Brief und geht ab.)
 

Vierter Auftritt.
 

Preleste, Sobrin, Frau Sobrin.
 
            Sobrin.  (zu Preleste.)  Wie befindest Du Dich?
            Preleste.  Sehr wohl Papachen.
            Frau Sobrin.  Es scheint, sie sieht frisch genug aus.
            Preleste.  Wie sollt ich nicht gesund seyn!…Ich sehe ja von Ihnen beyden nichts als Güte, Liebe und Wohlthaten.
            (Sie küβt ihrem Vater und ihrer Mutter die Hand, und beyde umarmen sie.)
 
320                                              

Fünfter Auftritt.
 

Sobrin, Frau Sobrin, Preleste, Johann Sobrin.
 
            Sobrin.  Höre Johann!  Ich will jetzt mit dir und deiner Schwester, Preleste, als euer guter Freund reden.  Ihr wiβt beyde, mit welcher Zärtlichkeit ich und eure Mutter, seitdem ihr auf der Welt seyd, für eure Erziehung gesorgt haben; ihr habt aber auch beyde, durch euren Gehorsam und eure Aufmerksamkeit auf unsre Lehren, unsre Wünsche befriediget.  Wie lieb wir euch haben, und wie ihr uns liebt, davon ist nichts zu reden; das versteht sich von selbst.  Das wissen wir alle vier, so gut, als es auch Fremde wissen.  Man nennt mich bis jetzt in der Stadt und in unserer ganzen Gegend, einen glücklichen Ehemann, Vater und Hauswirth…(Er umarmt seine Kinder.)  Jetzt ist die Zeit da Prelesten zu versorgen…Es melden sich zu ihr verschiedene Freyer, von welchen Dobrin der schicklichste zu seyn scheint, auch ist er, wie mir die Mutter sagt, Prelesten nicht zuwider.
            Preleste.  Ich hätte mich nicht unterstanden das zu sagen, wenn meine liebe Mutter es nicht befohlen hätte.
            Sobrin  (zu Preleste.)  Du muβt jetzt die reine Wahrheit sagen.  Dobrin ist Die also nicht zuwider?
 
321      Preleste.  Ich habe Ihnen jetzt meine geheimsten Gedanken…nicht verhehlt.
            Sobrin.  Da ich Dich nicht zu zwingen gedenke, so laβich mir euer gemeinschaftliches Verlangen gefallen.
            Preleste.  Lieber Papa!  sie befördern mein Glück.  (Sie küβt dem Vater weinend die Hand und er umarmt sie.)
            Sobrin.  Worüber weinest Du denn?
            Preleste.  Ich kann nicht daran denken, wie ich Sie verlassen soll.
            Frau Sobrin  (weint.)
            Sobrin.  (zu seiner Frau.)  Und Du, mein Schatz, Du weinest also mit.  Hast Du vergessen, daβDu versprachst, standhaft zu seyn.
            Frau Sobrin.  Ach!  das Mutterherz ist bald gerührt…Ihre Thränen sind mir empfindlich.
            Sobrin.  Wenn ihr nicht beyde aufhört zu weinen, so kann ich nicht ausreden, was ich doch zur Beendigung dieser Sache nothwendig ein für allemal sagen muβ.
            Frau Sobrin, und Preleste.  (trocknen die Augen.)
            Sobrin.  Höre, Johann!  Ich gebe Deiner Schwester zehn tausend Rubel baar und eben so viel zur Aussteuer.  Die Mutter giebt ihr das Gut in der Alatirschen Gegend, welches sie selbst zur Mitgabe erhalten hat, und ich schenke ihr das was ich selbst noch dazu gekauft habe.  Ueberdies
 
322 bin ich Willens Deiner Schwester ein Haus zu kaufen, den Preis weiβich selbst noch nicht.  Alles mein übriges Vermögen, mein Sohn, laβich Dir.  Was davon vermindert worden ist, und mehr, kannst Du zeitig genug, im Dienste wieder erwerben.  Schulden habe ich nicht.  Wenn ich also  vor Deiner Schwester Hochzeit sterben sollte, so erfülle Du, Johann, mein Versprechen.
            Johann Sobrin.  Leben Sie, Papa, zu unserm Glück, lange und unzählige Jahre.
            (Der Vater umarmt den Sohn und der Sohn den Vater.)
            Sobrin.  Versprich mir also, Johann, meinen Willen zu erfüllen; hörst Du?
            Johann Sobrin.  Ihre Worte sind für mich ein Gesetz…Leben Sie aber, leben Sie nur…Sie wissen besser für uns zu sorgen als wir selbst.
            (Alle vier umarmen sich weinend; der Vater die Kinder, die Mutter den Vater und              
                  die Kinder unter sich.)
            Sobrin.  Euer Zutrauen, eure Liebe zu mir, und eure gegenseitige Eintracht, sind mir gewiβsehr lieb und angenehm, und ich bin jetzt ganz ruhig, da ich euch alles gesagt habe was ich sagen muβte.  Nun kommts nur noch auf den Handschlag an.
            Frau Sobrin.  Ey!  da kommt Herr Jamann, Dobrins Vetter, recht zu gelegener Zeit.
 
323                                    

Sechster Auftritt.
 

Sobrin, Frau Sobrin, Johann Sobrin, Preleste, Jamann.
 
            Sobrin.  Johann, und Du Preleste, laβt uns jetzt allein.
            (Johann Sobrin und Preleste gehen ab.)
            Jamann (zu Frau Sobrin.)  Gehorsamster Diener!  Was steht zu ihren Diensten?  Man hat mir gesagt, als wenn Sie mich zu irgend etwas nöthig hätten.
            Frau Sobrin.  Sie waren gestorn bey mir –
            Jamann.  Ich?
            Frau Sobrin.  Ja Sie!…Haben Sie denn das schon vergessen?
            Jamann.  Wer kann denn alles zugleich im Gedächtniβbehalten?
            Frau Sobrin.  Sie sprachen mit mir…
            Jamann.  Wovon redeten wir doch schon?
            Frau Sobrin.  Sie sprachen ja vom Anfange bis zum Ende Ihres Besuchs immer von einer und derselben Sache…und jetzt besinnen Sie sich nicht darauf…Das könnte mir sonderbar vorkommen. –
            Jamann.  Ja, freylich wohl.
            Frau Sobrin.  Was ist Ihnen denn angekommen?
            Jamann.  Die Wahrheit zu sagen: – als ich gestern Abends spät von Ihnen nach Hause
 
324 kam, mich ich bey mir auf der Treppe, wo es glatt war, mit dem Fuβe aus, und fiel mit dem Genick so hart auf eine steinerne Stuffe, daβich mir etwas im Gedächtniβzerstossen habe…Ich fühle heute selbst, daβich nicht ohne Mühe, das was vorgefallen ist, zusammen bringen kann.
            Sobrin.  Sie sollten einen Arzt rufen lassen.
            Jamann.  Ey nicht doch!…Es wird auch so vergehen…Mir wird jetzt schon von Stunde zu Stunde etwas besser.
            Frau Sobrin.  Sie haben unrecht gethan, daβSie ausgefahren sind.
            Jamann.  Ich würde auch zu Hause geblieben seyn…Sie lieβen mich aber zu sich rufen.
            Frau Sobrin.  So hätten Sie’s mir sollen sagen lassen…
            Jamann.  Kleinigkeit!…Das wird man von Jugend auf gewohnt; man fällt wohl einmal.
            Frau Sobrin.  Fahren Sie lieber gleich nach Hause.
            Jamann.  Das will ich auch thun, so bald ich weiβwas Sie mir haben sagen wollen.
            Frau Sobrin.  Lassen Sie das jetzt nur gut seyn!
            Jamann.  Ich fühle ja gar keine Schmerzen…Ich bitte reden Sie nur.
            Frau Sobrin.  Nun, wenn Sie sich aber nicht auf Ihre Reden besinnen.
 
325      Ich…ich traue Ihnen schon.
            Frau Sobrin.  Gut denn.  Um also Ihrem Gedächtniβzu Hülfe zu kommen, will ich Ihnen von Anfang an erzählen, was in dreyen Stunden vorgefallen und gesprochen worden ist.
            Jaman [Jamann].  Nein, nein!  Das wäre noch ärger – Sagen Sie es lieber so kurz als möglich ist.
            Frau Sobrin.  Nun wohl!  Sie verlangten von uns eine entscheidende Antwort wegen Ihres Neffen.
            Jamann.  Wegen welches Neffen? 
            Frau Sobrin.  Wegen des Herrn Dobrin.
            Jamann.  Und worüber?
            Frau Sobrin.  Er hat ja durch Sie seine Anwerbung thun lassen.
            Jamann.  Wen will er denn heurathen?
            Frau Sobrin.  Sie sagten ja, er wünschte Prelesten zu haben.
            Jamann.  Prelesten!  Es können ja manches Mal viele Prelesten in der Welt seyn!  Was ist dies für eine.
            Frau Sobrin.  Meine Tochter.
            Jamann.  Ah! (auf Sobrin zeigend.)  Aber wer ist denn der?
            Frau Sobrin.  Mein Mann.
            Jamann.  Und die Preleste, wessen Tochter war sie doch schon?
            Frau Sobrin.  Unsere.
 
326      Jamann.  Ah!  nun verstehe ich’s – Und der Bräutigam?
            Frau Sobrin.  Ihr Neffe Dobrin – Sagen Sie ihm, daβwir ihm sein Verlangen gewähren.
            Jamann.  Ich will ihm sagen – daβer – mein Neffe – nein, nein – Was wollt ich sagen?
            Sobrin.  Fahren Sie doch, fahren Sie lieber nach Hause.  Sie sind heute gar nicht im Stande irgend etwas zu unternehmen, legen Sie sich zu Bette.
            Jamann.  Nein, nein, ich werde alles sagen was Sie haben wollen – Sagen Sie es mir nur noch einmal vor.
            Frau Sobrin.  Sagen Sie dem Herrn Dobrin, daβwir ihm sein Verlangen gewähren.
            Jamann. (wiederholt vor sich.)  Dem Dobrin, Dobrin, daβsie gewähren – gewähren –
            Sobrin.  WeiβIhr Neffe, daβSie gefallen sind?
            Jamann.  Nein, er weiβes nicht – Ihr Diener.  Ich will jetzt gleich zu ihm fahren.
                                                                                                                              (geht ab.) 
 
327                                              

Siebenter Auftritt.
 

                                            Sobrin.  Frau Sobrin.
 
            Sobrin.  Es ist nicht im Stande seinen Auftrag zu bestellen – Ich fürchte, daβes so bleiben wird.
            Frau Sobrin.  Nun, wenn Dobrin selbst kommt, so will ich ihm schon sagen was nöthig ist.
 

Achter Auftritt.
 

                              Sobrin, Frau Sobrin, Predin, Hauslöffer.
 
            Predin. (zu Sabrin.)  Ich bringe Ihnen hier, nach Ihrem Briefe, den Herrn Hauslöffer.
            Sobrin. (zu Hauslöffern.)  Es ist mir lieb, Sie bey dieser Gelegenheit kennen zu lernen.  I habe gehört, daβSie Ihr Haus verkaufen wollen.
            Hauslöffer.  Nach Zeit und Umständen, Herr Sobrin; ich verkaufe es vielleicht, oder verkaufe es auch nicht.
            Sobrin.  Man hat mir bestimmt gesagt, daβSie es verkaufen wollen, sonst hätte ich Sie nicht bemüht.
            Hauslöffer.  Ist es erlaubt zu fragen: zu was für einer Absicht Sie mein Haus nöthig haben.
 
328      Sobrin.  Ich will es für meine Tochter kaufen, die sich verheurathen wird.
            Hauslöffer.  Mein Haus, Herr Sobrin, ist ein groβväterliches Erbe.
            Sobrin.  Kauf und Verkauf sind freye Handlungen – Wenn Sie Ihr Haus nicht verkaufen wollen, so werde ich mich bemühen, ein anderes zu finden.
            Hauslöffer.  Wie es Ihnen beliebt.  Aber ein Haus wie das meinige, finden Sie in der ganzen Stadt nicht.
            Predin.  Wie so denn?
            Hauslöffer.  Es ist mit aller möglichen Vorsicht gebaut, und sehr fest.
            Sobrin.  Feuerfest?
            Predin.  Gegen Feuer besteht nichts.  Hab ich doch Gebäude mit Gewölben und ohne Schornsteine, brennen sehen, wo man das Feuer kaum in drey Wochen gelöscht hat.
            Hauslöffer.  Mein Haus ist sicher – Aber das ist’s nicht alles – Es hat tausenderley Bequemlichkeiten.
            Predin.  Und was für welche?  zum Beyspiel.
            Hauslöffer.  Erstens: hat es viele Vorhäuser und nicht wenig Ausgänge.  Zweytens: ist es sowohl für eine einige, (sieht den Sobrin und seine Frau an,) als auch für eine uneinige Familie gleich gut eingerichtet.
 
329      Predin.  Nun, das heiβe ich eine wunderliche Hauseinrichtung!
            Hauslöffer.  Bey allem dem, mein Herr, werden Sie mir doch hoffentlich wohl zugestehen, daβfür eine einige Familie nur wenig Zimmer nöthig sind – Ein Zimmer für Mann und Frau, eins für die Kinder, und einige Stuben für das Gesinde.  Für eine uneinige Familie aber muβalles dieses doppelt bestimmt werden.  In meinem Hause sind alle nur mögliche Vorfälle zum Voraus in Betracht gezogen: als Zank, Schlägeren, und völliger Bruch – Ja das geht so weit, daβwenn etwa der Mann oder die Frau, durch ihr uneiniges Leben, oder durch einen andern Zufall, von Sinnen kämen, so ist ein Plätzchen da, wo man ihn, oder sie, einsperren könnte.
            Predin. (lachend.)  Mehr als das könnte man wohl schwerlich ausdenken – Haben Sie nicht einen Plan Ihres Hauses; ich ware wohl neugierig ihn zu sehen.
            Hauslöffer.  Nein, mein Herr, nein.  Den Plan zeige ich niemanden als dem, dem ich das Haus verkaufen werde.
            Predin.  Und warum wäre denn das?
            Hauslöffer.  So, mein Herr, – nur so! (leise Predinen ins Ohr).  Es giebt darin viele heimliche Ausgänge, die billig niemand anders als der Hausherr wissen müβte.
 
330      Predin.  Wenn Sie Ihr Haus nicht verkaufen wollen, wozu sind Sie denn mit mir hieher gekommen.  Ich sagte Ihnen ja, daβmein Freund, Herr Sobrin, darauf handeln wollte. 
            Hauslöffer.  Ich sage nicht, daβich’s nicht verkaufen will, sondern ich sagte, daβich’s nach Zeit und Umständen verkaufen oder nicht verkaufen werde: jede Sache hat ihren Preiβ, Herr Predin.
            Sobrin.  Und welches wäre denn wohl der PreiβIhres Hauses?
            Hauslöffer.  Es kommt mir theuer zu stehen.  Ich habe es ganz wie neu ausgebaut, und als alles fertig war, muβte ich wieder neue Unkosten tragen, weil ich erst damals gewahr wurde, daβman die Treppe zum zweyten Stockwerk vergessen hatte.  Um also doch einen Aufgang zu haben, sahe ich mich gezwungen, einige Gewölde durchzubrechen, um eine Treppe anlegen zu können; sie ist nur eben jetzt fertig geworden, und ist sehr gut.
            Predin.  Eine Haupt oder eine Nebentreppe?
            Hauslöffer.  Sie stellt beydes vor.  Die Breite beträgt eine Elle – und die Stuffen stehen eine von der andern bis auf sechs Zolle ab.
            Predin. (lachend.)  Das heiβt: Ihre Treppe ist gut, aber nur enge und steil.
            Hauslöffer.  Der Platz erlaubte es nicht, es anders zu machen.
 
