Auf einen schonen und artigen Papagoy (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Es hat dich die Natur recht herrlich ausgeschmücket;
Dein Glanz ist ungemein, man bleibt dabey entzücket.
Man sage was man will von aller Farben Kunst:
Es ist und bleibt fürwahr nur eitler Wörter Dunst.
Ich seh das muntre Grün, mit roth und gelb vermenget;
Wie sich der weisse Strahl mit in den Schnabel dränget;
O Anblick, der fürwahr mir alle Sinnen rührt!
Ihr Künstler, saget frey! seyd ihr nicht überführt,
Die Wirkung der Natur hat euch hier übertroffen?
Ihr schlechten Redner hört, ihr könnt ein gleiches hoffen
Kaum daß sein zartes Ohr sich nach der Stimme richt,
Die nur von ohngefehr ein Wörtchen zu ihm spricht,
So sagt er deutlich noch was man von ihm verlanget.
Die Unschuld redet hier, die nicht mit Worten pranget.
Er speist sein Zuckerbrodt, steigt in dem Baur herum,
Sieht sich in keiner Schrift nach Wort und Einfall um.
Ihn plagt kein schwarzer Neid, er will sich nicht verstellen;
Kann er gleich als ein Hund mit seinem Stimmchen bellen.
Er lacht, er pfeift, er singt, wenn sich die Zunge regt
So wird eine neuer Werth auch an den Tag gelegt.
Wie sollte nicht mein Freund den klugen Vogel lieben?
Wer ihn nur hört und sieht, wird dazu angetrieben.
Ich sorge wahrlich selbst, daß ihn kein Unfall schreckt,
Und daß kein Katzenkopf sich nach dem Bauer streckt.
Mein Papchen lebe wohl, belache alle Thoren.
Die nicht so edel sind in ihrer Art gebohren.
Du sprichst dein gutes Deutsch, dein rein gesetzt Latein,
Kanst manchem der es lehrt, darinn ein Muster seyn.

Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main