Asche (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Wie sie lodern, wie sie beben, 
Still verglimmen und verweh'n – 
Und ein Stück von meinem Leben
Seh' in Asche ich vergeh'n. 
Weiche, goldig-blonde Locken, 
Manche Blume, die da schlief,
Es zerstirbt in Aschenflocken
Mancher alte Liebesbrief.
Welches Glück die Worte brachten,
Diese Phrasen, – Gott erbarm'! 
Wie sie heiß den Kampf einst machten –
Heute wird die Hand kaum warm!

. . .

Todte Liebe, – kalte Asche! 
Armer, längst zerstob'ner Traum –
Wie ein geisterhaftes Mahnen 
Weht es durch den öden Raum! 
Oft ist mir, als müßt ich hüten 
Dich, wie einst, mein sterbend Kind – 
Doch ein Luftzug – und die Asche 
Fliegt hinaus in Nacht und Wind!

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main