Doctor Ritter (Drama, 1872)

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This Text was Prepared and Edited by
STEPHEN W. SMITH,
Brigham Young University

 
 
 
 
Doctor Ritter
 
 
Dramatisches Gedicht in einem Aufzuge
 
von
 
Marie Baronin Ebner-Eschenbach
 
 
 
Wien 1872
 
Verlag von L. Rosner
Tuchlauben Nr. 22.
 
 
 
Als Manuskript gedruckt.
Für die Bühnen ausschlieβliches Eigenthum der Theater-Agentur
A. Kühling in Berlin.
 
 
Personen
(Besessung im k. k. Hofburg-Theater.)
 
Henriette v. Wolzogen................................Frau Gabillon.
Charlotte, ihre Tochter................................Frau Hartmann-Schneeberger.
Doctor Ritter (Friedrich Schiller)...............Herr Krastel.
Bibliothekar Reainwald..............................Herr Baumeister.
Vogt, Verwalter in Bauerbach....................Herr Schöne.
Der Gärtner.................................................Herr Arnsburg
 
Bauerbach 1783.


(Wohnstube im Herrenhause. Blumengewinde an Fesntern und Thüren.)
 
Erster Auftritt.
(Vogt am Fenster. Gärtner tritt ein.)
 
GÄRTNER.
Alles fetrig, Herr Verwalter, alles beriet.
 
VOGT.
‚s ist auch Zeit.  Die Herrschaften können jeden Augenblick da sein.
 
GÄRTNER.
Mögen kommen.  Die Schuljugend ist vor dem Triumphbogen aufgestellt und der Herr Pfarrer vor der Schuljugend.  Meine Buben neben denPöllern – Lunten in der Hand.  Der Doctor rennt ab und zu, möchte sich um alles inder Welt nützlich machen, aber- aber - - nun, Kränze winden ist schwerlich sein Metier; wenn er’s nicht trifft, das nehm’ ich ihm nicht übel.
 
VOGT.
Das nicht, und was denn?
 
GÄRTNER.
Nun, ich meine nur, ein Doctor ist er doch.  An seinen Curen freilich merkt man’s nicht.
 
VOGT.
Exempli gratia? Citire Er ein Beispiel.

 

 
6
GÄRTNER.
Eines aus dem Duzend.  Dem Maier erkrankt eine Kuh und eine Magd.  Der Doctor läβt sich nicht lange bitten – gefällig erweist er sich jederzeit gerne – verschreibt Mixtur für Nummer Eins, Pillen für Nummer Zwei.  Aber der Maier irrt sich und gibt der Kuh die Pillen, der Magd die Mixtur.
 
VOGT.
Was Er sagt! – Und?
 
GÄRTNER.
- Sind beide gesund worden, Herr Verwalter!
 
VOGT.
Ein Resultat, erfreulich für den Maier.
GÄRTNER.
Aber bedenklich für den Doctor, denn man kann fragen: „Wenn sich der Maier nicht geirrt hätte, was wäre dann geschehen?“
 
VOGT.
Er ist ein kluger Mann, mein lieber Gärtner.
 
GÄRTNER.
Ich bin ein Gärtner, das weiβich und das ganze Dorf.  Allein ob Doctor Ritter ein Doctor ist, das frag’ ich und das ganze Dorf.
 
VOGT.
Kümmert’s auch das Dorf?
 
GÄRTNER.
Die Leute sind neugierig.  Warum gibt er’s gar so geheimniβvoll!  Kommt zu Fuβdaher im tiefem Winter, im tiefem Schnee und – im leichten Rock.  Bringt einen Brief von uns’rer gnäd’gen Frau und wird sofort im Herrenhause einlogiert, verköstigt und verpflegt.  Das war sechs Wochen vor Neujahr.  Wir haben Mai – er ist noch immer da.
 
VOGT.
Genirt er Ihn?

 

 
7
GÄRTNER.
Halten zu Gnaden, mich genirt der Leute Gemunkel und Geträtsch.  Die einen sagen „’s ist ein Spion“, die andern „’s ist ein Deserteur“ – noch andere – ei!  Der Tag ist lang und der Verstand ist kurz -: „Es ist ein Bräutigam für unser Fräulein.“
 
VOGT.
Ueber die Dummheit! die vermaledeite!
 
GÄRTNER.
Je nun – die Herrschaft kommt – jetzt, meint man, wird er gehen.  Nichts da, er bleibt erst recht.
 
VOGT.
Erst recht? was soll’s? – Genug! – (Auf die Thüre weisend.)  Ich rathe Ihm –
 
GÄRTNER.
Halten zu Gnaden – ich - - - ich entferne mich.
(Gärtner ab.  In der Thüre begegnet ihm Schiller.)
Zweiter Auftritt.
(Vogt. Schiller.)
 
SCHILLER.
Sie kommen nicht – mein Freund – begreifen Sie’s? Sie kommen nicht!
 
VOGT.
Geduld, sie werden kommen.
 