331      Sobrin.  Es scheint mir, Herr Hauslöffer, daβich Ihr Haus wohl kaum nöthig haben werde.
            Hauslöffer.  Ich habe es nur so beschrieben, um Ihre Art zu denken kennen zu lernen.  Ich will es Ihnen für einen billigen Preiβlassen.  Kommen Sie, wenn es Ihnen beliebt, zu mir, es zu besetzen, vielleicht gefällt es Ihnen doch.
            Sobrin.  Gut, Herr Hauslöffer, ich werde ehestens bey Ihnen ankommen.
            Hauslöffer.  Ich habe jederzeit auf allen Fall einen Entwurf zum Kaufbriefe in der Tasche, der mit aller möglichen Vorsicht eingerichtet ist.  Alle darin befindliche Worte, habe ich, so zu sagen, auf der Wage gewogen, und abgemessen, in so weit es nur immer möglich war.
            Predin.  Sie scheinen mir wahrlich sehr vorsichtig zu seyn.
            Hauslöffer.  Ja, mein Herr – Ich bin für einen etwas vorsichtigen Mann bekannt, und das nicht nur für mich, sondern auch für andere, besonders für meine Bekannten – Indessen haben sich auch zuweilen ganz fremde Leute meinen warnenden Rath zu Nutz gemacht, so daβeiner und der andere, der vorher in seinen Sachen sehr fahrläβig gewesen, gleichsam wie vom Schlafe erwacht ist, und seitdem nicht nur bey wirklichen Geschäften, sondern auch ohne Geschäfte, fast Tag und Nacht keine Ruhe hat.
            Predin. (spottend.)  Da haben Sie den Leuten einen grossen Dienst gethan!
 
332      Hauslöffer.  Ja, wie soll man’s machen?  Entweder so; oder man heiβt ein unvorsichtiger Mensch.
            Predin.  Ueberflüβige Bedenklichkeiten müssen durch Verstand und Ueberlegung in Schranken gehalten werden.
            Hauslöffer.  Ist es Ihnen nicht gefällig, die von mir entworfene Punkte eines Kaufkontrakts meines Hauses anzuhören.  Sie werden beym Durchlesen selbst beurtheilen können, ob Ihnen der Kauf desselben anständig sey oder nicht.
            Predin. (zu Sobrin.)  Ich wäre wohl neugierig sie anzuhören.
            Sobrin.  Wenn das ist, so kommen sie mit mir in mein Zimmer.
 
                                                                                                        (gehen alle ab.)
 
333                                           

Zweyter Aufzug.

Erster Auftritt.

 
Dobrin, Mawra, (welche von verschiedenen Seiten aufs Theater kommen.)
 
Dobrin.
 
Kann ich das Vergnügen haben die Frau von Sobrin zu sehen?
            Mawra.  Ich will Sie anmelden, wenn es Ihnen gefällig ist.
            Dobrin.  Wie befindet sich Fräulein Preleste?
            Mawra.  Sehr wohl, mein Herr.
            Dobrin.  Ich schmeichle mir, daβich sie auch sehen werde.
            Mawra.  Ich glaube wohl, daβSie sie sehen werden.  Die gnädige Frau hat mir eben befohlen, ihr zu sagen, daβsie bald herauf kommen soll.
 
334                                                

Zweyter Auftritt.
 

Dobrin.  Mawra.  Hauslöffer.
 
            Hauslöffer.  Sie hörten beyde auf zu reden, so bald sie mich gewahr wurden – Ich bin hier wohl nicht zu rechter Zeit gekommen?  Warum endigen Sie Ihr Gespräch nicht?
            Mawra.  Darum, weil schon alles gesagt ist, und nichts mehr zu sagen übrig bleibt.
            Hauslöffer.  Das ist wohl nicht völlig so – denke ich.  Es wird wohl noch ein Wörtchen zu reden übrig geblieben seyn.
            Dobrin.  Ich erkundigte mich bey ihr, ob ich ihre Frau sehen könne, und wie sich ihr Fräulein befinde.
            Hauslöffer.  Ey, wie das so gut ausgedacht und angebracht ist – Ja, ja, richtig, man sieht wohl, man sieht, daβdas die Sache war – (Zu Mawra.)  Aber worüber erröthest Du denn, mein Kind?  warum spielst Du mit dem Schürzchen?  und ziehst an den Bänderchen?  Du weiβt ja nicht wo Du die Augen und Hände lassen sollst: recht so, als wenn Du erschrocken wärest, oder als wenn Du ein Geheimniβzu verbergen suchtest – Aber, aber, Hauslöffer ist sehr schwer zu betrügen.
            Mawra.  Wem ist es denn in den Sinn gekommen Sie zu betrügen; auch weiβich nicht ob es jemand nöthig hat – Alles was ich weiβ
 
335 ist das, daβich der gnädigen Frau melden will, daβHerr Dobrin sie zu sehen wünscht.  (läuft davon.)
            Hauslöffer.  Das glaube ich nicht, nein, das glaube ich nicht – Da steckt was anders dahinter.  Sie sind sehr in Gedanken mein Herr!
            Dobrin.  Ich?  keinesweges: – ich wüβte auch nicht warum?
            Hauslöffer.  So, Sie wüβten nicht warum?  Wenn jemand in solchen Umständen angetroffen wird, als ich Sie da fand, so weiβer – nehmen Sie es nicht übel, so weiβer, nach meiner Meynung, ganz wohl, warum er in Gedanken ist.  Seyn Sie indessen versichert, daβich zu rechter Zeit schweigen kann, besonders wenn man mich durch völliges Vertrauen dazu bewegt – Wenn Sie verlangen, so will ich niemanden sagen, daβich Sie, als ich hieher kam, in einem sehr angenehmen Gespräche betroffen habe.  Ha!  ha!  ha! 
            Dobrin.  Ich sehe nicht die Nothwendigkeit ein, weil dieses nach Ihrer Meynung für mich so angenehme Gespräch, nirgends anders als nur in Ihrem Kopfe vorgegangen ist.
            Hauslöffer.  Für wen sehen Sie mich an?  mein Herr! – Glauben Sie, daβSie ein Kind vor sich haben?
 
336                                                 

Dritter Auftritt.
 

Mawra.  Dobrin.  Hauslöffer.
 
            Hauslöffer.  Ist das nicht Beweis genug?  Sie kommt wieder – Das Herzchen hat nicht ruhen können, es kommt zu sehen ob wir ausgeredet haben, um das durch mich unterbrochene Gespräch wieder anzufangen.
            Mawra.  (zu Hauslöffern.)  Ich weiβnicht, was Sie von mir wollen – Die gnädige Frau schickt mich her.  (zu Dobrin)  Sie läβt Sie zu sich bitten.  (Dobrin geht ab, Mawra will ihm nachfolgen.)
            Hauslöffer.  (zu Mawra.)  Warte doch, mein Herzchen, warte nur einen Augenblick.
            Mawra.  Ich habe gewiβnicht Zeit.  (geht nach der andern Seite ab.)
            Hauslöffer.  Sie wollte ihm nachgehen – Da ich sie aber aufhielt, so sucht sie mich hinter das Licht zu führen, und geht nach der andern Seite davon.
 

Vierter Auftritt.
 

Preleste.  Hauslöffer.
 
            Preleste.  (die im Gehen nach etwas sucht.)
            Hauslöffer.  Was suchen Sie?  mein Fräulein!
 
337      Preleste.  Ach, mein Herr, nichts, – eine Kleinigkeit.
            Hauslöffer.  Was wäre denn das?
            Preleste.  Ein kleines – Papierchen.
            Hauslöffer.  Ein Papierchen!  Ich habe hier nichts gefunden.  Aber, die Wahrheit zu sagen, es waren vor mir Leute hier, die Ihr Briefchen vielleicht aufgenommen haben.
            Preleste.  Mein Briefchen?  Ich habe ja keinen Brief verlohren.
            Hauslöffer.  Was denn für ein Papierchen?
            Preleste.  Ein Papierchen – mit Flittern, – die ich zu meiner Arbeit nöthig habe.
            Hauslöffer.  Ein Papierchen mit Flittern! – Ist das auch wirklich so? – Sie stammeln ein wenig –
            Preleste.  Das ist so meine Gewohnheit – wenn ich etwas – aufmerksam suche.
            Hauslöffer.  Wie sollte das zugehen?  Ha, ha, ha!
            Preleste.  Was lachen Sie, mein Herr?
            Hauslöffer.  Ich lebe schon lange in der Welt, mein Fräulein, und sehe zuweilen weiter als viele wünschen.
            Preleste.  Das kann wohl seyn.  (geht weiter und fährt fort zu suchen.)
            Hauslöffer.  (vor sich)  Sie geht mit Fleiβweiter, – um ihr Gesicht vor meinem Blick zu verbergen.  O!  was das weibliche Geschlecht listig ist!  (zu Prelesten, die sich gegen ihn umgewandt
 
338 hat.)  Sie entfernen sich ohne Ursache von mir, mein Fräulein; ich kann Ihnen eher als irgend jemand anders von ihrem Papierchen, das mit Flittern gewesen seyn soll, Nachricht geben.
            Preleste.  (tritt näher zu ihm. [ )]  Haben Sie es gefunden?
            Hauslöffer.  Nein!  Ich habe Ihnen schon gemeldet, daβvor mir Leute hier waren, die es gefunden haben könnten – Ich traf sie selbst hier an.
            Preleste.  Wer sind denn diese Leute?
            Hauslöffer.  Ich weiβnoch nicht – und stehe bey mir an, – ob ich’s Ihnen wirklich sagen soll –
            Preleste.  Dadurch machen Sie eben meine Neugierde rege.
            Hauslöffer.  Ich hörte, daβman hier spricht – und in der Stadt geht das Gerücht –
            Preleste.  (mit einem Knicks.)  Ihre Dienerin, mein Herr!
            Hauslöffer.  Wo wollen Sie so eilig hin?
            Preleste.  Mein Papa siehts nicht gern, wenn man in seinem Hause von Stadtgerüchten spricht, die uns nichts angehen.
            Hauslöffer.  Wenn es Sie nichts angienge, – so würde ich es nicht gewagt haben, nur ein Wort davon zu sprechen.
            Preleste.  Es geht also mich an?
Hauslöffer.  Ja wohl, Sie.
Preleste.  Und was wäre denn das?
 
339      Hauslöffer.  Wenn Sie befehlen – will ich es Ihnen sagen; – ohne Ihre Erlaubniβaber thue ich’s nicht.
            Preleste.  Ist’s mir nöthig zu wissen?
Hauslöffer.  Nach Zeit und Umständen – könnte es nöthig scheinen.
Preleste.  Wenn es nöthig ist, so sagen Sie es nur gleich ohne viele Umstände.
Hauslöffer.  Nach gewissen Anstalten vermuthet man, daβIhre Eltern Willens
sind, Sie zu versorgen, – und daβihre Wahl auf den Herrn Dobrin gefallen sey.  Ob dieses wahr sey oder nicht, weiβman noch nicht mit Gewiβheit zu bestimmen – Man sagt aber, – daβirgend ein etwas – der Sache – ein Hinderniβin den Weg lege.
            Preleste.  Ein Hinderniβ? 
            Hauslöffer.  Ja, mein Fräulein!  ein Hinderniβ, – ein Hinderniβ, – eine Verhinderung.
            Preleste.  Von welcher – Seite?
            Hauslöffer.  Vielleicht – von beyden.   
            Preleste.  Von beyden?
            Hauslöffer.  Ja, ja, von beyden – Ein Hinderniβ! – Die Leute, – merken Sie wohl, mein Fräulein!  nicht ich – sondern die Leute glauben, daβDobrin überhaupt es nicht so ehrlich meyne, als man hier vielleicht von ihm denkt – Auch sagt man, daβin Ihnen selbst – so
 
340 irgend etwas vorgehe, – oder Ihnen ahnde, – daβaus der Sache nichts werden wird.
            Preleste.  In mir?
            Hauslöffer.  Man sagt, daβIhr Herz – Widerwillen merken soll, – daβer – nicht so gegen Sie gesinnet sey, als er wohl seyn sollte.
            Preleste.  Er?
            Hauslöffer.  Ja er – Er ist kein übler Bursche; – er soll aber etwas windig, – unüberlegt, und – ausschweifend seyn; besonders aber sich gar zu viel nach dem weiblichen Geschlechte umsehen.
            Preleste.  I, mein Herr!
            Hauslöffer.  I! – Schon gut!  Jetzt heiβt es nur I! – man besorgt aber, daβes mit der Zeit wohl A! – oder wohl gar O! – werden könnte; und man giebt daher den Rath, sich lieber zu rechter Zeit zu erkundigen, – vor allem aber sich nicht zu übereilen.
            Preleste.  Sie machen mir unangenehme Gedanken.
            Hauslöffer.  Was ich sage – dazu giebt’s gewisse augenscheinliche Beweise.
            Preleste.  Beweise?
            Hauslöffer.  Und diese Beweise – sollen nicht weit zu suchen seyn.
            Preleste.  Nicht weit?
            Hauslöffer.  Ja, nicht weit – und fast vor Augen.
            Preleste.  Vor Augen?

341      Hauslöffer.  Man fand hier, an dieser Stelle, den Dobrin – in einem Gespräche, – soll man sagen mit wem?
            Preleste.  Mit wem denn?
            Hauslöffer.  Er führte ein sehr angenehmes und freundliches Gespräch, – merken Sie?  mit einem hübschen und flinken Mädchen.
            Preleste.  Mit einem Mädchen?
            Hauslöffer.  Das nur kurz zuvor, ehr Sie hieher kamen, davon lief –
            Preleste.  Doch wohl nicht gar mit der Mawra?
            Hauslöffer.  Ja, ja, mit der Mawra.
            Preleste.  O!  das kann nicht möglich seyn.
            Hauslöffer.  Das kann nicht möglich seyn? – nein, nein: Wenn es aber nicht so wäre, ha, ha, ha!  würde denn wohl Hauslöffer etwas sagen, was er nicht gewiβweiβ– Ich habe Ihnen erzählt, was man sagt: – thun Sie nun was Sie wollen – Doch rathe ich Ihnen, – sich wohl in Acht zu nehmen, – sich umzusehen, – vor allem aber, nicht zu eilen: – so werden Sie viel erfahren.
 
342                                                

Fünfter Auftritt.
 

Mawra, Preleste, Hauslöffer.
 
            Mawra.  (zu Prelesten.)  Wie haben Sie sich hier so ins Gespräch vertieft?  Die Mama wartet auf Sie.
            Hauslöffer.  (leise zu Prelesten.)  Sehen Sie wie unangenehm ihr unser Gespräch ist.  Das Kätzchen weiβwo es gemauset hat.
            Mawra.  (leise zu Prelesten.)  Was ist denn das für ein Geflister zwischen Ihnen und Hauslöffern?
            Preleste.  (zu Mawra.)  Und was hast denn du für Recht mir Lehren zu geben?
 

Sechster Auftritt.
 

Preleste, Johann Sobrin, Hauslöffer, Mawra.
 
            Johann Sobrin.  (zu Prelesten.)  Was hältst du dich hier so lange auf, Schwester?  die Mama ist böse darüber.
            Mawra.  (zu Johann Sobrin.)  Ich hab’ es ihr auch gesagt; anstatt aber zur Mama zu gehen, wird sie böse auf mich.
            Johann Sobrin.  Ey, Schwester!  ist es wohl jetzt Zeit, sich zu erzürnen.
 
343      Preleste.  Wenn ich etwas sage, Bruder, so weiβich warum?
            Johann Sobrin.  Nun gut!  Schwester, geh’ nur geschwind zur Mama
            Preleste.  Es ist mir jetzt nicht möglich zu ihr zu gehen.
            Johann Sobrin.  Und was könnte Dich denn abhalten?
            Preleste.  Es ist mir so wüst im Kopfe – Ich fühle, daβich krank werde.    (geht ab.)
            Johann Sobrin.  (zu Mawra.)  Was ist ihr angekommen?
            Mawra.  Ich weiβes gewiβnicht
            Johann Sobrin.  (zu Mawra.)  Geh und sage es der Mama.
            Mawra.  Sogleich.    (geht ab.)
 

