Die Bekehrung des Feldherrn Gallikan

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Die Bekehrung des Feldherrn Gallikan.

 
Erster Teil.
 
Personen.
                                                Konstantin, Kaiser des römischen Reichs.
                                                Konstantia, seine Tochter.
                                                Gallikan, Feldherr.
                                                Artemia and Attika, seine Töchter.
                                                Johannes und Paulus, christliche Hofbeamte.
                                                Römische Krieger und Edle.
                                                Bradan, König der Scythen.
                                                Scythische Krieger.
 
Erster Akt.
 
Erster Auftritt.
Ein Saal der kaiserlichen Burg im Rom.
Konstantin.  Gallikan.  Edle.
 
            Konstantin.  Uns mißβfällt, Gallikan, dein Zögern.  Noch’ immer, wie du weißt, wagt es das Volk der Scythen, den Römerfrieden zu mißachten, unseren Befehlen frech zu widerstreben, und dennoch triffst du keine Anstalt, mit dem Schwerte nieder sie zu schlagen, obwohl es aller Welt bekannt, daß deinem Heldenmut und deiner Feldherrnkunst des Vaterlandes Schutz wir aufbewahrt.

            Gallikan.  Erhabner Konstantin!  Ein jeder Funke meiner Kraft ist deinem Winke stets bereit, und immer hab’ ich es
 

 
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geschafft, daß deinem kaislerlichen Wunsche die vollbrachte That die Antwort sage, dem Schwersten bin ich niemals ausgewichen.
            Konstantin.  Du brauchst uns daran nicht erst zu erinnern; wir haben deine treuen Dienste all’ noch im Gedächtnis.  Das ist der Grund auch, warum wir, statt anzuklagen, durch freundlich Mahnen dich zum Gehorsam rufen.
            Gallikan.  Ich will mich seiner unverweilt befleißen.
            Konstantin.  Wir hören es mit hoher Freude.
            Gallikan.  Mein Leben selber geb’ ich willig hin, was du gebeutst, o Herr, ins Werk zu setzen.
            Konstantin.  Uns freut dein dienstbereiter Sinn, und hohes Lob gebühret deiner Treue.
            Gallikan.  Indes, ein Mann, der seine beste Kraft dem Herrendienste weiht, darf hohen Lohn sich auch erbitten.
            Konstantin.  Wer wollte das bestreiten?
            Gallikan.  Jedweden Werkes Mühsal will uns erträglicher bedünken, sobald ein sichrer Lohn am Ziele winkt.
            Konstantin.  Kein Zweifel!
            Gallikan.  Darum, mein kaiserlicher Herr, geruht schon heute festzusetzen, womit ihr die Gefahr mir lohnen wollt, in die um euretwillen ich mich stürze.  Fürwahr, dann will ich unermüdlich streiten, die Glut der Feldschlacht soll mich nicht ermatten, mich hält die Hoffnung köstlichen Gewinnes aufrecht.
            Konstantin.  Niemals verweigerte ich dir und werde niemals dir verweigern den Lohn, der unsrer Krone Räten am köstlichsten und ehrenvollsten dünkt: Dir unsre Freundschaft zu gewähren und unter unsres Thrones Dienern dich als den Würdigsten zu ehren.
            Gallikan.  Du sprichts die Wahrheit, Herr; doch jenes ist es nicht, was jetzo ich begehre.
            Konstantin.  Steht dir nach anderem der Sinn, so sprich dich aus.

            Gallikan.  Nach anderem, fürwahr!
 

 
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            Konstantin.  Was ist es?
            Gallikan.  Doch wenn ich wage, dir davon zu sprechen...
            Konstantin.  Sprich!
            Gallikan.  Du wirst zürnen, Herr.
            Konstantin.  Keinesfalls.
            Gallikan.  O, doch!
            Konstantin.  Nimmermehr.
            Gallikan.  Empörung wird dich überkommen, ich weiß.
            Konstantin.   Wirf diese Scheu doch ab!
            Gallikan.  Nun wohl, mein kaiserlicher Herr, du willst es und ich rede!  Konstantia, deine Tochter, ich liebe sie und...
            Konstantin.  Mit vollem Recht; es ziemt dir, daß du meines Hauses Tochter voll Ehrfurcht liebst, voll Liebe ehrst.
            Gallikan.  Du unterbrachst mich, Herr.
            Konstantin.  So fahre fort!
            Gallikan.  Ich bitte dich um deiner Tochter Hand.  O möchte deine Gnade mir meinen Herzenswunsch erfüllen!
            Konstantin (schweigt überrascht; dann zu seinem Gefolge).  Fürwahr, ihr edlen Herrn, nichts Kleines fordert Gallikan.  Wo ist ein Lohn so hoch als dieser?  Nie ward ein gleicher euch zu teil.
            Gallikan.  Weh mir!  Ich wußt’ es im voraus – verschmäht!  Ihr Freunde, auf!  Laßt eure Bitten im Verein mit meinen unsern Herrn bestümen!
            Edle.Erhabner Kaiser!  Wie würde deine Herrlichkeit es adeln, wenn du, der Ehrfurcht halber, die dir Gallikan bewiesen, dem Wunsche sein Gewährung gönntest!
            Konstantin.  Wir sind, was uns betrifft, durchaus nicht abgeneigt; doch müssen wir mit Sorgfalt erst erkunden, ob unsre Tochter ihre Zustimmung gewährt.
            Edle.  So wie die Dinge stehn, ist dieses in der That das einzig Rechte.
            Konstantin.  Wir selber sind bereit, wenn du es wünschest, Gallikan, unsre Tochter zu befragen.

            Gallikan.  Von Herzen wünsch’ ich es, o Herr.
 