SCHILLER.
Dies ist ein Tag in meinem Leben, Vogt – Der glücklichste, ach – aber ganz unselig!
 
VOGT.
Wenn Sie heut’ Abend schlafen geh’n, amice, Dann, wett’ ich, sagen Sie: er war nicht das Und jenes nicht.
 

 

 
8
SCHILLER.
In Ihrer Herrin Hand
Liegt meiner Zukunft Unheil oder Heil.
Sie mög’ entscheiden; ich beuge mich.
Was hat die Edle schon für mich gethan!
Sie setzt des Fürsten Gnade auf das Spiel,
Die mir verloren, deren sie bedarf, -
Und bietet Schutz, ein Obdach bietet sie
Dem Freund- und Heimatlosen, dein Verbannten.
Und mehr noch – mehr!  Sie hält michtröstend aufrecht,
Und mild und ernst, wie eine gute Mutter,
Ruft sie mir Muth und Rath und Warnung zu.
Sie thut so viel – o Freund, es ist unmöglich,
Das sie all’ dies um meinetwillen thut –
Ich bin ihr werth, weil ich es Lotten bin
 
VOGT.
Der Raptus! taucht er wieder auf?
 
SCHILLER.
Vogt! Vogt!
 
VOGT.
Sie kennen meine Meinung von der Sache;
Ich möcht’ nicht oft Gesagtes wiederholen.
 
SCHILLER.
Und ich nicht oft Gehörtes wieder hören.
 
VOGT.
Doch sollten Sie, und gäbe Gott, es nütze!
 
SCHILLER.
Der Freundin Mund allein fällt hier den Spruch.
 
VOGT.
Sie wähnen sich geliebt – mag sein – mag nicht - -
Es ist noch weit von eines Mädchens Thräne
Bei’m Abschied von dem Jugendfreund des Bruders
Bis zu der Mutter Segen...
 

 

 
9
SCHILLER.
O genug!
 
VOGT.
Man bricht so leicht nicht mit dem Vorurtheil;
Ein Fräulein von Wolzogen ward noch nie
Vermält an einen Dichter.
 
SCHILLER.
Alles was
Auf dieser Welt geschieht, geschieht einmal
Zum erstenmal.
 
VOGT.
Lockt Sie’s voranzuschreiten
Auf neuer Bahn, die noch zu brechen ist?
Es geht sich besser auf getret’nem Pfad.
 
SCHILLER.
Im allgemeinen – das nicht jedem paβt.
 
VOGT.
Mein junger Freund – fort mit deinem eitlen Träumen!
Und machen Sie es meinem Sohne nach.
Der wählt aus seinem Stande sich ein Mädchen,
Die Tochter eines schlichten Mufitus;
Ein schönes Kind und einfach, brav und klug.
Kein sich’res Los hat er ihr noch zu bieten –
(Er ist so alt wie Sie, just dreiundzwanzig) –
Und darum wirbt er nicht; er strebt und ringt
Nach einem, freilich nur bescheid’nen Ziel,
Doch wenn er sich’s errungen, darf er sagen:
„Hier ist mein Herd, hier schalte Du als Weib!
Mein Reich ist klein, allein es ist das meine,
Ich hab’s erworben Dir zu lieb und Dienst.“
 
SCHILLER.
Nun, lieber Vogt! unendlich ist mein Reich!
 
VOGT.
Doch, vor der Hand – noch nicht von dieser Welt.
         (Pöllerschüsse. Zurufe aus der Ferne.)
 

 

 
10
VOGT.
Sie kommen!
 
SCHILLER.
Ja!...
 
VOGT.
Ich eile – folgen Sie! (Volg rasch ab.)
 
SCHILLER.
(macht eine Bewegung, als ob er folgen wollte, bleibt dann plötzlich stehn).
Wie angewurzelt!... Da steht der Phantast! - -
Ist’s lange her, daβich geschworen hätte,
Mir wüchsen Flügel? flieg ihr nun entgegen! –
         (Laucht hinaus.)
Der Wagen hält... Ihr Fuβbetritt den Boden –
Denselben Boden, Himmel, der mich trägt!...
         (Hochrufe wiederholt, immer lauter.)
O, ruft nur! ruft nur zu! – Die Stimme hier,
Die keiner hört, jauchzt volleres Entzücken
Als eure laute Luft ausjubeln kann!
         (Schritte und Stimmen ganz nahe.)
Sie kommt – hinweg – wohin verberg’ ich mich?
 
Dritter Auftritt.
Der Vorige. Henriette, Charlotte, Vogt.
 
HENRIETTE (auf der Schwelle).
Welch ein empfang – habt Dank! habt Dank!
 
LOTTE (die Schillern zuerst erblickt).
Da ist er!
 
SCHILLER.
Oh!
 
HENRIETTE.
Schiller!
 
SCHILLER.
Freundin!- Beste! – Gütigste –
Charlotte!