Siebenter Auftritt.
 

Johann Sobrin, Hauslöffer.
 
            Hauslöffer.  Sie veränderte sich, während daβsie mit mir sprach, verschiedene Male im Gesichte; – noch mehr aber schloβich aus ihren Reden, – daβsie Kummer hat.
            Johann Sobrin.  Kummer!  worüber? 
            Hauslöffer.  Nach einigen wenigen Reden – schien es mir, – daβsie – sich ungern – verheirathet.
 
344      Johann Sobrin.  Sie verheirathet sich, – ich versichere Sie, aus freyem Willen, – und nicht aus Zwang.
            Hauslöffer.  Es schien mir, mein lieber Herr Sobrin, daβsie gleichsam besorgt sey – Darf ich wohl fragen – wie sich der Bräutigam gegen sie beträg?
            Johann Sobrin.  Der Bräutigam scheint, nach dem Aeuβern zu urtheilen, recht sehr in sie verliebt zu seyn.
            Hauslöffer.  Man spricht indessen bey uns – daβer schon viele Male, auch in verschiedene andere verliebt geschienen habe.
            Johann Sobrin.  Das höre ich zum ersten Male.
            Hauslöffer.  Und wo sollten Sie es wohl hören! – Ihr Herr Vater, – sagt man, – hält Sie ja, – ohne auf Ihren Wuchs und auf Ihre Jahre zu sehen, so eingeschlossen, wie einen Knaben von etwa ein Jahrer acht.
            Johann Sobrin.  Mich?
            Hauslöffer.  Ja, Sie – Und wenn’s nicht mehr als das wäre, was man bey uns spricht.
            Johann Sobrin.  Und was denn noch mehr?
            Hauslöffer.  Noch mehr?  Man sagt, daβIhr Herr Papa Ihnen sehr wenig zu Ihrem Unterhalt gebe, – und kaum halb so viel als er wohl geben könnte.
            Johann Sobrin.  Als er geben könnte!
 
345      Hauslöffer.  DaβSie ohne seine Erlaubniβnicht einen Schrut thun, nicht vor die Pforte heraus gehen dürfen; – daβIhre Eltern Ihnen sogar Ihre Kleider aussuchen, – und daβIhre Equipage eben nicht nach der neuesten Mode eingerichtet sey.
            Johann Sobrin.  (vor sich.)  Das ist wirklich bis jetzt fast so gewesen.
            Hauslöffer.  Daβviele andere in Ihren Jahren, schon in völliger Freyheit leben, – von ihren Eltern abgesondert wohnen, – und nicht nur in der Stadt, sondern auch ausser der Stadt, nach ihrem Belieben herumfahren, – oder auch sich in fremden Ländern belustigen, daβes eine Freude ist.
            Johann Sobrin.  Man verheirathet jetzt meine Schwester: wenn nun die bey ihrem Manne wohnen wird, so werden vielleicht meine Eltern eine andere Einrichtung treffen.
            Hauslöffer.  Denn wird das Vermögen durch die Mitgabe der Schwester vermindert werden – Sie sollten lieber mit Ihren Eltern je eher je lieber darüber sprechen.
            Johann Sobrin.  Ich – ich liebe und verehre sie.
            Hauslöffer.  Das ist gut – Man kann aber doch denken –
            Johann Sobrin.  Sie haben jederzeit für uns mit der gröβten Zärtlichkeit gesorgt.
 
346      Hauslöffer.  Für wen sollten sie es auch sonst thun?
            Johann Sobrin.  Sie haben bisher unser Bestes weit mehr befördert als wir selbst.
            Hauslöffer.  Wer streitet dawider?
            Johann Sobrin.  Sie haben zum voraus für alle unsere Bedürfnisse, für unsere Bequemlichkeit, und sogar für unsere Zufriedenheit und unser Vergnügen gesorgt.
            Hauslöffer.  Das ist alles sehr gut – Man führt sie aber bis diese Stunde noch wie ein Kind im Gängelbande.
            Johann Sobrin.  Wir können jetzt nicht ausreden – Sie kommen.
            Hauslöffer.  Wir sehen uns ein andermal wieder.
            Johann Sobrin.  Wo aber? – Hier gehts nicht gut an – Vielleicht finde ich Gelegenheit zu Ihnen zu kommen.
 

Achter Auftritt.
 

Johann Sobrin, Hauslöffer, Sobrin, Predin.
 
            Sobrin.  (zu Predin.)  Ich verhehle Ihnen nichts, mein Freund.  Jetzt gehe ich auf einen Augenblick zu Prelesten, um zu sehen was sie macht und was ihr angekommen ist.
 
347      Predin.  Sehr wohl – Aber wie bleibts mit dem Hauskaufe?  was soll ich ihm sagen?
            Sobrin. Sehen Sie das Haus an, wie es wirklich beschaffen ist; hierauf wollen wir schon wegen des Preises zu Recht kommen – Ey, da ist er ja auch selbst.  (zu Hauslöffer.)  Was machen Sie hier im Vorzimmer?  warum kommen Sie nicht zu uns herein?
            Hauslöffer.  In unserer Familie, mein Herr Sobrin, herrscht so eine Gewohnheit – Wir bringen unsere Zeit gröβtentheils in den Vorzimmern verschiedener Häuser zu. – Dieser Fehler steckt uns schon vom Groβvater her im Geblüte – Mein Groβvater – starb schleunigen Todes, – wenn ich mich recht besinne, in dem Vorsal des Knäs Cesar.  Es soll da, wie man sagt, immer sehr lustig hergegangen seyn, – weil bey diesem Hofe viel Spaβmacher gewesen sind, – und das Schälchen vor dem Essen von einer Bärin herumgegeben worden ist.  – Mein Vater trat gleichfalls in des Groβvaters Fuβstapfen: seine letzte Krankheit, an der er auch starb, befiel ihn wirklich im Vorzimmer – eines gar vornehmen Herrn.
            Sobrin.  Ein sonderbarer Geschmack in Ihrer Familie!…Johann komm mit mir.
                        (Sobrin und sein Sohn gehen ab.)
 
348                                               

Neunter Auftritt.
 

Predin, Hauslöffer.
 
            Predin.  Was finden Sie für ein Vergnügen daran, sich in den Vorzimmern aufzuhalten.
            Hauslöffer.  (lebhaft und vergnügt.)  O, da, mein Herr, da ist der Mittelpunkt,…der Zusammenfluβaller Ein und Ausgehenden,…derer die im Hause wohnen und derer die nicht darin wohnen, und aller Neuigkeiten…Da wird man auch wider Willen gesehen und sieht andere,…da treffen uns, und man trifft wieder, Bekannte und…Unbekannte,…Personen die einem angehen…oder auch gar nicht angehen…Da giebt man Acht…und bemerkt,…zum Beyspiel,…was dieser und jener beym Eintreten für einen Scharrfuβmachte;…wenn diese oder jene Thüre offen steht…und wem [wenn] sie nicht offen steht…
            Predin.  Was hat man aber davon?
            Hauslöffer.  O!  mein Herr!  daraus kann man zuweilen…viel Schlüsse ziehen
            Predin.  Aber betrügt man sich nicht auch in solchen Schlüssen?
            Hauslöffer.  Nicht ohne dem, Herr Predin!  nicht ohne!  Indessen schaut und hört man da doch…was vorgeht,…und man fängt zuweilen an einem Tage ein Wort auf,…am andern ein halbes Wörtchen.
 
349      Predin.  Ist Ihnen denn die Zeit nicht leid, die Sie bey einem so müβigen Gewerbe verlieren?
            Hauslöffer.  O!  man findet daselbst zuweilen Gelegenheit, zu rechter Zeit ein Wort zu sprechen – und anzubringen, zur Belehrung und Warnung; – oder man streuet ein Paar Worte aus, – die bey einer Person, – welche sie durchs Gerücht erfahren möchte, Nachdenken erregen kennten.
            Predin.  Ey doch!  Als wenn in dem Vorzimmer die Werkbank eines solchen Handwerks stünde! – Sie spaβen Herr Hauslöffer.
            Hauslöffer.  O!  mein lieber Herr, von unserer Werkbank im Vorzimmer sind zuweilen manchem im innern Zimmer die Haare vor der Zeit grau geworden.
            Predin.  Solchen vielleicht, die selbst dem leeren Geschwätz das Ohr darbieten, und sich hierauf über Sachen beunruhigen, die sie lieber der Vergessenheit übergeben sollten – Kommen Sie mit mir zur Frau Sobrin!
            Hauslöffer.  Sie sind wohl genau mit ihr bekannt – und leben in diesem Hause auf einen freundschaftlichen Fuβ?
            Predin.  Ich bin Herrn Sobrins alter Bekannter, und wir sind von Kindheit an gute Freunde gewesen.
            Hauslöffer.  Ja, ja, mit dem Herrn Sobrin – das ist so – Aber mit der Frau, – auf was für einen Fuβleben Sie mit der?
 
350      Predin.  Auf einen solchen, als es sich für einen Freund ihres Mannes geziemet.
            Hauslöffer.  Bey uns aber spricht man doch anders –
            Predin.  Anders?
            Hauslöffer.  Ja wohl anders – Des Mannes Freund – sagt man, ist zuweilen der Frauen Nächster, – oder wenn das nicht ist, so erregt des Mannes Freund leicht Argwohn bey der Frau.
            Predin.  Was für Zeug!  Dergleichen Gedanken sind boshaft und finden in diesem Fall gar keine Statt.  Sie irren sich sehr.
            Hauslöffer.  Indessen, nehmen Sie sich in Acht – Es könnte doch wohl geschehen, daβder Mann eifersüchtig, – oder daβdie Frau böse würde.
            Predin.  Es scheint, daβsie beyde noch nicht von Sinnen gekommen sind – Ich möchte doch gern Ihr Haus sehen.
            Hauslöffer.  Fahren Sie mit mir; so will ich’s Ihnen zeigen.
            Predin.  Richtig! – Lassen Sie uns fahren!
                                           (gehen beyde ab.)
 
351                                                

Dritter Aufzug.   
 
Erster Auftritt.

 
Trofim, Mawra, (die von verschiedenen Seiten auftreten.[ )]
  
Trofim.
 
Ist unser Fräulein Preleste krank?
            Mawra.  Was krank?
            Trofim.  Nun, was ist es denn?
            Mawra.  Bloβer Eigensinn! – Sie ist ein verzogenes Kind – und weiβselbst nicht was sie will, oder nicht will.  Gestern jammerte sie, daβman sie nicht verheirathen wollte, heute, da ihre Eltern sich antschlossen haben, ihr so wie sie selbst wünscht, den Dobrin zum Mann zu geben, und nachdem sie ihnen selbst dafür gedankt hat, bedenkt sie sich auf einmal anders, und weint über nichts und wieder nichts.
 
            Trofim.  Du solltest ihr sagen –
 
352      Mawra.  Was soll ich ihr sagen; wenn selbst der Vater nicht mit ihr fertig werden konnte, sie zu überreden: daβsie zu ihrer Mutter gehen sollte, wo eben der Bräutigam saβ…Auf mich ist sie gar böse und sieht mich nicht mit den Augen an.
            Trofim.  Weswegen?
            Mawra.  Das weiβund verstehe ich nicht.
            Trofim.  Sag doch die Wahrheit!…Bekenn mir nur…Da hast Du was angerichtet.
            Mawra.  Ich?…Ich bin so unschuldig als…als ein Kind das jetzt gebohren ist.
            Trofim.  Was ist das für ein Kind das jetzt gebohren ist?.., Bey uns im Hause?  Ist’s ein Junge oder Mädchen?
            Mawra.  Dummkopf!..Das ist ja ein Sprichwort; ich sage nur so zum Beyspiel.
            Trofim.  So ein Sprichwort habe ich mein Lebetage nicht gehört…Won wem hast Du das gelernt?
            Mawra.  Was das für dumme Fragen sind!
            Trofim.  Ich bitte dich, sag es mir doch!
            Mawra.  (aufgebracht.)  Von dem Lehrer in der Schule.
            Trofim.  Von welchem?
            Mawra.  Laβmich zufrieden; Du bist unerträglich!
            Trofim.  Unerträglich?…Seit wenn bin ich dir denn unerträglich?
 
353      Mawra.  Seit heute.
            Trofim.  Nun, wenn das wirklich so ist..so reise ich nach der Fremde.
            Mawra.  Ha, ha, ha!…Wo wird dich das Ungewitter hinführen?
            Trofim.  Dir zum Possen will ich mit unseren jungen Herrn auf Reisen gehen.
            Mawra.  Mit unserm Junker?
            Trofim.  Ja mit ihm…Er redet davon, daβer den Vater bitten will, ihn in fremde Länder reisen zu lasen.
            Mawra.  Weswegen?
            Trofim.  Deswegen, weswegen andere da sind…Er sagte eben jetzt in seinem Zimmer, daβes ihm nicht weiter anstehe, so zu leben wie er bloher gelebt habe.
            Mawra.  Nicht anstehe!…Mich däucht, er lebte ja sehr gut und ordentlich.
            Trofim.  Er beklagt sich, daβseine Kutsche zu allmodisch sey,…und daβer sich schäme darin zu fahren.
            Mawra.  Seit wenn denn?
            Trofim.  Er betrübt sich, daβer nicht mehrere Bekantschaft habe.
            Mawra.  Was will er denn mit mehr?
            Trofim.  Er kümmert sich, daβman ihm so wenig zu seinem Unterhalt gebe
            Mawra.  Ja, wo hernehmen wenn sich nicht mehr geben läβt.
 
354      Trofim.  Er jammert, daβihm die Zeit lang werde, immer zu Haus zu leben.
            Mawra.  Ich wüβte nicht – wo sonst! – Hat er doch immer hier gelebt, ohne daβihm die Zeit lang geworden ist.
            Trofim.  Steh nur! – Er möchte gern, nach unserer Art zu reden, auf seine eigene Hand herumgalopiren, so wie andere.
            Mawra.  So wie andere? – Ja, andere haben allerley – Nun, wenn der sich auf die böse Seite schlägt, – Ə
r [er] ist noch jung, und wie man zu sagen pflegt nicht reif am Verstande, – so wird er den Eltern viel zu schaffen machen – Es sind Kinderstreiche, dünkt mich.
 

Zweyter Auftritt.
 

Trofim.  Mawra.  Hauslöffer.
 
            Hauslöffer.  (zu Mawra.)  Ich habe ja ein besonders günstiges Glück, dich allezeit und überall in einem verdächtigen Gesprächen zu treffen.
            Mawra.  Was haben Sie mit mir zu thun?
            Hauslöffer.  Sage nur die Wahrheit! – Du führest wohl auch mit ihm – gewiβein verliebtes Gespräch!
            Trofim.  Allezeit! – überall! – auch mit ihm!  (zu Hauslöffer)  Darf man wohl fragen,
 
355 Herr, wo Sie vorher ein solches Glück gehabt haben?
            Hauslöffer.  (zu Trofim.)  Und was geht dich das an?  Unlängst, unlängst, heute, heute nur, – und hier.
            Trofim.  Heute?  Aha!  Darum war ich auch unrrträglich [unerträglich]. 
            Hauslöffer.  Und dazu mit wem?
            Trofim.  Mit wem denn? 
            Hauslöffer.  Mit wem?  Nur so – es hat nichts zu sagen – Nur mit dem Bräutigam des Fräulein Präleste!
            Trofim.  Daβdich!
            Hauslöffer.  Wie das der Braut gefallen wird, – und was da heraus kommen soll, wenn man es erfährt, – das ist nicht meine Sache.
            Trofim.  Ach, das unschuldige Kind! – Du Spitzbübin du!
            Mawra.  Was hörst du ihn an?  Laβihn lügen, das Lügenmaul!
            Trofim.  Ja, ja!  Du sollst mich nicht mehr anführen – Betrügerin!  hat man je so was gehört!
            Hauslöffer.  Schön! – artig! – jung! – Du verdeckst nicht umsonst das Lärvchen mit dem groβen Hut – Du bist gar, nur gar zu fink, mein Herzchen! – Jetzt aber ists, – als ob du das Zünglein – ganz und gar verlohren hättest.
 
