Familienbriefe mit einem biographischen Anhang (Letter collection)

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mariatheresafamilien

 

Familienbriefe
Mit einem biographischen Anhang

von

Maria Theresia

 

 

Verlag Ullstein & Co
Berlin und Wien

This text was prepared and edited by
Elizabeth McFarland, Brigham Young University

Inhalt

Selected letters

45   An Marie Antoinette
104   An Gräfin Rosalie von Edling
115   An Gräfin Enzenberg
132   Aus der Instruktion für die Erzherzogin Karoline
152   An Erzherzog Leopold und seine Gemahlin

An Marie Antoinette

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An Marie Antoinette

Geboren 1755, wird sie mit fünfzehn Jahren, 1770, dem sechzehnjährigen Dauphin von Frankreich vermählt, um in Paris die Interessen der österreichischen Politik zu vertreten. Mit neunzehn Jahren, 1774, wird sie Königin des zerrütteten Landes. 1789 steht sie, durch jugendliche Unbesonnenheit bloßgestellt, durch französische Leichtfertigkeit verdorben, mit ihrem Gemahl, Ludwig XVI., den sie geistig überragte und beherrschte, ratlos vor der Empörung des Volkes; versucht, 1791 zu entfliehen, wird 1792 abgesetzt und eingekerkert, Januar 1793 von ihrem Sohne, ihrer Tochter und ihrem Gatten getrennt, dem sie als Landesverräterin, als ,,Österreicherin” am 16. Oktober desselben Jahres in würdiger Haltung auf das Schafott folgt. – Diesen unheilvollen Lebenslauf hat Maria Theresia nur bis 1780 begleiten können, aber nirgends offenbart sich ihr mütterlicher Scharfblick und ihre weibliche Intuition so deutlich, wie in ihren Briefen nach Versailles und Paris, in denen sich die Sorge allmählich bis zur bestimmten Ahnung einer düsteren Zukunft steigert. Den Briefen an die Tochter gehen parallel solche an den Grafen Mercy d’Argenteau, Maria Theresias Vertrauensmann in Paris, der über Marie Antoinettes Betragen genauestens zu berichten und Verhaltungsmaßregeln an sie weiterzugeben hatte. Er wird im folgenden mehrfach erwähnt.

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Schönbrunn, den 1. November 1770.

Meine liebe Frau Tochter! Dieser ewige Kurier ist gestern endlich um 9 Uhr abends angekommen und hat mir Ihre lieben Nachrichten gebracht. Gott sei Dank, daß nach Aussage Ihres Kuriers, der sich in Ihrem Gefolge befand, Ihre Gesundheit standhalt, er findet Sie größer und stärker geworden. Hätten Sie mir nicht versichert, daß Sie jetzt ein Korsett tragen, so wäre ich durch diesen Umstand beunruhigt worden, aus Furcht, daß Sie, wie man deutsch sagt, ,,auseinandergehen, schon die Taille wie eine Frau, ohne es zu seyn”. Ich bitte Sie, vernachlässigen Sie sich nicht, in Ihrem Alter gehört sich das nicht, in Ihrer Stellung noch weniger, das zieht Unsauberkeit, Nachlässigkeit und sogar Gleichgültigkeit in allen anderen Verrichtungen nach sich, und das wäre zu Ihrem Schaden; aus diesem Grunde quäle ich Sie so, und ich kann gar nicht genug tun, um den geringsten Umständen vorzubeugen, die Sie in Fehler verfallen lassen könnten, an denen die ganze königliche Familie von Frankreich seit langen Jahren leidet: sie sind gut, für sich selbst tugendhaft, aber nicht dazu gemacht, sich sehen zu lassen, den Ton anzugeben, oder sich auf anständige Weise zu amüsieren, was die gewöhnliche

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Ursache der Verirrungen ihren Oberhäupter gewesen ist, die, weil sie keine Quelle für ihre Zerstreuungen in ihrem Hause fanden, glaubten, diese außerhalb und anderswo suchen zu müssen. Man kann tugendhaft und doch zugleich lustig und gesellig sein; schließt man sich aber so ab, daß man nur wenige Menschen um sich hat, passiert es (ich muß es Ihnen zu meinem größten Bedauern sagen, daß Sie so etwas hier in letzter Zeit bei uns sehen konnten), daß Unzufriedenheit, Eifersucht, Neid und Klatsch entsteht. Wenn man aber in einem großen Kreise lebt, wie es hier vor fünfzehn oder zwanzig Jahren der Fall war, so vermeidet man alle diese Unzuträglichkeiten und fühlt sich an Leib und Seele wohl. Man wird hier für die kleinen Unannehmlichkeiten, denen man ausgesetzt ist, durch die Zufriedenheit und die gute Laune, die ein solches Benehmen hervorruft, reichlich belohnt. Ich bitte Sie also als Freundin und als Ihre zärtlich liebende Mutter, die aus Erfahrung spricht, vernachlässigen Sie sich weder in ihrer Erscheinung, noch in der Repräsentation, Sie werden es sonst, wenn es zu spät ist, bedauern, meine Ratschläge mißachtet zu haben. Folgen Sie in diesem einzigen Punkte weder dem Beispiel noch den Lehren der Familie, Ihnen kommt es zu, in Versailles den Ton anzugeben, Sie haben den besten Erfolg gehabt,

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Gott hat Sie mit so viel Grazie, Sanftmut, und Geschmeidigkeit bedacht, daß jedermann Sie lieben muß: das ist eine Gabe Gottes, Sie müssen sie sich erhalten; Sie brauchen sich nicht damit zu brüsten, aber Sie müssen sie pflegen zu Ihrem eigenen Glücke und dem aller, die zu Ihnen gehören.

Ich bin Ihnen sehr verbunden, daß Sie mich genau über Ihre Gebetbücher und Ihre geistliche Lektüre unterrichtet haben. Bossu ist herrlich, ich bin sehr zufrieden damit, aber Sie sagen, daß Sie in dem kleinen Buche lesen, das ich Ihnen gegeben habe; ist es das Stundenbuch von Noailles oder das kleine Buch: das geistliche Jahr? Verzeihen Sie mir diese Einzelheit, aber wenn man jemanden lieb hat, interessiert alles, und ich möchte mich mit Ihnen gemeinsam mit den geistlichen Übungen befassen, um meinen Eifer wieder zu erwecken, der nur zu sehr erlahmt, wenn man älter wird.

Ich würde mich auch sehr freuen, wenn ich über Ihre sonstige Lektüre mit dem Abbé unterrichtet würde, das könnte sogar hier oder in Toskana nützlich sein; zuküftig könnten Sie mir das Vergnügen machen, sie mir jeden Monat zu schicken, und um Ihnen die Mühe des Aufschreibens zu ersparen,

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könnte sie der Abbé auf ein besonderes Blatt schreiben, das Sie Ihrem Brief beilegen, oder wenn es Ihnen recht ist, könnte sie der Abbé auch Mercy übergeben, wie ich es mit diesem Tagebuch mache. Wenn Sie das umständlich und abgeschmackt finden, brauchen Sie es mir nur zu sagen und ich höre damit auf; aber da ich Ihre Anhänglichkeit an Ihr Vaterland und Ihre Familie kenne, fahre ich so lange damit fort, bis Sie mir sagen, daß Sie es nicht mehr wollen.

Marianne hat sich vollständig von ihrem Fieber erholt und es geht ihr besser als vorher. Sie nimmt an allen Jagden und Ausflügen teil, nur geht sie nicht ins Theater. Die Windischgrätz, die hier glücklich, aber recht abgespannt angekommen ist, hat mir bestätigt, wie liebenswürdig und hinreißend Sie sein können, wenn Sie wollen. Sie sagte mir, daß sie nicht ungezwungen mit Ihnen sprechen konnte, und daß Sie allen Grund hätten zufrieden zu sein. Aber, da sie auf die Dauer meinen Fragen eine wahrheitgetreue Antwort nicht vorenthalten konnte, hat sie mir eingestanden, daß Sie sich sehr vernachlässigen und sogar Ihre Zähne nicht sauber halten. Das ist ein Hauptpunkt, ebenso wie die Figur, die sie auch verschlechtert fand. Sie sind jetzt in dem

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Alter, in dem sich die Formen bilden, und das ist die kritischste Zeit; sie hat auch hinzugefügt, daß Sie sich schlecht anziehen und sie es gewagt hat, es Ihren Damen zu sagen. Sie schreiben mir, daß Sie zuweilen Kleider aus Ihrer Ausstattung tragen: welche davon haben Sie denn behalten? Ich habe daran gedacht, Ihnen hier Mieder oder Korsetts machen zu lassen, wenn Sie mir Ihr richtiges Maß einschicken wollen. Man sagt, daß die aus Paris zu fest sind; ich werde sie Ihnen durch Kurier schicken.

Ich bin entzückt von Ihrer Aufmerksamkeit, daß Sie mir das Vergnügen gemacht haben, mir den Brief der Königin zu schicken, der ihr ähnlich sieht: alles ist Herz bei ihr und sicher aufrichtig. Ich sende ihn zurück, denn er verdient aufbewahrt zu werden. Ich erkenne mein eigenes Blut in dem Kompliment wieder, das sie Ihnen für den König aufgetragen hat, und das Sie ausgerichtet haben.