 

 
11
CHARLOTTE.
Lotte! – immer noch wie einst.
Sind wir nicht mehr die alten guten Freunde?
Nun – reden Sie!
 
SCHILLER.
Iche habe keine Worte.
 
VOGT.
Herrgott! – und der – der will ein Dichter sein!
 
SCHILLER.
Er will – will nicht – hier hört das Wollen auf.
 
HENRIETTE.
Sie sind bewegt? Sie leiden?
 
SCHILLER.
Ich?... O wenn
Das leiden heiβt – dann, Freude, fahre wohl!...
Mein Gott, so lang die tiefste Einsamkeit,
Und plötzlich: Sie!... Ich muβes fassen erst,
Das Wunder und das Glück, daβSie es sind...
Mich finden erst – erst zu mir selber kommen! – (Rasch ab.)
 
CHARLOTTE.
Was fehlt ihm denn?
 
VOGT.
O dem fehlt viel!
 
HENRIETTE. (für sich).
Sehr seltsam –
(zu Vogt.)
Verstehen Sie...?
 
VOGT.
Ja leider, nur zu gut.
 
HENRIETTE.
Nun dann erklären - -
 

 

 
12
VOGT.
Wohl. Ich werde – (auf Charlotte deutend) später.
 
HENRIETTE.
Es thut mir weh, ihn so zu finden, Vogt,
Und eben jetzt, in diesem Augenblick...
         (Abbrechend.)
Ich hab’ von Dalberg einen Brief an ihn,
Der ihn beruft nach Mannheim
 
VOGT.
In ein Amt?
Ein Amt, das Brot gibt, seinen Mann ernährt?
 
HENRIETTE.
Wir wollen’s hoffen.
 
VOGT.
Er wird angestellt?
Warum nicht gar! Ich bitte Ihro Gnaden,
Wird angestellt, als – was?
 
HENRIETTE.
Als Dichter.
 
VOGT.
Oh!
Mehercle!...
 
HENRIETTE.
Als Theaterdichter.
 
VOGT.
Hm!
Und davon hoffen Ihro Gnaden – Brot?
 
CHARLOTTE.
Ja! Brot für ihn, für uns – Ambrosia.
 
VOGT.
Von allem was der Jüngling je gewagt,
Schent dieser Schritt mir das gewagteste!
 

 

 
13
HENRIETTE.
Und darum darf er ihn nur freudig thun,
Aus eig’ner Wahl, aus tiefstem Herzensdrang.
Blickt er zurück nach dem, was er verläβt,
Wirft er nicht ohne Zagen und Besinnen
Sich in die Arme seinem Genius,
Mit jener festen Siegeszuversicht,
Die den Triumph verkündet und verleiht –
Dann ist’s vorbei.
 
VOGT.
Noch eh’ es angefangen.
Ich frag’ in Demuth:- wär’ das Unglück groβ?
Indem sich Schiller in das Ausland wendet,
Vollzieht er ganz den Bruch mit seinem Fürsten,
Und dazu, schwant mir, räth man besser – nicht.
Er hat auch so sich schwer genug verkündigt...
Ein Carlsschüler – der „die Räuber“ schreibt,
Und „die Verschwörung des...“ Wie heiβt er doch? –
 
CHARLOTTE.
Fiesco! Ein republikanisch Trauerspiel.
 
VOGT (schlägt die Hände zusammen, mit Verzweiflung).
Republikan... O tempora, o mores!-
Ein Feldscheer, der sich Heimlich absentirt,
Ein Unterthan, der den Gehorsam bricht,
Und schuld’ge Ehrfurcht an den Nagel hängt.
Ein Sohn – der einzige des bravsten Vaters,
Der sll sein Hoffen nur auf ihn gesezt
Und ihn schon sah, als Doctor und Soldat –
Ein Weiser und ein Held! – denselben Sohn,
Der jetzt – dem Himmel sei’s geklagt – sich der
Poeterei ergibt, Gedichte macht,
Und Schulden, um – um (mit Respekt zu sagen)
Den Quark dedruckt der Welt zu offeriren.
 
CHARLOTTE.
O der Barbar!
 

 

 
14.
VOGT.
Mit Gunst – ich liebe ein
Gedicht – (besonders wenn’s lateinisch ist) –
Wenn zum Vergnügen man es schreibt und liest.
Ich hale wenig drauf – als Broterwerb;
Hans Sachs, der gute Schuster und Poet –
Das war ein Mann! der trieb’s in rechter Weise!
Es gab sein Handwek seiner Kunst zu essen:
Zuerst der Stiefel – hernach das Gedicht! –
Doch unser Doctor, der ist and’rer Meinung,
Der sagt: erst Poesie, dann – Recipe.
 
HENRIETTE.
Die Medizin ist seine Stärke nicht.
 
VOGT.
Die freilich nicht.  Er hat es weit gebracht.
Zieht unter fremden Namen, arm, allein,
Ein Heimatloser durch die weite Welt –
Es ist ein Graus – und dabei denkt er noch...
Doch das – unter vier Augen.
 