 
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Zweiter Auftritt.
Konstantias Gemach.
Konstantia.  Ihr Gefolge.  Konstantin.
            Konstantia.  Seht, da kommt unser kaiserlicher Herr zu uns.  Wie ernst er blickt!  Was sein Begehr ist, soll mich wunder nehmen.
            Konstantin.  Konstantia, mein Kind, komm auf ein Wort zu mir.
            Konstantia.  Da bin ich, Vater.  Sprich, was ist dein Wunsch?
            Konstantin. O Tochter!  Von Sorgen ist mein Herz beschwert, und tiefer Kummer zehrt an meiner Seele.
            Konstantia.  Als ich dich kommen sah, erkannte ich schon deine Traurigkeit, und war mir auch der Anlaß unbekannt, hab’ ich mich doch geängstet und gefürchtet.
            Konstantin.  Der Anlaß, Kind, bist du.
            Konstantia.  Ich?
            Konstantin.  Du!
            Konstantia.  Ich zitt’re!  Mein Vater, sprich, was ist geschehn?
            Konstantin.  Am liebsten schwiege ich, um dir das Leid zu sparen.
            Konstantia.  Viel größer ist mein Leid, wenn du nicht sprichst.
            Konstantin.  Gallikan, der sieggewohnte Feldherr, des Thaten das Gelingen stets gekrönt, der Edelste von unsres Volkes Edlen, des Vaterlandes oft erprobtes Schwert...
            Konstantia.  Was ist’s mit ihm?
            Konstantin.  Er begehrt dich zur Gemahlin!
            Konstantia.  Mich?
            Konstantin.  Dich!
            Konstantia.  Viel lieber wähl’ ich mir den Tod!
            Konstantin.  Ich wußte es!

            Konstantia.  Und mein Entschluß darf dich nicht wunder
 

 
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nehmen; du hast es mir erlaubt, hast deine Zustimmung gegeben, daß ich mich Gott als reine Jungfrau angelobt.
            Konstantin.  Ich weiß.
            Konstantia.  Und nicht der martervollste Tod wird mich vermögen, mein heiliges Gelübde zu verletzen.
            Konstantin.  Du sprichst, wie dir geziemt und doch, welch’ Drangsal kündet mir dein Wort!  Der Vater sollte dich ermahnen, deinem Gelübde treu zu bleiben, dann aber trifft den Kaiser schweres Unheil; und wenn ich mich – behüte Gott! – dir widersetzen wollte, so lastete der Höllenstrafen ew’ges Kreuz auf mir.
            Konstantia.  Mein Vater, vertraut’ ich nicht auf Gottes allbereite Hand, so trüge ich den schwersten Schmerz.
            Konstantin.  Ich glaub es dir.
            Konstantia.  Wo aber bleibt ein Grund zur Traurigkeit bei unsres Gottes, des Allweisen, Gnade?
            Konstantin.  Wie schön du sprichts, Konstantia!
            Konstantia.  Und wenn es dir gefiele, meinen Rat zu hören, so wollt’ ich einen Weg dir zeigen, auf dem vor jeglicher Gefahr bewahrt wir bleiben.
            Konstantin.  O könntest du’s.
            Konstantia.  So sage Gallikan, wenn er den Feldzug glücklich erst beendet, dann wolltest seinen Wünschen du gefällig sein; und daß er glaubt, ich habe meine Zustimmung gegeben, beweg’ ihn, seine Töchter mir zu senden.  Sag’ ihm, daß Attika und Artemia inzwischen bei mir bleiben sollen als Pfänder seiner treuen Liebe, wogegen Paulus und Johannes, meine wertgeschätzten Diener, in die Feldschlacht ihn begleiten sollen.
            Konstantin.  Doch wenn er siegreich heimkehrt, was thu’ ich dann?
            Konstantia.  So, mein’ ich, bitten wir vorher den Vater unser, daß Gallikan von seinem Wunsche lasse.

            Konstantin.  O Tochter, Tochter!  Wie hast du deines Vaters Herz, von bittrem Grame angefüllt, erquickt mit
 

 
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deinen süßen Worten!  Fürwahr, mit dieser Sorge werd’ ich mich nimmer wieder quälen.
            Konstantia.  Recht so, mein Vater!  Es geschähe ohne Grund und Zweck.
            Konstantin.  So will ich gehn und Gallikan mit froher Botschaft überlisten.
            Konstantia.  In Frieden gehe, lieber Vater!
 
Dritter Auftritt.
Örtlichkeit wie im ersten Auftritt.
Gallikan.  Edle.  Später Konstantin.
            Gallikan.  Ich sterbe fast, ihr Freunde, vor Ungeduld.  Was mag doch unser Herr so lange mit seiner Tochter zu verhandeln haben?
            Edle.  Er sucht gewiß, sie deinen Wünschen geneigt zu machen.
            Gallikan.  O daß die Hohe seinen Rat befolgte!
            Edle.  Gewiß, sie wird!  Nur nicht verzagen.
            Gallikan.   Still!  Schweigen wir!  Der Kaiser kehrt zurück. Wie trübe war sein Blick, als er von dannen ging, doch jetzt, wie heiter strahlt sein Antlitz!
            Edle.  Ein gutes Zeichen!  Das bedeutet Glück!
            Gallikan.  Nicht wahr, man sagt, das Antlitz sei der Seele Spiegel?  O seht, in seinen Zügen spiegelt sich die Ruhe einer heitern Seele wieder.
            Edle.  Gewiß, gewiß!  (Der Kaiser tritt auf).
            Konstantin.  Gallikan!
            Gallikan (zu seinen Freunden).  Was spricht der Kaiser?
            Edle.  Rasch, hin zu ihm!  Er ruft dich.
            Gallikan.  Ihr Götter, seid mir gnädig!
            Konstantin.  Brich sorglos auf zu deiner Kriegsfahrt, Gallikan!  Kehrst du zurück, dann soll der Preis, den du begehrst, dir werden.

            Gallikan.  Mein Kaiser, treibst du auch keinen Spott mit mir?
 

 
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            Konstantin.  Spott mit dir treiben?  Nimmermehr!
            Gallikan.  Ich Glücklicher!  Wüßt’ ich nur eines noch!
            Konstantin.  Und dieses eine?
            Gallikan.  Ihre Antwort!
            Konstantin.  Meiner Tochter?
            Gallikan.  Ja.
            Konstantin.  Nicht doch!  Die Antwort einer keuschen Jungfrau, unmöglich kannst du sie in solchem Fall verlangen.  Die Folge wird es dir schon lehren, daß sie zu allem ja gesagt.
            Gallikan.  O, wenn ich das nur sicher wüßte, so fragt’ ich nach der Antwort selber nichts.
            Konstantin.  Konstantia hat bestimmt, daß ihre Kämmerer Johann und Paulus bei dir verweilen bis zum Hochzeitstage.
            Gallikan.  Und was bezweckt sie damit?
            Konstantin.  Die Männer sollen dir von meiner Tochter Lebensweise, ihrem Charakter, ihrem ganzen Wesen sprechen, damit du alles das im voraus weißt.
            Gallikan.  Ein vortrefflicher Gedanke!  Nichts Angenehmres hättte mir begegnen können!
            Konstantin.  Hinwieder wünscht sie, deine Töchter in der Zwischenzeit um sich zu haben, damit sie im Verkehr mit ihnen deiner Art sich anbequemen lerne.
            Gallikan.  Herrlich, herrlich!  Wie trifft sich alles dies mit meinen Wünschen!
            Konstantin.  Darum sorge, daß sie zu Konstantia bald hingeleitet werden.