Sie werden durch diesen Kurier das Geschenk empfangen, das Marianne für Sie bestimmt hat, und in einiger Zeit sende ich Ihnen den Tisch Maries,

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der sehr gut gelungen ist. Ich hoffe, daß eine gewisse Büste angekommen sein wird: es ist mir schwer geworden, sie herzugeben, aber ich hoffe, daß man mir dafür ein gutes Porträt, und besonders von der Hand Liotards schicken wird, der deshalb nur nach Paris geht, um mir ein solches zu senden. Ich bitte Sie, ihm genügend Zeit zu schenken, damit er es gut ausführen kann.

Meine liebe Tochter! Morgen wird ein sehr trostreicher Tag für mich sein, der mir seit fünfzehn Jahren nur Freuden verschafft hat. Möge Gott Sie noch lange Jahre zu Ihrem eigenen Glück und dem Ihrer Familien und Völker erhalten. Mercy teilt mir mit, daß Sie den Morgen des Fünfzehnten mit Andachtsübungen verbracht haben und fügt hinzu, daß Sie geglaubt haben, den Tag nicht auf bessere Weise feiern zu können. Stellen Sie sich vor, wie diese zarte Aufmerksamkeit mich gerührt hat, Sie sind solcher Züge fähig, aber Sie haben in Ihrem letzten Schreiben nichts darüber bemerkt; ich umarme Sie zärtlich, meine liebe Tochter, und gebe Ihnen meinen Segen. Ich verbleibe stets Ihre treue Mutter.

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P.S. Frau von Paar legt sich Ihnen zu Füßen, sie ist entzückt, daß Sie Ihrer gedachten, ebenso freut sie sich über die Tische; sie hat Sie sehr lieb.

*

Wien, den 2. Dezember 1770.


Man ist noch immer sehr mit Ihnen zufrieden, was für glückliche Augenblicke verschaffen Sie mir, mein liebes Kind! Die öffentliche Anerkennung würde mich nicht völlig beruhigen, aber der Herzog und die Herzogin von Aremberg können mir nicht genug Gutes über Sie berichten, jedoch besonders freut mich das Zeugnis Mercys, der zufrieden mit Ihnen ist.

Jetzt gelange ich zu dem Punkt, den Sie von mir erwähnt zu hören sicher schon sehr begierig sind: nämlich das Reiten. Sie haben Recht, wenn Sie glauben, daß ich es Ihnen mit fünfzehn Jahren nie zugestanden hätte; Ihre Tanten, die Sie mir als Zeugen nennen, fingen erst mit dreißig an. Sie waren die Töchter des verstorbenen Königs und nicht die Kronprinzessin; ich weiß ihnen wenig Dank dafür, daß sie Sie durch ihr Beispiel und ihr Entgegenkommen angereizt haben; aber Sie sagen, daß der König es billigt, ebenso der Kronprinz,

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damit ist für mich alles gesagt: sie haben Ihnen zu befehlen, in ihre Hände habe ich meine niedliche Antoinette gegeben: das Reiten verdirbt den Teint, und mit der Zeit wird Ihre Figur es spüren und noch mehr hervortreten. Ich gestehe, wenn Sie im Herrensitz reiten, woran ich nicht zweifle, finde ich es sogar gefährlich und schlecht, um Kinder zu bekommen, und dazu sind Sie berufen; dadurch wird Ihr Glück bestätigt werden. Wenn Sie wie ich im Damensattel reiten würden, hätte es weniger zu sagen: Unglücksfälle kann man freilich nicht vorhersehen: der der Königin von Portugal und mehrerer anderer, die seitdem keine Kinder mehr bekommen haben, beruhigen gerade nicht.

Nachdem ich Ihnen alles vorgestellt habe, werde ich nichts mehr darüber bemerken und es zu vergessen suchen, vorausgesetzt, daß die Zeitungen uns nicht von den Ritten der Kronprinzessin erzählen, was in jeder Weise unpassend wäre; aber ich nehme Sie beim Wort, und das darf eine große Fürstin nicht brechen; Sie schreiben mir dieselben Worte und versprechen mir: ich werde nie eine Jagd zu Pferde mitmachen. Das von Ihnen gemachte Anerbieten nehme ich an, und nur in Hinblick darauf will ich versuchen, mich zu beruhigen; aber keine Entschuldigungen und Ausflüchte mehr über diesen Punkt. Ich will nur hinzufügen, daß häufige lange Ausritte,

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selbst wenn Sie nur Schritt reiten, schon wegen des Sitzens im Herrensattel schädlich sind; eine Stunde Spazierenreiten ist reichlich genug, und ich ersah aus einem Brief, daß Sie Anfang November mehrere Tage zwei bis drei Stunden ausgeritten sind; das ist zuviel. Eines Tages werden Sie es einsehen, aber dann wird es zu spät sein. Welchen Grund sollte ich haben, Sie einer Sache zu berauben, die Ihnen Vergnügen macht, wenn ich die Folgen davon nicht kennen würde? Sie müssen mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ich jederzeit meinen Kindern die volle Freiheit und jedes mögliche Vergnügen verschafft habe, und sollte ich anfangen, es Ihnen zu trüben, Ihnen, die mir soviel Trost bringt? Aber erwarten Sie nicht, daß ich Ihnen noch fernerhin davon spreche, ich habe Ihnen alle meine Gründe dargelegt, die aus einem zärtlichen Mutterherzen kommen. Ich haben Ihnen die Unzuträglichkeiten gezeigt, Sie sind durch die Zustimmung des Königs gerechtfertigt, und alles ist für mich damit gesagt, ich werde Ihnen nichts mehr darüber sagen. Versuchen Sie, sich zu mäßigen, und folgen Sie meinen Ratschlägen, die nicht überflüssig sind, und ich halte mich an Ihr Wort, nie auf die Jagd zu reiten.

Ich erwarte das Bild von Liotard mit großer Sehnsucht, aber lassen Sie sich in Ihrem Staatskleid

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malen und nicht im Negligé oder in Männerkleidung, denn ich sehe Sie gern auf dem Platz, der Ihnen zukommt. Ich umarme Sie.

*

den 10. Februar 1771.

Meine liebe Frau Tochter! Da der Kurier erst vorgestern angekommen ist, wird dieser auch später kommen, besonders in dieser schlechten Jahreszeit. Sie waren glücklicher als wir und haben Schnee gehabt. Erst morgen werden wir eine Schlittenfahrt machen, und ich vermute, daß sie einen Tag später nicht mehr möglich sein würde, denn der Schnee begint schon zu schmelzen. Ich sende Ihnen die Liste der Teilnehmer; Sie finden Herrn von Palm als Kammerherrn darauf; um es zu werden, hat er für die Soldatenkinder 200 000 Gulden gegeben; das ist anständig. Die Palms sind gar nicht von geringem Adel, aber sie haben bürgerliche Frauen gehabt außer ihrer Mutter, die eine Plettenberg war.

Ich bin entzückt, daß Sie meinen Absichten in dem ziemlich delikaten Fall der Verbannung der Choiseuls zuvorgekommen sind; fahren Sie nur so fort und verleugnen Sie Ihren mildtätigen Charakter nicht. Lassen Sie sich nicht durch entgegengesetzte Beispiele verleiten, nehmen Sie den französischen Leichtsinn nicht an, bleiben Sie eine gute Deutsche,

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machen Sie sich eine Ehre daraus, es zu sein, und bleiben Sie die Freundin Ihrer Freunde.

Ich mache Ihnen mein Kompliment, daß Sie endlich Mut faßten, mit dem König von dem Auftrag zu sprechen, den ich Ihnen wegen Durfort gab, ich wußte gar nicht mehr, welcher Ursache ich diese lange Verzögerung zuschreiben sollte! Wenn Sie ihn sehen, können Sie ihm sagen, daß ich mich des Balkons noch erinnere, von dem aus wir die kleine Frau im Schlitten fahren sahen, und der Kälte, die ich ihn unwillkürlich erleiden ließ, weil sie mich nicht belästigt. Ingenhouse sagt mir, daß er Sie sehr gut aussehend und gewachsen fand, daß er die ganze Familie gesehen hat und sie alle gesund fand, aber gerade in einem Augenblick, wo er sich Ihnen aus Gründen der Etikette nicht nähern konnte, und daß ihm erst der Botschafter die Möglichkeit verschaffte, Sie zu sprechen. Ich kann es nicht glauben, daß ein Mann von unserem Hofe nicht Zutritt bei Ihnen haben sollte; Sie haben sich über so viel andere Vorschriften der Etikette hinweggesetzt, daß Sie diese nicht bestehen lassen werden.

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Ich erwarte Ihr Porträt sehr begierig. Ich fürchte sehr, daß der Karneval und das Reiten, das Sie, wie alle Zeitungen berichten, auch in der Kälte in der Reitbahn fortsetzen, es verzögert haben. Ich fürchte, daß Ihr Teint und selbst Ihre Figur darunter leiden, wenn Sie sich diesem Sport zu sehr hingeben. Ich bitte Sie, mir ehrlich zu sagen, ob Sie jetzt besser als hier tanzen, besonders die Kontertänze, man erzählt unendlich viel Schönes von diesen Bällen und, was mir am meisten Vergnügen macht, auch inbetreff des Kronprinzen, und man schreibt Ihnen diese Veränderung zu; wie glücklich sind Sie doch!