HENRIETTE.
Nun? – was ist’s?
So sprechen Sie!...
 
VOGT (auf Charlotte deutend).
Ich bitte...
 
HENRIETTE.
Gut denn – gut;
So folgen Sie mir auf mein Zimmer.
         (Henriette und Vogt ab nach rechts.)
 
CHARLOTTE.
Ich unterdeβ, ich will...
 

 

 
15
 
Vierter Auftritt.
Die Vorige. Schiller.
 
SCHILLER (tritt Charlotten in der Thür entgegen).
Wohin, Charlotte?
 
CHARLOTTE.
In’s Freie, in den Garten, in den Wald!
 
SCHILLER.
Ich darf wohl mit?
 
CHARLOTTE.
O wenn’s gefällig ist?
Ich will Sie führen...
 
SCHILLER.
Lotte, liebe Lotte! –
Sie waren, als wir schiden, tief ergriffen,
Und jetzt – beim Wiedersehen...
 
CHARLOTTE.
Kommen Sie!
 
SCHILLER.
Ist dies das Auge, das in Thränen schwamm
Bei uns’rem letzten Lebewohl in Stuttgart?
 
CHARLOTTE.
Ich wüβte nicht, daβes and’res wäre.
 
SCHILLER.
Sie können scherzen?
 
CHARLOTTE.
Ei! wie frohe Leute.
 
SCHILLER.
Worüber denn so froh?
 

 

 
16
CHARLOTTE.
Nun, daβich lebe
Und daβich es Mai ist die scheint.
 
SCHILLER.
Das vollste Glück, die innig tiefste Freude,
Die scherzen nicht.
 
CHARLOTTE.
Die scherzen nicht?
 
SCHILLER.
Sie sind so ernst wie Götter, und das Herz,
Das sie beseelen, die Unendlichen,
Empfängt sie wonnebebend – bebend ja –
Vor ihrer überird’schen Majestät.
 
CHARLOTTE (sieht ihn an; nicht verstehend).
Das wird wohl nur der Fall bei Dichtern sein.
 
SCHILLER.
Es ist der Fall bei jedem, der smpfindet,
Und warme Herzen fühlen alle glaich;
Des Dichters einzig Vorrecht bleibt, daβer,
Was alle fühlen, sagen kann allein.
 
CHARLOTTE.
Was alle... Nein! vielleicht doch alle – nicht.
Es gibt auch Leute, die sich gern bescheiden
Mit jener armen Freunde, welche – lacht.
Was mich betrifft zum Beispiel, lieber Freund,
Ich bin zufrieden mit der Heiterkeit,
Die mild und sonnig aus der schönen Welt,
Herein in meine off’ne Seele strömt.
Was Gott uns Gutes gibt, mir und den Meinen,
Ich nehm’ es dankbar hin.  Das Traurige
Das kommt von selbst, und kommt es nun so geb’
Ich ihm sein Recht – nicht minder, doch – nicht mehr;
Von meiner Freude aber halt ich’s fern.
 

 

 
17
Ich will nicht „selig“ sein, nur herzlich froh,
Und denke still: der Himmel ist gerecht;
Versagt er dir ein Uebermaβvon Glück,
Schickt er wohl auch kein Uebermaβvon Leid.
 
SCHILLER.
Das Heiβt, den vollen, gold’nen Becher: Leben
Mit kühlen Lippen flüchtig nur berühren. –
Nicht dazu ward er schäumend hingestellt!
Wir sollen kosten seinen tiefsten Inhalt,
Ihn leeren leeren sollen wir bis auf den Grund.
Erschöpfen alles was an Lust und Qual
Der Menschheit Pulse mächtig wogend schwellt,
Und vorwärts dringen, rastlos, unerschrocken,
In alle Tiefen und auf alle Höh’n!
Im edlen Kampf, im heiβgefürten Streit,
Schmilzt uns’res Wesens letzte Schlacke ab;
Der Frieden bleibt, den man im Sturm errang!
Aus Nacht und Dunkel, Irrthum, Wahn und Schmerz
Geht rein und frei der lautr’e Mensch hervor –
Der Gott in ihm wird so, nur so geboren.
 
CHARLOTTE.
Ich wiederhol’s: es ist ein Unterschied –
Das ist für Sie... für and’re – anderes
 
SCHILLER.
Zufrieden nicht sei mit gemeinem Lose,
Dem edle Gaben das Geschick verlieh.
Dein ist die Seele, höchsten Schwunges fähig,.
Das reine Herz, der sonnenklare Geist:
O zwinge sie nicht nider in den Staub –
Empor zur Heimat, Engel! – auf zum Licht!
Ich liebe Dich – vertraue Dich mir an.
Ich will Dich führen zum Vortrefflichen,
Zum Quell des Schönen will ich cich erheben!
 
CHARLOTTE (verwirrt erschrocken).
Mein Gott! – o Schiller – Schiller –
         (Henriette ist während der letzten Reden eingetreten.)
 

