Betrunkene Nacht (Poem)

Printer-friendly versionPrinter-friendly versionPDF versionPDF version

This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.
The Foreword and Introduction may be read HERE.
------------------

Der Gin schmeckt gleich um elf und drei, 
das Soda nur wird schaler.
Wer will, der kann mich haben 
für einen alten Taler. 
Mein Bräutigam, mein Bräutigam
war einer von den sieben Raben, 
der flog am Haus vorbei, 
da war es zwölf vorbei, 
mein Bräutigam, mein Bräutigam 
tat einen dunklen Schrei 
und wollte seinen süßen Schnabel 
an meinem Herzen laben, 
da spießte ihn ein fremder Mann 
auf eine Silbergabel.
Nun kann mich jeder haben
für einen alten Taler. 
Das Herz, mein Freund,
ist aber nicht dabei 
bei diesem Preis, 
dem Herzen, Freund, wird kalt und heiß 
nur bei den Zärtlichkeiten eines Raben. 
Darum auch haben 
meine Freunde mich ertränkt . . . 
Versprecht, daß ihr das Glas Chartreuse verschenkt,
in dem ich schwimme als ein gelbes Ei.

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main