Es fängt mir an unangenehm zu sein, daß Sie nicht wirklich Kronprinzessin sind. Ich fürchte, daß die zukünftige Gräfin von Provence Ihnen zuvorkommen wird; man sagt unendlich viel Gutes von ihr, von ihrem ausgezeichneten Charakter und ihrer Sanftmut; ohne schön zu sein, hat sien, hat sie ein ausdrucksvolles Gesicht und eine sehr gute Figur.
Ungeduldig erwarte ich die Rückkehr dieses Kuriers, um etwas über Ihre Lektüre und Ihre Beschäftigungen zu hören; besonders in Ihrem Alter ist es erlaubt, sich zu amüsieren; wenn Sie sich aber mit nichts anderem beschäftigen, nichts Ordentliches und

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Nützliches tun und die Zeit mit Promenaden und Visiten totschlagen, werden Sie eines Tages bemerken, wie öde das alles ist, und sehr bedauern, Ihre Zeit nicht besser angewandt zu haben. Ich muß Ihnen auch gestehen, daß die Handschrift Ihrer Briefe alle Tage schlechter und weniger korrekt wird: in den zehn Monaten hätten Sie sich vervollkommnen müssen. Ich war ein wenig beschämt, als ich die Briefe, die Sie den Damen hier geschrieben haben, durch mehrere Hände gehen sah; Sie müssen mit dem Abbé oder irgendeinem üben, damit Ihre Hand sich besser ausbildet und Sie eine gleichmäßige Schrift bekommen.

Ich bin recht beruhigt durch das, was Sie mir von der Fortdauer der Aufmerksamkeit und Güte des Königs für Sie sagen: bemühen Sie sich, sie weiter zu verdienen, und glauben Sie, daß ich stets die Ihre bin.

*

Schönbrunn, den 17. August 1771.

Dieses Mal geht der Kurier ein wenig spät ab: ich habe eine Menge Verhinderungen gehabt, und ich fange an schrecklich alt zu werden, selbst zum Arbeiten brauche ich die doppelte Zeit, die ich früher nötig hatte. Ich habe Ihr sehr ähnliches Porträt im Pastell erhalten; es ist meine Freude und die der ganzen Familie; es hängt in meinem Arbeitszimmer

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und das andere in meinem Schlafzimmer, wo ich abends arbeite, so habe ich Sie stets bei mir und vor Augen: tief in meinem Herzen sind Sie immer.

Ungeduldig erwarte ich Ihre Antwort auf das, was ihnen Mercy von mir übermittelt hat, aber ich habe gesehen, daß Sie diese Unterhaltung bis nach der Abreise des Kuriers hinausgeschoben haben; aber, was mich etwas beruhigt, ist, daß Mercy mir mitteilt, daß Sie auf seinen Rat hin schon damit begonnen haben, die herrschende Partei höflich zu behandeln und sogar einige nebensächliche Redensarten an sie gerichtet haben, was eine herrliche Wirkung hervorgebracht hat. Ich verbreite mich nicht weiter über diesen Punkt, Mercy ist beauftragt, deutlich mit Ihnen zu sprechen. Aber ich bin entzückt, daß Sie so schnell auf seinen Rat eingegangen sind. Ich bin immer des Erfolges sicher, wenn Sie etwas unternehmen. Der liebe Gott hat Sie mit einer hübschen Erscheinung und so vielen Vorzügen ausgestattet, zu denen noch Ihre Güte hinzukommt, daß alle Herzen Ihnen gehören, wenn Sie etwas unternehmen und handeln; aber ich kann Ihnen doch meine Empfindlichkeit nicht verhehlen, da ich von allen Seiten und zu oft höre, daß Sie in der Höflichkeit und Aufmerksamkeit, jedem etwas Angenehmes und Passendes zu sagen und einen

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Unterschied zwischen den Personen zu machen, nachgelassen haben. Man sagt, daß Sie sich in dieser Beziehung sehr vernachlässigen, und schreibt es Mesdames zu, die es nie verstanden haben, sich Achtung und Vertrauen zu erwerben; aber schlimmer als alles übrige ist die Behauptung, daß Sie anfangen, die Leute zu verspotten und ihnen ins Gesicht lachen: das würde Ihnen unendlich nachteilig sein, und zwar mit Recht, denn man würde an Ihrer Herzensgüte zweifeln; um fünf oder sechs jungen Damen oder Kavalieren zu gefallen, würden Sie es mit allen übrigen verderben. Dieser Fehler an einer Fürstin, meine liebe Tochter, ist nicht leicht zu nehmen; er hat zur Folge, daß alle Höflinge, die gewöhnlich Müssiggänger und die wenigst achtungswerten Leute des Staats sind, einem den Hof machen, und die rechtschaffenen Leute fern bleiben, weil sie sich nicht lächerlich machen und ärgern lassen wollen, und schließlich bleibt einem nur diese schlechte Gesellschaft, die nach und nach zu allen Lastern verführt. Man wiederholt überall, daß sie die Deutschen nicht auszeichnen: lassen Sie dem wahren Verdienst dieser Nation Gerechtigkeit widerfahren. Wenn Sie von einigen Lächerlichkeiten im Äußern oder der Aussprache, oder ihrer Art sich zu frisieren absehen, werden Sie im Gegenteil viel wahres Talent und Verdienst bei ihnen

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finden, von denen alle Ausländer soviel Aufhebens machen.

Ich kann mir Ihre Verlegenheit vorstellen, als Sie Broglie seiner Frau wegen abweisen mußten: ich kann nicht leugnen, daß ich ihn achte, denn er hat in der kritischsten Situation meines Lebens, in der ich mich nach der Schlacht bei Prag befand, viel Eifer für mich gezeigt. Sie können ihm bei Gelegenheit mitteilen, daß ich mich dessen immer erinnere. Ich war entzückt, daß Durfort Zutritt bei Ihnen hatte, er verdient es durch seine wirklichen guten Eigenschaften, und weil er das Glück hatte, unsere Verbindung durch ihre Heirat zu bestätigen.

Alles, was ich über die Art höre, wie Ihr vier jungen Leute zusammen seid, macht mir viel Vergnügen; Ihre Schwägerin gefährdet Sie nicht und ist, hinsichtlich der äußeren Erscheinung, keine Konkurrenz für Sie, aber sie hat einen festeren Charakter und mehr Kenntnisse, und Sie können, wenn Sie sich an sie anschließen, nur gewinnen, und nach dem Lauf der Dinge werden Sie lange Jahre miteinander zu verbringen haben. Also schließen Sie sich aneinander an und ziehen Sie Nutzen für sich

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selbst wie für den Staat daraus. Solange Sie sich gut vertragen, wird es wenig Leute geben, die zu intrigieren wagen, aber die geringste Abkühlung würde ihnen freie Bahn dazu geben, und Sie würden die Unannehmlichkeiten für Ihre Ruhe und Ihr Behagen dann recht sehr empfinden.

Mercy teilt mir mit, daß Ihnen das kleine Schreibzeug, das ich Ihnen schickte, viel Freude gemacht hat, daß Sie sogleich meine Fenster gesucht haben und die niedlichsten und rührendsten Dinge gesagt haben. Stellen Sie sich vor, welchen Eindruck das auf mich gemacht hat, verderben Sie nicht diesen Fonds von Zärtlichkeit und Güte, den Sie haben, und ahmen Sie jene Originale nicht nach, die nie in der Öffentlichkeit Erfolg gehabt haben, trotz ihres wirklichen Verdienstes: was man diese nie lehren und wofür Sie nie Beispiele hatten, um sich bilden zu können, ist Ihnen natürlich, und Sie haben herrliche Wirkungen davon gesehen. Ich hoffe, daß meine häufigen Wiederholungen Sie weniger langweilen, als Sie überzeugen, daß sie nur von meiner Zärtlichkeit diktiert werden, ich, die Sie glücklich zu sehen wünscht und die Klippen, an denen die Jugend scheitert, entfernen möchte.

An Gräfin Rosalie von Edling

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An Gräfin Rosalie von Edling

Gräfin Rosalie Edling, Gattin des Grafen Johann Jakob Edling, war die vertrauteste Freundin Maria Theresias.

