Daphne an der Sonnenwende (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.
The Foreword and Introduction may be read HERE.
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". . . ut eruam te!"

Wird die Verfolgte sich retten 
vor seiner düsteren Brunst?
Ihre Gelenke zu ketten,
wirft er ihr Erdrauch und Kletten 
zu als Zeichen der Gunst.

Glühend, erreicht sie des flachen,
ländlichen Gartens Geviert, 
Löwenmaul sperrt seinen Rachen,
ach, und wie feurige Drachen
blühen die Bohnen verwirrt.

Mitleidlos wölben die lauen 
Frühsommeräpfel die Brust, 
schließt ihre Finger, die schlauen,
Demeter schnell um der blauen 
Kapseln betäubende Lust.

Ist eine Zuflucht noch offen?
Lodern dort Fittiche auf? 
Da, zwischen Seufzen und Hoffen,
hemmt, von Verwandlung betroffen,
plötzlich das Jahr seinen Lauf,

Und wie sich die Erbsen entbinden 
jäh von der goldgrünen Wand, 
perlen im Anschlag die linden 
Tage und rollen und schwinden 
kühl durch des Hochsommers Hand.

Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main