356      Trofim.  (zu Mawra.)  Warum sprichst Du denn kein Wort nicht? – Bist du zum Stein geworden? – Sieh!  was das böse Gewissen thut!
            Mawra.  Ich erstaune – und begreife es nicht, wo ihr das Zeug alles hernehmt – Seyd ihr auch wohl beide recht bey Sinnen?
            Trofim.  Betrügerin!  Komm mir dein Lebenlang nicht auf drey Schritte zu nahe!
            Mawra.  (zu Trofim.)  Und du bleib auf fünf Schritte von mir stehen!
            Trofim.  (zu Mawra.)  Oder fürchte Dich vor meiner mächtigen Hand.
            Mawra.  (zu Trofim.)  Und Du vor dieser geballten Faust.
            Hauslöffer.  Ha, ha, ha!
 

Dritter Auftritt.
 

Hauslöffer, Trofim, Mawra, Frau Sobrin, Dobrin.
 
            Dobrin.  (zur Frau Sobrin, mit der er herein kommt.)  Ich setze alle meine Hoffnung auf Sie.
            Hauslöffer.  Ha, ha, ha!
            Frau Sobrin.  Ich gehe jetzt gleich zu ihr.
            Hauslöffer.  Ha, ha, ha!
 
357                                                 

Vierter Auftritt.
 

Hauslöffer, Trofim, Mawra, Frau Sobrin, Dobrin, Predin.
 
            Frau Sobrin.  (zu Hauslöffer.)  Worüber lachen Sie so sehr?
            Hauslöffer.  Nur so – gnädige Frau, nur so – Ihre Leute geriethen hier – in Zank.
            Frau Sobrin.  In Zank?
            Hauslöffer.  Ja – Und da wäre es zwischen ihnen von Drohungen bald gar zu Schlägen gekommen.
            Predin.  (lachend.( [ )] Sie brachten sie aber wohl auseinander?
            Hauslöffer.  Wäre das wohl meine Sache?
            Frau Sobrin.  Sie haben den rechten Ort gewählt!  (zu Trofim und Mawra mit anständiger Hitze.)  Schämt ihr euch nicht! – Wie untersteht ihr euch, mit einander zu zanken – und so gar Schlägeren anzufangen, – und wo? – hier – in den herrschaflichen Zimmern – Wartet nur, bis der Herr es erfährt, – so werdet ihr schon beyde bekommen – was ihr verdient habt – Heraus mit euch!  (Trofim und Mawra gehen ab, und drohen einander hinter dem Rücken der Frau Sobrin.)
            Predin.  (zu Hauslöffern.)  Da Sie, Herr Hauslöffer, einen groβen Theil Ihres Lebens in den Vorzimmern zubringen, so müssen
 
358 dergleichen Begebenheiten Ihnen wahrscheinlich nichts neues seyn.
            Hauslöffer.  Nicht ohne dem, Herr Predin, nicht ohne – Wenn unser einer nicht Gelegenheit findet mit dem Hausherrn zu sprechen, so plaudert er mit den Bedienten.
            Frau Sobrin.  Sie sind also nicht sehr ekeler Natur.                (geht ab)
            Hauslöffer.  (zu Predin)  Sagen Sie doch Herrn Sobrin, wie Sie mein Haus gefunden haben – Ich lasse es, wie Sie seyn, für einen mäβigen Preis.
            Predin.  Ich gehe eben jetzt zu ihm – und werde mit ihm darüber sprechen.  (geht ab.)
 

Fünfter Auftritt.
 

Dobrin.  Hauslöffer.
 
            Hauslöffer.  Ein Bräutigam, mein Herr, pflegt lustig zu seyn; Sie aber sehen mir so aus, – als wenn ihnen etwas – fehlte.
            Dobrin.  Ein jeder Stand hat seine Sorgen.
            Hauslöffer.  Das ist wohl wahr, Herr Dobrin, nach Zeit und Umständen – Man sieht zuweilen Sachen von der Seiten besser, – als sie wirklich derjenige sieht, – dem sie am nächsten sind.
 
359      Dobrin.  Ich bin nicht gewohnt durch Umschweife zu reden, – und verstehe mich also sehr schlecht darauf.
            Hauslöffer.  Das kann wohl seyn – Indessen läβt sich nicht glauben, – daβSie das nicht gewahr werden sollten, – was doch so viele argwohnen.
            Dobrin.  Und was wäre denn das?
            Hauslöffer.  Ey doch!  Herr Dobrin, – als wenn Sie es nicht wüβten – Sie verstellen sich nur, – dünkt mich.      
Dobrin.  Ich?  durchaus nicht.
Hauslöffer.  Es ist nicht möglich: – daβSie nicht bemerkt haben sollten.
Dobrin.  Ich weiβwahrlich nichts.
            Hauslöffer.  In einer so nahen Angelegenheit! – wie sollten Sie da so ganz und gar nichts bemerkt haben?
            Dobrin.  In was für einer Angelegenheit?
            Hauslöffer.  Dem sey nun wie ihm wolle – Ein jeder sieht – und Sie sehen es vermuthlich auch selbst, – daβIhre Braut – nicht so gegen Sie gesinnet sey, – als sie wohl sollte.
            Dobrin.  Was sagen Sie?  meine Braut?  meine Preleste?
            Hauslöffer.  Ja, ja, Ihre Braut.
            Dobrin.  Ihr Vater und ihre Mutter haben mich des Gegentheils versichert – und ich selbst schmeichelte mir.
 
360      Hauslöffer.  Das mögen die Eltern wohl sagen – Der Wunsch der Eltern geht bey solcher Gelegenheit gewöhnlich nur – auf die Versorgung ihrer Tochter – Da sieht man denn – bald auf dieses, – bald auf jenes, – und am Ende kommt doch etwas ganz anders heraus – Die Tochter könnte auch wohl etwas anderes im Kopfe haben.
            Dobrin.  Etwas anderes? – Was wäre denn das?  Wenn Sie es wissen, so sagen Sie es mir aufrichtig und gleich.
            Hauslöffer.  Darin, lieber Herr Dobrin, darin steckt eben die ganze Sache – Ich habe einige Bedenklichkeiten, davon zu sprechen – Ich mische mich nicht gern in fremde Sachen – Es ist für mich eine Nebensache – Wenn man aber doch in der Welt lebt, – so erfährt man so ungefähr, was vorgeht – und hört, zuweilen auch wider Willen, was die Leute reden.  Sie werden vielleicht – in meinem Hause wohnen, Herr Dobrin, der Herr Sobrin will es für seine Tochter kaufen.
            Dobrin.  Sie ändern Ihr Gespräch.  Ich bitte endigen Sie doch das was Sie angefangen haben.
            Hauslöffer.  (verstellt.)  Und was wünschten Sie denn wohl zu wissen?
            Dobrin.  Wegen der Tochter – was ihr im Kopfe stecke.
 
361      Hauslöffer.  Aha!  der Tochter – was ihr im Kopfe stecke.  Wie kann ich es wissen – was ihr im Kopfe steckt? – Vielleicht stecken Sie ihr im Kopfe, – vielleicht auch nicht Sie, – sondern einanderer.
            Dobrin.  Ein anderer? – Woher wissen Sie das?  Worauf gründet Ihr Verdacht? – Haben Sie Beweise davon?
            Hauslöffer:  Was für Beweise? – und woher? – woher?  daher, – woher man dergleichen Sachen weiβ.
            Dobrin.  Ich bitte Sie, sprechen Sie deutlicher mit mir.
            Hauslöffer.  Ist denn das noch nicht deutlich genug?
            Dobrin.  Sagen Sie mir doch etwas umständlicheres.
            Hauslöffer.  Das wäre! – Jetzt gar etwas umständlicheres.
            Dobrin.  Nun, so sagen Sie mir etwas mehr davon.
            Hauslöffer.  Wenn ich nun euch ein mehreres sagen wollte, – so würde es doch eben das seyn, – was ich schon gesagt habe.
            Dobrin.  Haben Sie die Gewogenheit, und wiederholen mir wenigstens Ihre Worte.
            Hauslöffer.  Welche?
            Dobrin.  Der andere.
            Hauslöffer.  Nun – Der andere.
 
362      Dobrin.  So meyne ichs nicht.
            Hauslöffer.  Was verlangen Sie denn?
            Dobrin.  Wer ist der andere?
            Hauslöffer.  Was weiβich das?
            Dobrin.  Wenn das so wäre – Wie soll ich mich denn verheirathen?
            Hauslöffer.  Freylich wohl.
            Dobrin.  Wie soll ich mich mit Ehren zurück ziehen?
            Hauslöffer.  Nicht übel, wenn man darüber zu rechter Zeit nachdenken wollte.
            Dobrin.  Glauben Sie denn, daβfür mich keine Hoffnung übrig sey?
            Hauslöffer.  Das müssen Sie wissen; – ich weiβes nicht.              
Dobrin.  Zweifeln Sie daran?
            Hauslöffer.  Zum Theil.
            Dobrin.  Im Ernst?
            Hauslöffer.  Vielleicht könnte es so, vielleicht aber auch anders seyn.
            Dobrin.  Man rief sie verschiedene Male zu ihrer Mutter – sie kam aber nicht.
            Hauslöffer.  Sie – sie ward in meiner Gegenwart krank.
            Dobrin.  Von wem reden Sie?
            Hauslöffer.  Und Sie, von wem?
            Dobrin.  Ich habe jetzt niemanden als Preleste im Sinn.
 
363      Hauslöffer.  Der Vater gieng vor kurzem hier vorbey, – allem Anscheine nach – zu ihr, um sie zu überreden, dünkt mich.
            Dobrin.  Sie zu überreden?  Wollte sie denn nicht kommen?
            Hauslöffer.  Vermuthlich wollte sie nicht kommen, wenn sie nicht kam.  Sie trat eben hier herein – als man sie zur Mutter rief, und ihr sagte, – daβSie da wären – So bald sie das hörte, – stellte sie sich gleich an, als wenn sie krank würde; obgleich sie, nach dem Aeusiern zu urtheilen, sehr gesund aussah.
            Dobrin    Das sind für mich sehr schlechte Nachrichten.
            Hauslöffer.  Auch mir scheinen sie nicht gar zugut zu seyn – Sie sollten sich darüber mit jemanden berathschlagen.
            Dobrin.  Ich will auf einen Augenblick zu meinen Vetter fahren, – und sehen wie er sich befindet.                                                            (geht ab.)
 

Sechster Auftritt.
 

Hauslöffer.  Frau Sobrin.
 
            Frau Sobrin.  Meine Preleste ist so fest eingeschlafen, daβsie mich weder herein kommen noch herausgehen gehört hat.  (zu Hauslöffern)  Sie sind ja beständig hier.
 
364      Hauslöffer.  Ich – ich erwarte die Antwort – Ihres Herrn Gemahls – wegen meines Hauses.
            Frau Sobrin.  Weiβmein Mann, daβSie hier warten?
            Hauslöffer.  Die Sache hat gar keine Eile.
            Frau Sobrin.  Wo ist Dobrin geblieben? – Ich glaubte ihn hier zu finden
            Hausluffer [Hauslöffer].  Er – er fuhr – zu seinem Vetter.
            Frau Sobrin.  Ist sein Vetter nicht etwa kränker geworden?
            Hauslöffer.  Nein, gnädige Frau – Er fuhr, um sich mit ihm zu berathschlagen – dünkt mich – Er ist in nicht geringer Unruhe.
            Frau Sobrin.  In Unruhe? 
            Hauslöffer.  Mir scheint es, – als hätte er gleichsam einige Bedenklichkeiten, – wegen keines künftigen Schicksals.
            Frau Sobrin.  O, das hat Ihnen nur so geschienen – Das kann nicht möglich seyn.
            Hauslöffer.  Er hat unter den Leuten den Ruf, – daβer so  etwas, – wie soll ich sagen? – etwas wetterwendisch sey.
            Frau Sobrin.  Wetterwendisch?
            Hauslöffer.  Ja, wetterwendisch, – und das besonders denn – wenn er völlig entschlossen zu seyn scheint.
            Frau Sobrin.  Was sagen Sie? – Ich verstehe Sie nicht recht.
 
365      Hauslöffer.  Die Leute sagen von ihm: – daβer nicht sehr – nicht sehr zuverläβig seyn soll.
            Frau Sobrin.  Ey, nicht doch! – Im Gegentheil –
            Hauslöffer.  Auch weiβman, – daβSie ihn in Schutz genommen haben, – und daβSie nicht glauben wollen, – daβer anders beschaffen sey, – als Sie ihn haben möchten.
            Frau Sobrin.  Und woher wissen Sie denn das?
            Hauslöfer [Hauslöffer].  O, wenn es das alles wäre, was ich weiβ…Die Leute sagen überdieβ!…daβSie mit der Verheirathung Ihrer Tochter eilen, damit das Haus für Sie selbst geräumiger werde; ha, ha, ha!…daβ der Vater nicht daran gewollt habe,...daβer Sie jetzt so wie sonst immer hintergehe;…daβSie Ihren Mann zu beherrschen glauben,…und daβdagegen der Mann Sie…zu jeder Zeit und Stunde…für nichts achtete.
            Frau Sobrin.  Und das alles sagt man?
            Hauslöffer.  O, wenn es nicht mehr als das wäre!
            Frau Sobrin.  Was denn noch mehr?
            Hauslöffer.  Man sagt: daβIhres Mannes Freund, Herr Predin…Ihr noch gröβerer Freund sey.  Ha, ha, ha!
            Frau Sobrin.  Wahre Verläumdung!
 
366      Hauslöffer.  Indessen , – nehmen Sie sich in Acht – Ich rede mit Ihnen als Ihr Freund; so wohl in diesem Falle, – als auch darinn, daβIhre Tochter sich ungern mit dem Dobrin verheurathet – Geben Sie wohl Acht, – ob es ihm vom Herzen gehe, – wie auch ob es Ihrem Sohne lieb sey, daβSie seiner Schwester, eine so ansehliche Mitgabe geben.
            Frau Sobrin.  Sie haben mir so viel vorerzählt, daβ wenn ich argwöhnisch wäre, meine Gedanken dannt auf einige Tage hinlänglich beschäftigt seyn konnten.
                                                                                    (geht ab).
 

Siebenter Auftritt.
 

Hauslöffer.
 
            Ha, ha, ha!  Das ist unser einem so recht – Wenn man den Leuten den Kopf anfüllt, mit Sachen die ihnen nicht angenehm seyn könnten, so ist ihr Verstand beschäftiget, – und wenn man denn auch keinen andern Vortheil davon hätte – so erregt man doch dadurch Aufmerksamkeit, und erlangt Wichtigkeit bey solchen Personen, die uns ihr Ohr leihen, – und die sonst wenig oder gar nicht auf uns achten würden – Wir würden sonst ohne Unterscheid [Unterschied] unter dem groβen Haufen bleiben, und niemals oder selten eine angenehme Aufnahme, oder eine gute Mittags
 
367 oder Abendmahlzeit für uns bereit finden – Ist doch mein Haus auch nicht anders aufgebaut – als durch Kunstgriffe, – und für fremdes Geld, – wozu denn so mancher seinen Theil beygetragen hat.
 

Achter Auftritt.
 

Hauslöffer, Sobrin.
 