            Gallikan.  Ihr steht noch hier, Soldaten?  Flink, trollt euch!  Bringt meine Töchter schnell zu ihrer Herrin, daß sie von ihren holden Augen die Wünsche alle ihr ablesen.
 

 
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Vierter Auftritt.
Konstantias Gemach.
Konstantia.  Soldaten.  SpäterAttikaund Artemia.  Zuletzt Johannesund Paulus.
 
            Soldaten.  Unsres Feldherrn Gallikan erlauchte Töchter bringen wir zu dir, erhabene Konstantia.  Ihre Tugend, ihre Weisheit, ihr Verstand machen sie deiner Freundschaft würdig.
            Konstantia.  Ich bin erfreut.  Geleitet sie mit aller Ehrfurcht in mein Gemach!  (Soldaten ab.  Konstantia betet.)  Der du an reinen Mägdlein ein Wohlgefallen hast, mein Herz mit Keuschheitsdrang so ganz erfüllet hast, Herr Jesu Christ, du bist auf Agnes, deiner heiligen Blutzeugin Bitten, mein Schutz geworden vor des Fleisches sündiger Begier, hast mich zu dir emporgehoben aus der Heiden blinden Horden, in deiner Mutter jungfräulich Gemach mich eingeladen, wo Gott du bist, in Wahrheit, offenbar, geschaffen von dem Vater da noch kein Anfang war und doch auch wahrer Mensch aus Mutterleib und in der Zeit geboren.  Du wahrer, ewiger, weiser Gott, durch den das All geschaffen ward, des Winkes Himmel und Erde harrt, ich fleh’ dich an, o rufe Gallikan, der deine Lieb’ mir auszulöschen trachtet, ruf’ ihn zurück von seinen bösen Wegen und hebe ihn zu dir empor.  Auch seine Töchter laß mich ans Herz dir legen, erküre sie zu deinen Bräuten, in ihre Seelen träufle deiner Liebe Süßigkeit, daß sie vor irdischer Vermählung bangen und als heilige Jungfrauen um so treuer dich umfangen!
(Attika und Artemia sind inzwischen eingetreten und niedergekniet.)
            Artemia.  Wir grüßen dich, Konstantia, du kaiserlicher Sproß.

            Konstantia.  Willkommen mir, ihr Schwestern beide, Attika und Artemia!  Doch nicht zu meinen Füßen!  Steht auf, steht auf!  Der Liebe Kuß sei euer Gruß.
 

 
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            Artemia.  Wir sind, du hohe Herrin, zu dir geeilt mit Herzen dienstbereit, dir ganz allein geweiht.  Voll Demut unterwerfen wir uns deinem Willen und bitten dich, woll’ uns ein wenig lieb gewinnen.
            Konstantia.  Uns lebt ein Gott im Himmel hoch, dem wir all’ unsre Demut schulden, ihn wollen wir in Lieb’ und Hulden uns allermeist bewahren.  Einmütig laß den Leib uns unbefleckt erhalten, damit wir einst gewürdigt werden, den Himmelssaal geschmückt mit Keuschheitspalmen zu betreten.
            Artemia.  Du findest uns zu allem willig.  Wie wollen gern wir deinen Lehren folgen, besonders wo es gilt, die Wahrheit zu erfahren und unsre jungfräuliche Tugend zu bewahren!
            Konstantia.  Wohl steht euch solche Antwort an, und würdig ist sie eures edlen Sinnes!  O sicherlich hat Gottes Odem selber euch den Glauben eingehaucht!
            Artemia.  Wie sollten auch wir Götzendiener die Wahrheit finden ohne Licht von oben?
            Konstantia.  Welch fester Glaube!  Die Hoffnung ruft er in mir wach, es könne Gallikans Bekehrung allzuschwer nicht sein.
            Artemia.  Wenn unsrem Vater jemand nur so recht zu Herzen spräche, ich zweifle nicht, daβ er auch gläubig würde.
            Konstantia (zu ihren Dienerinnen).  Ruft mir doch Paulus und Johannes her! (Paulus und Johannes treten auf.)
            Johannes.  Du hast uns rufen lassen, Herrin; hier sind wir.
            Konstantia.  Ich wünsche, daβ ihre zu Gallikanus eilt.  Geht nicht von seiner Seite und sprecht ihm ab und zu von unsres Glaubens seligem Geheimnis; wohl möglich, daβ euch der Herr für würdig hält, ihn zu bekehren.

            Paulus.  Wir wollen ihn mit Fleiβ anspornen und ermahnen.  Gott möge uns das rechte Wort verleihen!
 

 
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Zweiter Akt.
Erster Auftritt.
Das Forum zu Rom.
Gallikan.  Sein Gefolge.  Paulus undJohannes.
 
            Gallikan.  Willkommen, Paulus und Johannes!  Geraume Zeit schon hab’ ich euch erwartet, da ich nichts Sichres über eure Ankunft wußte.
            Johannes.  Doch sind wir ohne Zögern herbeigeeilt, als uns Konstantias Gebot erklungen.  Nun wolle über uns verfügen.
            Gallikan.  Das nenn’ ich dienstbereiten Sinn!  Und ganz besonders freut er mich an euch.
            Paulus.  Mit Recht.  Denn wie das Sprichwort sagt: Wer sich zu seinen Freunden warm läuft, muß warme Freundschaft für sie hegen.
            Gallikan.  Wie wahr!
            Johannes.  Unsere Gebieterin, die hierher uns gesandt, sie knüpfte zwischen uns, o Herr, der Freundschaft festes Band.
            Gallikan.  Kein Zweifel!  (Zu seinem Gefolge.)  Jetzt, Centurionen und Tribunen, versammelt alle unsre Kriegerscharen, denn Paulus und Johann sind angelangt, ob deren Fernsein ich den Abmarsch aufgeschoben.
            Tribunen.  Geh du voran, dir folgen fest geschart die Legionen!
            Gallikan.  Doch ziemt es sich, daß auf das Kapitol und in die Tempel erst wir ziehen, nach altem Brauch durch Opferspenden die Götter uns geneigt zu machen, daß wir die Heerfahrt glücklich auch vollenden.
            Tribunen.  Dringend ist das von nöten.
            Johannes (zu Paulus).  Wir wollen unterdes beiseite gehen.
            Paulus.  Das ist am besten.