Undatiert (Jänner 1761)

Liebste Salerl. In meiner großen Betrübniß, einen so lieben Sohn, als wie der Karl war, verloren zu haben, habe keine andere Consolation, als meiner guten alten Freunde mich zu erinnern, wo Du eine der Ersten bist, und niemals genug Dir meine Erkenntlichkeit bezeigen kann für alles Gute, was ich Dir schuldig bin. Es ist hier ein sehr habiler Oculist, Wenzel genannt, der sehr Vielen völlig geholfen, auch die schon sehr in Jahren, als wie Feldmarschall Moltke, Frau von Menßhengen und Andere. Er operiert viel geschwinder, weniger schmerzlich, und kann der Staar niemals mehr zurückkommen, weil er ihn nicht sticht, sondern herausnimmt und die ganze Operation eine und eine halbe Minute dauert und nicht mehr Schmerzen als ein Aderlaß macht. Wenn Du Dich resolviren könntest, ihn zu sehen, so will Dir ihn schicken; Du dürftest

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Dich um nichts sorgen, da ich mich von Allem chargire; es soll Dir auch nichts kosten als das Logement. Ich erwarte also Deine Antwort und wäre wohl vergnügt, wenn ich Dir zu etwas nützlich sein könnte. Bete für mich, da ich es in Allem nöthig habe, denn Gott mir viel auferlegt. Ich verdiene es nur allzuwohl; verlange nichts Anderes als zu seiner Ehre und zum Nutzen der Länder und Heile meiner Kinder, so lang Gott es noch will, mein Leben anzuwenden, so traurig es auch jetzt und künftig noch zu sein scheint. Seine Gnade aber ist mir dazu höchst nöthig, denn ohne selbe ist der Mensch nichts, und ich noch weniger als ein Anderer.

Liebste Salerl, ich wünschte statt dieses (Briefes) mit Dir reden zu können, und bleibe allzeit Deine gewiß treue alte Freundin

Maria Theresia.

*

(Eigenhändiger Zusatz zu dem Kabinettschreiben der Kaiserin vom 26. Februar 1761.)

Ich schicke Dir, liebste Salerl, Dienen Brief zurück. Gott gebe, daß ich bald getröstet werde mit einem Frieden, nicht wegen mir, sondern wegen der armen Länder; dies ist jetzt, was ich am meisten wünsche. Was mich anbelangt, ist Alles Gott übergeben; ich verdiene nichts; sein heiliger Wille sei in Allem erfüllt an mir. Der Oculist, dem ich den Artikel Deines Briefes vorgelesen, will die Operation

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nicht unternehmen. Er meldet, weil Du noch einen Schein hast, schon bei Jahren bist und das vorige Jahr solche Rheumatismen ausgestanden hast, er sich nicht getraut. Nimm also meinen guten Willen für das Werk an, und sei versichert, daß ich oft bei Dir bin. Adieu.

Maria Theresia.

*

(Eigenhändiger Zusatz zu dem Kabinettschreiben der Kaiserin vom 9. Juli 1761.)

Ich rekommandiere Dir und Deinen Poverellen die jetzigen Kriegs- und Friendensumstände, daß letzterer bald zu Stande kommen könnte. Rekommandiere Dir auch besonders mein junges Ehepaar; sie ist voller Tugend und Qualität; ich kann Gott nicht genug dafür danken.

*

Den 21. Februar 1766.

Liebste, beste und älteste Freundin! Wer hätte es jemals gemeint, daß Du mich als Witwe sehen sollst!

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Gott hat dieses schwere Schicksal über mich verhängt; seine Gnade, sein Wille ist es allein, der mir helfen kann es zu ertragen. Den vollkommensten, den liebenswürdigsten Herrn habe ich verloren; seit dreiundvierzig Jahren war mein Herz ihm allein ganz zugethan; er war mein Trost in allem in meinem harten Lebenslaufe, jetzt ist nichts mehr für mich. Wie glücklich fände ich mich, wenn ich bei Dir, auch bei Deinen Poverellinen meine letzten traurigen Tage und in der Stille mein Seelenheil beschließen könnte! Auch diesen Trost habe ich nicht und (muß) wegen so vieler Kinder, die, vorhin mein Vergnügen, jetzt mir große Sorgen und Kummer machen, noch in dem Getümmel der Welt bleiben, welches mir schier unerträglich scheint.

Ich habe drei Männer, die mir in diesem Zustande sehr nöthig waren, verloren: den Haugwitz, Daun und Thurn bei meinem Sohne in Italien. Man findet jetzt wenig mehr solch’ gute Christen und wahre Deutsche, wie diese waren. Bete für mich, liebste Salerl, daß Gott mich erleuchte und stärke, so lang ich noch in dieser Welt herumkugeln soll, und sei versichert von meiner wahren Freundschaft.
Maria Theresia.

Ich schicke Dir hier eine traurige Denkmünze die aber jetzt mein einziger Trost ist.

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Den 12. Mai (1766).

Meine älteste, liebste Freundin! Heute empfange ich ein Schreiben von meinem lieben Sohne aus Florenz und lasse allsogleich den Auszug machen, um Dir ihn zu schicken, damit Du Deinem Eidam allsogleich die Freude machen kannst. Nicht einen Tag hätte ich es mögen verschieben, da ich mir seine Freude vorstellen kann, weil ich sein Verlangen gesehen und in dieser Welt nichts anders ist, als andere vergnügt zu sehen, wenn man auch selbst die unglückseligste Person ist. Er kann also von nun all’ seine Passus machen, auch mich zitieren, daß ich ihm die Resolution meines Sohnes zu wissen gemacht. Heute vor fünfundzwanzig Jahren um zwei Uhr in der Nacht war der glücklichste Tag, den ich in meinem Leben gehabt, nach dem 12. Februar 1736. Diese Tage sind aber jetzt Tage der Tränen, und ich wende selbe in höchster Zurückgezogenheit ganz dazu an, um Gott zu danken für seine vergangenen großen Gnaden, und ihn für die Zukunft um ein glückseliges Ende zu bitten, welches ich von seiner Barmherzigkeit bald verhoffe. Bitte für mich, liebste Salerl, ich habe es nötig und bin allzeit Deine getreueste

Maria Theresia.

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Meinen Gruß Deinem Herrn und dem Erzbischof. Deinen Eidam habe ich auf meinen Brief so lang warten lassen; habe es allzeit vergessen. Mein Kopf ist schwach, weil das Herz weg ist.

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Den 5. Oktober 1768.

Liebste Salerl! Durch Deinen frommen und gescheiten Sohn schicke ich Dir diese Zeilen; er sieht sehr viel einer seiner Schwestern gleich. Ich habe mich mit Freuden der Zeiten erinnert, wo ich Dich mit ihm gesehen. Gott sei gedankt, meine zwei Söhne und meine Enkelin sind ganz hergestellt; ich schreibe es veil dem eifrigen Gebet soviel guter, frommer und getreuer Leute zu. Dein Sohn hat selbe gesehen, wird Dir das noch mehr sagen können, wie auch unser Philipp, der beständig dabei war, und bin mit ihm recht wohl zufrieden, ausgenommen daß er kein Kind hat. Deinem Manne, Deiner Tochter, dem künftigen Weihbischofe vieles von mir, besonders aber mache meine Danksagung meinem Erzbischof und wahren Freunde wegen des Gebetes für die Kinder und mich. Ich habe es höchst nötig, da ich täglich älter und schwächer werde und weniger nutz, alles lau, matt verrichte, welches an meinem Platze eine große Verantwortung nach sich zieht.

Hab’ mich allzeit ein wenig lieb; ich verbleibe allzeit Deine getreueste

Maria Theresia.

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Undatiert (Juli 1769).

Liebste Salerl! Wenn mich noch etwas hätte lüsten können, so wäre es gewesen, mich einzupacken mit meinem werten Erzbischof, um Dich noch einmal zu sehen, und die Freude des Vaters, seinen Sohn zu verehren, un ein wenig auch meinen Sohn Joseph eher wiederzusehen, der sehr viel gilt. Er hat viel von seinem Vater, ist aber weder so schön noch so vollkommen. Du hast, meine Liebe, diesen großen Herrn gekannt seit zehn Jahren; Du kannst Dir also vorstellen, was sein Verlust mich kostet. Der Wille Gottes allein muß alles übertragen machen; mich freut aber nichts mehr in der Welt, möchte gern daraus sein. Deine getreueste Freundin und Elevin

Maria Theresia.

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Den 7. August (1769).

Liebste Salerl! Die zwei Patres Mayo schicke ich Dir wiederum zurück; sie werden Dir viel erzählen können, was sie hier und in Ungarn gesehen, aber niemals genug exprimieren können meine Freundschaft für Dich und wahre Hochschätzung. Meine äußerliche Gesundheit scheint zwar gut; ich bin sehr fett, mehr als meine hochseligste Frau Mutter, auch rot, besonders seit den Blattern, aber die Füße,

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Brust, Augen gehen zugrunde; erstere sind sehr geschwollen; ich erwarte täglich das Aufbrechen. Die Augen sind gar hinweg; das Übelste ist, daß ich kein Glas noch Brillen brauchen kann. Die Brust fühlt, glaube ich, einen guten Anfang von Dampf, denn mit dem Atmen, auch ebenen Fußes und sogar im Liegen es schwer geht. Ich kann mich nicht beklagen; der Mensch muß aufhören. Fünfzig Jahre war ich ganz gesund; es ist billig, daß ich doch auch etwas empfinde; es ist eine Barmherzigkeit Gottes.

Gottlob, meine Familie bringt ich recht hübsch voneinander. Der Kaiser hat mich nach so langer Abwesenheit wohl unerwartet erfreut. Er ist mager geworden; in einem halben Monat geht er wiederum in die Lager. Von sechzehn Kindern bleiben mir jetzt sechs im Hause; in ein paar Jahren nur drei, denn auf den Kaiser kann ich nicht Rechnung machen, weil er gern überall ist, nur nicht zu Hause; die Jahre werden das auch ändern. Vom Heiraten ist jedoch keine Hoffnung, welches mich sehr betrübt.

