An den Dohmherrn von Rochow (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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als er gesagt hatte, 
die Liebe müsse sie gelehret haben, so
schöne Verse zu machen

Kenner von dem saphischen Gesange! 
Unter deinem weissen Überhange 
Klopft ein Herze, voller Gluth in dir!
Von der Liebe war es unterrichtet 
Dieses Herze, aber ganz erdichtet 
Nennst du sie die Lehrerin von mir!

Meine Jugend war gedrückt von Sorgen,
Seufzend sang an manchem Sommermorgen 
Meine Einfalt ihr gestammelt Lied; 
Nicht dem Jüngling thöneten Gesänge, 
Nein, dem Gott, der auf der Menschen Menge,
Wie auf Ameishaufen niedersieht!

Ohne Regung, die ich oft beschreibe, 
Ohne Zärtlichkeit ward ich zum Weibe, 
Ward zur Mutter! Wie im wilden Krieg, 
Unverliebt ein Mädchen werden müßte, 
Die ein Krieger halb gezwungen küßte,
Der die Mauer einer Stadt erstieg.

Sing ich Lieder für der Liebe Kenner: 
Dann denk ich den zärtlichsten der Männer, 
Den ich immer wünschte, nie erhielt; 
Keine Gattin küßte je getreuer, 
Als ich in der Sapho sanftem Feuer
Lippen küßte, die ich nie gefühlt.

Was wir heftig lange wünschen müssen, 
Und was wir nicht zu erhalten wissen, 
Drückt sich tiefer unserm Herzen ein; 
Rebensaft verschwendet der Gesunde, 
Und erquickend schmeckt des Kranken Munde 
Auch im Traum der ungetrunkne Wein.

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main