            Sobrin.  Herr Hauslöffer , meine Frau sagt mir: daβSie hier auf meine Antwort wegen Ihres Hauses warten – Ich kann mich aber so geschwind nicht entschlieβen, ob ich Ihr Haus nöthig haben werde, oder nicht.
            Hauslöffer.  Das kann ich gar leicht glauben – Man sagt: daβes in Ihrem Hause – nicht alles – nach Ihrem Wunsche gehe.
            Sobrin.  Bisher ist alles so gegangen, wie ich’s gewünscht habe.
            Hauslöffer.  Auf unserer runden Erde ist nichts beständiges – Auch können Sie in Rücksicht Ihrer gegenwärtigen Angelegenheit – um so mehr – nicht ohne vielerley Sorgen seyn.
            Sobrin.  Der Kauf oder Nichtkauf eines Hauses kann dazu nicht viel beytragen.
            Hauslöffer.  Das ist wohl wahr – Aber in einer Familie – giebts verschiedene Wünsche, – und der eine will das, – was des andern Willen zuwider ist.
 
368      Sobrin.  Ich lebe mit meiner Frau in gutem Vernehmen, und unsere Kinder sind uns gehorsam.
            Hauslöffer.  Die Frauen leben mit ihren Männern jederzeit in gutem Vernehmen, wenn die Männer sich nach ihren Willen richten.
            Sobrin.  Diesem Beyspiel folge ich nicht; meine Frau richtet sich nach meinem Willen.
            Hauslöffer.  Die gröβte Kunst des weiblichen Geschlechts besteht gewöhnlich – darin, – daβdie Frau den Mann zu überreden weiβ– als ob sie ihm gehorche, – wenn sie im Gegentheil ihn nach ihrem Willen leitet.  Ha!  ha!  ha!
            Sobrin.  Meine Frau ist nicht so verschmitzt, und ohne Arglist.
            Hauslöffer.  So urtheilt man hievon – nicht überall.  Ha!  ha!  ha!
            Sobrin.  Man mag darüber urtheilen wie man will, aber in der That ist es so.
            Hauslöffer.  Wer sollte es denn auch wohl besser wissen, als Sie selbst.
            Sobrin.  Ich habe überdem wenigen Umgang, und lebe mit meiner Familie; meine Freunde besuchen mich, oder ich sie; ihre Zahl ist nicht groβ, und der vornehmste darunter ist Predin.
            Hauslöffer.  Wer, Predin?
            Sobrin.  Ja, Predin – Was setzt Sie denn dabey so in Erstaunen?
 
369      Hauslöffer.  So, mein lieber Herr Sobrin – nichts, – nur so – ha!  ha!  ha!
            Sobrin.  Nein, sagen Sie mir: – was haben Sie gegen ihn?
            Hauslöffer.  Ich? – Ich habe nichts gegen ihn – Es kam mir nur so in den Sinn, was die Leute reden.
            Sobrin    Was denn?
            Hauslöffer.  Ich bitte, entschuldigen Sie mich – Ich habe Bedenken es nachzusagen.
            Sobrin.  Sagen Sie nur – es sey was es wolle – Ich bin Predins wahrer Freund.
            Hauslöffer.  DaβSie sein Freund sind, daran zweifelt niemand; ob er aber eben so aufrichtig gegen Sie sey; – das ist die Sache.
            Sobrin.  Wir sind zusammen erzogen und aufgewachsen.
            Hauslöffer.  Das weiβich – Man sagt aber – daβer sich von einer Leidenschaft hinreissen lasse, – soll ich sagen gegen wen? – Gegen Ihre Gemahlin, – und daβSie, mein Herr, von beyden regiert und obendrein angeführt werden.
            Sobrin.  Ich?
            Hauslöffer.  Ja, Sie.
            Sobrin.  Ich?  O!  das ist nicht möglich – Das ist eine wahre Lüge.
            Hauslöffer.  Man sagt indessen doch: – daβirgendwo – so etwas vorgefallen seyn soll – Aber, was geht uns das Geschwätz der Leute
 
370 an – Sie haben zu viel Verstand, Herr Sobrin, – um nicht die Spreu vom reinen Korn zu unterscheiden – Vielleicht hat auch nur die Anwerbung des Herrn Dobrin zu diesem Gerüchte Anlaβgegeben – Er soll, wie man sagt, ansehnliche Schulden haben.
            Sobrin.  Wer, Dobrin?
            Hauslöffer.  Ja, er! – Da er aber jezt Ihre Tochter heurathet, – so hofft er selbige bezahlen zu können, und zwar durch Unterstützung Ihrer Gemahlin, die ihn begünstiget; – wozu denn auch Predin behülflich seyn soll, – wie auch Ihr Sohn – Aber verdrüβt es Sie nicht, dieses Gerede weiter anzuhören?
            Sobrin.  Nein, reden Sie nur aus.
            Hauslöffer.  Dem letztern, – Ihrem Sohne nemlich, – hat man versprochen: daβ man ihm Ihre Erlaubniβ in fremde Länder zu reisen, wie auch eine Vermehrung der zu seinem Unterhalt bestimmten Summe, auswirken wolle – Nun soll aber diesem allem ein Hinderniβ in den Weg gekommen seyn, – weil nemlich Ihre Tochter erfahren hat, – daβ 
Dobrin, ich glaube, in Ihr Dienstmädchen, die Mawra, verliebt sey, – weshalb sie ihn jezt nicht haben will – Dieses alles soll, glaube ich, Ihr Bedienter Trofim – ins Klare gebracht haben, – den Sie darum befragen können.
            Sobrin.  Sie haben mir auf ein Mal genug gesagt, für mich sehr wichtige Sachen –
 
371 Kommen Sie nun mit mir, und erzählen Sie mir das alles noch einmal, etwas umständlicher.
            Hauslöffer.  Gern, mein lieber Herr Sobrin; – recht gern – sehr gern –
                                                                                                        (gehen beyde ab).             
 
 

Vierter Aufzug.
 
Erster Auftritt.

 
Dobrin, Jamann (die zusammen auftreten).
 
Jamann.
 
Ja doch!  mein lieber Neffe, ja!  ja!
            Dobrin.  Ich wiederhole es Ihnen, Herr Vetter, daβ ich recht sehr in meine Braut verliebt bin; wenn ich aber so unglücklich wäre, daβ sie mich blos aus blindem Gehorsam nehmen wollte, so will ich lieber nicht heurathen.
            Jamann    Du sagst mir ja immer und immer dasselbe vor – Siehst Du mich denn etwa für einen Dummkopf an?
 
372      Dobrin.  Nein, lieber Herr Vetter, ich sage es nur, – um Ihren Gedächtniβ zu Hülfe zu kommen – Sie gestehen ja selbst, – daβ es etwas geschwächt sey.
            Jamann.  Ja, – zum Theil – ja, ja –
 

Zweyter Auftritt.
 

Dobrin, Jamann, Johann Sobrin.
 
            (Letzterer geht in einem Mantel gehüllt eilig über den Schauplatz; da er aber Dobrin und Jamann gewahr wird, erschrickt er, und geht langsamer auf sie zu).
 
            Johann Sobrin.  (leise zu Dobrin).  Ich bitte, sagen Sie es niemanden, daβ Sie mich gesehen haben.
            Dobrin.  (zu Johann Sobrin).  Wo eilen Sie denn hin?
            Johann Sobrin.  (leise und stolz zu Dobrin).  Ich gehe – ich gehe auf die Straβe spazieren, – ohne von irgend jemand Erlaubniβ zu bitten; – zum ersten Male ohne Aufseher.
            Dobrin.  Und warum denn das?
            Johann Sobrin.  (leise zu Dobrin).  Gehen Sie!  meine Schwester wird sich jetzt verheurathen – und auf ihre eigene Hand leben; – warum sollt ich denn nicht auch etwas thun, was mir gefällt?
 
373      (Hüllt sich in seinem Mantel, und läuft davon).
            Dorin.  Ha!  ha!  ha!  ein wahres Kind.
            Jamann.  Was schwatzest du da mit ihm?
            Dobrin.  Nichts, Herr Vetter – Bloβe Kindereyen!
 

Dritter Auftritt.
 

Jamann, Dobrin, Frau Sobrin, Predin.
 
            (Frau Sobrin und Predin gehen zusammen).
 
            Frau Sobrin.  Sie verhehlen es mir vergebens.
            Predin.  Ich verhehle nichts, sondern ich weiβ nichts.
            Frau Sobrin.  Mein Mann thut ganz fremd gegen mich.
            Predin.  Und mit mir redet er so, als wenn er dazu gezwungen würde.
 

Vierter Auftritt.
 

Jamann, Dobrin, Frau Sobrin, Predin, Sobrin.
 
            Sobrin.  (mit verstellter Mine).  Ich freue mich, daβ ich Sie hier alle beysammen finde.
 
374 (zur Frau Sobrin)  Du bist ja hier wie die Königin im Bienenstock, mitten unter Deinen Chenten.  (zu Jamann)  Wie befunden Sie sich jetzt?
            Jamann.  So ziemlich – so ziemlich – Ich würde  aber nicht aus dem Hause gegangen seyn, wenn mein Neffe mich nicht gebethen hätte – zu Ihnen zu fahren.
            Sobrin.  O!  da hat er Sie umsonst bemühet – Diese Ausfahrt kann Ihnen vielleicht schädlich seyn, – so sehr sie ihm auch, seiner Umstände wegen, nöthig zu seyn scheinen möchte.  (zu Frau Sobrin)  Man sieht wohl, er eilt, sich mit seinen Gläubigern auseinander zu setzen.
            Frau Sobrin.  Mit seinen Gläubigern!
            Jamann.  (zu Sobrin mit vergnügter Mine).  Mein Neffe – sagt: – daβ er – daβ er sich nicht verheurathen wolle –
            Sobrin.  Das freuet mich von Herzen – Ich wollte schon selbst mit ihm und Ihnen darüber sprechen.
            Dobrin.  (zu Jamann).  Was sagen Sie, Herr Vetter!  Habe ich Sie denn darum gebethen?
            Jamann.  (zu Dobrin).  Er fällt mir ja in die Rede, – und läβt mir nicht Zeit zu endigen.
            Dobrin.  (zu Jamann).  So endigen Sie doch geschwinde.
 
375      Jamann.  Herr Sobrin – Ich wiederhole es Ihnen – Mein Neffe ist gar nicht Willens zu heurathen –
            Sobrin.  Und ich wiederhole es Ihnen gleichfalls: daβ ich darüber von Herzen froh bin.
            Dobrin.  (zu Jamann).  Ach!  Herr Vetter, was haben Sie gemacht?
            Jamann.  (zu Dobrin).  Ich – ich fieng an zu reden – was du mir aufgetragen hast: schlecht genug, daβ er mich nicht aushören will – Herr Sobrin, mich dünkt, ich fieng deutlich und gut an, – aber –
            Sobrin.  O, sehr deutlich: – so deutlich als meine Antwort ist.
            Dobrin.  (zu Sobrin).  Ihre Antwort ist für mich äuβerst empfindlich.
            Frau Sobrin.  (zu Dobrin).  Klagen Sie deshalb über sich selbst.  Ihr eigenes Beklagen ist schuld daran.
            Dobrin.  (zur Frau Sobrin).  Mein Vetragen? – Was habe ich denn verschuldet? – oder habe ich Sie vielleicht dadurch erzürnt, daβ ich Ihre Tochter anbethe?
            Predin.  Was ist denn das? – Sie bethen sie an – und entsagen der Verbindung mit ihr.
            Dobrin.  (zu Predin).  Ich entsage ihr nicht, – man sagt mir aber ab, ohne mich auszuhören.
 
376      Sobrin.  (zu Predin).  Thut er dir etwa leid?  wie? – Ich versichere dich aber, – daβ ich für ihn keine Schulden bezahlen will, – wer auch immer, und so sehr man sich auch darum bemühen möchte.   
            Predin.  (zu Sobrin).  Wie kommt denn das so sehr – und das wer! – hieher?
            Sobrin.  (zu Predin).  So, nur so! – Und überdem – finde ich mich gar nicht geneigt, meine Tochter zu zwingen.
            Frau Sobrin.  Zu zwingen!  (zu Sobrin)  Es war ja ihr eigener freyer Wille, und sie hat Dir ja selbst gedankt.
            Sobrin.  (zu Frau Sobrin).  Das war wohl damals so; – jetzt aber ist es anders.
            Frau Sobrin.  Das ist eine andere Sache – Ich begreife es aber nicht.
            Sobrin.  Es wird sich schon mit der Zeit aufklären.
            Dobrin.  Das ist für mich alles sehr unglücklich, – und ich sehe wohl, daβ ich hier völlig überflüβig bin.  (zu Jamann)  Kommen Sie, Herr Vetter, lassen Sie uns fahren.
            Jamann.  Ja, ja, laβ uns fahren – Aber warum denn das?
            Dobrin.  (zu Jamann).  Darum, weil wir hier nichts weiter zu thun haben – Mir ist jetzt die ganze Welt zuwider.
            Jamann.  Ja so! – Aber – (zu Sobrin)
 
377 Ich bitte, hören Sie mich an! – Mein Neffe würde sich wohl verheurathen –
            Sobrin.  (zu Jamann).  Aber meine Tochter nicht.
            Dobrin.  (zupft Jamann beym Rock).  Hören Sie auf Herr Vetter.
            Jamann.  (zu Dobrin).  Hast du dich denn wirklich anders bedacht?
            Dobrin.  (zu Jamann).  Was sollen wir uns jetzt weiter bemühen?
            Jamann.  (zu Dobrin).  Das ist eine andere Sache – aber –
            Dobrin.  (zu Jamann).  Aber – Ich mag selbst nichts mehr hören.
            Jamann.  Woher kommt aber diese schleunige Veränderung? – Ich verstehe und begreife das nicht.  (zu Predin).  Sagen Sie es mir wenigstens.
            Predin.  (zu Jamann).  In welcher Absicht sind Sie hieher gekommen?
            Sobrin.  (zu Predin).  Diese Frage ist sehr flüβig, und übel angebracht.  Die beyden Herren mögen gekommen seyn in welcher Absicht sie wollen, so ist jetzt alles entschieden, und sie haben mit uns, so wie wir mit ihnen, nicht das geringste mehr abzumachen.
            Jamann.  (zu Sobrin)  Ja so! – so! – Aber – Das heiβt: – Sie wollen mich also nicht aushören? –
            Sobrin.  Ich halte dafür: – daβ zwischen
 
378    uns schon alles gesagt sey, – und daβ alle Wiederholungen nur überflüβig seyn würden.
            Jamann.  Ja so! – so! – Aber – (zu Dobrin)  Komm, laβ uns fahren!
                                                                                         (Dobrin und Jamann gehen ab.)
 

Fünfter Auftritt.
 

Predin, Sobrin, Frau Sobrin.
 
(stehen alle drey ohne ein Wort zu reden, und sehen einander an).
 
            Predin.  Hat wohl jemals zwischen uns ein solches Stillschweigen geherrscht?
            Sobrin.  Ein jeder schweigt gewöhnlich, wenn er nichts zu sagen hat.
            Frau Sobrin.  Gewöhnlich pflegt der nur so kurz von Worten zu seyn, dem es zur Zeit an Offenherzigkeit fehlt.
            Sobrin.  Du vernünftest, Frau – Das Klügen steht aber nicht allen wohl an.
            Frau Sobrin.  (zu Sobrin).  Ich bitte, nimm es mir nicht übel, wenn ich Dich, gesetzt auch zur Unzeit frage, warum Du dem Dobrin abgesagt hast?
            Sobrin.  Darum, weil ich es so für nöthig hielt.
            Predin.  Er ist aber doch ein guter junger Mensch.
 
379      Sobrin.  Wer hat was darüber?
            Frau Sobrin.  Er liebt Prelesten und sie liebt ihn.
            Sobrin.  Du hast wohl ihre Herzen durch und durch gesehen.  Nicht so?
            Predin.  Er hat ein ansehnliches Vermögen.
            Sobrin.  Desto besser für ihn.
            Frau Sobrin.  (zu Sobrin).  Was erwähntest Du vorhin von seinen Schulden?
            Sobrin.  Ich erinnere mich’s nicht
            Predin.  Davon hat man bis jetzt nirgends etwas gehört.
            Sobrin.  Seine Freunde werden ihm wohl helfen.
            Frau Sobrin.  Wer sind denn die?
            Sobrin.  Ich habe ihre Namen nicht aufgeschrieben.
            Frau Sobrin.  Du willst also nicht mit uns reden?
            Sobrin.  Im Gegentheil; ich bin nur müde vom Reden.
            Frau Sobrin.  Mir thut es leid um Prelesten, die wird ausser sich seyn, wenn sie hören wird, was vorgefallen ist.
            Sobrin.  Du wirst sie schon trösten.
            Frau Sobrin.  Ich weiβ nicht, wie ich’s ihr sagen soll.
            Sobrin.  Bemühe dich nur nicht, ich bitte, sie weiβ schon meine Gesinnungen.
            Frau Sobrin.  Hast Du es ihr denn gesagt?
 