Mein jüngster Sohn wird noch heuer von meinem liebsten Schwager als Koadjutor des Deutschmeisters gewählt werden. Meine Enkelin, die kleine Therese, wird täglich angenehmer und schöner. Ich rekommandiere

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Dir all’ meine Kinder, besonders die zwei verheirateten Töchter in Italien, in Dein und Deiner Landsleute Gebet. Ich schicke Dir hundert Dukaten, wo Du willst Almosen zu geben. Mit dem Lanthieri und Deinem Sohne bin ich wohl sehr gut zufrieden, auch mit Coronini. Du wirst drei Hofdamen von mir in Visite gehabt haben; bin ihnen schier neidisch, meine liebe Salerl gesehen zu haben. Ich verbleibe allzeit Deine beste Freundin und Dein altes Ziehkind

Maria Theresia.

Deinem Herrn und Deiner Tochter viel Gnädiges von mir.

Ich schicke Dir dieses Porträt, bin aber nicht so schön, viel röter. Die Tracht der Kaiserin Amalie soll Dich und alle täglich erinnern, für meinen liebsten, unvergleichlichen Gemahl zu beten. Wir befinden uns wirklich in dem unglücklichsten Monat.

*

den 9. Oktober (1769).

Liebste Salerl! Ich habe Dein Schreiben und die Brillen bekommen, und ich danke Dir dafür, kann aber durch diese auch so wenig sehen als durch alle anderen. Nachdem mir meine Augen zweiundfünfzig Jahre gut gedient, kann ich weiter nichts mehr fordern, als daß alles geschehe, was

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Gott will. Dein Sohn Philipp wird Dir mehr von uns erzählen können. Heute früh ist ein Kurier aus Brüssel von meinem Schwager gekommen, daß mein jüngster Sohn am 3. als Koadjutor vom deutschen Orden ist erwählt worden. Dieses Etablissement freut mich. Er wird bis fünfundzwanzig Jahre kein Gelübde ablegen, also nie ein Geistlicher werden, außer ein Karthäuser oder Kapuziner, ein rechter Geistlicher, kein Bischof oder Kurfürst.

Deinem Herrn Sohne Rudolph gabe ich indessen eine Pension von sechshundert Gulden, bis ein konvenables Benesizium leer wird. Ich nehme allen Anteil an dem Vergnügen, die Familie beisammen zu haben, und bin allzeit Deine getreueste

Maria Theresia.

*

Den 30. August (1776?).

Liebste Salerl! Nach der Gewohnheit von etlichen und fünfzig Jahren in fünf Tagen kommt Dein Ehrentag, den ich niemals vergesse bei der heiligen Messe. Unser wertester Erzbischof kommt wieder zu Dir. Ich bin ihm und Dir neidisch, denn gern und nötig für mein Seelenheil wäre, in Ruhe und Stille meine alten schweren Tage zu endigen.

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Ich schicke Dir spanischen Tabak; wenn Du ihn gut findest oder Dein Herr, so kann ich Dich öfter bedienen, und schicke Dir eine Dose wie einen Stammbaum, wo der jetzige Kaiser und ich sind, der König und die Königin von Frankreich und Heinrich IV. oben. Sie ist mir aus Paris geschickt worden, eine rechte Kinderei. Deiner treuen Sekretärin Esther schicke ich die andere Kleinigkeit, und sei persuadiert von meiner alten Freundschaft, Liebe, Hochschätzung und Darkbarkeit.

Maria Theresia.

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Undatiert (Sommer 1778).

Liebste, best, älteste gute Freundin! Die Castellini wird Dir diese meine Zeilen überbringen und Dich versichern, wie ich Dich allzeit liebe und verehre. Ich rekommandiere sie Dir nur ganz allgemein, nicht besonders. Ach Gott, in was für Umständen bin ich! Sie sind nicht zu beschreiben. Untröstlich und kummervoll an Seele und Leib, für meine wertesten treuen Länder, für meine Söhne. Das arme Böhmen! Ich kann nichts mehr sagen, als: Dein Wille geschehe! Schwer, bitter der Kelch, aber allzeit Deine getreueste

Maria Theresia.

An Gräfin Enzenberg

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An Gräfin Enzenberg

Sophie Amalie Gräfin Enzenberg, Gattin des Grafen Ignaz Cassian.

den 20. Februar 1775.

Meine liebe Enzenberg! Ich wünsche sehr, daß Wolkenstem Sie in besserem Zustand wiederfindet, als er Sie gelassen hat, und daß die Schokolade Ihnen zusagt. Es gibt zwei Sorten, beide ohne Vanille, wenn Sie noch mehr davon haben wollen, brauchen Sie es nur durch Ihren Sohn sagen zu lassen, von welcher Sorte, ich verstehe mich nicht darauf, weil ich nie welche nehme.

Ich war gestern so beschäftigt, weil Sonntag war und der doch für das Publikum bestimmt ist, so daß ich erst um 9 Uhr abends in mein Kabinett kam. Ich war so von Müdigkeit überwältigt, daß ich diesen Brief vergessen habe. Ich schreibe Ihnen um 2 Uhr nachts, nachdem ich meine vier Stunden Schlaf hatte. Ich höre nur Wagen, die zur Redoute fahren oder zurückkommen. Ich sitze lieber an meinem Tisch, um mich mit meiner lieben Freundin zu unterhalten, als daß ich mit der vornehmen

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Gesellschaft dieses Vergnügen teile, das sehr schön für die jungen Leute ist, aber nicht mehr für uns paßt. Glücklich sind diejenigen, die sich kennen und darnach handeln. Sie werden überall hören, daß es mir gut geht; ich glaube es, weil alle Leute es sagen. Ich verbringe die Jahre, die Monate, die Tage in derselben Einfachheit, in derselben Bitterkeit wie den ersten Tag, und oft ist es mir ein Trost, daß die Verstorbenen nicht zurückkehren, und daß ich mich jeden Augenblick meinem Ende nähere, aber ich zittere vor der fürchterlichen Rechenschaft, die ich ablegen muß. Nur die große Barmherzigkeit Gottes und meine guten Absichten ermutigen mich . . .

Aus der Instruktion für die Erzherzogin Karoline

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Geboren 1752, gestorben 1814, heiratete am 12. Mai 1768 den König Ferdinand von Neapel und Sizilien. Diese Instruktion verfehlte, wie der Lebenslauf der Königin Karoline zeigt, völlig ihre Wirkung. Die Mahnung Maria Theresias, sich nicht in die Regierungsgeschäfte zu mischen, blieb fruchtlos: Karoline herrschte unumschränkt über den König und das Reich. Und wenn die Mutter ihr schreibt: ,,Es würde Ihnen schlecht anstehen, den Engländern Zuneigung zu zeigen”, so hat es Karoline zeitlebens mit den Engländern gehalten. Ihr Premierminister war ein Engländer John Acton, Lady Hamilton, Lord Nelsons Geliebte, ihre Vertraute; Lord Nelson selbst half ihr im Kampfe gegen Frankreich. Denn seit der Hinrichtung Marie Antoinettes wird Karoline, die von der männlichen Entschlußkraft ihrer Mutter am meisten geerbt hatte, die Rächerin ihrer Schwester und ermüdet nicht im Kampfe gegen die französische Revolution und Napoleon, zumal sie durch ihre Heirat ein Mitglied des in Frankreich abgesetzten Hauses Bourbon geworden war. So ist sie das einzige der Kinder Maria Theresias, das im napoleonischen Zeitalter eine große Rolle gespielt hat. Napoleon nannte sie in dem Dekret, das die Absetzung der Bourbons in Neapel aussprach, um das Reich seinem Bruder Josef zu übertragen, eine ,,verbrecherische Frau”.

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Undatiert (Anfang April 1768).

Meine liebe Tochter! Ich habe nie etwas unternommen, das mich so interessierte und beschäftigte und das mir zugleich so viel Stoff zum Nachdenken und zur Unterhaltung bot, als die Sorge, die ich übernahm, um Sie zu befriedigen durch Ratschläge für Ihre zukünftige Stellung. Man muß sie unter zwei Gesichtspunkten betrachten: der eine betrifft Ihre Ehe und der andere Ihre Eigenschaft als Souveränin. Ich werde versuchen, soviel es mir meine zärtliche Liebe zu Ihnen und meine Lebenserfahrungen eingeben, Ihnen wenigstens die Hauptgrundsätze über diese beiden Gegenstände zu geben. Obgleich es so viel Bücher giebt, die diese Materien gründlich behandeln und zwar besser als ich es zu tun vermöchte, so genügt mir Ihr Vertrauen in mich, um mich dieses Werk unternehmen zu lassen, trotzdem es mich etwas Mühe kostet. Ich habe Gott recht angefleht, mich genügend zu erleuchten, damit ich imstande bin, Sie gut zu beraten und dadurch zu Ihrem gegenseitigen Glück beizusteuern, welches die Hauptsorge einer Sie zärtlich liebenden Mutter ausmacht. Ich fange an mit Ihren Pflichten als Königin und als Gattin und lasse zum Schluß die folgen, die sich auf Ihr Privatleben beziehen.