 

18
CHARLOTTE.
(erblickt sie, eilt auf sie zu und wirft sich in ihre Arme).
Mutter!
 
HENRIETTE.
Geh’ mein Kind.
         (Charlotte ab.)
 
 
Vierter Auftritt.
Henriette. Schiller.
 
SCHILLER.
Charlotte! – Mädchen!
         (Will ihr nachstürzen.)
 
HENRIETTE (tritt ihm in den Weg).
Bleiben Sie... Sie bleiben!
 
SCHILLER.
O himmel! – ich – Vergebung, theure Frau –
Ich liebe – die Empfindung riβmich hin –
Ich liebe sie und ich gestand es ihr.
 
HENRIETTE.
Auf Gegenliebe hoffend –
 
SCHILLER.
Ihrer fast –
Sie zürnen, Freundin? – Ihrer fast gewiβ!
 
HENRIETTE.
Weil Lotte, als Sie Abschied nahmen, weinte?
Es Fällt mir schwer, aus allen Ihren Himmels
Mit einem einz’gen Worte Sie zu reiβen. –
An jenem Tag’, mein Freund, da kamen Sie –
Sie kamen nicht allein.
 
SCHILLER.
Mit Winkelmann,
Der gleichfalls schied –
 

 

 
19
 
HENRIETTE.
- Ihm galten Lotten’s Thränen.
 
SCHILLER.
Oh! – ich bin blind!... Ihm galten sie – ihm ihr
Erröthen, ihr Erblassen – alles ihm!
 
HENRIETTE.
Er weckte in des Mädchens jungem Herzen
Die erste Regung, die der Liebe gleicht,
Nicht Liebe ist.
 
SCHILLER.
Nicht – Liebe - - ?
 
HENRIETTE.
Jenes
Halb unbewuβte, traumhafte Gefühl,
Dem Fantasie das luft’ge Dasein gibt,
Das seinen ganzen Reichthum ihr verdankt,
In einem Blick den höchsten Ausdruck findet,
Und immer fast – unausgesprochen stirbt.
 
SCHILLER.
Das sagen Sie – und jetzt – und sagen mir’s?
 
HENRIETTE.
Ich thue mehr – ich sage Ihnen, Schiller,
In dieser Einsamkeit, die Ihre Nähe,
So schön und reich mit allem schmücken wird,
Was uns entzücken und begeistern kann,
Geliebt von Ihnen, den sie bewundert,
Wird Lotte Ihrem Einfluβnicht entgeh’n.
 
SCHILLER.
Was soll das – groβer Gott - ?
 
HENRIETTE.
Allein – erwägen Sie
Das Wort, das nun ich spreche, denn für immer,
Für’s ganze Leben sprech’ ich’s aus -: Allein,
 

 

 
20
Selbst wenn das Kind Sie liebte, nie würd’ ich
Zu dieser Neigung meinen Segen geben.
 
SCHILLER.
Sie spielen fürchterlich mit meinem Herzen!
 
HENRIETTE.
Mein Freund – Ihr beide seid nicht für einander.
Der Dichter, mit dem nie erfüllten Streben,
Mit seinem Drang in’s Unermeβliche,
Das heit’re Mädchen mit der weichen Seele:
Ihr muβdas Dasein sanft und ruhig flieβen
In der Beschränkung schützend stillem Frieden;
Zerstören würde sie ein rauh’ Berühren.
Sie aber, haben Frieden nicht zu bieten,
Es ist der Kampf Ihr heimlich Element,
In Ihnen ringt der Genius der Welt.
Lebendig auferstanden, will durch Sie
Ein neuer Geist, der Zeit sich offenbaren.
Er kommt in Sturme, in der Wtterwolke –
Sie sind sein Priester, sein Verkünder Sie!...
 
SCHILLER (fällt ihr in’s Wort).
Das alles glaubt’ ich einst!
 
HENRIETTE.
Und Leute gibt’s,
Die glauben es noch jetzt.  Hier der Beweis!
         (Gibt ihm Dalberg’s Brief.)
Erschlossen liegt vor Ihnen jetzt die Laufbahn,
Von der so stolz Sie träumten – Dalberg ruft!
 
SCHILLER (wirft den Brief auf einen Tisch).
Der zagende, der unentschloss’ne Dalberg?
Der mich verlieβin meiner gröβten Noth,
Der Mann der Rücksicht, der da krittelt, mäkelt
An jedem freien Wort? – der den „Fiesco“
Also verstümmelt auf die Bühne brachte,
So zahm und sanft, daβkeiner mehr in ihm
 

 

 
21
Den heiβen Funken wiederfinden kann,
Der aus den Räubern hell und lodernd sprühte?
 
HENRIETTE (dringend, überredend).
Doch Dalberg ist besiegt, und halb und halb
Versöhnt ist Herzog Carl.  Heute noch,
In dieser Stunde noch, erwart’ ich Reinwald,
Der die Verzeihung Ihres Fürsten bringt.
 