380      Sobrin.  Ja doch!
            Frau Sobrin.  Und warum hast Du es denn vor mir verhehlt?
            Sobrin.  Um überflüβige Reden zu vermeiden.
            Frau Sobrin.  Ich erkenne Dich nicht mehr – Du pflegst Dich sonst mit mir und andern Personen über wen weniger wichtige Sachen zu berathschlagen, – und nun thust Du gegen mich und andere geheim – Und deine Tochter, die wirst Du gewiβ umbringen.
            Sobrin.  Fürchte nur nichts, mein Herzchen! – Sie hat mich selbst gebethen, so zu verfahren. 
            Frau Sobrin. Was sagst Du? Ich verstehe Dich nicht – Wenn ich das nicht von ihr selbst höre, so sage was Du willst, so glaube ich es nicht – Da muß etwas nicht recht seyn – Hast Du Dich nicht etwa verhört, mein Schatz?
            Sobrin. (spöttisch). Ja freylich!
            Frau Sobrin. Ich muß sie rufen lassen.
            Sobrin. Laß sie nur rufen, wenn du mir nicht glauben willst, und wenn es mit mir schon so weit gekommen ist, daß ich bey Dir für taub und blind, und für einen Dummkopf gelte.
            Frau Sobrin. Dem sey nun wie ihm wolle. Mawra! Mawra!
            Sobrin. Du willst wohl die Mawra nach der Tochter schicken? – Das wird auch nicht
 
381 geschehen – Die Mawra soll mir am morgenden Tage aufs Land.
            Frau Sobrin. Weswegen?
            Sobrin. (spöttisch). Die hast sich vortreflich aufgeführt.
            Frau Sobrin. Seit wenn denn? – Ich habe nichts Böses an ihr bemerkt.
            Sobrin. Wie solltest du das bemerken, da du so vielerley andere Sachen im Kopfe hast.
            Frau Sobrin. Es thut mir leid um sie: sie ist ein gutes, flinkes Mädchen, und versteht allerley Handarbeiten.
            Sobrin. Ja – Sie ist nur gar zu flink, und ihren Händen – denen entgeht nicht leicht etwas.
            Frau Sobrin. Wie so?
            Sobrin. Du bist heute ausserordentlich neugierig, und eine Frage verdrängt bey Dir die andere aus dem Munde.
            Frau Sobrin. Und Du bist überaus sparsam mit Deiner Vertraulichkeit, und sehr kurz in Antworten.
            Sobrin. Aber Du, mein Schatz, auch Du sagst mir doch nicht alles.
            Frau Sobrin. Und was habe ich dir denn verhehlt?
            Sobrin. O! davon rede ich jetzt nicht, und verlange es auch nicht zu wissen – Ich will aber in meinem Hause eine andere Ordnung einführen,
 
382 – und mich ins künstige von niemanden mehr hintergehen lassen.
            Frau Sobrin. Wer hintergeht Dich denn?
            Sobrin. Ich will nicht, daß die Leute sagen sollen, daß ich angeführt werde, – daß man mich thun lasse was man will, – oder daß ich von irgend jemanden beherrscht werde.
            Predin. Ich weiß nicht, wem so etwas in den Sinn gekommen ist, – und vor wem du hier so bravierst – Hier ist niemand als Deine verehrungswürdige Frau und ich – Willst du etwa, daß wir das alles auf unsre Rechnung nehmen sollen?
            Sobrin. Wenn meine Worte irgend einer Erklärung bedürfen, so mag sie erklären wer da will, und wie es ihm gefällig ist.
            Predin. Wer Dir dergleichen Gedanken, und ein solches Mißtrauen gegen alle und jede einflößt, der drohet Deinem Hause den Untergang – Wo nimmst Du denn das alles her?
            Sobrin. (zu Predin.) Mein Herr! Ich rede mit miener Frau, und zwischen uns darf sich niemand mischen – Jeder ist, so wie ichs verstehe, Herr in seinem Hause, – und wem mein Umgang oder mein Haus nicht gefällt, dem stehts frey, sich aus demselben zu entfernen.
            Predin. Das heißt; daß ich hier überflüßig bin.
 
383      Sobrin. Das sage ich nicht.
            Predin. Du denkst es aber. Gut – Ich verlasse Dein Haus, bis Du Dich anders besinnen wirst – Lebe wohl! Ich will Dir wahrlich auf keine Weise beschwerlich fallen.
            Sobrin. Leben Sie wohl.
            Predin. Gehorsamer Diener. (geht ab.)
 

Sechster Auftritt.
 

Sobrin, Frau Sobrin.
 
            Frau Sobrin. Was ist dir angekommen? – Du suchest ja heute Gelegenheit, Dich auf irgend eine Art mit der ganzen Welt zu entzweyen.
            Sobrin. Es soll nicht dabey bleiben, mein Schatz! Jetzt sind wir beyde allein – Ich will Dir nun ein Zeichen meiner Offenherzigkeit geben, – und sage Dir also: daß ich es von heute an nicht leiden werde, daß Predin ferner einen Fuß in mein Haus setze.
            Frau Sobrin. Was hat er Dir denn zuwider gethan?
            Sobrin. Schon gut! – Wie solltest du das nicht wissen – Höre nur auf listig zu thun – Ich kenne alle eure Schliche; sie sind mir sehr wohl bekannt – und ich will sie ferner nicht dulden.
            Frau Sobrin. Was für Schliche zwischen mir und ihm?
 
384      Sobrin. Ich weiß auch sogar, daß Mawra eure Vertraute ist.
            Frau Sobrin. Mawra? ha! ha! ha! – Das ist ja ein ganzes Mährchen von Hirngespinsten – War es nicht deswegen, warum Du sie aufs Land schicken willst?
            Sobrin. Ich will darüber, der Kinder wegen, kein Geräusch machen: – ich bin aber entschlossen das alles rein abzuschaffen, – und wenn Du Dich nicht besserst, Du Un . . . Du Ungetreue! – so will ich mich von Dir scheiden lassen – Merke Dir das! – Nun! was stehst Du so in Gedanken? Bekenne es mir nur geschwinde, ich weiß alles.
            Frau Sobrin. Wenn ich Dir etwas bekennnen soll, so wäre es etwa das: daß ich glaube, Du seyst völlig von Sinnen gekommen – Schämst Du Dich nicht, so etwas von mir zu denken? Nachdem Du so viele Jahre mit mir in der besten Eintracht und ohne den geringsten Verdacht gelebt hast, – fällt es Dir nun in Deinem Alter ein, auf mich
eifersüchtig zu werden? – Bin ich den ein junges schönes Kind? Heh! Ich habe schon erwachsene Kinder, – und es kommt Dir noch in den Sinn, mich und deinen besten, deinen getreuesten Freund, so zu verunglimpfen. Predin ist älter als wir alle beyde, – und es wird mir nicht schwer fallen, mich zu rechtfertigen. Um aber deiner Schwachheit zu schonen, und dein Gemüth zu beruhigen, will ich Dir etwas
 
385 vorschlagen: Laß uns aus der Stadt weg aufs Land ziehen, wo wir auf dem vorigen Fuß leben wollen – Du weißt, daß es jederzeit mein Wunsch gewesen ist, nicht in der Stadt zu leben – Ich dachte meine Tochter zu versorgen, – Du hast es aber anders beschlossen; – aus was für Gründen aber, das verstehe ich bis jetzt noch nicht.
            Sobrin. Wie soll man sie denn wider ihren Willen verheirathen?
            Frau Sobrin. Das ist mir unbegreiflich – Hat sie nicht vielleicht auch jemand verläumdet, so wie mich?
            Sobrin. Sinka! Sinka! ( Sinka kommt herein.) Rufe mir die Preleste her. (Sinka geht ab.)
            Frau Sobrin. Höre, mein Schatz! Erlaube mir doch ein Wort zu sprechen.
            Sobrin. Sprich nur!
            Frau Sobrin. Ich hörte vorher auch so etwas – das Deinen Reden ähnlich ist – Sollte das nicht alles Hauslöffers Werk seyn? Spuckt nicht etwa dieser Hauslöffer in unserm Hause?
            Sobrin. Aus was für Ursachen sollte er das thun?
            Frau Sobrin. Das müßte man eben genau untersuchen – Ueberhaupt gefällt mir Hauslöffer nicht – Er hat mir viel närrisches Zeug vorgesagt: einiges davon habe ich nicht verstanden, über das andere habe ich gedacht, und das dritte
 
386 habe ich zu einem Ohr herein zum andern heraus gelassen.
            Sobrin. Er steht ja immer im Vorzimmer, was soll er da für Spuck machen?
            Frau Sobrin. Hauslöffer wird von niemanden geachtet, und eben dadurch ist es ihm um desto leichter, alles zu sagen, was ihm in den Sinn kommt.
           

Siebenter Auftritt.
 

Sobrin, Frau Sobrin, Preleste.
 
            Sobrin. Komm her, Preleste, komm her!
            Preleste. Was befehlen Sie Papa?
            Sobrin. (zur Frau Sobrin.) Ist das Preleste oder jemand anders?
            Frau Sobrin. Freylich ist es Preleste, – Was das für eine wunderliche Frage ist!
            Sobrin. (zur Frau Sobrin.) Nun, so frage sie selbst – wie lieb sie den Dobrin hat, und ob sie ihn gerne oder wider ihren Willen heirathen wird?
            Preleste. Ich bitte Sie, lieber Papa, wie soll ich den Dobrin heirathen?
            Sobrin. (zur Frau Sobirn.) Hörst Du, was sie sagt?
            Frau Sobrin. Ich höre es wohl. (zu Prelesten.) Was bewog Dich denn vorher in unserer Gegenwart anders zu reden?
 
387      Preleste. Damals wuste ich noch nicht, was ich jetzt weiß.
            Frau Sobrin. Und was weißt Du denn?
            Preleste. Er hat keine Neigung zu mir – Er liebt eine andere.
            Sobrin. Eben das habe ich auch gehört.
            Frau Sobrin. (zu Prelesten.) Und Du, wie hast Du das erfahren?
            Preleste. Wie? – So, Mamachen!
            Frau Sobrin. So! – Das Wort so, ist nach meiner Meynung gar keine Antwort, sondern dient blos dazu, die Wahrheit zu verbergen.
            Preleste. Ich hörte es von einem Manne – dessen Namen ich nicht recht weiß.
            Frau Sobrin. (zu Prelesten.) Wo, und in wessen Beysein hat man Dir das gesagt?
            Preleste. Hier – Es war niemand dabey – Ich kam hieher, um zu Ihnen zu gehen.
            Frau Sobrin. (zu Prelesten.) Kennst Du den Menschen von Ansehen?
            Preleste. Wenn ich ihn sehe, würde ich ihn wohl kennen.
            Frau Sobrin. Wie ich sehe, ist das ein Stückchen von Hauslöffer – (zu Sobrin.) Darf man fragen von wem Du das gehört hast?
            Sobrin. Wenn ich aufrichtig sagen soll; – so erfuhr ich es auch – von Hauslöffern.
            Frau Sobrin. (zu Prelesten.) Warum hast Du mir denn das nicht gesagt?
 
388      Preleste. Es waren Leute bey Ihnen, Mamachen.
            Frau Sobrin. (zu Prelesten.) So hättest Du wenigstens die Mawra zu mir schicken können.
            Preleste. Die Mawra!
            Sobrin. (zu Frau Sobrin.) Wie sollte sie die Mawra schicken? – Hast Du vergessen, was ich vorhin von ihrer schlechten Ausführung sprach?
            Frau Sobrin. Woher weiß denn Preleste das?
            Sobrin. Ey, das unnütze Mädchen, ist ja an aller dieser Verwirrung schuld.
            Frau Sobrin. Nun, so viel Worte, so viel neue Geschichten! – Sagt mir doch wenigstens alles das, was die Mawra betrifft.
            Sobrin. Darüber will ich erst selbst noch nähere Erkundigung einziehen – Trofim! Trofim!
 

Achter Auftritt.
 

Sobrin, Frau Sobrin, Preleste, Trofim.
 
            Frau Sobrin. (zu Trofim, der ganz ausser Athem gelaufen kommt.) Was hat dich so ausser Athem gesetzt?
            Trofim. (zu Frau Sobrin.) Ich, – gnädige Frau, – ich bin – jemand – nachgelaufen –
 
389      Sobrin. Was hattest du das nöthig? – Weswegen?
            Trofim. Weswegen! – Ich bin bange daß Sie böse werden – wenn ich’s sage.
            Sobrin. Sag geschwinde! – Was ist denn das?
            Trofim. Wenn Sie befehlen, – so muß ich’s wohl sagen – Ich stand am Fenster, gnädiger Herr! im Speisezimmer, – und sieh! – da läuft ein Mensch vom Hofe, – ganz in einen Mantel eingehüllt, – mit einem herabgelassenen Hut auf dem Kopfe – Ich dachte so bey mir selbst: – daß dich wenn der nur nicht etwas aus dem Hause gestohlen hat – Ich sprang geschwind die Treppe herab – und lief ihm nach –
            Sobrin. Wo lief er denn hin?
            Trofim. Er, gnädiger Herr, er lief gerade auf den Fluß zu, und warf sich sobald er ans Ufer kam – in –
            Frau Sobrin. Ins Wasser?
            Trofim. Nein, gnädige Frau, – in einen Kahn, – der bey der Ueberfahrt stand – Ich sehe ihm nach, – er fährt auf dei andere Seite über, – steigt aus dem Kahn, – und geht zum Herrn Hauslöffer ins Haus – Ich fuhr auch über und ging ihm nach.
            Sobrin. Wer war er denn?
            Trofim. Wer! – Ja, gnädiger Herr, das ist eben die ganze Sache, – und warum ich so bange bin.
 
390      Frau Sobrin. Was bist du bange? – Rede, wenn es dir befohlen wird.
            Trofim. Nun gut, gnädige Frau, es sey denn – Dieser vermummte Mensch war kein Fremder – Es war – Ihr Herr Sohn.
            Sobrin. Mein Sohn?
            Trofim. Ja, gnädiger Herr, unser Junker. Wenn Sie mir nicht glauben, so können Sie es bald von denen Leuten erfahren, die bey Herrn Hauslöffer im Hause waren.
            Sobrin. Und wer waren denn die, namentlich?
            Trofim. Alles, gnädiger Herr – was nur von bekannten Spielern und Durchbringern in der ganzen Stadt ist: Verschwendrich, Lüderlichs, von Farao, Makaonski, Spadilger, Trumpfans, Schnapper, Diebsgriff, Doppelblatt, Würfelstein, Treuelos, und noch viele andere.
            Sobrin. (vor sich.) Er ist aus dem Hause gegangen, ohne mir ein Wort zu sagen – Er thut geheim gegen mich, – geht zum Hauslöffer, – und macht den zum Vertrauten.
            Frau Sobrin. Der Herr Hauslöffer hat sich in meiner Familie ausserordentlich beliebt und nothwendig gemacht – Möchte nur daraus nichts übles entstehen!
            Sobrin. (vor sich.) Was für eine Art von Geschäften oder Verbindung – kann mein Sohn
 
391 – mit Hauslöffern und seinem Gesindel haben? – Wenn ich daran denke, so schaudert mich.
            Frau Sobrin. Ich möchte doch gern wissen: – was die Mawra –
            Sobrin. Ist jetzt Zeit daran zu denken? – Vor diesem hätte ich wohl gewußt, wen ich zu Rathe ziehen könnte – Jetzt bin ich mir selbst überlassen.
            Frau Sobrin. Schlecht genug, daß Du so ohne Grund Deine Art zu denken verändert hast – Stelle Dir doch Deinen Freund und Deine Frau nicht anders vor, als sie es wirklich sind.
Sobrin. Komm mit – Vielleicht wird sich das alles aufklären.        (gehen alle ab.)
 