Ich spreche Ihnen nur von Ihren Pflichten im großen und ganzen, und bitte Sie, alle Quatember

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die Ratschläge einer Mutter durchzulesen, die nur für Ihre Kinder lebt, sie alle zärtlich liebt und die nur den Wunsch und nie ein anderes Ziel gehabt hat als vor allem ihr Seelenheil und alsdann ihr Glück auf dieser Welt, das nicht ausbleiben kann, wenn Sie nie den Pfad der Tugend verlassen und wenn Sie genau Ihre religiösen Pflichten zu Hause und im öffentlichen Leben erfüllen. Da der liebe Gott Sie zum Herrschen bestimmt hat, müssen Sie ein Beispiel geben, besonders in dieser entarteten Zeit, wo man unsere heilige Religion so wenig ausübt und liebt. Die Großen scheinen sich zu schämen, Religion zu haben und sie zu bekennen, und was das Volk betrifft, so ist es zum großen Teil in Aberglauben befangen, den man zwar nicht vor den Kopf stoßen darf, man muß aber suchen, die Geister nach und nach zurückzuführen durch Einsetzung eifriger Pfarrer und guter Schulmeister, um wenigstens die Jugend zu bilden, da es schwierig ist, Leute im späteren Alter zu ändern. Es ist also Hauptpflicht eines Souveräns, sich onhe Unterlaß damit zu beschäftigen.

Das Beispiel eines Souveräns ist allmächtig. Betrachten Sie das Ihres Bruders (Leopold), der mir sehr zum Trost gereicht, da er mit Eifer zum Abendmahl

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geht und alle seine religiösen Pflichten erfüllt. Ich hoffe, daß Sie es ebenso machen werden, jedoch immer mit Einwilligung Ihres Beichtvaters, dessen Warnungen und Ratschlägen Sie sich in allem, was Ihr Gewissen betrifft, unterwerfen müssen. Wenn Sie nicht dieses Vertrauen in ihn haben, nehmen Sie sich lieber einen andern; im Punkt der Leitung Ihres Gewissens müssen Sie beruhigt sein, da der geringste Zweifel Sie in große Gefahren und Verwirrungen führen könnte und auf diesem Gebiet nichts leicht zu nehmen ist. Erinnern Sie ihn immer, Ihnen aufs klarste und reinste die Wahrheit zu sagen; er soll Sie in nichts schonen und Sie behandeln wie alle übrigen Menschen. Sie müssen es ihm wenigstens alle Quatember wiederholen. Da er ein Mensch ist wie die andern, könnte er sonst darin nachlassen, vor allem wenn er sähe, daß es Ihnen mißfällt, aber wenn Sie ihn anfeuern, seine Pflicht zu tun, wird er mit um so größerer Genauigkeit sich ihr unterziehen. Auch müssen Sie zugleich seine Meinung und Ratschläge mit Ehrfurcht, Milde, Demut und Unterwerfung in Empfang nehmen, damit er sich nicht einbildet, die Wahrheit mißfalle Ihnen oder erbittere

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Sie. Als Sourveränin haben Sie einen schwierigeren Stand als eine andere Frau. Auch hoffe ich, da die Quatember Bußtage sind, so werden Sie sich alsdann mit mehr Sorgfalt sammeln, indem sie eingehender über Ihre Pflichten nachdenken und darüber, wie Sie das verflossene Vierteljahr verbracht haben, und Gottes Beistand anrufen, damit er die Vorsätze stärke, die Sie für das kommende Vierteljahr fassen.

Sie dürfen Ihren Beichtvater in keine andere Angelegenheit, sei sie allgemeiner oder privater Natur, hineinziehen, als in die, welche Ihr Gewissen und seine Anleitung, Religion oder Sitte betrifft. Wer könnte Ihnen in diesen Dingen bessere und umfassendere Ratschläge erteilen? Ich zittere, wenn ich sehe, wie der Unglaube überall zunimmt. Weit davon entfernt, die Religion in Ehren zu halten, bemühen sich diejenigen, die welche haben, sie zu verbergen. Ein Wort am rechten Ort, ein ernster Blick, der die sich Erdreistenden zum Schweigen bringt, tun sehr gute Wirkung, und es gehört zu unsern Pflichten, sie hervorzubringen.

In Sachen Ihres Gewissens und Ihres Verhaltens verbergen Sie Ihrem Beichtvater nichts oder suchen Sie sich im Zweifelsfall noch einen Theologen, dessen Sitten und Wissen bewährt sind, um seinen Rat einzuholen. Für seine Seele kann man nicht zu viel tun.

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Man muß ihre Lehren befolgen und aufrichtig mit ihnen sprechen, ohne sie jedoch in das Privatleben hineinzuziehen oder auf vertraulichem Fuß mit ihnen zu stehen. Betrachten Sie sie stets voll Ehrfurcht und als Ihre Richter! Erzählen Sie ihnen weder Geschichtchen noch verwickeln Sie sie in irgend welche Angelegenheit! Vor allem dürfen Sie nicht mit Ihren Leuten vertraut werden und sich auch nicht mit Ihnen unterhalten. Man kann zwar nicht verhindern, daß sie Sie sehen, aber sie sollen nicht in Verbindung mit Ihnen treten. Aus diesem Grunde ist es besser, sie fortzuschicken, als sie zu lange in den Vorzimmern warten zu lassen, was unfehlbar eine Vertraulichkeit erzeugen würde.

Achten Sie diejenigen, die die Religion lieben und pünklich in ihrer Ausübung sind, und zeigen Sie Ihre Achtung! Schenken Sie ihnen Aufmerksamkeit, zeichnen Sie sie aus, und lassen Sie die andern, die von ihren Religionspflichten abweichen, das Gegenteil fühlen. Das sind die einzigen Mittel, deren ich mich immer mit gutem Erfolg bedient habe. Ich wünsche, daß es an Ihrem Hof ebenso ordnungsmäßig hergehen möchte wie an dem meinen, und daß er auch solch eine Fülle von guten Christen, ehrlichen Männern und Frauen und Leuten von tadellosen Sitten haben möchte, wie ich das Glück hatte, sie bis heute um mich zu sehen. Aber um

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dahin zu gelangen, bedarf es ständiger Aufmerksamkeit, die nie erlahmt, da das geringste Wort oder die kleinste Nachgiebigkeit alles erschüttern kann.

Ich wage sogar, Ihnen die Versicherung zu geben, daß nicht nur Ihr Seelenheil, sondern auch Ihr irdisches Glück davon abhängig ist. Ohne Religion keine guten Sitten, kein Glück, keine Ruhe in iregend welchem Stand, am wenigsten im Ehestand, dessen Süßigkeit doch das einzige wahre Glück auf dieser Welt ist. Ich wünsche es Ihnen ebenso vollkommen, wie ich es neunundzwanzig Jahre hindurch besessen habe.

Bemühen Sie sich durch alle Ihre Handlungen und Reden zu zeigen, daß Sie nur Tugend und Gradheit lieben und schätzen, daß Sie Ihr Vertrauen nicht leichtfertig verschenken, und daß Sie es nur rechtschaffenen Leuten gewähren. Seien Sie gegen jedermann gnädig; zeigen Sie keinen Hochmut, aber seien Sie noch weniger vertraulich, am wenigsten gegen Männer. Sie sind sehr jung, desgleichen Ihr König; hüten Sie sich vor Leuten Ihres Alters, es wäre Ihnen natürlich, sie andern vorzuziehen, machen Sie sie jedoch nie zu Ihren Vertrauten, und hören Sie nciht auf ihre Berichte! Sie können sich mit ihnen amüsieren, aber ohne mit ihnen vertraulich zu werden.

Aller Anfang ist schwer, und Ihre Lage ist

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schwieriger als die einer andern, aber Gott, der Sie seit Ihrer Kindheit sichtlicht beschützt hat, wird seine Hand nicht von Ihnen nehmen, wenn Sie auf dem Pfad der Tugend bleiben, wenn Sie in Ihren Gebeten, in der Ausübung der Frömmigkeit und vor allem in der geistlichen Lektüre genau sind. Sie sind mit einer schönen Bibliothek versehen; ich empfehle Ihnen, die moralischen Abhandlungen über die Evangelien zu benutzen. Vielleicht haben Sie das Glück, dem König Geschmack an der Lektüre beizubringen, an die Sie sich um so genauer halten müssen, als Sie nicht alle Sonntage Predigten haben werden, die in Italien gewöhnlich nur im Advent und in der Fastenzeit gehalten werden. Wenn es aber welche gibt, dann versäumen Sie nicht, ihnen beizuwohnen und lassen Sie auch Ihren ganzen Hof teilnehmen.

Das Almosen ist eine weitere Hauptpflicht. Ich glaube, mit Rücksicht auf Ihre Einkünfte genügt es, Ihrem Beichtvater monatlich hundert Gulden für die Armen zu geben. Ich sage nicht, daß Sie sich auf diese Summe beschränken sollen, aber ich glaube, Sie könnten sie festsetzen. Im übrigen ist eine große Fürstin gezwungen, mehr zu geben, doch möchte ich nicht, daß Ihre Geschenke durch die Hände der Frauen oder selbst der Damen gingen. Sie könnten durch den Minister oder irgendeinen

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andern Ehrenmann von den Bedürfnissen Ihres Nächsten unterrichtet werden, und alsdann heißt es, ihm helfen, soviel Sie können, selbst wenn Sie irgend ein Vergnügen aufgeben müßten, was das Almosen nur desto verdienstlicher macht.