(Gallikan und seine Begleiter ziehen nach dem Kapitol.)
 

 
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            Johannes.  Da sieh!  Der Feldherr kehrt zurück.  Komm, laß die Pferde uns besteigen, wir wollen ihm entgegenreiten.
            Paulus.  Ich bin dabei.  Nur schnell!
            Gallikan.  Wo kommt ihr her?  Wo seid ihr denn gewesen?
            Johannes.  Wir haben unser Gepäck zurecht gemacht und es vorausgeschickt, damit wir unbehindert auf dem Marsche euch begleiten können.
            Gallikan.  Recht so!
 
Zweiter Auftritt.
Schlachtfeld im Scythenlande.
Gallikan.  Tribunen.  Das römische Heer.  Johannes und Paulus.
 
            Gallikan.  Beim Zeus, Tribunen!  Das sind des Feindes unzählbare Scharen, mit Wehr und Waffen furchtbar ausgerüstet.
            Tribunen.  Die Feinde, bei allen Göttern!
            Gallikan.  Jetzt heißt es, nicht gewanken und gewichen!  Frisch, greifen wir sie mannhaft an!
            Tribunen.  Ein Angriff gegen solche Übermacht?
            Gallikan.  Was sonst denn?
            Tribunen.  Hier ist nichts anderes mehr zu thun, als sich ergeben.
            Gallikan.  Ich Götter!  Nur das erspart mir!
            Tribunen.  Not kennt kein Gebot!  Sieh doch, wir sind völlig schon umzingelt!  Von allen Seiten drohen Wunden uns und Tod!
(Sie lassen sich ohne Widerstand von den Scythen gefangen nehmen.)
            Gallikan.  O welche Schmach!  Die Tribunen weichen von uns...sie ergeben sich!  Wie soll das enden?
            Johannes.  Gelobe Gott im Himmel, du wollest gläubig werden – dein ist der Sieg!
            Gallikan.  Ich schwöre es und werde meinen Schwur gewißlich halten!

(Christus erscheint mit einem Heer himmlischer Streiter.  Die Römer nehmen die Schlacht wieder auf.)
 

 
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                                                Dritter Auftritt.
Ein andrer Teil des Schlachtfeldes.
Bradan.  Scythen.  Gallikan.  Römer.  PaulusundJohannes.
 
            Scythen.  Weh, König Bradan!  Das Glück spottet unser und alle Siegeshoffnung flieht.  Die Arme werden uns so schlaff, die Kräfte schwinden, zerstört ist aller Kampfmut unsrer Brust, schier fallen uns die Schwerter aus den Händen.
            Bradan.  Ich weiß nicht, wie mir wird.  Was ihr erleidet, quält mich auch.  Wie Centnerlast ruht es auf meinem Herzen.  Kein Ausweg mehr!  Wir müssen uns ergeben.
            Scythen.  Dem Untergang entrinnen wir sonst nicht.
            Bradan (zu Gallikan, der sich bis in jenes Nähe durchgekämpft).  O Feldherr Gallikan!  Umpanzre nicht dein Herz mit Grausamkeit, steh ab von unserer Vernichtung!  Üb’ Gnade!  Wir unterwerfen uns.  Laß dir es so gefallen!
            Gallikan.  Habt keine Furcht!  Stellt Geißeln ihr und werdet unsres kaiserlichen Herrn Vasallen, so sollt ihr ruhig und in Frieden leben unter Romas starkem Schutz.
            Bradan.  Es steht bei dir, wieviel und welche unsrer Söhne als Geißeln mit dir ziehen sollen, wie hohen Tribut zu zahlen uns gebührt.
            Gallikan (zu seinen Kriegern).  Löst eure Reihen, Kameraden!  Der Kampf, das Morden ist zu Ende.  Fort mit Schwert und Geschoß, laßt freundlich uns den neuen Bundsgenoß begrüßen!
            Johannes.  Wieviel vermag ein herzliches Gebet!  Ohnmacht ist alle Menschenkraft dagegen.
            Gallikan.  Du sprichst die Wahrheit.
            Paulus.  Wie nah ist dem nicht Gottes mächt’ge Hand, der voller Demut sich an ihn gewandt!
            Gallikan.  Dem blödesten Auge ist es klar!

            Johannes.  Doch wolle nun den Schwur, im Drang des Augenblicks gethan, auch halten, da Ruhe dir und Überlegung rückkehrt.
 

 
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            Gallikan.  Das will ich.  Mein Herz sehnt sich nach der Taufe, je eher sie mir wird, je besser!  Und was mir noch vom Leben bleibt, das will in treuem Gottgehorsam ich verbringen.
            Johannes.  Du handelst recht.
 
Vierter Auftritt.
Vor einem Thore Roms.
Gallikan.  Johannes.  Paulus.
 
            Gallikan.  Seht an, Roms Bürgerschaft zieht aus den Thoren, nach altem Brauch den Sieger im Triumphgepränge einzuholen.
            Johannes.  Das ziemt ihnen.
            Gallikan.  Doch uns gebühret kein Triumph.  Nicht unsre noch der Götter Tapferkeit errang den Sieg.
            Johannes.  Gewiß nicht.  Des wahren Gottes ist der Ruhm allein.
            Gallikan.  Drum halt’ ich es für angezeigt, daß wir zu seinen Tempeln ziehen.
            Johannes.  Ganz meine Meinung.
            Gallikan.  Daß wir ehrfürchtig und voll Demut der Häuser jegliches aufsuchen, in denen die Apostel einst geweilt.
            Paulus.  Du Glücklicher, daß deine Brust solche Gedanken birgt!  Als wahrer Christ hast du dich jetzt bezeugt.
 
Dritter Akt.
 
Erster Auftritt.
Saal im kaiserlichen Palast.
Konstantin.  Edle.  Später Gallikan.
 

