Andächtige Feld- und Pfigst-Gedanken (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.
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Als ich den ersten heiligen Pfingst-Tag
von Erfurt nach Ilmenau reisete, wobey es beständig donnerte,
blitzte, auch zuweilen etwas regnete

Wie vielmahl bin ich schon den Weg allhier geritten,
Und dennoch, Gott sey Lob! ist nie mein Roß geglitten:
Mein Pferd ist nie gestürzt, so scharf ich auch gejagt.
Zwar einmahls machte mich mein Hengst etwas verzagt;
Allein dein starker Schutz ließ mich nicht in den Hecken,
Vielwenger in Gefahr verzagen oder stecken.
Du Höchster! warst mein Schirm, dein Engel brachte mich
Gesund und wohl nach Haus; und darum preis ich dich.
Wenn mich ein Regen-Guß den ganzen Weg geführet,
Daß ich kein trocknes Fleck an Kleid und Leib verspühret;
Wenn mich der Sturm gedreht, so hab ich doch gelacht;
Es hat mir nichts geschadt. Wenn mich die finstre Nacht,
Da kaum vor Dunkelheit die Pfützen zu erblicken,
Mich über Stock und Stein und über schmahle Brücken
Und Berge hingeführt, nahm ich doch nie Gefahr,
Noch Schrecken, oder Furcht, noch Widrigkeiten wahr.
Der finstre Tannen-Wald hat mich gar nicht erschrecket,
Vielmehr sein sanft Geräusch die größte Lust erwecket.
Versuchts, es reiset sich des Nachts in Wäldern schön;
Ich habs erst nicht geglaubt; nun hab ich es gesehn.
Das sonst berufne Fleck läßt mir auch keinen Grauen
Noch Zittern und Gefahr wie etwa andern schauen.
Wenn Blitz und Donner-Knall den Tannen-Wald erfüllt,
Und in denselbigen gesauset und gebrüllt:
Hat man mich vor der Fluth und Donner warnen wollen
So hab ichs nicht geacht. Denn die Gerechten sollen
In Unglück und Gefahr und in der Todes-Pein,
Doch allezeit beherzt und frischen Geistes seyn.
Bey Tage und bey Nacht, zu Hause und in Gründen,
Kan mich die Hand des Herrn stets treffen oder finden:
Drum fürcht ich mich vor nichts. Du mein Imannuel!
Du führst mich stets; durch wen? durch deinen Raphael.
Gott Lob! der führt mich auch an diesem heilgen Tage,
Und schützet mich gewiß vor aller Noth und Plage.
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Bibliographic Information
Editor: 
Gisela Brinker-Gabler
Publication Date: 
1991
Publication Place: 
Frankfurt am Main