Das Harz-Moos (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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als Herr Dohmdechant Freyherr Spiegel zum Diesenberg 
etwas Moos vom Harzgebürge mitgebracht hatte.
(Zu Halberstadt den 10ten des Weinmonaths 1761.)

Gott zeigt in seiner Schöpfung-Werke 
Sich über unserm Haupt, sich auf der Erde groß;
Er gab der Sonne Glut, er gab dem Löwen Stärke,
Und bildete das kleinste Moos, 
Das an dem Harzberg wächst, fein zweigigt wie Cypresse,

Voll kleiner Knospen, untersprengt 
Mit etwas Röthe, so, wie junger Mädchen Blässe
Im Antlitz sich mit roth vermengt, 
Wenn sie der Jüngling angeblicket; 
Die Flur, der Garten und der Wald 
Und selbst die Hügel sind geschmücket,

Doch andre Blumen sterben bald, 
Das fein gebaute Moos bleibt, wenn sie schon gestorben, 
Tief unter Schnee noch unverdorben.
Wie ähnlich ist es mir! tief lag ich unter Gram 
Viel schwere Jahre lang, und als mein Winter kam, 
Da stand ich unverwelkt und fieng erst an zu grünen.
Ich muste, wie das Moos, dem Glück zum weichen Tritt,
Dem Thoren zur Verachtung dienen.
Einst sterb ich! Doch mein Lied geht nicht zum Grabe mit!

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main