SCHILLER.
Verzeihung? – o vollkommen wird sie sein,
Wenn hin zu ihm och trete und ihm sage:
Ich füge mich.  Dein Wille, Herr, geschehe –
Was Du an mir gehaβt, das war der Dichter; -
Der Dichter ist gewesen.
 
HENRIETTE.
- Und Ihr Ehrgeiz?
Der Ruhm, den Sie gehofft?
 
SCHILLER.
Mit welchem Recht? –
Schon lange nagt, nie ruhend, mir am Herzen
Die Qual des Zweifels an der eign’nen Kraft. –
Ich hab vielleicht mich thöricht überschätzt,
Ich bin vielleicht.. Hinweg damit – hinweg!
Ich bin nichts, will nichts sain als nur geliebt,
Von ihr geliebt... Und daβich’s werden könnte,
Sie sprachen es – und dieses Wort durchflammt
Die Nacht in mir! – löst jeden Widerstreit,
Zeigt mir den Weg zum Heile und zum Himmel
 
HENRIETTE.
Das eine Wort?... Sie hörten nur das eine? –
Ich sprach es als Befürchtung aus, nicht als
Verheiβung.
 
SCHILLER.
Gott!... Wie war mir doch?  Befürchtung?...
Ich fasse endlich - - ich begreife – Lotte!
Ich steh’ zu tief für dich – bin zu gering!
 

 

 
22
HENRIETTE.
Zu tief? O nein!... Sie stehen ihr zu hoch;
Zu wenig nicht, Sie sind zu viel für sie.
 
SCHILLER (bebend in gröβter Bewegung).
Dem Menschen Schiller wäre sie erreichbar?
 
HENRIETTE.
Dem Dichter Schiller muβich sie verweigern,
Und beide scheinen unzertrennlich mir.
 
SCHILLER.
Da liegt der Irrthum! – da liegt auch die Lösung!...
Muβich ein Dichter sein? – Daβich’s sein wollte,
Das war so lang ich denke oder – lebe,
Mein Unglück, meine Qual! – Im namen dessen,
Was ich und and’re meinen Genius nennen,
Kam jedes Leid, das ich erfuhr, heran;
Und jeder Stachel, der mich tief verletzte,
In seinem Namen ward er eingesenkt!
Was keine Zunge nennt, hab’ ich gelitten,
Um ihn! durch ihn!
 
HENRIETTE.
Ein nichts – vergleichen Sie’s
Mit der Verzweiflung, Freund, ihm zu entsagen.
 
SCHILLER.
Zählt ihr für nichts die Thränen meiner Mutter,
Des Vaters Zürnen und des Fürsten Groll?...
O dieser Fürst!... Ich habe ihn geliebt,
Er war mir wie ein Gott.  Ich riβmich schwer
Von ihm los – und that es doch!…
O alles – alles!... um ein Traumgebild –
Ein Ideal, das unerreichbar schön
Vor meinem trunk’nen Auge leuchtend schwebte. –
Der Schleier reiβt – der Zauber ist gebannt –
Ich kehr’ zurück, zur langentbehrten Heimat,
Zu meinen Brüdern, zu der Wirklichkeit! –
Auch ich will glücklich sein – ich war es nie...
 

 

 
23
Es lechzt mein Herz und Freundschaft und nach Liebe;
Mir schaudert vor der eisigkalten Höhe,
Auf der ich einsam und entsagend stand;
In Eure Mitte tret’ ich -: Nehmt mich auf!
 
HENRIETTE.
Sie täuschen sich – Ihr stürmisches Gefühl,
Es reiβt Sie hin.  – Wir haben für Welt,
Die Sie uns opfern wollen, Ihnen nichts
Des Opfers Werth, zu bieten – und darum...
 
SCHILLER.
Es ist beschlossen, Freundin – ist beschlossen –
Für ewig schwör’ ich den Poeten ab,
Ich will nichts mehr als leben hier, hier sterben!
         (Gärtner kommt.)
 
GÄRTNER.
Der Bibliothekar aus Stuttgart kommt,
Herr Reinwald, gnäd’ge Frau.
 
HENRIETTE.
Herein! Herein! (Gärtner ab.)
 
Sechster Auftritt.
(Henriette. Schiller. Reinwald.)
 
HENRIETTE.
Willkommen, Reinwald! tausendmal willkommen!
 
REINWALD.
Verehrte Frau!... Mein Schiller!...
 
SCHILLER.
Sei gegrüβt
 
REINWALD.
In schlechter Laune? – Schade, lieber Freund,
Ich bringe nicht, was sie verbessern kann.
         (Zu Henriette.)
Sie seh’n mich tief ergriffen –
 

 

 
24
HENRIETTE.
Gott! – der Herzog...
 
REINWALD.
Ein schwerer Schlag trifft ihren armen Vogt –
Ich komme ihn zu holen – geben Sie
Ihm Urlaub.
 
HENRIETTE.
Vogt?
 
REINWALD.
Sein Sohn verzweifelt.
 
