Das Schicksal des Thomas Balt (Essay, 1924)

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As featured in the Neue Freie Presse, this film review was transcribed by Josh Kutterer for the Sophie Project.

[“Das Schicksal des Thomas Balt.”]
Anelka-Film, München. Regie : Franz Seitz. In den Hauptrollen : Marie Mindszenty, Eduard v. Winterstein, Olaf Fjord und Wilhelm Diegelmann. – Thomas Balt ist ein Starrkopf – ein Narr, sagen die Leute im Dorf. Jedenfalls ein trotz seines Reichtums armer Narr, den mit trotziger Faust schlägt er sein eigenes Glück und das der Seinen in Trümmer. Seine Geschichte ist bunt bewegt, reich an eindrucksvollen Details. Es geschieht so Vielerlei und so Verschiedenartiges in diesem Stück, die nicht sobald in einem Filmschauspiel. Heiteres – wie die Szenen derHochzeitsvorbereitungen in der ländlichen Gemeinde – wechselt mit düster-grausigem Geschehen. Was aber die Sache erst wirklich ergreifend macht, was sie über das Niveau des Durchschnittes erhebt, das ist die ausgezeichnete Darstellung. Eduard v. Winterstein leiht dem eisenharten Bauern, dessen Trotz nicht vor dem Aeußersten, Verleugnung des Vatergefühles und lästerliche Auflehnung wider Gott, zurückschreckt, seine eindringlich überzeugende Gestaltungskraft, die immer maßvoll und daher immer künstlerisch vornehm bleibt. Marie Mindszenty in der Rolle der beklagenswerten Frau Balt ist wahr, schlicht und ergreifend – eine bäuerliche Medelsky des Films. Und wie für seine Rolle geboren Olaf Fjord, der von Thomas Balt verleugnete Sohn. In einem Kloster von frommen Mönchen aufgezogen, kehrt er, erwachsen, als Bote des Friedens, des Glaubens und der Menschenliebe in sein Himatsdorf zurück, der Schmaster Glück, dem Vater Erlösung bringend. Eine prachtvolle Jünglingsfigur, rein, schlicht und schön, eine Apostelgestalt, wie man sie selten findet. Auch die Nebenrollen werden durchwegs gut dargestellt. Schöne, stimmungsvolle Bilder vervollkommnen den guten Eindruck, den dieses ansprechende Filmstück hervorruft.

Bibliographic Information
Author: 
Publication Date: 
23 December 1924
Publication Place: 
Vienna, Austria
Press: 
Neue Freie Presse
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