Erna Morena Interview

Erna Morena

„Wie ich zum Film kam?“
Es reizte mich, durch Mimik das auszudrücken, was Worte nie vermögen; gerade das, was man dem Film stets vorwirft, scheint mir seinen Wert auszumachen, die Wortlosigkeit, die Kraft allein, durch Bewegung, Gesten, Mienenspiel die höchste Anschaulichkeit des Gefühls zu erzielen.
 

„Wie ich mich durchsetzte?“
Setzte ich mich durch? Ich weiß es noch immer nicht.  So viele männliche und weibliche Stars tauchen auf und verschwin­den, werden bewundert und fallen gelassen.  Bluff und Reklame dominieren in dieser jüngsten Großindustrie wie nirgends sonst.

„Was empfinde ich vor der Leinewand angesichts meines eigenen Spiels?“

Rückhaltlose Selbstkritik, vollkommene Objektivität.

„Läßt sich das Kinodrama auf ein höheres geistiges oder literarisches Niveau bringen?“

Solange Dienstbotengeschmack und Zensur als gottgewollte Abhängigkeiten von der größten Mehrzahl der Filmfabrikan­ten und Filmkäufer als maßgebend und bestimmend gehalten werden, solange Schriftsteller siebenten und achten Ranges ihr mageres Einkommen durch Herstellung von Filmmanu­skripten zu verbessern imstande sind, solange die abgebrauch­testen Sujets gerade für gut oder schlecht genug gehalten werden, verfilmt zu werden, solange der Film noch nicht sei­nen eigenen Stil gefunden hat, sich seines originellen und ganz selbständigen Wertes bewußt geworden ist, solange müssen alle Versuche, das Filmdrama auf ein höheres Niveau zu brin­gen, scheitern.

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