            Konstantin.  Warum, ihr Herren, mag wohl Gallikan solange unsren Blicken sich entziehen?  Wir fangen an, darüber uns zu wundern.
 

 
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            Edle.  Kaum hatte Gallikan, dein Feldherr, erhabner Konstantin, die Stadt betreten, so lenkte er den eiligen Schritt zu Petri, des Apostels, Hause und dankte, auf die Erde hingeworfen, dem, der über den Wolken thront, für den erfochtnen Sieg.
            Konstantin.  Das hätte Gallikan gethan?
            Edle.  Gewiß.
            Konstantin.  Unglaublich!
            Edle.  Da sieh, hier kommt der Feldherr.  Nun woll’ ihn selber fragen.  (Gallikan tritt auf.)
            Konstantin.  Wir haben deiner lange schon geharrt, o Gallikan, daß du uns den Verlauf der Schlacht berichtest und wie der Sieg erfochten ward.
            Gallikan.  Ausführlich will ich nunmehr dich bescheiden, hoher Herr.
            Konstantin.  Indes, so sehr die Sache uns am Herzen liegt, vor allem wünschen wir Aufklärung über einen andern Punkt.
            Gallikan.  Der wäre?
            Konstantin.  Wie kommt es, daß beim Abmarsch du der Götter Tempel und bei der Rückkehr der Apostel Häuser aufgesucht?
            Gallikan.  Das wünschest du zu wissen, Herr?
            Konstantin.  Ich wünsche es.
            Gallikan.  Nun wohl, ich will die Wahrheit dir nicht vorenthalten.
            Konstantin.  So sprich.
            Gallikan.   Mit Recht trifft mich dein Vorwurf, frommer Kaiser.  Bevor ich auszog, suchte ich der Heiden Tempel auf und ihrer Götter Schutz vertraute ich mich an.
            Konstantin.  So hat der Römer Brauch von jeher es gewollt.
            Gallikan.  Ein schlechter Brauch!
            Konstantin.  Fürwahr, durchaus verwerflich!

            Gallikan.  Als dies vollbracht, vereinigten sich die Tribunen
 

 
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mitsamt den Legionen.  Von ihnen rings umschart zog ich dem Feinde stolz entgegen.
            Konstantin.  Gewiß, ger stattlich war dein Heer gerüstet.
            Gallikan.  Wir rückten vor, wir trafen auf den Feind, die Schlacht entbrannte und – wir unterlagen!
            Konstantin.  Weh!  Römer wurden besiegt?
            Gallikan.  Besiegt!  Völlig geschlagen!
            Konstantin.  Entsetzlich!  Jahrhunderte, vernahmt ihr je von solcher Schmach?
            Gallikan.  Noch einmal bring ich – o des Greuels! – den Heidengöttern Opfer dar, doch aus der ganzen, großen Schar nicht einer kommt, uns beizustehen!  Immer stürmischer wird der Angriff, die unsern fallen ungezählt...
            Konstantin.  Vom bloßen Hören bebt das Herz mir in der Brust!
            Gallikan.  Jetzt verlassen mich selbst die Tribunen und ergeben sich...
            Konstantin.  Ergeben sich?  Dem Feinde?
            Gallikan.  Wie du sagst.
            Konstantin.  Um Gott, was thatst du nun?
            Gallikan.  Was konnt’ ich thun?  Zur Flucht mich wenden, das war alles.
            Konstantin.  Nichts andres blieb dir übrig.
            Gallikan.  Nichts!
            Konstantin.  O welcher Jammer, welche Not mag da dein tapfres Herz bedrängt wohl haben!
            Gallikan.  Das faßt kein Wort.
            Konstantin.  Doch sprich, wie hast du dich gerettet?
            Gallikan.  Die Freunde und Genossen mein, Johannes und Paulus, haben meine Not gehoben.  Sie rieten mir, ich möge mich dem Schöpfer angeloben.
            Konstantin.  Heilsamer Rat!

            Gallikan.  Ich wagte es, und kaum daß sich mein Mund zum Schwure öffnete, that sich mir schon des Himmels Hilfe kund.
 

 
66
            Konstantin.  Wodurch?  Sag’ an!
            Gallikan.  Urplötzlich stand vor meinen Augen ein Jüngling, hohen Wuchses und ein Kreuz auf seiner Schulter tragend, der sprach: Zieh, Gallikan, dein Schwert und folge mir!
            Konstantin.  Wer auch der Jüngling war, vom Himmel wurde er gesandt!
            Gallikan.  Kein Zweifel!  Gewappnete Krieger standen zu meiner Rechten, wie zur Linken, nie hatte je zuvor mein Auge sie erblickt, und doch verhießen sie mir ihre Hilfe.
            Konstantin.  Die hate Gott für dich gemustert!
            Gallikan.  Sicherlich!  Meinem Führer folgend, stürzt’ ich furchtlos in der Feinde Scharen, zu ihrem König Bradan drang ich vor, und dieser, von unnennbarer Angst ergriffen, stürzt’ flehend mir zu Füßen und gelobt mit lauter Stimme, er und die seinen wollten immerdar des Römerkaisers Knechte sein und reichlichen Tribut entrichten.
            Konstantin.  Ihm laßt uns danken, der uns solches Glück beschert, dem Herrn, der nie verläßt, die auf ihn bauen.
            Gallikan.  Das hat sich an mir selbst bewährt.
            Konstantin.  Doch fahre fort.  Was thaten nunmehr die entflohenen Tribunen?
            Gallikan.  Gar eilig suchten sie mich wieder zu versöhnen.
            Konstantin.  Und du?  Nahmst du sie ohne Strafe zu Gnaden wieder an?
            Gallikan.  Ohne Strafe?  Sie, die mich inmitten der Gefahr verlassen und den Feinden sich ergeben?  Nimmermehr!
            Konstantin.  Was hast du ihnen auferlegt?
            Gallikan.  Daß sie Gottes Gnade sich verdienen.
            Konstantin.  Wie meinst du das?
            Gallikan.  Wer Christ von ihnen wird, dem sei verziehen und größre Ehre noch ist ihm beschieden, doch wer sich dessen weigert, geht seiner Stellung und meiner Gunst verlustig.

            Konstantin.  Ein vortrefflich Urteil!  Würdig, daß du es fälltest!
 