392                                             

Fünfter Aufzug.
 
Erster Auftritt.

 
Sobrin, (der über den Schauplatz geht,)Trofim.
 
Sobrin. (zu Trofim.)
 
            Du, warte hier, und wenn jemand kommt, wer es auch sey, so melde es mir.
            Trofim. Gut, gnädiger Herr.    (Sobrin geht ab.)
 

Zweyter Auftritt.
 

Trofim (allein.)
 
            Ich soll auf die Ankommenden Acht geben – Sinka ist zu Predin geschickt, und der soll den Dobrin mitbringen – Mein Herr hat heute nich wenig zu schaffen – Recht so, als wenn etwas aus dem Hause gestohlen wäre – Das war eine ganze Komödie! – Man befragte uns alle – Du, was hast du gehört? – Du, was hast
 
393 du gesehen? – Einer erschrack, – dem andern ward bange, und er sagte in der Angst ganz etwas anderes – Vor allem aber ist es mir doch lieb, daß die Mawra sich gerechtfertiget hat, und daß man sie nicht aufs Land schicken wird. – Ey sieh! da kommt unser Verlohrnes zurück, und noch dazu – mit dem Hauslöffer zusammen – Ich muß geschwinde gehen und das meinem Herrn sagen.    (geht ab.)
 

Dritter Auftritt.
 

Johann Sobrin, Hauslöffer.
 
            Hauslöffer. Wofür haben Sie sich zu fürchten? Ich rathe Ihnen herzhafter zu seyn.
            Johann Sobrin. Sie sehen ja, daß ich nicht sehr bange bin – Ich bin ja ohne Aufseher aus dem Hause gegangen, – ganz allein.
            Hauslöffer. Und nun kommen wir beyde zusammen zurück.
            Johann Sobrin. Ich weiß nicht, wie ich mit dem Papa zu reden anfangen soll.
            Hauslöffer. Fangen Sie – anfangs – nur kurz und gut an, ohne viele Umstände. Sieh da! – da kommt er, – da kommt er.
 
394

Vierter Auftritt.
 

Johann Sobrin, Hauslöffer, Sobrin.
 
            Sobrin. (zu seinem Sohne.) Wo bist du gewesen?
            Johann Sobrin. Ich – Papa – ich –
            Hauslöffer. Er ist mit mir – spatzieren gewesen.
            Sobrin. Mit Ihnen, Herr Hauslöffer? (sieht ihn mit Verachtung und verbissenem Zorn an.)
            Johann Sobrin. Ich hatte Kopfweh, vom Ofendunst, – und ging deshalb ein wenig aus.
            Hauslöffer. Er klagte unterweges über Kopfschmerzen – Es hat nichts zu sagen.
            Sobrin. (zu seinem Sohn.) Du hast Kopfschmerzen, vom Dunst? – Ja, ja! in deinen Jahren würkt der Dunst sehr auf den Kopf.
            Johann Sobrin. Aber Papa! – ich bin ja kein Kind mehr.
            Sobrin. Freylich wohl! – Nach deinem Wuchs; bist Du – Du bist nicht klein.
            Hauslöffer. Und nach den Jahren, lieber Herr Sobrin – Er ist über der Kinderjahre hinweg.
            Sobrin. Es bleibt aber noch eine andere Frage zu entscheiden – ist bey ihm auch Verstand und Ueberlegung zur Reife gekommen?
 
395      Hauslöffer. Hierüber – urtheilt man gewöhnlich – nach dem Betragen – Er ist – er ist Ihr Sohn, Herr Sobrin.
            Sobrin. Das ist wohl so, mein Herr – Er ist mein Sohn, – aber sein Verstand ist sein eigen.
            Johann Sobrin. Die Wahrheit zu sagen, Papa, – mir wird – recht sehr – die Zeit lang.
            Hauslöffer. Auch ich habe bemerkt – daß er verdrüßlich ist.
            Sobrin. Was? was? Verdruß! Langeweile! – und kommst eben vom Spatziergange zurück?
            Johann Sobrin. Ich bin spatzieren gewesen, das ist wahr; – aber ich habe – ich habe fast gar keine – keine Bekanntschaft.
            Sobrin. Bekanntschaft! – O, die ist leicht gemacht – Es giebt aber hiebey eine ganz kurze Frage: mit wem?
            Johann Sobrin. O! Papachen – mit Leuten, und –
            Sobrin. Mit Leuten? . . . Das heißt in den Wind gesprochen . . . Das ganze Land ist voll Leute.
            Hauslöffer. Er wünscht seine Bekanntschaft zu vermehren, – Herr Sobrin!
            Sobrin. (zu Hauslöffern) Haben Sie wohl jemals die Bemerkung gemacht? . . . daß je zahlreicher eine Gesellschaft von Leuten ist, . . . desto
 
396 kürzer und unbedeutender die Unterhaltung, besonders aber die Gespräche sind. Wenn jemand sich damit einem andern in ein Gespräch einlassen will, so führt er ihn zuverläßig beyseite.
            Hauslöffer. In meinem Hause geschieht das nur selten – Die Gespräche sind da immer von weniger Bedeutung.
            Sobrin. Der Ausdruck: von weniger Bedeutung, schließt verschiedene Begriffe in sich – Im Nothfall kann es leeres Geschwätz, müßige Worte – oder auch unnütze Reden bedeuten.
            Hauslöffer. (zu Sobrin.) Sie spaßen – Ha, ha, ha!
            Johann Sobrin. Ich, Papachen, ich bin jetzt bey Herrn Hauslöffer gewesen, und habe da eine Gesellschaft von allerhand Leuten gesehen.
            Sobrin. Wer waren denn die?
            Johann Sobrin. Erstens, der Herr Gerndiener, – der von vielen sehr geschützt wird.
            Sobrin. Dieser Ehrenmann ist bekannt genug. Man sagt, daß er mit Pacht und Verpachtungen handle, und dabey ansehnlichen Gewinnst erhalten habe; besonders aber hat er sich dadurch nothwendig gemacht, daß er verschiedenen Personen Zeitvertreibe verschaft –
            Hauslöffer. Er leistet vielen Personen allerley Gefälligkeiten – aber doch, die Wahrheit zu sagen, nicht ganz umsonst[.]
            Johann Sobrin. Auch fand ich da den Herrn Verschwendrich.
 
397      Sobrin. Nicht den, der das viele silberne Tischgeräth erbte, und daraus Pferdegeschirre verfertigen ließ?
            Hauslöffer. Das ist wohl so, Herr Sobrin. Er ist aber ein feiner witziger Kopf.
            Sobirn. Kann wohl seyn – Laut Ihren eigenen Worten aber, urtheilt man doch gewöhnlich, – nach dem Betragen.
            Johann Sobrin. Ferner, habe ich auch den Herrn Ausschlender kennen gelernt.
            Sobrin. O, der! der hat nicht geringe Verdienste – Er kaufte einmal ganze Schiffe voll ausländischer Pferde, – hielt einige Dutzend Schnelläuffer auf seinem Stall, und that den ganzen Tag über nichts anders, als bald mit diesem, bald mit jenem Pferde, in der Stadt und ausser der Stadt, herum jagen. Er führte zum Vorrath verschiedene Kaleschen, Kariolen, Wurstwagen, und vielerley anderes Fuhrwerk mit sich, so daß man ihm hie, und da, und überall, mit seiner Bagage begegnete.
            Hauslöffer. Es ist ein reicher Mann – Aber, die Wahrheit zu sagen, ist er nur halb so müßig als sorglos.
            Sobrin. Durch Sorglosigkeit kann man am allergeschwindesten um sein Vermögen kommen.
            Johann Sobrin. Die Herren Lüderlichs und Treulos begegneten mir beyde sehr freundlich.
            Sobrin. Sie begegneten Dir freundlich? – Den ersten kenne ich nur daher, weil sein
 
398 ganzer Hausrath an einem Tage Schulden wegen auf der Auktion verkauft wurde, worauf er am folgenden Tage von allen Seiten her zehnfach theurer einkaufte, und alles dieses wieder einem Aufkäufer verpfändete – Der andere hat sich durch allerhand treulose und unüberlegte Handlungen berühmt gemacht, und dadurch in der Welt einen feinem Familien-Namen entsprechenden Ruf erworben.
            Hauslöffer. Er ist aber sehr sinnreich, und hat immer alle Taschen voll Projekte.
            Sobrin. Wenn der Beutel ausgeleert ist, so findet sich die Luft ein, nach Hirngespinnsten zu jagen.
            Johann Sobrin. Auch fand ich den Herrn Schnapper da.
            Sobrin. Den! Dem sind die Porzelain-Fabriken und Fabrikanten viel Verbindlichkeit schuldig. Er pflegte vor diesem oft, zu seinem Vergnügen, porzelainene Teller Dutzendweise mit einem Stock zu zerschlagen, und blos dazu wieder neue einzukaufen.
            Johann Sobrin. Die Herren von Farao, Makaonski, Spadilger und Trumpfans, nöthigten mich zum Kartenspiel.
            Sobrin. Und Du, – glaube ich, – Du erwiedertest ihre Höflichkeit – und spieltest mit.
            Hauslöffer. Nein, er spielte nicht; man sahe aber wohl, daß er es gern gethan hätte.
 
399      Sobrin. Wunderbar!
            Johann Sobrin. Ich schämte mich, – mich zum Spiel zu setzen.
            Sobrin. Du schämtest Dich? – in einer so schönen Gesellschaft!
            Johann Sobrin. Sie geben mir so wenig zu meinem Unterhalt – daß ich nichts bey mir hatte, das Spiel anzufangen – Die Herren sagten: daß Sie um baar Geld spielen wollten.
            Sobrin. Wie unterstehst Du Bube Dich! mir so etwas ins Gesicht zu sagen.
            Johann Sobrin. Sie zürnen auf mich – Nun, so lassen Sie mich in fremde Länder auf Reisen gehen, oder erlauben Sie mir hier, auf meine eigne Hand zu leben.
            Sobrin. Siehe doch! was das für Einfälle sind! – Und warum das? – Du denkst wohl gar mich zu belehren, was ich thun oder nicht thun soll – Ich begreife es aber wohl, daß das nicht deine eigne sondern fremde Erfindungen sind, die Du nur so, wie ein Papagey; nachplauderst – Dem sey in dessen, wie ihm wolle – Ich halte dafür, daß niemand aus seinem Vaterlande auf Reisen gehen sollte, wenn er nicht vorher sich eine Lebensart und einen Dienst gewählt hat, zu deren Behuf die Reise so eingerichtet werden muß, daß sie sowohl dem Reisenden selbst, als dem gemeinen Wesen zum Nutzen gereiche. Was willst Du denn werden?
 
400 – Das weißt Du selbst noch nicht, und kannst es auch nicht wissen, weil Dein Verstand noch nicht zur Reife gekommen ist. Du denkst heute so, morgen! – Folglich ist das alles vergebens ausgedacht, und keineswegs meinem Willen gemäß – Deine neue Bekanntschaft gefällt mir gar durchaus nicht, und ich verbiete Dir, in Zukunft mit ihr irgend einigen Umgang zu haben – Geh’ in Dein Zimmer, und erwarte mich da.     (Johann Sobrin geht ab.)
 

Fünfter Auftritt.
 

Sobrin, Hauslöffer, Predin, Jamann, Dobrin.
 
            Predin. (zu Dobrin.) Kommen Sie, Herr Dobrin, kommen Sie!
            Dobrin. (zu Predin.) Wo führen Sie mich denn hin?
            Jamann. (zu Dobrin.) Ja doch! Geh nur, ja, ja!
            Dobrin. (Zu Jaman [Jamann].) Warum aber? – und wozu? – Ha! (Er wird Prelesten und ihre Muter [Mutter] gewahr, die über den Schauplatz gehen; und grüßet sie.)
 
401

Sechster Auftritt.
 

Sopbrin [Sobrin], Hauslöffer, Predin, Dobrin, Jamann, Frau Sobrin, Preleste.
 
            Preleste. (zu Frau Sobrin.) Da, Mama, das ist der Mann, nach welchem Sie sich erkundigten.
            Frau Sobrin. (zu Prelesten.) Ich wußte schon zum voraus, daß das Hauslöffers Streiche wären.
            Sobrin. (vor sich.) Warum geht wohl meine Frau hiervorbey! (zu Frau Sobrin.) Willst Du etwa ausfahren?
            Frau Sobrin. Ach nein!  Es ist ein Kaufmann mit Waaren zu mir gekommen. (geht mit Prelesten ab.)
            Hauslöffer. (zu Sobrin.) Haben Sie wohl bemerkt, wo Ihre Gemahlin die Augen hinwarf?
            Sobrin. (zu Hauslöffern.) Die Augen sind dazu gemacht – um damit zu sehen.
            Hauslöffer. Und ihre Tochter – wandete den Blick von dem Bräutigam ab.
            Sobrin. (zu Hauslöffern.) Und Sie, Herr Hauslöffer, Sie sehen alles – ausser dem was Sie sehen sollten.
            Predin. (zu Sobrin.) Du siehst also, mein Freund, daß ich in Rücksicht unserer alten
 
402 und treuen Freundschaft, ohne auf irgend eine Beleidigung zu achten, deiner Bitte gemäß, sogleich zu Dir gekommen bin, und diese Herren mit mir gebracht habe – Was willst Du nun von uns?
            Sobrin. (zu Predin, Jamann und Dobrin, welcher letztere Prelesten nachsieht und    
                         sich hierauf zu den übrigen wendet.)
Meine Herren! Hören Sie meine Bitte an! Sie besteht aus zwey kurzen Punkten. Erstens, entschuldigen Sie mich Zweytens, ich bitte, erklären wir uns gegen einander!
            Predin. (zu Sobrin.) Ich beklage Dich nicht, – weil mir den Gemüth und gutes Herz bekannt sind. Die gegenseitige Erklärung aber ist mir lieb, weil ich Dir nichts zu Leide gethan habe.
            Jamann. (zu Sobrin.) Und ich, mein Herr, ich besinne mich nicht – (zu Dobrin.) Wovon war doch die Rede?
            Dobrin. (zu Jamann.) Ach, lieber Herr Vetter! ist das jetzt die Sache? (zu Sobrin) Meine Gesinnungen sind Ihnen zur Gnüge bekannt – Mein Schicksal war in Ihren Händen – Sie fanden aber für gut, mir alle Hoffnung zu nehmen, und mir viel Betrübniß und Kummer zu verursachen.
            Sobrin. (zu Dobrin.) Es fanden sich gewisse gute Leute, denen es glückte, meine Tochter
 
403 zu überreden, daß Sie zu ihr keine Neigung hätten.
            Dobrin. (zu Sobrin) Diese Leute sind meine ärgsten Feinde – Was ist aber davon zu reden! da Sie mir selbst gesagt haben, daß Sie Ihre Tochter nicht zwingen wollten.
            Sobrin. Auch ist mir gesagt worden, daß Sie große Schulden hätten.
            Dobrin. Ich habe keine Schulden – Wer sollte wohl besser wissen, wie es um mich steht, als ich selbst. Wer ist der Verläumder?
            Sobrin. Der ist nicht schwer zu finden – Hier der Herr Hauslöffer. Ich habe es von ihm gehört.
            Hauslöffer. Von mir? O! sie spaßen, Herr Sobrin! Ha! ha! ha! (leise zu Sobrin) Ich habe Ihnen ja das zur Warnung ins Ohr gesagt.
            Dobrin. Woher sollte Hauslöffer wissen, wie meine Umstände sind. Wir kennen einander nicht, und ich habe ihn heute zum ersten Mal gesprochen – Wenn nur nicht die Abneigung Ihrer Tochter, die wahre Ursache meines Unglücks wäre!
            Sobrin. Was denken Sie wohl, wer zu Prelestens Abneigung den Grund gelegt, und ihr Verdacht eingeflößt hat.
            Dobrin. Das weiß ich nicht – und fürchte mich darnach zu fragen.
 
