Der Droste würde ich gern Wasser reichen (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.
The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Der Droste würde ich gern Wasser reichen
in alte Spiegel mit ihr sehen, Vögel 
nennen, wir richten unsre Brillen 
auf Felder und Holunderbüsche, gehen 
glucksend übers Moor, der Kiebitz balzt
Ach, würde ich sagen, Ihr Lewin – schnaubt nicht schon ein Pferd?

Die Locke etwas leichter – und wir laufen
den Kiesweg, ich die Spätgeborne 
hätte mit Skandalen aufgewartet – am Spinett
das kostbar in der Halle steht 
spielen wir vierhändig Reiterlieder oder 
das Verbotene von Villon 
Der Mond geht auf – wir sind allein

Der Gärtner zeigt uns Angelwerfen
bis Lewin in seiner Kutsche ankommt 
der schenkt uns Zeitungsfahnen, 
Schnäpse gießen wir in unsre Kehlen, lesen 
Beide lieben wir den Kühnen, seine Augen 
sind wie grüne Schattenteiche, wir verstehen 
uns jetzt gründlich auf das Handwerk FISCHEN

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main