 
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            Gallikan.  Und ich, gereinigt durch das Bad der heil’gen Taufe, hab’ Leib und Gut dem Herrn geweiht.  Deine Tochter, das Liebste mir von allem auf der Welt, ich geb’ sie frei, daß ich durch keuschen Wandel der Jungfrau Sohn ein Wohlgefallen sei.
            Konstantin.  Du Edler!  Tritt herzu, laß dich umarmen!  O frohe Stunde, in der ich dir enthüllen darf, was ich bislang mit dichtem Schleier zu bedecken strebte.
            Gallikan.  Das ist, mein Kaiser?
            Konstantin.  Unser beider Töchter trachten nach dem gleichen, frommen Ziel wie du!
            Gallikan.  O Glück!  O Freude!
            Konstantin.  Der Keuschheit heil’ge Glut im Herzen vermag kein Bitten, keine Drohung mehr zu löschen.
            Gallikan.  Wie wünsche ich, daß sie in diesem Geist verharren!
            Konstantin.  Laß in das Schloß uns gehn, dort treffen wir sie selber an.
            Gallikan.  Schreite voran, o Herr, ich folge.
            Konstantin.  Doch, dort kommen sie ja allesamt zu uns, mit unsrer hohen Mutter, der ehrwürdigen Helena.  Thränen der Freude entstürzen ihren Augen.
 
Zweiter Auftritt.
Vorige.  Konstantia.  PaulusundJohannes.  Attika und Artemia.  Helena.
 
            Gallikan.  Nehmt meinen Gruß und Segenswunsch, o Jungfrau’n, die ihr fromm in Gottesfurcht beharrt.  Spart eurer Keuschheit köstliches Geschmeide, daß einst der ew’ge König euch seine Arme breite!
            Konstantia.  Wenn uns von dir kein Widerstand erwächst, dann werden wir sie gegen alle Welt bewahren.

            Gallikan.  Kein Widerstand, kein Sträuben, kein Hindernis!  Gern weich ich heute euren Wünschen.  Selbst dich, o meine Konstantia, die um so hohen Preis ich mir errungen,
 

 
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die zu besitzen ich mein Leben eingesetzt, dich zwing ich nicht einmal auf andern Pfad, in Frieden ziehe deines Weges!
            Konstantia.  Des Höchsten Rechte, gewiß, sie selbst, hat also deinen Sinn gewendet.
            Gallikan.  Ließ nicht der Herr die kranke Seele mein gesunden, nie hätte dein Gelübde meine Zustimmung gefunden.
            Konstantia.  O daß der Freund jungfräulicher Schamhaftigkeit, der jedem guten Willen gern Hilfe leiht, der aus dem Herzen dein das sündige Verlangen ausgerodet und zur Jungfrau mich geweiht – o möchte er für unser irdisch Scheiden ein frohes, ew’ges Wiedersehen uns bereiten!
            Gallikan.  Das laß geschehen, höchster Gott!
            Konstantin.  Da die Lieb’ zu Christus Glaubensgenossen aus uns macht, so ziemt es sich, daß fürder du bei uns in unsrem Schlosse wohnest, geehrt, als ob du deines Kaisers Eidam seist.
            Gallikan.  O Herr, keine Versuchung ist ängstlicher zu meiden, denn Augenlust.
            Konstantin.  Wohl wahr.
            Gallikan.  Ich weiß, es ist mein Unheil, wenn ich zu oft die holde Jungfrau sehe.  Ich liebe sie ja mehr als meine Eltern, mehr als mein Leben, mehr als meine Seele!
            Konstantin.  Dann thue, was du für das Rechte hältst.
            Gallikan.  So leihe mir Gehör, mein Kaiser.  Dir steht ein viermal stärker Kriegsheer da, durch Christi Gunst, der meine Müh’ gesegnet.  Erlaube, daß ich jetzt dem Feldherrn diene, des Hilfe mir den Sieg verliehn, dem alles Glück ich schulde, das mir je geschienen.
            Konstantin.  Gewiß ziemt unsrem Gotte Lob und Preis, und alle Kreatur ist schuldig, ihm zu dienen.
            Gallikan.  Doch der vor allem, dem in der Not er Hilfe bot.
            Konstantin.  Du sprichst die Wahrheit.  Ich widerstreb’ dir ferner nicht.

            Gallikan.  Und nun zu meiner Habe!  Was meinen Töchtern
 

 
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angehört, bleibt unberührt, und einen Teil behalte ich mir vor, dem dürft’gen Fremdling Obdach zu bereiten.  Doch mit dem andern all’ will meine Sklaven ich zu freien Männern machen und auch der Armut Not nach Kräften lindern.
            Konstantin.  Weise verteilest du dein Gut; das wird der Herr in Ewigkeit dir lohnen.
            Gallikan.  Mich selber treibt es hin nach Ostia, zu St. Hilarian.  Dem will ich mich als Bruder beigesellen, und bis der Herr mich zu sich ruft, dem Beten und dem Wohlthun leben.
            Konstantin.  Glückselig du!  Wie es der Herr gebeut, so willst du leben.  Gott der Allmächtige, das eine, ewig gleiche Wesen, laß deinen Vorsatz Wurzel fassen, und führe dich an seiner Vaterhand hinüber in das Land der ewigen Freude!  Ruhmvoll regiere in der Einheit der Dreieinigkeit, Gott, unser Gott, durch alle Ewigkeit!

            Gallikan.  Amen!
 

 
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Zweiter Teil.
Personen.
Juliander Abtrünnige, Kaiser des römischen Reiches.
Terentian, Hauptmann.
Konsulnvon Rom.
Gallikan.
Soldaten, Christen.
Paulusund Johannes.
 
Erster Auftritt.
Freier Platz in Rom.
Julian.  Konsuln.  Soldaten.  Gallikan.
 
            Julian.  Das ärgste Übel, das an unserm Staate zehrt, sind diese Nazarener.  Frei, nach Belieben schalten sie und brüsten sich sogar, daß sie nur den Gesetzen Folge leisteten, die ihnen Konstantin dereinst verliehn.
            Konsuln.  Es wäre schachvoll, wenn du dies Treiben länger dulden wolltest.
            Julian.  Beim Zeus, ich duld’ es nicht.
            Konsuln.  Vortrefflich!
            Julian.  Nehmt eure Waffen, Krieger!  Treibt mir die Christen allesamt von Haus und Hof, und wenn sie jammern, so laßt sie nur die Worte Christi hören: Wer nicht um meinetwillen alles verläßt, was sein ist, der kann mein Schüler nicht sein.
            Soldaten.  Wir eilen, Herr, dein Wort zur That zu machen.
(Die Soldaten gehen ab, kommen aber bald zurück.)
            Konsuln.  Da seht, die Krieger kehren wieder!
            Julian.  Habt ihr den Auftrag glücklich schon vollendet?