404      Sobrin. Gleichfals Herr Hauslöffer.
            Hauslöffer. (zieht Sobirn am Rocke.) Davon weiß ich – ganz und gar nichts. Ha! ha! ha!
            Dobrin. (vor sich.) Sollte Hauslöffer wohl gar mein Nebenbuhler seyn!
            Sobrin. Er hat Prelesten, wer weiß was alles vorgesagt.
            Hauslöffer. Ich – ich spaßte ja nur. Ha, ha, ha!
            Dobrin. Was hat er denn gesagt?
            Sobrin. (zu Dobrin.) Daß Sie eine andere lieben, – und daß er selbst Augenzeuge davon gewesen sey.
            Dobrin. Nun, Herr Hauslöffer, wenn die Sache so steht, und sie mich auf eine so boshafte Art verläumdet haben, so ist’s Zeit, daß ich auch laut sage, was ich aus Ihrem Munde gehört habe.
            Hauslöffer. Von mir? ha, ha, ha, Bloße unbillige Angriffe! (leise zu Dobrin) Ich bitte Sie, wer erzählt wohl vor allen Leuten, was einem ins Geheim gesagt worden ist?
            Dobrin. (zu Hauslöffern.) Haben Sie mir nicht hier gesagt? das –
 
405

Siebenter Auftritt.
 

Sobrin, Predin, Jamann, Dobrin, Hauslöffer, Frau Sobrin, Preleste.
 
            Sobrin (zu Frau Sobrin.) Komm her, Frau! und höre doch was hier vorgeht.
            Frau Sobrin. (leise zu Sobrin.) Und ich komme, um dir zu sagen, daß du Hauslöffers Haus nicht kaufen kannst, weil er es bey dem Kaufmann versetzt hat, der eben jetzt mit Waaren bey mir gewesen ist.
            Sobrin. Davon hat er gegen mich kein Wort fallen lassen – Nun, Herr Dobrin, was fingen Sie an zu erzählen?
            Dobrin. Eben dieser Herr Hauslöffer, der mich bey Ihnen auf verschiedene Weise verläumdet hat, flisterte auch verschiedenes gegen Sie ein.
            Hauslöffer. Es steht Ihnen frey, meine Worte übel auszulegen – Ein jeder weiß aber, wie vorsichtig ich bin, – nicht nur für mich, – sondern auch für andre – Wenn ich jemanden warne, so thue ich es niemals vor vielen Leuten.
            Sobrin. (zu Hauslöffern.) Das ist wohl so! – Ich sehe aber und begreife es ganz wohl, daß es gefährlich sey, mit Ihnen Bekanntschaft zu haben – Sie sind sehr geschickt dazu, die
 
406 ganze Stadt mit sich selbst, – und mit der Vorstadt in Streit zu bringen – Sie schonen Niemandes, und das soll alles aus Vorsicht seyn – Ich selbst bin ein lebendiges Beyspiel davon – Sie haben mich mit meiner Frau und meinem Freunde entzweyt – Sie haben, ich weiß nicht wie, das Glück gehabt, meinen Sohn zu sich ins Haus zu locken, ihn zum Ungehorsam zu verführen, und ihn mit Leuten bekannt zu machen, die mir unangenehm sind, und von denen er nichts gutes lernen kann – Sie haben meiner Tochter eine anständige Heirath zuwider gemacht, und ihrem Bräutigam allerhand Zweifel eingeflößt – Ihr Haus brauche ich nicht und verlange es nicht zu kaufen, um desto mehr, da es versetzt ist, – und verbiete Ihnen, ins künftige je wieder auf meinen Hof zu kommen.
            Hauslöffer. Hören Sie doch wenigstens meine Rechtfertigung an –
            Sobrin. Ich habe mein Lebenlang ohne Ihre Einredungen und Rathschläge gelebt, und ruhig gelebt – Ich sage Ihnen, machen Sie sich geschwinde davon, ehe ich Sie heraus treiben lasse.    (Hauslöffer geht ab.)
            Predin (zu Sobrin.) Ich hätte doch wohl seine Rechtfertigung hören mögen.
            Dobrin. Wenn man seine Denkungsart kennt, so kann man sich solche leicht vorstellen.
 
407      Sobrin. Er würde sich mit zweydeutigen Worten vertheidiget, oder von neuem Zweifel und Argwohn zu erregen gesucht haben.
            Frau Sobrin. Das kürzeste ist, sich mit Leuten solches Gewerbes nicht abzugeben.
            Jamann. Es däucht mich, – daß sie – noch etwas – miteinander – zu sprechen hatten – Wovon war es doch schon? Ich möchte gern früher nach Hause fahren – Mir ist nicht so recht.
            Frau Sobrin. (zu Jamann.) Fahren Sie doch lieber nach Hause.
            Jamann. Nein, nein, wir wollen erst die Sache zu Ende bringen – Was – was war es doch schon? (zu Dobrin) Hilf du mir doch wenigstens darauf!
            Dobrin. Ich darf’s nicht wagen – Lassen Sie uns fahren, Herr Vetter.
            Jamann. (zu Dobrin.) Nun ja, so laß uns denn fahren – Ihr Diener.
            Sobrin. Ihr Diener!
            Frau Sobrin. Ihre Dienerin!
            Predin. Ihr Diener!
                        (Dobrin und Jamann gehen ab.)
            Frau Sobrin. Dieser Tag gleicht so ziemlich einer Komödie, es fehlte nur noch die Hochzeit dazu.
            Predin. Auch dazu wär’s wohl gekommen, wenn Hauslöffer es nicht gehindert hätte.
 
408      Sobrin (zu Prelesten.) Worüber weinest Du?
            Frau Sobrin. Diese Thränen habe ich vorher gesehen. Nun ist’s aber zu spät zu weinen – Du verdirbst nur vergebens die Augen.
            Sobrin (zu Predin.) Die Wahrheit zu sagen, – als ich zu Ihnen schickte, daß Sie zu mir kommen und den Dobrin mitbringen sollten, so war es meine Meinung, das wieder gut zu machen, was Hauslöffer verdorben hatte.
            Predin. Da ich Ihre Absicht nicht wußte, – so durfte ich es nicht wagen, mich in diese Sachen zu mischen; wenn es Ihnen aber gefällig ist, so will ich gleich gehen und sie zurück bringen.
            Sobrin. Nein, nein – Das möchte so aus sehen, als ob mir ihnen nachjagten.
            Frau Sobrin (zu Prelesten.) Ich rathe dir, daß du aufhörst zu weinen: um destomehr, da es schwer zu errathen ist, warum du weinest. Du hast dich heute verheirathen wollen und nicht wollen – Jetzt bitte ich dich, mir zu sagen: wobey du mit deinen Gedanken gegenwärtig stehen geblieben bist.
            Preleste. Mich Ihrem Willen zu überlassen.
            Frau Sobrin. Das ist freylich das Beste: besonders in solchem Falle, wenn man nicht weiß, was man will oder nicht will.
 
409      Predin. Sagen Sie was Sie wollen: ich gehe und bringe den Bräutigam zurück. Wer weiß, ob dadurch nicht die Ruhe wieder hergestellt wird. (Predin geht gegen die Kulissen und begegnet dem Dobrin.)
           

Achter Auftritt.
 

Sobrin, Frau Sobrin, Predin, Preleste, Dobrin.
 
            Predin. Ah! ha! ha!
            Sobrin. Ah! ha!
            Frau Sobrin. Ah!
            Preleste (wischt sich die Augen aus und steckt das Tuch in die Tasche.)
            Dobrin (zu Sobrin) Indem ich meinen Vetter zum Wagen begleitete, fiel es mir ein, daß Sie vorher zu mir geschickt haben, und da ich noch nicht weiß, warum dieses geschehen ist, so komme ich jetzt, mich zu erkundigen, was Sie mir zu befehlen haben.
            Sobrin. Ich nehme dieses Ihr Betragen – nicht anders auf, – als – als ein Zeichen Ihrer Freundschaft und Höfichkeit [Höflichkeit] – Ich wünschte nur, daß wir beide uns, wegen der uns von Hauslöffern gespielten Streiche, gegen einander erklären könnten.
 
410      Dobrin. O! dieser Mensch ist nicht werth in irgend einer Gesellschaft gelitten zu werden – Er vergiftet alles, was er mit seinem Stachel berührt – Dieses hab ich selbst erfahren – Ohne ihn, wäre ich glücklich, ruhig, und zufrieden.
            Predin. Ey, was geht uns der an! Man sagt im Sprichwort: wo einmal Wasser gestanden hat, da kann es wieder hinkommen. (leise zu Dobrin) Haben Sie Ihre Gesinnungen nicht verändert?
            Dobrin. Obgleich ich die Hoffnung verlohren habe, – so kann ich doch meine Neigung nicht zwingen, – die mich, – ich weiß selbst nicht wohin, nach sich zieht.
            Predin. (leise zu Dobrin.) Sie haben nicht alle Hoffnung verlohren, – da Ihnen Vater und Mutter durchaus nicht entgegen sind.
            Dobrin (zu Predin.) Dieses ist für mich zwar schmeichelhaft – Ich kann mich aber damit allein nicht beruhigen.
            Predin (zu Dobrin.) Erklären Sie sich selbst.
            Dobrin (zu Frau Sobrin.) Ich möchte Ihnen weder thöricht noch verwegen scheinen, – welches beides in meiner Lage leicht geschehen kann – Vor allem – bitte ich Sie also, mich mit Geduld anzuhören. Ich war durch Ihr Wort zu einer Hoffnung berechtiget, – die alle
 
411 meine Wünsche befriedigte; – ich erfuhr aber gleich darauf zu meinem unsäglichen Kummer, daß alles dieses wieder zu Nichts geworden war – durch die ungünstige Gesinnung derjenigen Person, von der mein Glück damals abhing, – und jetzt abhängt, und ewig abhängen wird.
            Frau Sobrin. Suchen Sie nur von meinem Mann und von Prelesten selbst zu erfahren, wie sie beide jetzt gesinnt sind; von meiner Seite haben Sie nie Hindernisse erfahren.
            Dobrin. (zu Sobrin.) Sie kennen meine Absichten, Herr Sobrin!
            Sobrin. Ja doch!
            Dobrin. (zu Sobrin.) Sie hatten sie vorher selbst genehmiget.
            Sobrin. Ja freylich wohl.
            Dobrin. (zur Sobrin.) Sollten denn die auf Lügen und Verläumdung gegründete Ränke eines Hauslöffers, noch bis jetzt im Stande seyn, in Ihrem Gemüthe meine herzliche Zuneigung zu Ihrer Tochter, verdunkeln zu können.
            Sobrin. Nein, Herr Dobrin, nein! Wir wollen sie selbst fragen. Preleste! ich hoffe daß nunmehr alle Zweifel aus deinem Gemüthe verschwunden sind, – und daß ich Dir keinen Zwang anthue, wenn ich mein schon einmal gegebenes Wort jetzt wieder erneuere.
 
412      Dobrin. Schönste Preleste! Sprechen Sie zu der Einwilligung Ihrer Eltern doch auch ein Wort! Sagen Sie was mein liebvolles Herz zu hören wünscht – Sagen Sie doch geschwinde das, was mich allein beruhigen kann; und sagen sie es ungezwungen, Befriedigen Sie das gemeinschaftliche Verlangen Ihrer Eltern, und meine innigste Bitte. Vergeben Sie meine Ungeduld – Ich habe, in Wahrheit, keine Gewalt über mich selbst.
            Preleste (zu Dobrin.) Ich habe es jederzeit für meine kindliche Pflicht gehalten, dem Willen meiner Eltern zu folgen. Uebrigens hat es sich schon deutlicher, als ich selbst gewünscht hätte, gezeigt, daß Sie mir nicht gleichgültig sind.
            Dobrin. Wie das?
            Preleste. Dieses beweisen selbst meine Zweifel und mein Verdacht.
                                    (Dobrin küßt Prelesten die Hand.)
 
413                                           

Neunter Auftritt.
 

Sobrin, Frau Sobrin, Dobrin, Preleste, Predin, Jamann.
 
            Jamann. Meine Neffe setzt mich in den Wagen, – und geht davon – ich weiß gar nicht wohin – Ich wäre vor langer Weile fast eingeschlimmert, – bin aber gewältig erfrohren, – und komme also wieder her, um zu sehen, – wo er geblieben ist.
            Predin (zu Jamann.) Sie sind eben zu rechter Zeit hieher gekommen ihn zu suchen.
            Jamann. Wie so?
            Predin. Die Sache ist geendiget.
            Jamann. Was für eine Sache?
            Predin. Ihr Neffe verheirathet sich.
            Jamann. Er verheirathet sich? ohne mir ein Wort davon zu sagen? – Er kann sich nicht verheirathen.
            Sobrin. Er kann sich nicht verheirathen? Wie? Wie?
            Dobrin. Was sagen Sie da, Herr Vetter?
            Jamann (zu Dobrin.) Du vergißt also, daß Du eine Braut hast? – Nun, so habe ich doch nicht allein ein schlechtes Gedächtniß.
 
414      Frau Sobrin. Er hat eine Braut?
            Dobrin. Was für eine Braut? Herr Vetter!
            Jamann. Ja wohl – eine Braut – ja, ja!
            Predin. Was ist denn das für eine?
            Jamann. Sie ist schön, – artig – klug – Ich selbst würde so eine heirathen, – wenn ich jünger wäre.
            Preleste. Wie heißt sie?          
            Jamann. Wie sie heißt? mein Fräulein! Sie heißt Preleste Sobrin. (zu Dobrin) Du bekommst anders meine Erbschaft nicht – als wenn Du die heirathest.
            Predin. Oh! – ich erhole mich?
            Frau Sobrin. Auch mir wird’s leichter.
            Dobrin. Ich mag nun Ihr Erhe [Erbe] seyn oder nicht; mein Schicksal ist glücklich für mich, und Ihrem Willen gemäß entschieden – Da ist meinn [mein] Braut!
            Jamann. Das ist eine andere Sache. Also ist das die?
 
415                                               

Zehnter Auftritt.
 

Sobrin, Frau Sobrin, Preleste, Predin, Jamann, Trofim, Mawra.
 
            Trofim. Wie kommen Ihnen Glück zu wünschen, zu Braut und Bräutigam. Bey dieser Ihrer Freude, bitte ich um Erlaubniß, mich auch zu verheirathen – Wir waren, eben so wie Sie, durch Hauslöffer in Streit gerathen? Sie haben aber selbst die Mawra für unschuldig erklärt – Wir haben weder Vater noch Mutter, noch Vetter noch Muhme, wir hoffen aber unterthänigst von Ihnen eine geringe Belohnung für unsere treue Dienste, – und bitten uns nicht zu verlassen.
            Sobrin. Schon gut, verheirathe Dich nur: – wegen des übrigen wollen wir hernach sprechen.
            Frau Sobrin. Sie haben auch durch Hauslöffer genug gelitten.
            Mawra. Mich wollten Sie aufs Land schicken; ich weiß jetzt noch nicht warum?
            Sobrin. Genug davon! – Wo sich ein Hauslöffer bey jemanden ins Haus einnistet, – da höre man ihn mir an, – so wird er eines jeden Zustand erschweren.
 
416      Preleste. Ich bitte, Papachen, vergeben Sie doch meinem Bruder.
            Sobrin. Das Vergeben ist bald geschehen, – doch unter der Bedingung, daß er mit Hauslöffern weiter keine Bekantschaft [Bekanntschaft] habe.

Bibliographic Information
Publication Date: 
1789
Number of Pages: 
416 page(s)