Mischen Sie sich nur so weit in Geschäfte ein, als der König es wünscht und Sie glauben, Sie könnten ihm nützlicher sein als jemand anderes. Das ist eine sehr kitzliche Frage; eine andere Mutter würde Sie antreiben, zu suchen, an den Geschäften teilzunehmen, aber ich kenne nur zu gut ihre ganze Schwere und Mißlichkeit, um Sie da hineinziehen zu wollen. Soweit Sie es können, sind Sie gezwungen, Ihrem Nächsten zu helfen und zu nützen. Möge er bei Ihnen wenigstens Linderung in seinen Nöten finden, indem Sie ihn anhören und trösten, aber nichts darf geschehen ohne Genehmigung und Zustimmung des Königs. Wenn er Sie auch an der Regierung teilnehmen lassen will, Sie von den Geschäften unterrichtet und mit Ihnen davon spricht, Sie um Rat fragt, so lassen Sie es niemals merken, lassen Sie ihm vor der Welt die ganze Ehre, begnügen Sie sich mit seiner Liebe und seinem Vertrauen als einzigem Gut, das unbezahlbar ist. Wenn es Ihnen gelingt, durch Ihr ordentliches Betragen, Ihre Genauigkeit in der Pflichterfüllung, Ihre äußere Anmut, Ihre Leutseligkeit, Ihre Bereitwilligkeit,

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allen Wünschen Ihres Gatten zuvorzukommen, wenn Sie als einziges Ziel haben, ihm zu gefallen und nützlich zu sein, wenn Sie erst diesen Punkt erreicht haben, der sehr von Ihrem ersten Auftreten abhängt, so wird Ihnen das übrige leicht sein und mühelos auszuführen. Es kommt also darauf an, das Herz und Vertrauen Ihres Gatten zu gewinnen, aber Sie müssen es verdienen, und Sie können es nur erwerben, indem Sie sich durch Anmut und Gefälligkeit liebenswert machen, ohne ihn je Überlegenheit fühlen zu lassen; das ist eine Hauptsache, deren Fehlen vielleicht die einzige Ursache der geringen Eintracht ist in vielen Ehen. Sie müssen sich in den Geschmack Ihres Gatten schicken, und wenn da etwas nicht ganz ordnungsmäßig wäre, so suchen Sie, ihn davon abzubringen, indem Sie es durch Besseres ersetzen, aber tun Sie nie, als wollten Sie ihm imponieren oder ihn kritisieren, was sich keineswegs schicken würde. Man würde sich dessen vielleicht bedienen, um ihn Ihnen zu entfremden, indem man ihm fühlbar macht und ihn glauben lassen könnte, er befände sich in einer Art Abhängigkeit von Ihnen, was das größte Unglück wäre. In Güte und Zärtlichkeit kann man wohl fühlen lassen, daß einem gewisse Dinge Kummer machen, aber stets ohne Vorwürfe und lange Erklärungen anzuwenden, noch weniger Wortwechsel.

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Das Schweigen ist der sicherste Weg, nachdem man einmal ohne Bitterkeit oder herrschsüchtige Miene sein Empfinden ausgesprochen hat, vielmehr mit freundlichem Gesicht, in verhaltenem Ton, ja selbst unter Liebkosungen. Das Vertrauen Ihres Gatten müssen Sie immer und bei allem zu erhalten suchen, das sei Ihr einziges Ziel. Man gewinnt nur, indem man sich durch Gefälligkeit Achtung verschafft, ohne in Zorn auszubrechen oder imponieren zu wollen. Sie wissen, daß die Frauen ihren Gatten untertan sind, deren Willen und selbst ihren Launen, wenn diese unschuldig sind; es gibt keine Ausnahme von dieser Regel, und man läßt ihnen hierin durchaus keine Gnade zuteil werden. Sie können also nur glücklich sein, wenn sie durch Sanftmut das Vertrauen und die Achtung ihrer Ehemänner gewinnen. Ich kann Ihnen dieses Mittel nicht oft genug wiederholen.

Sie brauchen keine Günstlinge, weder männlichen noch weiblichen Geschlechts. Diese Art von Leuten verursacht immer Störungen, und Sie müssen im allgemeinen für alle da sein. Sollten Sie aber im Laufe der Zeit einen Günstling anerkennen, so müssen Sie betonen, daß der Vorzug, den Sie diesem oder jener erweisen, stets mit Einwilligung des Königs geschieht, ohne welche Sie nichts tun wollen. Sind Sie seines Beifalls jedoch sicher, so haben Sie niemand

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Rechenschaft von IhrenHandlungen abzulegen.

Da ist noch ein zweiter heikler Punkt sowohl in Bezug auf Sie als auf das Land, welches Sie bewohnen worden. Da es sehr viele deutsche geniali gibt, so vergessen Sie nie, daß Sie als Deutsche geboren sind, und bemühen Sie sich immer die Eigenschaften zu bewahren, die für unser Volk charakteristisch sind: Güte und Gradheit. Durch Ihre Fürsprache sollen Sie diese Leute beschützen, aber ohne impegno und indem Sie eingedenk bleiben, daß es manche gibt, die unter dem Äußeren von geniali ihre eigene Gehässigkeit oder Interessen verbergen. Ich hoffe, daß der König denen gnädig sein wird, die der letzte Krieg unglücklich gemacht hat. Da es jedoch bei jeder Regierung Unzufriedene gibt und es in Neapel deren in der Tat viele geben soll, besonders unter dem Adel und der Geistlichkeit, weil sie etwas kürzer gehalten werden, als zu der Zeit, da mein Haus noch im Besitz dieses Königreiches war, wo sie wirklich mächtig und despotisch waren, ohne meinem Hause mehr Anhängigkeit zu zeigen: so wird man Sie massenhaft mit Klagen überschütten. Hüten Sie sich, sich dadurch einnehmen zu lassen, hören Sie alle an, wenn Ihr König damit einverstanden ist, geben Sie ihnen gute Worte, indem Sie ihnen Hoffnung machen, daß Sie dem König

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davon berichten würden, aber daß das alles wäre, was Sie tun könnten, da Sie seiner Denkungsart sicher sind, daß er nur wünscht, was der Wahrheit und der Gerechtigkeit entspricht, daß Sie über nichts Bescheid wüßten, und daß Sie nur dem König und seinen Untertanen nützlich sein möchten. Durch solche Antworten werden Sie die Herzen gewinnen, ohne Versprechungen zu machen, und Sie werden auch Zeit gewinnen, um sich besser unterrichten und leiten zu lassen.

Wenn man bei Ihnen jemand wegen Ungerechtigkeit oder anderer Fehler anklagt, so unterbrechen Sie zuerst den Ankläger, indem Sie ihm in Güte vorstellen, daß er wohl überlege, was er sage, da Sie die Tatsache aufzuklären gedächten; daß er im Falle des Irrtums oder der Verleumdung auf immer Ihre Gunst und den Zutritt bei Ihnen verscherzte, und daß Sie davon auch den König in Kenntnis setzen werden. Hingegen, wenn er die Wahrheit sagt, hätte er nichts zu fürchten und wäre Ihrer Unterstützung sicher. Das ist das einzige Mittel, soweit als möglich die Wahrheit zu erfahren und Intrigen abzubrechen. Dulden Sie nicht, daß man es wagt, Sie zu loben oder Ihnen zu schmeicheln, indem man vielleicht Ihren Gatten herabsetzt. Hat er Leute gern und zeichnet sie aus, so tun Sie es ebenfalls, damit es vor der Welt nicht aussieht,

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als ob Sie in etwas anderer Meinung wären. Sein Geschmack und selbst seine Launen müssen für Sie Gesetz sein. Sie müssen seine Neigungen annehmen, ihnen zuvorkommen, sie unterstützen und entschuldigen, wenn sie nichtssagend sind, denn diejenigen, die gegen das Gewissen und einen gewissen Anstand sind, dürfen Sie nicht befolgen, aber auch nicht tadeln. Schweigen und tun, als ob Sie nichts bermerkten, ist das einzige Mittel, das Ihnen in diesem Fall bleibt.

Man wird versuchen, von Ihnen und durch Sie zu erhalten, was man bisher auf geradem Wege nicht erlangen konnte. Man wird versuchen, die, welche eine hohe Stellung haben oder das Vertrauen des Königs genießen, bei Ihnen anzuschwärzen. Hüten Sie sich davor, sich diesen Leuten auszuliefern oder ihnen zuzuhören, es würde das Unglück Ihres Lebens sein. Die vollkommene Eintracht und das gegenseitige Vertrauen zwischen Ihnen und Ihrem Gemahl sind die einzigen Mittel, diese Klippe zu vermeiden. Die Welt muß glauben, daß Sie nur nach dem Geschmack Ihres Gemahls denken und handeln. Besonders anfangs, wenn Sie noch niemand kennen, wird man versuchen, Ihnen die Leute verhaßt zu machen, die vielleicht am meisten an Ihrem Gatten hängen; ein wenig Eifersucht kommt vielleicht Ihrerseits dazu, wenn wie ich hoffe, Sie zärtlich an

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Ihrem Manne hängen. Hüten Sie sich davor, sich diesem Fehler hinzugeben; Sie müssen Ihren Mann nur aus Liebe zu sich selbst lieben. Wenn er gute Minister, gute Diener hat, müssen Sie sie ihm, ohne auf sie eifersüchtig zu sein, erhalten. Welches Recht haben Sie auf das Vertrauen Ihres Mannes? Da Sie noch eine Fremde sind und den Boden noch nicht kennen, kann er Ihnen noch nicht sein ganzes Vertrauen schenken; Sie müssen es sich durch Ihr Benehmen verdienen, dann wird Ihr Glück beständiger und vollkommmener sein.