            Soldaten.  Glücklich?  Je nun!
 

 
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            Julian.  Ihr seid gar schnell zurück, wie kommt das?
            Soldaten.  Laß dir erzählen, Herr.  Als wir die Burgen, welche Gallikan behauptet, in raschem Anlauf zu erstürmen dachten und deiner Herrschaft sie zu unterwerfen, da ward, wer nur von uns heran sich wagte, aussätzig oder gar besessen.
            Julian.  Ihr kehret auf der Stelle um und zwinget Gallikan das Vaterland zu fliehn oder vor den Bildern unsrer Götter opferspendend hinzuknien!
(Die Soldaten ziehen aufs neue vor Gallikans Burg und versuchen, ihn zu überreden, daβ er des Kaisers Willen thue.)
            Gallikan.  Müht euch nicht ab, ihr Krieger, mit eurem unnützen Gerede!  Zu gut kenn’ ich den Wert des ew’gen Lebens, als daß, soweit die Sonne scheint, mir irgend etwas teuer wäre.  Daher will ich das Vaterland verlassen, um Christi willen als Verbannter fernhin nach Alexandrien zu ziehn.  Den einen Wunsch nur hege ich, daß mich daselbst der Herr des Martyrtums für würdig achte.
 
Zweiter Auftritt.
Kaiserlicher Palast.
Julian.  Soldaten.  Später Johannes undPaulus.
 
            Soldaten.  Wir haben Gallikan, wie du befahlst, o Kaiser, aus dem Vaterland vertrieben.  Er ist nach Alexandrien gepilgert, wo ihn Graf Rautian ergriffen und mit dem Schwert hat töten lassen.
            Julian.  Vortrefflich!  Er hat wohl daran gethan!
            Soldaten.  Nun aber schmähen dich Johann und Paulus.
            Julian.  Was treiben denn die beiden?
            Soldaten.  Sie schweifen durch das ganze Land, Konstantias Schätze zu verteilen.
            Julian.  Ruft sie herbei.
            Soldaten.  Wir führten sie schon her.  Da sind sie.

(Johannes und Paulus treten auf.)
 

 
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            Julian.  Ich weiß, Johann und Paulus, daß ihr von Kindheit auf dem Dienst der Kaiser euch gewidmet habt.
            Johannes.  Das thaten wir.
            Julian.  Und darum schickt es sich, daß meinem Hausgesinde ihr euch beigesellt und im Palast, der euch ernährt von Jugend auf, wie früher euren Dienst verrichtet.
            Paulus.  Das thun wir nimmermehr.
            Julian.  Wie?  Ihr wollt mir nicht dienen?
            Johannes.  Nein!
            Julian.  Was soll das heißen?  Bin ich etwa kein Kaiser für euch zwei?
            Paulus.  Das wohl, doch gar gewaltig unterscheidest du dich von den frühern.
            Julian.  In welcher Hinsicht?
            Johannes.  An Verdienst und Religion.
            Julian.  Davon möcht’ ich doch gern ein weiteres noch hören.
            Paulus.  Wir wollen dir nicht das Geringste vorenthalten.  Die glorreich hochberühmten Kaiser Konstantin, Konstans und Konstantius, denen wir getreue Diener waren, sind Christen allesamt gewesen und Diener Jesu, dessen sie sich hoch gerühmt.
            Julian.  Das weiß ich ganz genau.  Doch kommt es mir durchaus nicht bei, auf ihren Pfaden fortzuwandeln.
            Paulus.  Gewiß, du liebst die schlimmen Wege.  Sie gingen oft ins Gotteshaus und legten dort ihre Krone ab, um auf den Knien Christus anzubeten.
            Julian.  Dazu wird mich nun freilich niemand bringen.
            Johannes.  Und deshalb eben reichst du an jene nicht heran.
            Paulus.  Denn als sie ihren Schöpfer priesen, ward auch der kaiserliche Thron geehrt, und durch die Werke ihres frommen Glaubens ward ihnen selbst Glückseligkeit beschert.  Allzeit befolgten sie die heil’gen Glaubenslehren, und daher wurden ihre Wünsche stets erfüllt.

            Julian.  Auch mir blieb keiner ungestillt.
 

 
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            Johannes.  Durch Teufels Werk, denn in der Gnade Gottes bist du nicht.
            Julian.  Spitzfindigkeiten!  Ich Thor hab’ auch einmal solch thöricht Zeug getrieben und stand als Priester trefflich angeschrieben.
            Johannes.  Was meinst du dazu, Paulus?  Er ein Priester? 
            Paulus.  Vielleicht des Teufels Kapellan!
            Julian.  Doch nur zu bald hab’ ich begriffen, wie wenig sich damit erreichen läßt; da neigt’ ich mich dem Dienst der Götter zu und ihrer Güte dank’ ich Thron und Herrschaft.
            Johannes.  Du bist uns vorhin in das Wort gefallen, damit du der Gerechten Ruhm nicht anzuhören brauchtest.
            Julian.  Was kümmert dieser mich!
            Paulus.  O sicher nichts!  Doch was ich jetzt dir sagen will, berührt dich um so mehr.  Die edlen Kaiser, da ihrer unsre sünd’ge Welt unwürdig war, wurden der Engel Scharen beigesellt und dir verblieb des unglückseligen Reiches Herrschaft.
            Julian.  Unglückselig?  Warum just unter mir?
            Johannes.  Wir könnt’ es unter solchem Herrscher anders sein!
            Paulus.  Den heil’gen Glauben hast du ganz und gar verleugnet, des Götzendienstes Eitelkeit sogar gepflegt.  Wir sind geflohen solche Frevelthaten, wir meiden deinen Anblick und wollen nichts mit dir zu schaffen haben.
            Julian.  Fürwahr, ihr habt mich nun genug beleidigt und geschmäht, und doch will eure Keckheit ich verzeihn – dient mir, ihr sollt die ersten im Palaste sein!
            Johannes.  Unnütze Müh’!  Durch Schmeicheln nicht und nicht durch Drohen wirst du uns jemals dazu bringen.
            Julian.  Zehn Tage will ich euch Bedenkzeit gönnen, damit ihr endlich euch bekehrt, freiwillig meine Gnade anfleht und meiner Freundschaft würdig werdet.  Doch zwingt ihr mich zu meiner Pflicht, so ist’s mit eurem Spott zu Ende.