HENRIETTE.
Was ist gescheh’n?
 
REINWALD.
Das Mädchen das er liebte –
 
HENRIETTE.
Ich weiβ: die Tochter eines Musikus,
Und seine Braut.
 
REINWALD.
Nicht seine Braut, noch hatt’
Er nicht gewagt, um ihre Haus zu bitten.
Die stille Neigung, die er ihr bewies,
Hiel sie für Freundschaft wohl.  Ein anderer
Befaβihr Herz, hatt’ es in Sturm gewonnen.
 
HENRIETTE.
Und dieser and’re ist?
 
REINWALD.
War Ferdinand
Von Böller, des Ministers Sohn.
 
HENRIETTE.
Von Böller?
 
REINWALD.
Des Vaters Stolz, Major in frühen Jahren,
Vom Herzog für ein glänzend Los bestimmt.
 

 

 
25
SCHILLER.
O ja! o ja!  Die Stufen, welche and’re
Mit heiβem Ringen nicht erklimmen können,
Im Schlafe werden sie hinaus gehoben!
 
REINWALD.
Doch diesmal kam das Glück an einen Menschen,
Der von sich weist des blinden Zufalls Gaben.
Den Vorurtheilen der Geburt zum Trotz,
Tritt er als Freier um das Geigerskind
Vor den erstaunten Musikus.
 
SCHILLER.
Und – der?
 
REINWALD.
Nicht seinem Ohr, nicht seinem Auge trauend –
Weist ihn an des Ministers Excellenz.
 
HENRIETTE.
Wie sich’s geziemte.
 
REINWALD.
Feile Späher hatten
Von dem Verhältniβseines Sohn’s schon längst
Dem Herrn Baron die Kunde zugetragen.
Doch zählend auf der Jugend Unbestand,
Fand er für gut, darüber still zu schweigen.
Als Ferdinand ihm kühn entgegen tritt
Und von dem Mädchen nie zu lassen schwört,
Da übermannt wild rasend ihn die Muth.
Er droht dem Sohn mit Fluch, dem Geiger mit
Dem Arbeitshaus, der Tochter mit dem Pranger.
 
SCHILLER (in höchster Spannung).
Und – der Major?
 
REINWALD.
Bleibt unerschütterlich. –
Und nun thut der Baron das Unerhörte:
 

 

 
26
Des Mädchens Tugend weiβer zu verdächt’gen,
Stellt, durch verruchte Künste sie
Dem Liebenden als eine – Dirne hin.
 
SCHILLER (stärker).
Und - der Major?
 
REINWALD.
-          Ein Jüngling, lieber Freund,
Bisher vom Glück getragen, dem der Wunsch
Stets nur erschien als Bote der Erfüllung –
Er ist zum Kampf mit einem solchen Meister
-          Dem Pfaffen der Gewalt, dem Helden der Kabale –
Gerüstet nicht und nicht – verderbt genug.
Er unterliegt – er glaubt die Lüge – doch
Er überlebt sie nicht.  Für ihn gibt es
In dieser Welt nur die Geliebte, oder –
Den Tod.  An ihr verzweifelnd wählt er –
 
SCHILLER (schreit auf).
Tod?!...
Und – sie?
 
REINWALD.
Das Mädchen starc mit ihm.
 
HENRIETTE.
Entsetzlich!
 
SCHILLER.
-          Sie starb mit ihm.  Ja – die Vermälung war
Entsetzlich, aber ewig; Ihre Liebe,
So warm wie Leben, grenzenlos wie die
Unendlichkeit!... Und diese beiden Menschen,
Die sich gefunden unter Tausenden
In einem einz’gen herrlichen Gefühl,
Der schönsten Blume und der seltensten,
Die auf des Daseins harten Pfaden sprieβt –
Sie muβten sterben – und warum? Warum?...
Nicht, weil ein groβes Schiksal sie zermalmt,
 

 

 
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Dem man sich beugt, weil es ein groβes ist;
-          Um einen Wahn – dem Unsinn starben sie!...
O Menschen! Menschen! wohin geht die Welt? –
Die Narrheit wirft die Pritsche weg und greift
Zum Richterschwert,
Die Schellenkappe läutet Todte ein!
 
REINWALD.
-          Du schweisst in’s Maβlose.
 
HENRIETTE.
Nicht also – Freund…
 
SCHILLER.
„In’s Maβlose?“... „Nicht also?“... Ihr erbebt
Wie ich – Ihr leidet – so wie ich, und weint
Und schweigt?! und lebt getrost in Ruhe weiter,
Als wäre nichts gescheh’n, als was da muβ?!
 