Hüten Sie sich, in Geldverlegenheit zu geraten und Schulden zu machen, es gibt nichts Beschämenderes. In jedem Falle wäre es besser, sogleich den König um Hilfe zu bitten, um wieder herauszukommen, und dann müssen Sie sich in der Zukunft besser einteilen.

Jedes Interesse und jedes Geschenk soll für immer von Ihrem Hofe und Ihnen verbannt bleiben. Diese Vorsicht ist in jenem Lande noch notwendiger als hier. Die Italiener sind lebhafter und sogar geistreicher als unsere guten Deutschen, man muß ihnen gegenüber also sehr argwöhnisch sein. Ich kenne Sie als sehr unklug und wenig vorsichtig. Es ist eine Folge Ihrer Jugend und Unerfahrenheit, Sie müssen also mehr als jede andere auf Ihrer Hut sein.

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Das einzige Mittel, den Frieden zu erhalten, ist, wenig oder gar keine Vertrauten zu haben, keine Berichte anzuhören und Geklatsch kurz abzubrechen. Wenn Sie allein sind, werden Sie um so leichter damit fertig werden, wenn Sie ein- oder zweimal erkennen lassen, daß Ihnen solche Anschläge mißfallen, und wenn Sie die Leute zum Schweigen bringen, die sich hineinmischen. Sie können und müssen es tun, aber ohne Schärfe, und Sie werden alles gewonnen haben. Ergründen Sie stets und in allem die Wahrheit, damit man merkt, daß Sie sie um jeden Preis wissen wollen, und daß Sie gegen Schurken und falsche Angeber unerbittlich vorgehen. Dadurch werden Sie sie vom Thron entfernen, der stets von Leuten dieser Art umgeben ist.

Die Impegni, Protektionen, Feindschaften und Eifersüchteleien sind in Italien mehr als hier beliebt. Nur durch ein festes, gutes und gemessenes Benehmen, soweit Ihre Lage es erlaubt, mit Großmut gemischt, werden Sie dahin gelangen, sich jedermann zu gewinnen, und das wird die Annehmlichkeit Ihres eigenen Hofes und das Wohlbehagen Ihres Volkes sein. Sehen Sie das Beispiel Ihres Bruders Leopold und seiner Gemahlin!

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Haben Sie keine Vertrauten, weder Männer noch Frauen, besonders nicht unter den kleinen Leuten, die sich nur zu sehr einschmeicheln. Man muß ihnen gegenüber beständig auf seiner Hut sein. Die kleinen Dienste, die sie uns leisten, die Erzählungen, die sie uns machen, die Gewohnheit, die wir haben, ihnen gegenüber zwanglos zu handeln, machen unsere Aufmerksamkeit in dieser Beziehung sehr wesentlich.

Machen Sie sich nie über jemand lustig, am wenigsten über Priester und Mönche. Sie müssen sie respektieren und können es ihnen nicht genug zeigen, aber ohne jede Art von Vertraulichkeit.

Wenn Sie einen Minister oder eine Dame finden, die Sie wegen ihrer Gefühle für die Religion, ihrer guten Sitten und anderer guten Eigenschaften Ihres Vertrauens würdig glauben, nachdem Sie genug Zeit dafür gebraucht haben, sie zu erkennen, zögern Sie nicht, sich ihnen anzuvertrauen! Sie können dann gar nicht genug tun, um sie eng an sich zu fesseln und die Welt davon zu überzeugen. Jedoch rate ich Ihnen, nicht mehrere davon zu haben, diese Art Leute ist sehr selten, ihre Erwerbung ist ein Glück und das größte Geschenk Gottes, das man suchen und erhalten muß. Nur die gute Meinung, die sie von unserem Charakter haben können, fesselt Sie an uns ohne

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ehrgeizige Absichten oder Interesse. Hüten Sie sich vor denen, die Ihnen aus solchen Gründen anhänglich sind, denn unser Gefolge und diejenigen, die uns umgeben, gehören gewöhnlich zu diesem Schlag. Aber dieser Fall ist bei allen Fürsten und allen Großen der gleiche; derjenige, der solche Pläne nicht nährt, darf glücklich sein. Aber diejenigen, die sich nur Ihrer Person anschließen, denen es nur um die Charlotte und nicht um die Königin zu tun ist, die Ihnen die Wahrheit sagen, ob sie Ihnen gefällt oder nicht, die müssen Sie zu fesseln und zu erhalten suchen. Aber das können Sie nur durch ein ehrliches Verhalten erreichen und durch das Vertrauen, das Sie ihnen bezeigen, und indem Sie ihren Ratschlägen folgen.

Gewöhnlich sucht man das, was man nicht auf direktem Wege erreichen kann, durch unlautere Mittel zu erzwingen. Verbieten Sie Ihren Frauen streng, sich in irgendeine Empfehlung zu mischen und Schriftstücke anzunehmen. Seien sie freundlich zu ihnen, zeigen Sie sich freigebig, aber sprechen Sie mit ihnen über nichts! Sie sollen sich gewöhnen, alle Befehle durch die Oberhofmeisterin zu empfangen und auch ihre Wünsche auf demselben Wege zu richten; diese Unterordnung ist notwendig. Behandeln Sie die deutschen Frauen nicht besser

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als die einheimischen, man muß Gleichberechtigung zwischen ihnen wahren und ihre Einigkeit fordern. Sie müssen sich absolut dem Geschmack der Nation anpassen, Sie sind dazu bestimmt, ihre Souveränin zu sein, und soweit es geht, müssen Sie sich ihren Geschmack aneignen, um sich ihr Vertrauen zu sichern. Ihre reizende verstorbene Schwägerin hat sich von dem ersten Augenblick an, als sie in meinen Staat zog, gerühmt, Österreicherin zu sein, und versucht, gleichgültige Dinge, auch die unbedeutendsten, falls sie in meinem Lande gebräuchlich waren, gutzuheißen, und das hat ihr die Liebe von jedermann eingetragen. Sie werden also vollständig Neapolitanerin werden und nicht gewisse Sitten lächerlich machen, denn alle Nationen und alle Menschen haben Eigenheiten.

In Neapel hat man eine große Vorliebe für die Engländer und viel Voreingenommenheit gegen die Franzosen. Hüten Sie sich, sich darauf einzulassen; bleiben Sie neutral, loben Sie, was an beiden Nationen lobenswert ist, die beide viel Gutes haben. Es würde Ihnen schlecht anstehen, den Engländern Zuneigung zu zeigen, da Sie mit einem Prinzen des Hauses Bourbon vereinigt und wir mit Frankreich intim verbunden sind.

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Erzählen Sie nicht viel, was Bezug auf die Länder hier hat, stellen Sie keine Vergleiche zwischen dem hiesigen Lande und dem an, in welchem Sie jetzt leben. Jedes Land hat Gutes und Schlechtes; so hat die Vorsehung die Gaben verteilt.

Haben Sie weder eine Abneigung noch eine Vorliebe für eine Nation; alle haben Gutes und Schlechtes. Seien Sie im Herzen durch Ihre Rechtlichkeit immer Deutsche und scheinen Sie in allem, was gleichgiltig ist, Neapolitanerin, doch in nichts, was schlecht ist!

An Erzherzog Leopold und seine Gemahlin

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An Erzherzog Leopold
und seine Gemahlin

Dieser letzte Brief Maria Theresias – sie starb am 29. November 1780 – zeigt das besonders herzliche Verhältnis, in dem sie zu ihrem Sohne Leopold stand, der, 1747 geboren, 1765 Großherzog von Toskana wird, 1790 als Kaiser Leopold II seinem Bruder Joseph II auf den Thron folgt und 1792 stirbt. Er war mit Marie Luise, einer Tochter des Königs Karl III. von Spanien, verheiratet.

November 1780.

Meine mehr als zärtlichen und teuren Kinder, ich bin tiefbetrübt wegen des Kuriers, der Euch gestern zugeschickt worden ist, denn ich fühlte den Eindruck, den die Nachricht auf Euch machen mußte, da ich weiß, wie sehr Ihr mir anhängt. Meine Unruhe könnt Ihr Euch denken. Ihr seid Christen und tugendhaft, das tröstet mich, und Ihr findet immer Euer Glück in Euch selbst. Gott erhalte Euch. Ich gebe Euch beiden und Euren lieben zehn Kindern meinen Segen.

Maria Theresia.

Bibliographic Information
Publication Place: 
Berlin, Germany and Vienna, Austria
Number of Pages: 
152 page(s)