            Paulus.  Was du zu thun gedenkst, vollbringe heut’; denn
 

 
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niemals wirst du uns bewegen, dir Ehrerbietung zu erweisen; so wenig wir wir zum Palaste je und zu dem Dienst der Götter wiederkehren.
            Julian.  Laßt mich und geht!  Doch handelt, wie ich euch ermahnte.
            Johannes (zu Paulus).  Zehn Tage Frist!  Laß sie uns nicht verachten.  Wir wollen eilig unser Hab und Gut dem Himmel schenken und dann mit Fasten und Gebeten um unsres Gottes Gnade flehn.
            Paulus.  Das wird das beste sein.
 
Dritter Auftritt.
Kaiserlicher Palast.
Julian.  Terentian.
 
            Julian.  Nimm mit dir, Terentian, ein Kriegsgeleite und gehe zu Johann und Paulus hin.  Befiel, daß sie vor deinen Augen Jupiter ein Opfer spenden, und wenn in ihrem Trotze sie verharren, so bring’ sie um.  Doch heimlich, nicht vor allem Volk, da sie nun einmal zu dem kaiserlichen Ingesinde zählen.
 
Vierter Auftritt.
Haus des Johannes und Paulus.
Terentian.  Sein Sohn.  Soldaten.  Johannes und Paulus.
 
            Terentian.  Der Kaiser Julianus, dem ich diene, er sendet euch, Johann und Paulus, als Zeichen seiner Huld ein golden Bildnis Jupiters.  Aus Dankbarkeit sollt ihr demselben Weihrauchspenden weihn, wenn ihr euch dessen weigert, so habt das Leben ihr verwirkt.

            Johannes.  Da Julian dein Herr, so dien’ ihm treu, daß er dir wohl gewogen bleibe und sonne dich an seiner Gunst.  Wir haben keinen andern Herrn als Jesus Christus, um dessen Liebe willen wir zu sterben wünschen, damit durch unsren Märtyrtod die ew’ge Seligkeit wir uns erwerben.
 

 
75
            Terentian.  Was zögert ihr, Soldaten?  Zieht eure Schwerter!  Tötet die Verächter unsres Kaisers und der Götter!  Die Leichen scharret heimlich in dem Hause ein, und sorgt dafür, daß keine Blutspur unser Werk verrate.
            Soldaten.  Doch wenn man uns nun nach den beiden fragt?  Was sagen wir?
            Terentian.  Gebt vor, sie seien aus der Stadt getrieben, in die Verbannung.
            JohannesundPaulus.  Du, Christe, der mit dem Vater und dem heil’gen Geist die Welten lenkt, du, einiger Gott, sei unser Trost in dieser Not.  Preis dir, selbst an des Grabes Rand, wir werfen ab das irdische Gewand, o öffne uns das ew’ge Vaterland!
(Sie werden von Terentians Sohne und den Soldaten getötet.)
 
Fünfter Auftritt.
Ein Versammlungsort der Christen.
Terentian.  Christen.
 
            Terentian.  O über mich!  Ihr Christen, sprecht, was ist wohl meinem Sohne, meinem einz’gen, widerfahren?
            Christen.  Die Zähne knirschen ihm, Schaum steht vor seinem Munde, greulich verdrehen sich seine Augen, denn von dem Teufel ist er ganz und gar besessen.
            Terentian.  Unsel’ger Vater! – Wo ist mein Sohn?  Wo plagt ihn jetzt sein Leiden?
            Christen.  Kennst du die Gräber des Johann und Paulus, der heil’gen Märtyrer?  Dort wälzt er sich am Boden, stöhnend, daß ihr Gebet sein Herz zermartre.
            Terentian.  Mein ist die Schuld, mein das Verbrechen!  Ich war es, der dem Unglückseligen befahl, Hand an die heil’gen Märtyrer zu legen.
            Christen.  Ganz wohl!  Du hast zur Sünde ihn getrieben und mußt nun auch die Strafe mit ihm tragen.

            Terentian.  Ich aber hab’ nur dem Befehle Julians gehorcht, des gottverhaßten Kaisers.
 

 
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            Christen.  Er liegt darob durchbohrt von Gottes Rachestrahl.
            Terentian.  Ich weiß es, ach, und zitt’re um so mehr, als ich daraus erkenne, daß keiner ohne Strafe bleibt, der sich an Christi Dienern je vergriffen.
            Christen.  Das hast du recht erkannt.
            Terentian.  O, wenn ich nun hineilte zu den heil’gen Gräbern und voller Reue an ihnen mich zu Boden würfe?
            Christen.  Dir winkt die Gnade dorten, wenn durch der Taufe heil’ges Bad du rein geworden.
 
Sechster Auftritt.
Am Grabe der Märtyrer.
Terentian.  Sein Sohn.  Christen.
 
            Terentian (betend).  Glorreiche Zeugen Christi, Paulus und Johann, o ahmt das Beispiel eures Meisters nach und bittet, wie er anbefohlen, für eure Peiniger!  Erbarmet euch der Seelenangst des Vaters, habt Mitleid mit dem Elend meines Sohnes, auf daß wir zwei, am Quell der Taufe von unserer Sündenlast befreit, allezeit im Glauben preisen die Dreieinigkeit.
            Christen.  Nun hemme deiner Thränen Strom, o Terentian!  Des Herzens Bängnis hat ein Ende.  Sieh’ an, dein Sohn wacht auf!  Zu neuem, frommen Lebenslauf begnadigt ihn der Herr.  Die heil’gen Märtyrer erhörten dein Gebet.
            Terentian.  Dank sie dem Herrn der Ewigkeit, der so hoch seine Streiter lohnt, daß nicht allein die ew’ge Seligkeit ihr Teil, nein, daß auch noch ihr tot Gebein unzählige Wunder mag verrichten.  O herrlich Zeugnis ihrer Heiligkeit, das ihnen unser Gott verleiht, Jesus Christus, der da lebt (und regiert in Ewigkeit)!<< Das Stück schließt mit vivt ... Die eingeklammerten Worte oder ähnliche dürften zu ergänzen sein.>>

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