REINWALD.
Was sollen wir –
 
HENRIETTE.
Was können andres wir
Als weinen denn und schweigen – schweigend leiden? –
 
SCHILLER.
Kein Unrecht gäb’s, gäb’s keinen, der es duldet.
Der Bosheit Kinder zieht die Feigheit groβ,
Und solch ein Mann, wie jene Excellenz –
Wir kennen ihn von länger, als von heut’ –
Lebt von der Dumpfheit derer, die er quält;
Ich will sie wecken alle, welche schlafen!
Ihn aber zieh’n vor einen Richterstuhl,
Vor dem er endlich zittern lernen soll. –
Erbärmlicher!  Du drohest mit dem Pranger?
Dein Pranger steht und fällt an einem Tag;
Den Schandpfahl, Mann!  an welchen ich Dich binde,
Versehrt kein Blitz, kein Sturmwind reiβt ihn um,
 

 

 
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Vergeblich rauscht an ihm vorbei die Zeit.
Ich will der Erde Deine Schmach verkünden,
Ich will ein Bild in Flammenzügen malen,
In dem nach hundert noch und hundert Jahren,
Das Laster schaudernd sich im Spiegel sieht!
 
REINWALD.
Bedenke nur bedenk’ – daβDu – daβich…
 
SCHILLER.
Du? Ich? – O reinwald! was bist Du und ich
In einer Welt, in der noch Millionen
Aus allen Adern schwer und schmerzlich bluten?
Kein Ich und Du! es gibt kein eig’nes Leid;
Der Menschheit Jammer, der allein thut weh! –
 
HENRIETTE.
O Dichter! – das sind Sie – Sie sind es wieder.
 
SCHILLER.
Sie hatten recht.  Für mich ist nicht der Friede,
Fern bleibe mir, der ihn genieβen will.
An’s Werk, Poet!
         (Nimmt Dalberg’s Brief.)
Du kamst zur rechten Zeit.
 
HENRIETTE.
Nach Mannheim, Schiller!
 
REINWALD.
Ziehe hin getrost.
Der Herzog hindert Deinen Flug nicht mehr;
Ein warmes Wort versöhnt ihn – sprich es aus.
 
SCHILLER.
Es soll gescheh’n, dereinst, bis ich geworden
Mehr als zu sein er je mir zugetraut.
         (Drauβen aus weiter Entfernung Gesang.  Chor aus den Räubern.)
 

 

 
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GÄRTNER (kommt gelaufen).
Studenten aus Heidelberg!  Eine ganze Schaar!  Sie sind gekommen, um den Herrn Doctor abzuholen und nach Mannheim zu führen, den Herrn Doctor, der nicht mehr Ritter, sondern Schiller heiβt! (Ab.)
         (Der Gesang näher.  Donnernder Hochruf.)
         Hoch Schiller!
 
HENRIETTE.
Der Freunde Segen, er begleit ihn,
Entgegen jubelt ihm des Volkes Liebe:
Mit seinem Lied, mit diesen Klängen grüβt
Die deutsche Jugend ihren Freiheits-Dichter! –
 
CHARLOTTE (kommt).
Was hör ich Schiller? Sie verlassen uns?
Und ohne Abschied?
 
HENRIETTE (ihr entgegen).
Meine Tochter!
 
SCHILLER (zugleich).
Kleine Lotte!
(Steht vor ihr in heftiger Bewegung, dann, sich mit Gewalt fassend, tritt er näher und legt die Hand auf ihr Haupt.)
Behüt’ Dich Gott, der Gott, von dem Du glaubst,
Daβer nur Gutes Dir gewähren kann;
Und mög’st Du nie und nimmer kennen lernen
Den Schmerz, der lacht, die Freude, welche weint!
 
GÄRTNER (kommt).
Kommen Sie, Herr Doctor!  kommen Sie! die drauβen können’s nicht erwarten!
 
CHARLOTTE.
Sie geh’n?
 
SCHILLER.
Unendlich arm, unendlich reich.
 
CHARLOTTE.
Sie kommen wieder!  Hier sind Sie daheim,
Hier liebt man Sie...
 

 

 
30
HENRIETTE.
Charlotte –
 
SCHILLER.
Sei’n Sie ruhig –
Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder.
- Ihr alle, die mir ihn verschöhnt, habt Dank
Und lebet Wohl.  Mich treibt’s hinweg, zu ringen
Für Euch, für Eurer Güter heiligste
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Leih mie die Waffen zum Erlösungswerke,
Dein Flammenschwert leih’ mir, o Poesie!
Ich schwing’ es kühn, den Guten eine Leuchte,
Ein Wetterstrahl den Nied’ren und Gemeinen,
Der tödtlich niederzuckt!  Leih’ mir die Waffen –
Den Sieg verleiht die Kraft – ich fühl’ die meine!
 
Lebt wohl! – geliebt und wohl!  Die Heimat sei
Euch süβ!  Ich aber – fort in Sturm und Drang –
Die Welt mein Haus, die Menscheheit meine Liebe!
         (Indem er sich zum abgehen wendetm und die andern eine Gruppe             bilden fällt der Vorhang.)
 
 
 
 
 
 

Bibliographic Information
Publication Date: 
1872
Publication Place: 
Wien
Number of Pages: 
29 page(s)
Press: 
Verlag von F. Rosner
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